Inhalt
EINLEITUNG. 3
I. ENGLISCHER RADIKALISMUS 5
I.1. BEGRIFF, ZIELE UND VERTRETER. 5
I.2. ETABLIERUNG IN DIE ENGLISCHE GESELLSCHAFT? 6
II. DIE BEDEUTUNG DER FRANZÖSISCHEN REVOLUTION 1789 7
II.1. THOMAS PAINE - RIGHTS OF MAN 7
II.2. REAKTIONEN DER ENGLISCHEN BEVÖLKERUNG 8
III. MAßNAHMEN DER ENGLISCHEN REGIERUNG. 10
FAZIT UND AUSBLICK 12
BIBLIOGRAPHIE 14
2
Einleitung
Problementfaltung
Bei Ausbruch der Französischen Revolution 1789 blickten nicht nur die Franzosen gebannt auf die mögliche weitere Entwicklung ihres Landes. Auch aus dem seit 1776 unabhängigen Amerika und England waren schnell Stimmen und Stimmungen zur politischen Dynamik Frankreichs zu vernehmen.
Das Empire hatte in den vergangenen Jahren bereits hohe Verluste eingestrichen. Nun kündigten sich auch innenpolitische Veränderungen an: der Radikalismus hielt Einzug mit dem Ziel, die Monarchie auszuhebeln und in England einen Staat sozialer Fürsorge zu integrieren. An der Spitze dieser Gedankenbewegung stand jener der Handwerkerschicht 1 entstammende Thomas Paine mit seiner Denkschrift Rights of Man von 1791. Er war der populärste Publizist seiner Zeit, denn kein anderer Autor konnte mehr Werke verkaufen.
Dennoch, trotz der vorangegangenen Revolution auf dem europäischen Festland, der hohen Auflagen und der massiven Unterstützung Paines und der anderen Wortführer durch die Arbeiterschicht, konnte die Idee der Reformbewegung letztlich nicht Fuß fassen. In der vorliegenden Arbeit soll die Frage geklärt werden, warum in England diese Ideen der Reformbewegung nicht realisiert werden konnten, sondern sich die Entwicklung gegenteilig verhielt: das feudale Herrschaftssystem wurde weiter gefestigt.
Forschungslage
Vor allem in den 1980er Jahren beschäftigten sich Geschichtswissenschaftler, sowohl auf dem europäischen Kontinent als auch auf den britischen Inseln, mit dem englischen Radikalismus am Ende des 18. Jahrhunderts. Als die wichtigsten Schriften können die Arbeiten von H. T. Dickinson 2 , Günther Lottes 3 und Jürgen Klein 4 angesehen werden. Ansonsten jedoch ist die Auseinandersetzung mit dem
1 Vgl. Keane, John: Thomas Paine. Ein Leben für die Menschenrechte. Aus dem Englischen von Klaus Binder, Jeremy Gaines und Regina Winter, Hildesheim 1998, S. 255.
2 Vgl. Dickinson, H.T.: British Radicalism and the French Revolution 1789-1815, Oxford 1985 sowie Ders.: Britain and the French Revolution 1789-1815, London 1989 sowie Ders.: Popular Loyalism in Britain in the 1790s, in: Eckhart, Hellmuth: The Transformation of Political Culture. England and Germany in the Late Eighteenth Century, Oxford 1990, S. 503-533.
3 Vgl. Lottes, Günther: Politische Aufklärung und plebejisches Publikum. Zur Theorie und Praxis des englischen Radikalismus im späten 18. Jahrhundert, München 1979.
4 Vgl. Klein, Jürgen: Radikales Denken in England: Neuzeit. Studien zur Geistes- und Sozialgeschichte, Habilitationsschrift, Uni Siegen 1980.
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Radikalismus in England nur in geringem Maße Bestandteil der historischen Forschung. 5 Lediglich in überblicksartigen Werken wird auf die Thematik verwiesen, wobei der Problematik nur wenig Aufwand eingeräumt wird - vor allem Kurt Kluxen 6 , Anthony Fletcher 7 , Sir Leslie Stephen 8 sowie Roy Porter 9 seien hier genannt. Dies verwundert umso mehr, da die englische Regierung, welche sich durch die Reformbewegung grundlegend bedroht fühlte, diverse Gesetze zur Niederhaltung der Bewegung verabschiedete. 10 Die Bewegung fand demnach nicht am Rande der gesellschaftlichen Entwicklung statt, sondern bildete am Ende des 18. Jahrhunderts eine Entwicklungsrichtung von zentraler Bedeutung. Der Problematik ist demnach mehr Aufmerksamkeit zu widmen, als dies in der bisherigen Forschung der Fall war.
Aufbau der Arbeit
Um der Frage nachzukommen, warum der Radikalismus in England letztlich scheiterte, ist im ersten Abschnitt eine Einführung in die Problematik dieser erfolglosen Reformbewegung angesiedelt. Zuerst werden Wesen und Ziele, darauf folgend dann die populärsten Vertreter der Bewegung vorgestellt. Im letzten Teil des ersten Kapitels wird der Frage nachgegangen werden, inwieweit sich die Idee des Radikalismus in der englischen Gesellschaft verbreiten konnte. Dazu werden vor allem die Klub- und Vereinsgründungen im Vordergrund stehen. Der Zweite Teil der vorliegenden Arbeit befasst sich mit der Auswirkung der Französischen Revolution. Wie wurden die Ereignisse in England aufgenommen? Welche Stellung nahmen die beiden Werke Reflections on the Revolution in France (Edmund Burke) und Rights of Man (Thomas Paine) in dieser Sache ein? Wie hoch ist dabei der Einfluss jener Arbeiten auf die Meinungsbildung in England anzusiedeln? Zuletzt wird im dritten Teil untersucht werden, inwiefern die englische Regierung, welche ein Gegner der Reformbewegung war, auf die Geschehnisse in der Französischen Revolution sowie auf die Gründung der radikalen Gesellschaften und die Veröffentlichung der Bücher radikaler Denker reagierte. Schließlich soll im Fazit geklärt werden, warum die Reformbewegung in England nicht den Effekt hatte, wie dies in Frankreich der Fall war.
5 Erwähnt sei hier noch Maccoby, S.: English Radicalism. 1762-1785, [o.O.] 1955.
6 Vgl. Kluxen, Kurt: Geschichte Englands. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Zweite Auflage, Stuttgart 1976.
7 Vgl. Fletcher, Anthony: Order and Disorder in Early Modern England, Cambridge 1985.
8 Vgl. Stephen, Sir Leslie: English thought in the Eighteenth Century, New York 1962.
9 Vgl. Porter, Roy: English Society in the Eighteenth Century, Harmondsworth 1982.
10 Näheres ist im Kapitel III dieser Arbeit zu finden, Siehe Seite 12.
4
I. Englischer Radikalismus
In diesem Kapitel sollen Wesen als auch Ziele und Vertreter sowie die Etablierung des englischen Radikalismus in kurzer Form vorgestellt werden. Einzug hielt dieser weit vor 1789 und der einhergehenden Französischen Revolution, in den 1760er Jahren. Jedoch griff das neue Gedankengut erst mit den Geschehnissen in Frankreich massiv um sich.
I.1. Begriff, Ziele und Vertreter
Die Entwicklungen in Frankreich, welche zur Französischen Revolution von 1789 geführt hatten, waren für die Radikalen das Maß, an dem der englische Staat gemessen werden sollte. Die Frage nach der Freiheit, der Gleichheit und der Brüderlichkeit stand im Vordergrund jeder politischen Debatte, welche durch den Radikalismus angehaucht war. Der Englische Radikalismus zog vor allem seine Ideen aus der Tradition des Naturrechts. 11 Durch Gemeindebildungen konnte die innerweltlich-utilitaristische Betrachtungsweise des Radikalismus im englischen Volk schnell Fuß fassen. Dies weckte, nicht zuletzt auf Seiten der englischen Regierung, den Anschein, dass sich die Arbeiterschaft zu organisieren wusste. Zentren der angesprochenen Gemeinden waren vor allem London, Yorkshire und Lancashire. 12 Gerade jene Städte der Massen riefen in der Londoner Regierung die Angst hervor, die Unterschicht könne sich gegen das etablierte System im gemeinsamen Verband auflehnen. 13 Jedoch blieb es bei Zusammenkünften
zwischen Arbeiterschaft und der intellektuellen Minderheit der Radikalen; man traf sich in Vereinen und Klubs, um über aktuelle politische Geschehnisse und neue Ideen des europäischen Festlandes zu debattieren.
Vertreter jenes so genannten Radikalismus sahen sich nicht als Anhänger eines solchen, sondern als Befürworter einer möglichen Reformbewegung im englischen Staat. Der Begriff des Radikalismus wurde von der gegnerischen Seite der Bewegung geprägt. Berühmter Verfechter der Ideen der Französischen Revolution war Thomas Paine. Jener veröffentlichte 1791 das Werk Rights of Man und forderte
11 Vgl. Kluxen, Geschichte Englands, S. 489.
12 Vgl. ebd., S. 490.
13 Näheres dazu im Kapitel III dieser Arbeit, Siehe Seite 12.
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Arbeit zitieren:
Stefanie Zabel, 2010, Das Scheitern des englischen Radikalismus am Ende des 18. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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