Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. DER EXPRESSIONISMUS. 4
2.1. ZEITLICHE EINORDNUNG 5
2.2. WICHTIGE VERTRETER IN DER LITERATUR 6
2.3. THEMEN, FORMEN UND STIL IN DER LITERATUR 7
3. GEDICHTANALYSE UND INTERPRETATION VON GEORG HEYMS „DER GOTT DER
STADT “ 10
3.1. FORMALE ANALYSE. 11
3.2. INHALTLICHE ZUSAMMENFASSUNG DER EINZELNEN STROPHEN. 12
3.3. INTERPRETATION 14
3.4. DIE SEMANTISCHE FUNKTION DER ADJEKTIVE UND VERBEN IM GEDICHT 19
4. SCHLUSSBETRACHTUNG: „DER GOTT DER STADT“ ALS MUSTERBEISPIEL FÜR DEN
LITERARISCHEN EXPRESSIONISMUS? 20
5. LITERATUR- UND QUELLENVERZEICHNIS 22
2
1. Einleitung
Literaturgeschichte und die dazu existierende Forschung sieht sich oftmals mit diversen Schwierigkeiten konfrontiert. Schon seit Jahrhunderten möchte sie die unüberschaubare Vielzahl existierender Werke literarischer Produktion sinnvoll ordnen und gliedern, um den Menschen eine bessere, überblicksartige Sicht auf diese Masse zu ermöglichen. Dabei entsteht immer wieder eine gewisse Uneinigkeit darüber, wie diese Masse denn zu ordnen sei. Dies liegt daran, dass Epochenabgrenzungen, wie sie in der Literatur- und Kulturgeschichte vorgenommen werden, nur Konstruktionen sind, die nicht wirklich existieren. „Epochen sind Kategorien, mit deren Hilfe die unübersehbare Flut von überlieferten Texten in eine sinnvolle Ordnung gebracht werden kann“ 1 .
Diese Ordnung ist aber nicht von real existierender Substanz 2 , sie kann auch nur selten auf den Tag genau datiert werden. Häufig laufen verschiedene Epochen oder Epochenbegriffe nebeneinander her oder überschneiden sich. Wenn diese Begriffe eine sinnvolle Ordnung liefern sollen, ist es jedoch immer wieder nötig, sich anhand beispielhafter Untersuchungen die Abgrenzungen verschiedener Epochenbegriffe zu vergegenwärtigen, da man sonst in der Vielzahl von theoretischen Abhandlungen über literarische Differenzen unterschiedlichster Epochen wiederum den Sinn für das Wesentliche verliert: Die Werke der literarischen Produktion selbst. In den Fokus dieser Abhandlung rückt die Strömung des Expressionismus und ihr literarisches Werk. Die Kunstrichtung fand im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts eine große Anzahl geistiger Vertreter und Anhänger und ist aus der heutigen Sicht eine stilistisch herausragende Bewegung gewesen. Sie ist als eine relativ kurze, aber sehr prägnante Strömung zu beurteilen, die sich kaum unter einem übergeordneten Epochenbegriff subsumieren lässt, da sie sich eklatant von anderen Bewegungen abhebt. Die stilistischen Merkmale des Expressionismus werden in vielen literaturwissenschaftlichen Werken genannt, am besten lässt sich jedoch für den Rezipienten die geistige Grundhaltung und der literarische Stil der Autorschaft an den Werken selbst nachvollziehen. In dieser Ausarbeitung wird zunächst der Expressionismus theoretisch vorgestellt. Dabei geht es zunächst darum, eine zeitliche Verortung vorzunehmen, bevor auf wichtige Vertreter der Strömung eingegangen wird. Es handelt sich vorwiegend um Autoren, die als Avantgarde der Bewegung gelten oder um Per-
1 Bogner,Ralf Georg: Einführung in die Literatur des Expressionismus. Darmstadt 2005, S. 7.
2 Vgl. ebd.
3
sonen, die gerade in der Anfangszeit der Strömung eine große Rolle für ihre Etablierung gespielt haben. Im folgenden Gliederungspunkt werden übergreifende Themen, Formen- und Stilcharakteristika des Expressionismus vorgestellt. Viele literarische Epochen sind von einer überwiegend auftretenden Textsorte, bestimmter stilistischer Eigenheiten oder wiederkehrenden thematischen Schwerpunkten gekennzeichnet, was auch auf diese Epoche zutrifft.
Um einen praktischen Bezug zu diesem theoretischen Teil der Abhandlung zu liefern, folgt darauf die Analyse und Interpretation des Gedichts „Der Gott der Stadt“ von Georg Heym. Es wird zunächst formal analysiert, wobei hier neben dem Reimschema und dem Metrum auf die Form der Verse selbst eingegangen wird, was bei expressionistischen Werken eine wichtige Grundlage für weitere Analysen und Interpretationsansätze bieten kann. Danach wird der Inhalt der einzelnen Strophen kurz geschildert, um bei der anschließenden Interpretation auf diese im Detail einzugehen und übergreifende Aspekte des Gedichts beleuchten zu können. Im letzten Gliederungspunkt dieser Ausarbeitung wird dann ein übergreifendes Fazit aus den Erkenntnissen der Interpretation gezogen. Hierbei wird darauf eingegangen, welche epochentypischen Stil-, Formen- und Themencharakteristika in dem Gedicht vorliegen, beziehungsweise inwieweit Abwandlungen und Eigenheiten von Seiten des Autors vorliegen. Es wird am Ende noch angedacht, welche Intention Georg Heym mit dem Gedicht verfolgte und ob diese der geistigen Grundhaltung der übrigen Au-torschaft entspricht.
2. Der Expressionismus
Das lateinische Wort „expressio“, nach dem die Epoche des Expressionismus benannt ist, bedeutet wörtlich übersetzt einfach nur „Ausdruck“ 3 . In der Literatur steht dieser Epochenbegriff somit schon rein vom Wortlaut her dafür, dass seine geistigen Vertreter ihre Wahrnehmung der Welt und Gesellschaft in kraftvoller sprachlicher und bildlicher Form wiedergeben.
3 Vgl. ebd., S. 8.
4
2.1. Zeitliche Einordnung
Um 1900 gab es eine Vielzahl unterschiedlicher literarischer Strömungen, die heute unter Namen wie „Fin de Siécle“, „Décadence“, „Jugendstil“ und „Symbolismus“ bekannt sind 4 . Der Expressionismus schließt sich diesen Strömungen im Zeitverlauf an, überlappt mit ihnen aber gleichzeitig auch. Begibt man sich auf die Suche nach einer zeitlichen Verortung der Bewegung, so tritt einem im deutschsprachigen Raum der Begriff „Expressionismus“ das erste Mal im Jahre 1911 entgegen 5 . Eine Gruppe junger bildender Künstler versuchte sich von den aktuellen Erscheinungen des Naturalismus und Impressionismus abzugrenzen und ihre Werke wurden im Vorwort eines Katalogs zu einer Kunstausstellung in Berlin im April 1911 erstmals mit dem Terminus des „Expressionismus“ verknüpft 6 . Schon im Sommer des selben Jahres wird der Begriff vom Schriftsteller Kurt Hiller von der Bildenden Kunst auf die Literatur übertragen, indem er eine Gruppe junger Berliner Autoren als die entsprechende literarische Bewegung kennzeichnete, zu der er sich selbst zählte 7 . Diese Gruppe, die sich der „Neue Club“ nannte, existierte jedoch bereits seit 1909, weshalb man zurecht fragen darf, ob damit nicht schon in diesem Jahr die Anfänge des literarischen Expressionismus zu suchen sind. Die Schwelle für den Epochenbeginn setzt die heutige Forschung aber meist „um das Jahr 1910“ an 8 . Dabei wird in der Literatur weitgehend übereinstimmend das Gedicht „Weltende“ von Jakob van Hoddis als einer der wirkungsmächtigsten Texte genannt, welches den Beginn der Epoche markieren soll 9 . Der „Neue Club“ bietet ab 1910 unter dem Namen „Neopathetisches Cabaret“ literarische Abende, bei dem Gedichte, wie van Hoddis’ „Weltende“ vorgetragen werden, wodurch sich die neue literarische Strömung etablieren kann 10 . Das Ende der Epoche ist etwas schwieriger zu bestimmen, da hier die Meinungen in der Forschung etwas divergieren. Viele expressionistische Autoren selbst sehen ein Ende der Bewegung zwischen 1920 und 1925 11 , manche Zeitschriften publizieren jedoch noch Ausgaben bis 1932 12 . Wichtig erscheint, dass sich die Avantgardisten der Bewegung größtenteils bis 1925 ästhetisch vom Expressionismus verabschie-
4 Vgl.ebd., S. 12.
5 Vgl. ebd., S. 8.
6 Vgl. ebd.
7 Vgl. ebd.
8 Vgl. ebd., S. 20.
9 Vgl. ebd.
10 Vgl. Vietta, Silvio/Kemper, Hans-Georg: Expressionismus. 6., unveränderte Auflage. München 1997,
S. 50.
11 Vgl. Bogner 2005, S. 21.
12 Vgl. ebd., S. 22.
5
den. Dies lag daran, dass von vielen frühen Autoren die Massenrezeption und Produktion expressionistischer Literatur und Kunst als eine Art „Verschleiß“, oder auch „Erschlaffen“ gesehen wurde, da die Literatur nun Massenware geworden war 13 . Aus diesem Grund setzen viele Werke der Literaturwissenschaft das Ende der Epoche um das Jahr 1925 an.
2.2. Wichtige Vertreter in der Literatur
In jeder Epoche gibt es wichtige geistige Vertreter, die als die Avantgarde ihrer Bewegung gesehen und bezeichnet werden. In der Literatur des Expressionismus gibt es hier ebenso einige wichtige Autoren und Personen, die die Bewegung angestoßen, aber auch vorangetrieben haben und wichtige Werke zu und von ihr, sowie über sie veröffentlicht haben. Einige wichtige Vertreter der ersten Stunde wurden bereits im letzten Abschnitt erwähnt. So etwa Jakob van Hoddis, dessen Gedicht „Weltende“ für viele Forscher der Literaturgeschichte als der literarische Epochenbeginn gesehen wird. Kurt Hiller markiert durch seine Erklärung im Jahre 1911 die Übertragung des Begriffs „Expressionismus“ von der Kunst auf die Literatur und gehört damit ebenso zu einem wichtigen Vertreter der Bewegung 14 . Weitere wichtige Autoren des „Expressionismus“ siedeln sich im „Neuen Club“ an. Zu ihnen gehören neben van Hoddis etwa Ernst Blass, Ferdinand Hardekopf, Erwin Loewenson und auch Georg Heym 15 .
Bereits ab 1910 erscheint die Zeitschrift „Der Sturm“ unter dem Herausgeber Herwarth Walden, die als eines der „zentralen publizistischen Organe der Bewegung“ gesehen werden kann 16 . In der Zeitschrift sind unter anderem Veröffentlichungen von August Stramm, Gottfried Benn und Alfred Döblin zu finden, die ebenfalls zu wichtigen Vertretern gerechnet werden dürfen. 17 Döblin veröffentlicht 1913 außerdem mit „Ermordung einer Butterblume und andere Erzählungen“ eines der bekanntesten Prosa-Werke des frühen Expressionismus 18 . Kurt Pinthus, ein zu dieser Zeit sehr einflussreicher Verlagslektor und Publizist, erkennt in diesem Werk einen Wan-
13 Vgl.ebd., S. 21.
14 Vgl. Anz, Thomas: Literatur des Expressionismus. Stuttgart 2002, S. 5.
15 Vgl. Ajouri, Philip: Literatur um 1900. Naturalismus - Fin de Siècle - Expressionismus. Berlin 2009,
S. 49.
16 Vgl. Bogner 2005, S. 9.
17 Vgl. Ajouri 2009, S. 51.
18 Vgl. Bogner 2005, S. 9.
6
Arbeit zitieren:
Florian Meier, 2010, Der Expressionismus und Georg Heyms „Der Gott der Stadt“ als beispielhafte, literarische Produktion, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Instabilität der modernen Kleinfamilie und Aspekte der „Risikogese...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Seminararbeit, 14 Seiten
Psychoanalytische Annäherung an die Räuberthematik in Schillers "...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Besonderheiten der Varietät „Türkendeutsch“ – am Beispiel der gesproch...
Seminararbeit, 15 Seiten
Verschiedene Unterrichtsmethoden
Deutsch - Pädagogik, Didaktik, Sprachwissenschaft
Hausarbeit, 16 Seiten
Die Weimarer Reichsverfassung und das Grundgesetz der Bundesrepublik D...
Gegenwart und Zukunft
Jura - Öffentliches Recht / Staatsrecht / Grundrechte
Skript, 78 Seiten
Die Darstellung der Großstadt in der Literatur des beginnenden 20. Jah...
Soziologie - Medien, Kunst, Musik
Seminararbeit, 32 Seiten
Silbenbasierte Verfahren im Anfangs- und Orthographieunterricht
Hausarbeit, 23 Seiten
Die Gerichtsshow als Subgenre des Reality TV
Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen
Seminararbeit, 34 Seiten
Das Grundgesetz - Antwort auf Weimar
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Referat (Ausarbeitung), 11 Seiten
Die Darstellung der Stadt in dem Gedicht "Der Gott der Stadt"...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 13 Seiten
Luhmanns Gesellschaftstheorie und Reflexive Modernisierung bei Ulrich ...
Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft
Hausarbeit, 10 Seiten
Die Entstehung der Weimarer Reichsverfassung und des Grundgesetzes
Jura - Rechtsphilosophie, Rechtssoziologie, Rechtsgeschichte
Seminararbeit, 24 Seiten
Das Thema Großstadt im Expressionismus - Untersucht an vier Gedichten
Städter (Alfred Wolfenstein), ...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Studienarbeit, 29 Seiten
Die Rolle der Familie in Schillers "Die Räuber"
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Schillers 'Die Räuber' in der Inszenierung von Nicolas Stemann...
Hausarbeit, 26 Seiten
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur: neuer Titel erschienen: Der Expressionismus und Georg Heyms „Der Gott der Stadt“ als beispielhafte, literarische Produktion
Florian Meier hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare