Name: Studiengang: DKW (4. Semester) Woran zerbrach die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien?
Inhalt:
1 Auseinanderbrechen nach über 40 Jahren
1.1 Literaturbericht
1.2 Die Entwicklung der Staatsorganisation in der SFRJ
2 Die Ursachen des Zerfalls:
2.1 Nationalismus und großserbisches Hegemoniebestreben unter Milosevic
2.2 Titos Tod
2.3 Verfassungsprobleme
2.4 Das Selbstverwaltungssystem und die Wirtschaftskrise
3 Zusammentreffen zentrifugaler Ursachen
4 Übertragung auf andere föderativ aufgebauten Staaten
5 Abkürzungen und Literaturverzeichnis
5.1 Abkürzungen
5.2 Literaturverzeichnis
3
1 Auseinanderbrechen nach über 40 Jahren
Der Balkan ist seit Jahrhunderten schon ein Krisenherd, in dem im letzten Jahrhundert nie längere Zeit politische Stabilität herrschte. Der Bürgerkrieg, der Anfang der 1990er vor den Toren Deutschlands in Jugoslawien ausbrach, bestätigte dies wieder einmal sehr deutlich. Das nach dem zweiten Weltkrieg durch Tito gegründete Jugoslawien zerbrach nach über 40 Jahren sozialistischer Herrschaft, mit der Unabhängigkeitserklärung Sloweniens und Kroatiens. Unter schweren militärischen Auseinandersetzungen der einzelnen Republiken und Völker wurde aus der ehemaligen SFR Jugoslawien mehrere Einzelstaaten. Selbst heute, über zehn Jahre nach dem Krieg ist von einer Normalisierung der Beziehungen der neuen Balkanstaaten untereinander noch lange nicht zu sprechen. Im Kosovo sind immer noch deutsche Blauhelmsoldaten, die dort für Frieden zwischen den verschiedenen Volksgruppen sorgen müssen.
Es stellt sich die Frage, wie aus der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien, das blockfrei zwischen Warschauer Pakt und NATO existierte, ein durch Bürgerkrieg in seine Einzelteile zerrütteter Staat werden konnte. Zwar gab es schon früher in Jugoslawien zum Teil größere Krisen, wie zum Beispiel die kroatisch Krise von 1971, doch konnten diese Konflikte stets gelöst werden und die SFRJ bestand weiter. 1990 war aber keine politische Lösung für die zahlreichen und über Jahrzehnte angestauten Probleme mehr zu finden. Während andere ehemaligen sozialistische Staaten sich in dieser Zeit in Konföderationen und dann Einzelstaaten friedlich aufspalteten, war dies aus mehreren Gründen in Jugoslawien nicht mehr möglich.
Damit stellt sich nun aber die Frage, woran die SFRJ nach 40-jährigem Bestehen zerbrach.
4
1.1 Literaturbericht
Schon während des Bestehens der SFRJ beschäftigten sich viele Akademiker mit den Besonderheiten des jugoslawischen Systems. Auch jugoslawische Wissenschaftler publizierten Aufsätze über das Zusammenspiel der Republiken und des Bundes. Die Aufsätze von France Vreg waren bei der Frage des Auseinanderbrechens eine Hilfestellung, wobei die Schriften, die wirklich ins Detail gehen bisher noch nicht aus dem jugoslawischen übersetzt sind. Direkt nach Ausbruch des Krieges erschienen mehrere Bücher über Jugoslawien, die versuchten die Ursachen des Ausbruchs zu analysieren. Wolgang Libal gibt in „EX-Jugoslawien“ einen guten Überblick über die Geschehnisse, die zum Ausbruch führten, geht aber nicht auf alle mir wichtig erscheinenden Punkte ein. In den Südosteuropa-Mitteilungen erschienen über die Jahrzehnte immer wieder Aufsätze, die ebenfalls sehr hilfreich waren. Besonders hervorzuheben sind dabei die Jahrgänge 1989-1993. Eine sehr ausführliche und beinahe umfassende Beantwortung der Fragestellung ist durch Katja Dominiks Dissertation „Dezentralisierung und Staatszerfall der SFR Jugoslawien“ zu erlangen, die aufgrund der zeitlichen Distanz 1 und ihrer Zusammenarbeit mit der Universität Zagreb auch neuere Erkenntnisse einbringt.
1.2 Die Entwicklung der Staatsorganisation der SFRJ
Die Verfassung der SFRJ nach dem zweiten Weltkrieg unterlief mehrere Entwicklungen, die hier nur sehr kurz angesprochen werden sollen, um die Situation vor dem eigentlichen Auseinanderbrechen darzustellen und Entwicklungen aufzuzeigen.
Die verfassungsrechtliche Entwicklung in Jugoslawien auf der Bundesebene beginnt mit der zentralistisch orientierten Bundesverfassung von 1946. 2 Das Bundesverfassungsgesetz von 1953 markiert dann die Einführung der Arbeiterselbstverwaltung, deren Konzeption die Bundesverfassung von 1963 modifizieren und verbessern sollte. Die Bundesverfassung von 1974 enthält dezentralisierende Tendenzen, während die Bundesverfassungsergänzungen von 1988 eine Rückkehr zu umfassenderen Bundeskompetenzen bewirken sollte. Die verfassungsrechtliche Neuregelungen über die Jahrzehnte hinweg führten dazu, dass sich der stark unitarisch-zentralistisch orientierte jugoslawische Staat mehr und mehr in ein dezentralisiertes, geradezu fragmentiertes Staatsgebilde umwandelte.
1 Die Dissertation erschien erst Ende 2001
2 Friedrich Trends spricht hier von „Fassadenföderalismus“ nach sowjetischen Vorbild, bei dem trotz des föderalen Aufbaus alle Macht zentral von der Spitze der kommunistischen Partei ausging.
5
2 Die Ursachen des Zerfalls
2.1 Nationalismus und großserbisches Hegemoniebestreben unter Milosevic
Nirgendwo in Europa wirkte und wirkt sich die Geschichte der Herausbildung der nationalen Identität so auf das politische Bewusstsein aus wie im Balkanraum. Die Erinnerung an den Ruhm und die Größe vergangener Zeiten war häufig der Ausgangspunkt nationaler Träume von der Wiederherstellung vergangener Großreiche. Selbstverständlich kollidierten diese Träume mit den existenziellen Interessen der Nachbarn. Diesen wurde wiederum gleiches Machtbestreben unterstellt, was zu gegenseitigem Misstrauen führte. Damit lebte der Nationalismus im Balkan von diesen historisch gewachsenen Feindbildern. 3
Die jugoslawischen Kommunisten unter Tito versuchten anfangs noch die Nationalismen der Volksgruppen durch eine einzige jugoslawische Nation auf der Grundlage der jugokommunistischen Ideologie zu formen. Diese sollte integrativ wirken und beruhte auf dem alten Mythos der Vereinigung aller jugoslawischen Völker. Schnell stellte sich heraus, dass der Versuch der Errichtung einer jugoslawischen Nation nicht erreichbar war. 4
Dennoch konnten die Völker Jugoslawiens im Bewusstsein äußerer Gefahren zusammengeschweißt werden. Diese äußere Bedrohung war dann aber nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nicht mehr vorhanden und Jugoslawien hatte somit aus der Sicht der Bevölkerung einen seiner Zwecke verloren. 5
Da der Kommunismus aber die Basis für kollektive Werte darstellte, bedeutete das Ende der Sowjetunion auch ein Zerfall dieser Werte. Ethnizität und Nationalismus waren nun die einzigen Werte, die genügend Energie freisetzen konnten, um die Massen zu bewegen. Um politische Macht zu erlangen oder zu bewahren verblieb nun als einzige Strategie die Ethnifizierung der Politik. Bewahrung, Verwirklichung und Verteidigung der ethnischen Reinheit und Einheit wurde dadurch zur obersten Priorität und andere gesellschaftliche Probleme wurden in den Hintergrund verdrängt. Dadurch wurde die Politik allein auf die Verwirklichung der ethnischen Interessen reduziert. Politische Freund-Freindbilder wurden
3 Reuter-Hendrichs, Irene: Minderheitenkonflikt im Kontext zwischenstaatlicher Beziehungen auf dem Balkan in: Südosteuropa-Mitteilungen, 1991 Heft 3, S. 184-187
4 Dominik, Katja:Dezentralisierung und Staatszerfall der SFR Jugoslawien in: Grumpel, Werner (Hg.):Wirtschaft und Gesellschaft in Südosteuropa Bd. 17, München 2001, S. 326-328,
6
Arbeit zitieren:
Alexander Grewe, 2003, Woran zerbrach die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Beziehung zwischen ESVP un...
Politik - Internationale Politik - Thema: Int. Organisationen u. Verbände
Hausarbeit (Hauptseminar), 7 Seiten
“Supporting Diversity – Strengthening Cohesion” - Multiculturalism in ...
Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Präventive Gewinnabschöpfung (PräGe)
Entscheidungssammlung in Vollt...
Jura - Öffentliches Recht / VerwaltungsR
Sammelband, 225 Seiten
Verfassungsmäßigkeit der Präventiven Gewinnabschöpfung (PräGe)
Beurteilung der Verfassungsmäß...
Jura - Öffentliches Recht / VerwaltungsR
Fachbuch, 36 Seiten
Ländervergleich: Präventive Gewinnabschöpfung (PräGe)
Rechtsgrundlagen, Rechtsprechu...
Jura - Öffentliches Recht / VerwaltungsR
Fachbuch, 98 Seiten
Das Widerspruchsverfahren im Überblick
Jura - Öffentliches Recht / VerwaltungsR
Seminararbeit, 29 Seiten
Das Fernsehen als Mittel der Staatskommunikation und der ideologischen...
Am Beispiel der Krimiserie „Po...
Jura - Medienrecht, Multimediarecht, Urheberrecht
Masterarbeit, 114 Seiten
Niedersächsisches Ausführungsgesetz zum Sozialgerichtsgesetz (Nds. AG ...
Kommentar
Jura - Öffentliches Recht / Sonstiges
Fachbuch, 24 Seiten
Alexander Grewe hat den Text Woran zerbrach die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien? veröffentlicht
Alexander Grewe hat einen neuen Text hochgeladen
Sven Mazic hat den Text Woran zerbrach die Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien? kommentiert
Sprachpolitik und nationale Identität im sozialistischen Jugoslawien (...
Serbokroatisch, Albanisch, Mak...
Ksenija Cvetkovic-Sander
Auf dem Weg zu einer sozialistischen Erziehung
Beiträge zur Vor- und Frühgesc...
Roland Gröschel
Sven Mazic
Waoran zerbrach Jugoslawien (1990) ???.
Ich bin der meinung dass das zusammenleben so vieler verschieden Nationalitäten und Ethnischen Gruppen einfach kein Land halten konnte!!!
Unter Tito der alles in seiner Hand hielt ging es noch gut aber danach gab es keine rischtige Führung mehr und Jugo zerfiel langsam!!!
am Saturday, October 16, 2004-