INHALTSVERZEICHNIS
1. EINLEITUNG 3
2. BEGRIFFSERLÄUTERUNGEN 3
2.1 STEREOTYP 3
2.2 VORURTEIL 4
2.3 SOZIALE DISKRIMINIERUNG. 5
3. SOZIALPSYCHOLOGISCHE VORURTEILSTHEORIEN 5
3.1 DIE LERNTHEORIE 6
3.2 DIE KONFLIKTTHEORIE 7
3.3 DER PSYCHODYNAMISCHE ANSATZ. 9
3.4 DIE KOGNITIVE THEORIE 11
4. AUSWIRKUNGEN AUF OPFER VON VORURTEILEN. 14
5. MAßNAHMEN ZUM ABBAU VON ETHNISCHEN VORURTEILEN. 15
5.1 INDIVIDUUMSZENTRIERTE INTERVENTIONS- UND PRÄVENTIONSPROGRAMME 15
5.2 PRÄVENTION VON INTERAKTIONSBEDINGTEN VORURTEILEN 16
5.3 PRÄVENTION VON GESELLSCHAFTLICH VERMITTELTEN GENERALISIERENDEN FREMDBILDERN. 18
6. SCHLUSSWORT. 18
7. QUELLENVERZEICHNIS 21
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1. Einleitung
Wir leben in einer multikulturellen Welt. Diese Tatsache kann nicht bestritten werden. Durch die zunehmende internationale Vernetzung in allen Lebensbereichen sind Monokulturen heute auf unserem Globus kaum noch zu finden. Auch die Gesellschaft in Deutschland ist durch ein weites Spektrum von vielfältiger Ethnie, Sprache, Herkunft, Nationalität und Religion gekennzeichnet. Dabei spielen im Zusammenleben von Menschen mit zum Teil sehr unterschied-lichen Kulturen nicht selten ethnische Vorurteile eine zentrale Rolle, welche das soziale Mitenander in allen Schichten und Bereichen zum Teil enorm beeinflussen. Doch wie entsteht die Bereitschaft im Menschen, Vorurteile gegenüber ethnischen Gruppen aufzubauen und sie zu einem Bestandteil seines Denkens und Handelns zu machen? Mit dieser Frage nach der Entstehung und dem Wesen von ethnischen Vorurteilen in Deutschland beschäftigt sich die vorliegende Arbeit. Dazu werden vier bekannte sozialpsychologische Vorurteilstheorien näher beleuchtet. Zu diesen gehören: die Lerntheorie, die Konflikttheorie, der psychodynamische Ansatz und die kognitive Theorie. Die Hausarbeit beginnt mit der Erläuterung von den Begriffen Stereotyp, (ethnisches) Vorurteil und soziale Diskriminierung. Danach erfolgt die Darstellung der Vorurteilstheorien. Im Anschluss werden Auswirkungen auf die Opfer von Vorurteilen beschrieben. Abschließend werden Präventions-Interventionsmaßnahmen aufgezeigt, die Vorurteile abbauen bzw. sie verhindern sollen. Aus Gründen der Vereinfachung wird in der Ausführung stets die männliche Form gewählt, dennoch sind beide Geschlechter gemeint.
2. Begriffserläuterungen
2.1 Stereotyp
Stereotype sind die ungeprüfte Generalisierung einer Gruppe von Menschen, bei der allen Angehörigen identische Eigenschaften zugeschrieben werden, ungeachtet individueller Unterschiede unter den Mitgliedern. Der Begriff Stereotyp stammt aus dem Griechischen und setzt sich aus stereos (starr, hart, fest) und typos (Entwurf, feste Norm, charakteristisches Gepräge) zusammen. Ursprünglich wurde dieser Begriff im 18. Jahrhundert im
Buchdruckergewerbe verwendet und beschrieb den mechanisch determinierten Prozess des Drucks mit feststehender, unveränderlicher Schrift.
1922 gelangte der Begriff des Stereotyps durch den Journalisten Walter Lippmann („Public Opinion“) auch in die Sozialwissenschaften (vgl. Petersen 2008, S. 21). Seiner Idee zufolge haben wir bestimmte Bilder von bestimmten Menschen und Menschengruppen im Kopf (vgl.
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Ostermann 1976, S. 3). Demnach nimmt man Personen häufig nicht als Individuen wahr, sondern als Bestandteil von Gruppen. Dabei „drückt“ man den Mitgliedern -ähnlich dem drucktechnischen Verfahren- entsprechend der vorgefassten Meinung über diese Gruppe einen „Stempel“ auf (vgl. Petersen 2008, S. 21). Man kann sagen, dass Stereotype „...unkritische Verallgemeinerungen, die gegen Überprüfung abgeschottet, gegen Veränderungen relativ resistent sind“ (Bausinger 1998, S. 160) und verleiten dazu, dass wir „Teilnehmer und deren Verhaltensweisen nicht mehr individuell, situationsbezogen und differenziert wahrzunehmen, sondern einem Typ zuzuordnen (Kategorisierung) und die vermeintlichen Merkmale dieses Typs dem Individuum ungeprüft zuzuschreiben (Stereotypisierung)“ (Hartung 2006, S. 57). Stereotype sind die Vorstufe zu Vorurteilen.
2.2 Vorurteil
In der Sozialpsychologie werden Vorurteile als ein Phänomen zwischen Gruppen betrachtet, in dem Abgrenzungsprozesse zwischen der „Wir”-Gruppe (eigene Bezugsgruppe, Ingroup) und „den Anderen“ (Fremdgruppe, Outgroup) im Zentrum stehen. Dabei wird die ungeprüfte Zuschreibung von bestimmten Eigenschaften von Menschen aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit (Stereotyp) emotional negativ oder positiv bewertet. Deshalb ist der Vorurteilsbegriff im Wesentlichen durch seinen normativen, moralischen Gehalt bestimmt. Obwohl der Begriff des Vorurteils neben negative, auch positive Haltungen gegenüber Personen, Gruppen, Objekten oder Sachverhalten mit einbezieht, wird er zumeist nur als „ablehnende oder feindselige Haltung gegen eine Person, die zu einer Gruppe gehört, einfach deswegen, weil sie zu dieser Gruppe gehört und deswegen dieselben zu beanstandenden Eigenschaften haben soll, die man dieser Gruppe zuschreibt“ beschrieben. Ethnische Vorurteile sind nach Heckmann (1992, S. 119) „negative, abwertende und feindselige Aussagen und Urteile über ethnische Gruppen; die Aussagen und Urteile sind stereotyp und wirklichkeitsunangemessen…“ Eine umfangreichere Darstellung ethnischer Vorurteile liefert z.B. der Psychologe Andreas Zick in der Darstellung der intergruppalen Differenzierungsphänomene:
Negative ethnische Vorurteile bezeichnen die Tendenz eines Individuums, ein Mitglied einer Outgroup oder die Outgroup als ganze negativ zu beurteilen und damit die Ingroup, zu der sich das Individuum zugehörig i fühlt, positiv zu beurteilen. Ethnische Vorurteile sind negative Einstellungen, die stabil und konsistent sind. Diese Einstellungen werden gegenüber Mitgliedern einer ethnischen Outgroup geäußert (Zick 1997, S. 39) und sind weniger das Ergebnis von direkten Erfahrungen mit den Mitgliedern der Fremdgruppe, sondern beruhen vielmehr auf Generalisierungsprozessen.
Ein Beispiel ist das bei Deutschen oft anzutreffende Schemata, sich selbst als Ingroup und die „Ausländer“ als Outgroup anzusehen. Weiterhin fasst Peter O. Güttler (2003, S. 111) den
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Begriff Vorurteil wie folgt zusammen: „Vorurteile sind Urteile bzw. Aussageformen über Personen und Personengruppen, die falsch, voreilig, verallgemeinernd und klischeehaft sind, nicht an der Realität überprüft werden, meist eine extrem negative Bewertung beinhalten und stark änderungsresistent, d.h. durch neue Informationen nur schwer oder kaum zu modifizieren sind und sich somit durch eine bemerkenswerte Stabilität auszeichnen.“
2.3 Soziale Diskriminierung
Stark verfestigte Stereotype und Vorurteile verhindern einen offenen, unvoreingenommenen Umgang mit Menschen anderer ethnischer Herkunft und können auch zur ungerechten Behandlung dieser führen. Dieses Phänomen wird als soziale Diskriminierung bezeichnet. Eine der maßgeblichsten Definitionen dieses Begriffes stammt von Gordon W. Allport (1954 zit.n. Petersen u.a. 2008, S. 161):
Diskriminierung liegt vor, wenn einzelnen oder Gruppen von Menschen die Gleichheit der Behandlung 00vorenthalten wird, die sie wünschen. Diskriminierung umfaßt [sic] alles Verhalten, das auf Unterschieden sozialer und natürlicher Art beruht, die keine Beziehung zu individuellen Fähigkeiten oder Verdiensten 00haben noch zu dem wirklichen Verhalten der individuellen Person. Dieses Vollführen von Unterschieden in der Behandlung zwischen Menschen erfolgt oft allein durch die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder Kategorie unter der Missachtung der individuellen Eigenarten (vgl. ebd.).
Eine Diskriminierung kann anhand von Geschlecht, Alter, Nationalität, Religion o.Ä. erfolgen.
An dieser Stelle muss jedoch erwähnt werden, dass Einstellungen (Vorurteile) nicht immer mit dem tatsächlich gezeigtem Verhalten übereinstimmen. Das individuelle Verhalten wird von mehreren Aspekten, als ausschließlich der konkreten Einstellung beeinflusst und es unterliegt sehr stark situationalen Zwängen z.B. werden beim direkten Kontakt mit den Fremdgruppen Vorurteile weniger offen geäußert.
3. Sozialpsychologische Vorurteilstheorien
Eine allgemeingültige Theorie zur Vorurteilsentstehung gibt es nicht. Vielmehr existieren verschiedene theoretische Ansätze, die den Ursachen von Vorurteilen auf unterschiedlichen Analyseebenen auf den Grund gehen. Die vier Theorien sind die Lerntheorie, die Konflikttheorie, der psychodynamischer Ansatz und die kognitive Theorie.
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3.1 die Lerntheorie
Lerntheoretische Ansätze gehen davon aus, dass Stereotype und Vorurteile durch gesellschaftliche Prozesse, vor allem im Zuge der Sozialisation, entstehen. Grundannahme der Lerntheorie ist es, dass dabei Stereotype und Vorurteile ebenso vom Individuum erlernt werden können, wie andere Lern- und Wissensinhalte auch (vgl. Lin 1999, S. 38). Im Prozess des sozialen Lernens übernimmt und internalisiert der Heranwachsende Werte, Einstellungen, Rollenerwartungen und Verhaltensweisen, die ihm durch seine Familie und sein Milieu (Freunde, Schule, Medien etc.) vermittelt werden. Diese Aneignung ist für jedes Gruppenmitglied wichtig; denn wer von den Eigengruppennormen abweicht, riskiert Isolierung und soziale Missbilligung. Daher werden die Handlungs- und Deutungsmuster der eigenen kulturellen Gruppe oft unhinterfragt als „selbstverständlich“ und „richtig“ wahrgenommen, wohingegen die Fremdgruppenstrukturen als davon abweichend und damit als „unrichtig“ und „fremd“ empfunden werden.
Außerdem spielt die Identifikation mit dem (Eigengruppen-)Vorbild eine wichtige Rolle. Je höher diese ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass seine Stereotypen und Vorurteile übernommen werden. Als Vorbilder können z.B. Eltern, Geschwister oder Freunde dienen. Die Familie und die familiäre Umgebung nimmt dabei als primärer Sozialisationsfaktor eine herausragende Stellung bei der Weitergabe kultureller Normen und damit auch Stereotype und Vorurteile ein. Wenn z.B. ein oder beide Elternteile der Auffassungen sind, dass polnische Bürger sehr häufig stehlen, wird das Kind, das sich bisher kein eigenes Urteil bilden konnte, mit großer Wahrscheinlichkeit diese Ansicht übernehmen. Wenn das Individuum, dem dieses „Polenbild” vorgelebt wurde, in einer ungeklärten Diebstahlsituation mit Beteiligung polnischer Bürger gerät, wird er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit diese als Täter für sich bestimmen, auch wenn er sie gar nicht kennt. Weiterhin entstehen Stereotype und Vorurteile -lerntheoretisch gesehen- als Konsequenz aus dem Lernen durch Beobachtung. Dabei werden reale Rollen- oder Statusunterschiede zwischen sozialen Gruppen wahrgenommen und vom Individuum als Folge von Fähigkeits-oder Eignungsunterschiede aufgefasst und verinnerlicht. Diese Vorstellung führt dann zur Stereotypenbildung, beruhend auf Zuschreibung von rollenbedingten Eigenschaften (vgl. Lin 1999, S. 38). Nach den von Susanne Lin (a.a.O., S.39) referierten Forschungsergebnissen von Eagly und Steffen (1984), entstehen Rassenstereotype und -vorurteile u.a. auch durch rollenbedingte Eigenschaftszuschreibungen. Demnach werden soziale Gruppen in bestimmten Rollen erlebt und ihnen werden auf dieser Basis bestimmte Merkmale und damit verbundene soziale Wertigkeiten zugeschrieben. Einigen ethnischen Gruppen werden allein deshalb z.B. Merkmale geringerer Kompetenz zugeschrieben (wie Faulheit oder Dummheit), weil sie von der Gesellschaft (nur) bestimmte, festgelegte Rollen zugeordnet bekommen.
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Arbeit zitieren:
Sinja Meier, 2010, Sozialpsychologische Vorurteilstheorien, München, GRIN Verlag GmbH
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