Elite - Erste Gedanken
Elite - Wir alle haben diesen Begriff sicherlich schon oft in unserem Leben gehört und haben uns sicher genau so oft gefragt, was dieser Ausdruck nun wirklich zu bedeuten hat. Was bedeutet der Begriff „Elite“ heutzutage?
Wie kommt es eigentlich, dass ein Großteil der führenden Personen in diesem Land aus nur wenigen Familien kommt?
Gibt es bestimmte Kommunikations- oder Verhaltensformen, die jemand erlernen muss um elitär zu werden? Was zeichnet diese Kommunikationsformen aus?
Zuerst ist nach dem Ursprung der Elite und des Elitenbegriffs zu fragen. Danach widme ich mich der Sicht der Soziologen und deren Ansichten zur Definitionsfrage nach Eliten. In den Blickpunkt dieser Arbeit rückt die Fragestellung, ob und wie Elite durch Kommunikation gebildet wird, beziehungsweise sich etabliert.
Für die Bearbeitung dieser Frage nach der Praxis von Elitenkommunikation bieten sich verschiedene theoretische Ausgangspunkte an, die im Folgenden zunächst betrachtet werden sollten um dem ambivalenten Eliten-Begriff eine Gestalt geben zu können.
Der Ursprung der Elite
Der Begriff der Elite hat seinen Ursprung im Frankreich des 17. Jahrhunderts. Zunächst wurden mit diesem Begriff besondere, erlesene Waren bezeichnet. Das französische Wort „élire“ bedeutet „auswählen“. So konnten also besondere, auserwählte Waren angepriesen und verkauft werden. Später wurde begonnen, auch Personen als Elite zu bezeichnen. Die Elite waren damals Personen, die sich, nicht wie Adel und Klerus, ihren Reichtum und ihre Stellung in der Gesellschaft selbst hart erarbeitet hatten. Die Forderung war, dass Reichtum und Wohlstand nicht allein von der familiären Abstammung abhängig sein sollten,
sondern vielmehr von der Leistung des Individuums. Der Begriff bezeichnete also zunehmend eine Leistungselite 1 . Daran orientieren sich auch heute noch die bekanntesten Definitionen. 2
Ende des 19. Jahrhunderts, im Laufe der Industrialisierung, wurde der Begriff zunehmend dazu verwendet, eine kleine Einheit von Führungspersonen von der Masse der Arbeiter und Angestellten abzugrenzen. Der Begriff bezeichnete also zunehmend eine Führungselite, die aufgrund ihrer besonderen Fähigkeiten und Leistungsstärke dazu fähig war, die Masse (der Arbeiter) zu führen. So schreibt Gaetano Mosca, ein bedeutender Eliteforscher des 20. Jahrhunderts: „In allen Gesellschaften, von den primitivsten im Aufgang der Zivilisation bis zu den vorgeschrittensten und mächtigsten, gibt es zwei Klassen, eine die herrscht und eine, die beherrscht wird“ 3 . Mosca selbst prägte den Begriff der „herrschenden Klasse“, womit er die Elite bezeichnete. Mit einer höhergestellten Gruppe der Elite geht also immer eine Gruppe der Nicht-Elite einher. Diese „Masse“ wird von der kleinen Gruppe vollends beherrscht. Diese wiederum hat sowohl die intellektuellen als auch die psychologischen Fähigkeiten, Macht auszuüben. Herrschaftsfiguren hatten also vor allem einen charismatischen Aspekt. Die Masse hingegen habe diese Fähigkeiten nicht, und sei somit deutlich unterlegen. Durch den Glauben an zwei Schichten der Gesellschaft, die (charismatischen) Führenden und die Geführten, war der Grundstein des Faschismus in Deutschland und Italien gelegt. Vor und während des zweiten Weltkriegs hegten die in Deutschland herrschenden Nationalsozialisten den Gedanken an eine Art Herrschaftselite, die allein aufgrund ihrer Abstammung zur Machtausübung befähigt war. Mit dem Ende des Kriegs und der Distanzierung vom NS-Gedankengut in der Nachkriegszeit rückte der Elitenbegriff, wie er durch die Nationalsozialisten geprägt wurde, immer weiter ins Abseits. Wiederentdeckt wurde der Elitebegriff durch die Soziologen etwa in den 1980er Jahren. Der Begriff der Funktionselite 4 wurde zunehmend verwendet denn dieser bezeichnet
Personengruppen, die aufgrund von speziellen Fähigkeiten und Ausbildungswegen höhere Positionen (oder eben Funktionen) in der Gesellschaft einnehmen konnten. Allerdings bleibt auch hier ein allgemein definierter Elitebegriff offen. Die Forscher gehen vorwiegend der Frage nach, welche Personengruppen dazu befähigt sind, eine Gesellschaft zu führen, aus welchen Gründen sie dazu befähigt sind (oder lediglich denken es zu sein) und aus welcher Abstammung sie kommen. In der neuen Elitendebatte kommt wieder eine Dichotomie zwischen Elite und Masse auf, die voneinander zu differenzieren seien. 5 Aktuelle Elitenforscher (wie etwa Suzanne Keller) gehen nicht mehr von einer herrschenden Klasse oder Bevölkerungsschicht aus, sondern vielmehr von in bestimmten Sektoren herrschenden Eliten, die die jeweiligen Spitzenpositionen des Teilbereichs abdecken. Die Gesellschaft scheint nun nicht mehr lediglich horizontal geschichtet, sondern nun kommen auch vertikale Trennelemente, die Sektoren der jeweiligen Machtausübung, hinzu. Die
1 Siehe hierzu Hartmann, M. (2008), S.8ff. S.37ff.
2 Siehe Meyers Lexikon oder Brockhaus Lexikon
3 Mosca, G. (1950)
4 Siehe hierzu Hartmann, M. (2008) S. 10ff., 43ff.
5 Man betrachte allein die kritische Diskussion über die Exzellenzinitiative der Bundesregierung, deren Ziel es ist Elite-Hochschulen hervorzubringen. Kritiker prangern hier die Trennung von „Elite“ Studenten und „normalen“ Studenten an.
Soziologin Keller differenziert hier zwischen Eliten, die in ihrem jeweiligem Sektor zur Elite gehören, welcher aber nicht für die gesamte Gesellschaft bedeutsam ist (zum Beispiel Schönheitsköniginnen oder Bridge-Meisterspieler) und jenen Eliten, die das weitere strategische Fortkommen der Gesellschaft in ihren jeweiligen Teilsektoren zu entscheiden haben. Hier prägt sie den Begriff der „strategischen Eliten“ 6 . Einig sind sich alle Forscher darüber, dass Angehörige dieser sektoralen Eliten die höchsten Positionen aus Politik (Mitglieder der Bundes- und Landesregierungen, Fraktions- und Parteivorstände), Verwaltung (Staatssekretäre, Ministerialdirektoren, Präsidenten wichtiger Behörden), Wirtschaft (Vorstands- und zum Teil auch Aufsichtsratsmitglieder großer Unternehmen, Präsidenten großer Verbände), Justiz (Bundesrichter, Rechts- und Staatsanwälte) und der Wissenschaft (Hochschulrektoren, Leiter von Forschungseinrichtungen) belegen. Ein Modell könnte neuerdings so aussehen:
schwer mit dem in den Industrienationen vorherrschenden Demokratie- und Gleichheitsgedanken vereinen. Wie sollen wenige dazu befähigt sein, alle leiten und führen zu können, wenn doch angeblich alle gleich sind? Warum sollte eine Elite Privilegien gegenüber den anderen haben, wenn doch Chancengleichheit gegeben ist? Anscheinend kommt es jedoch in jeder Gesellschaft, die Bürokratie akzeptiert, zur Elitenbildung. Wo eine Institution ist, da muss auch eine Spitze sein. Dort wo Spitzen sind, sind auch Eliten. Weiterhin manifestiert sich eine Tendenz, die der Struktur entsprungenen Spitzen- und somit Elitenpositionen, sobald sie einmal erlangt wurden, zu behaupten und deren Vorteile an Verwandte, Freunde und Verbündete weiterzureichen (erinnern wir uns an den Begriff der Vetternwirtschaft). Einmal Elite, immer Elite.
6 Keller, S. (1991), S.20 ff.
Arbeit zitieren:
Thilo Trost, 2010, Die Reproduktionselite, München, GRIN Verlag GmbH
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Macht und Ethnizität in der Postsowjetischen Peripherie
Zur Dynamik von Konflikten in ...
Politik - Internationale Politik - Region: Russland, Länder der ehemal. Sowjetunion
Diplomarbeit, 115 Seiten
Soziologie: neuer Titel erschienen: Die Reproduktionselite
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Developments in International Law: Sources of Internat'l Vol 27
Vladimir Uro Degan, V. D. Degan
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