Inhalt der Arbeit
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1. Einleitung 3
2. Charakteristische Eigenschaften der Figuren 4
2.1 Riwalin 4
2.2 Tristan 7
2.3 Blanscheflur 9
2.4 Isolde 11
3. Die Liebeshandlungen 12
3.1 Begegnung und Liebe beim Elternpaar 12
3.2 Begegnung und Liebe bei Tristan und Isolde 16
4 Riwalin und Blanscheflur als Präfiguration von Tristan und Isolde? 18
5 Zusammenfassung 22
Literaturverzeichnis
2
1. Einleitung
Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten beschäftigen sich mit dem Thema der Elternvorgeschichte im Tristan Gottfrieds von Straßburg und deren präfigurierende Wirkung auf die Haupthandlung. Allein die Länge der Liebesgeschichte zwischen Riwalin und Blanscheflur (rund 1600 Verse) lässt die Bedeutung für die gesamte Geschichte erahnen.
Ebenfalls kann man in der Literatur, die zu der damaligen Zeit entstand, oft eine Neigung erkennen, dass eine enge Beziehung zwischen Vor- und Hauptgeschichte besteht. Diese Tendenz ist wahrscheinlich auf die Idee der Typologie zurückzuführen, die ursprünglich den Glauben bezeichnet, dass bestimmte Personen oder Geschehnisse im Neuen Testament von Ereignissen oder Persönlichkeiten im Alten Testament präfiguriert wurden und dass das Neue Testament sozusagen die Erfüllung der Vorankündigungen im Alten Testament darstellt. Im Tristan bieten sich die beiden Liebesgeschichten und die darin verstrickten Figuren zum Vergleich an. In dieser Arbeit sollen sowohl Parallelen als auch Variationen zwischen den Liebespaaren herausgestellt werden.
Ich beschäftige mich demnach mit der Analyse und dem Vergleich der Vorgeschichte mit der Haupthandlung. Dabei werde ich zuerst die Charaktere der Liebenden analysieren, wobei ich zuerst die männlichen und dann die weiblichen Figuren bearbeiten werde. Anschließend werden die beiden Liebesgeschichten unabhängig voneinander gedeutet. Im abschließenden Kapitel werde ich die Analyseergebnisse miteinander in Beziehung zu setzen versuchen um zu einem Ergebnis zu gelangen, ob man Riwalin und Blanscheflur als Präfigurationen von Tristan und Isolde betrachten kann, um somit die Fragestellung der Arbeit zu beantworten. Ich werde nur bedingt auf das Ende der Tristangeschichte eingehen, da es in der Gottfriedschen Fassung nicht enthalten ist. Um jedoch einzelne Vergleiche ziehen zu können, werde ich mich auf das naheliegende und sich an den Vorlagen orientierende Ende der Geschichte berufen.
3
2. Charakteristische Eigenschaften der Figuren
Um die Frage der Arbeit, ob sich das Schicksal und die Geschichte von Tristan und Isolde bereits in der Elternvorgeschichte erahnen lässt beantworten zu können, ist es notwendig, die Charaktere der hier handelnden Figuren zu analysieren und miteinander zu vergleichen. Denn wird die Frage gestellt, ob Riwalin eine „frühere Version“ von Tristan darstellt, ob sich sein Schicksal in dem seines Sohnes verwirklicht, ja sogar ob Tristan schließlich der „perfektere Riwalin“ sein wird, so muss man sich zuerst mit den Charaktereigenschaften und dem Werdegang der beiden Figuren auseinandersetzen.
So selbstverständlich es sein mag, dass Vater und Sohn sich so wie Riwalin und Tristan ähnlich sind, mag es jedoch weniger selbstredend sein, dass sich zwei völlig fremde Figuren wie Blanscheflur und Isolde ebenso gleichen sollen, und dass Isolde die Vollendung der Blanscheflurfigur darzustellen vermag. Aber auch an dieser Stelle ist eine genaue Betrachtung der Charaktereigenschaften und der Beschreibung der beiden Frauenfiguren notwendig, um später auf den Vergleich der beiden Paare eingehen zu können und schließlich vielleicht eine Antwort auf die Ausgangsfrage geben zu können.
2.1 Riwalin
Tristans Vater Riwalin wird vornehmlich durch seine höfischen Tugenden beschrieben. Zu Anfang wird er als getriuwe, küene, milte, und rîch 1 dargestellt. Als „Musterbeispiel aller höfischen Qualitäten“ 2 wird Riwalin von Rosemarie Deist bezeichnet. Allerdings bringt Gottfried bereits hier am Anfang der Schilderung im Kontrast zu all den Vorzügen Riwalins ebenfalls dessen schlechte Charaktereigenschaft vor:
1 Gottfried von Straßburg: Tristan. 3 Bde. 6. Durchgesehene Auflage. Stuttgart: Reclam 1993 (=RUB 4471 - 4473) Vers 252. Im Folgenden werden Zitate aus dem Tristan lediglich mit einer Versangabe und im fortlaufenden Text angegeben.
2 Deist, Rosemarie: Die Nebenfiguren in den Tristanromanen Gottfrieds von Straßburg, Thomas‘ de Bretagne und im ‚Cligès‘ Chrétiens de Troyes. Göppingen: Kümmerle 1986. (=Göppinger Arbeiten zur Germanistik 435). S.108.
4
Bezüglich dieses Übermutes Riwalins bemerkt Schausten: „Die Ausführlichkeit, mit der Gottfrieds Erzähler sich der näheren Kennzeichnung von Folgen widmet, die aus dieser inneren Verfaßtheit der Figur erwachsen, deutet an, daß die Aufmerksamkeit des Publikums wohl genau auf diese Facette gerichtet werden soll.“ 3 Es scheint, als habe Gottfried diese Charaktereigenschaft ganz bewusst in die Konzeption der Riwalinfigur eingeplant, um später im Vergleich mit der Tristanfigur dessen diesbezüglich andere Wesenszüge stärker hervorzuheben. Dafür spräche ebenfalls, dass dieser „übermuot“ Riwalins erst in der Fassung Gottfrieds so hervorgebracht wird 4 .
Riwalin, der inzwischen ein vorzüglicher Ritter geworden ist, fängt wohl auch aus einer Laune heraus und völlig grundlos einen Angriff auf Morgan an (sô greif er Morgânen an / als einen schuldegen man V. 345-346). Zieht man den Vergleich zu Tristans Kampf mit Morgan heran, so fällt auf, dass Riwalin, zwar auch mit großer Anstrengung, jedoch viel einfacher mit Morgan fertig wird als sein Sohn. Hieraus sollte man jedoch nicht auf die größere Stärke Riwalins schließen, sondern sich entsinnen, dass dieser seinen Angriff heimlich und ohne Ankündigung startet und dass Tristans Angriff im Gegensatz dazu von Morgan zu erwarten war. 5 Auch nach diesem unnötigen Feldzug, der auch unter seinen eigenen Männern viele Opfer gefordert hat (vgl. V. 361-365), nimmt Riwalin sein nächstes Unternehmen, die Fahrt zu Markes Hof, aus einer Laune hinaus in Angriff:
3 Schausten, Monika: Erzählwelten der Tristangeschichte im hohen Mittelalter -Untersuchungen zu den deutschsprachigen Tristanfassungen des 12. Und 13. Jahrhunderts. München: Wilhelm Fink Verlag 1999 (=Forschungen zur Geschichte der älteren deutschen Literatur 24). S. 148
4 Vgl. ebd. S.148
5 Vgl. Deist 1986 S.121.
5
Gottfried mildert jedoch Riwalins Vorgehen teilweise, indem er erklärt, dass dieses hauptsächlich auf sein jugendliches Alter zurückzuführen sei 6 . Zwar gedenkt Riwalin am Hofe König Markes seine ritterlichen und gesellschaftlichen Fähigkeiten zu perfektionieren, doch handelt er eher intuitiv und gefühlsmäßig als überlegt. Wie später Tristan wird Riwalin am Hof in Cornwall freudig begrüßt und seine Fähigkeiten und Tugenden bringen ihm in kurzer Zeit das Ansehen der Leute ein.
Ist die Beschreibung Riwalins bis zum Zeitpunkt des Maifestes meist nur auf dessen ritterliche Fähigkeiten und seine - von Gottfried eher negativ dargestellten - kriegerischen Aktivitäten beschränkt, so ergibt sich erst mit der Liebe zu Blanscheflur die vollkommene Darstellung seines Charakters:
Bis jetzt drehte sich in Riwalins Leben alles um sich selbst und vor allem um sein Vergnügen und um seine Selbstdarstellung, doch nach der Begegnung mit Blanscheflur zieht er sich in seine Gedanken zurück und grübelt über ihre Äußerungen nach. Auch als seine inzwischen Geliebte Blanscheflur in der Voraussicht seiner Abreise zusammenbricht, ist es für Riwalin nun selbstverständlich, ihr zu helfen und auf sie einzugehen: „Durch die Liebe hat er gelernt, seine eigenen Begehren außer acht zu lassen, um in Blanscheflur aufzugehen“ 7 . Deist weist weiterhin darauf hin, dass Riwalin nach dieser Veränderung, die sein Charakter vollzogen hat, erstmals den Rat Ruals sucht
6 Vgl. ebd. S.109
7 Vgl. ebd. S. 137
6
Arbeit zitieren:
Nadine Esser, 2009, Gottfried von Straßburgs "Tristan" - Riwalin und Blanscheflur als Präfiguration von Tristan und Isolde?, München, GRIN Verlag GmbH
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