2
INHALTSVERZEICHNIS:
Einleitung 3
I. Peter-Heinz Seraphim - zu seinem Leben und Werk 4
1.1. Kurze Biographie 4
1.2 „Deutschtum und Judentum in Osteuropa“ 5
II. Deutsches Selbstbild und jüdisches Feindbild in Seraphims Werk. 5
III. Polarisierte Bilder: deutsche Kolonisatoren und jüdische Einwanderer 7
3.1. Gründe und Ablauf der Wanderungsbewegung bei Deutschen und Juden. 8
3.1.1 Das wirtschaftliche Motiv 8
3.1.2. Der Stereotyp des jüdischen Wanderers. 9
3.2. Deutsche Gründer und Schöpfer neuer Werte und jüdische Unproduktivität. 10
3.3. Deutsche Wegbereiter und Pioniere und der Stereotyp des Parasitentums. 11
IV. Der „Kampf ums Dasein“ - deutsch-jüdische Verhältnisse im Wirtschaftsleben. 12
4.1. Der Stereotyp vom jüdischen Aufsteigertum 12
4.2. „Deutsche Wirtschaftspioniere und jüdische Finanzmänner“ 13
4.3. Wirtschaftliche Position von Deutschtum und Judentum nach dem Ersten Weltkrieg. 14
Fazit. 15
Literaturverzeichnis 17
3
Einleitung
Die Ursache für die Herausbildung und Verwendung von Stereotypen und Feindbildern sieht die historische Forschung in politische Krisen, Kriegen und damit verbundenen gesellschaftlichen Umbrüchen. Kennzeichnend für solche Extremsituationen ist, dass sie verunsichernd, bedrohlich und desorientierend auf die Menschen wirken können, was ihr Verhalten und ihre Denkweise besonders anfällig für Stereotype macht. 1 Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die deutsche Gesellschaft, einerseits, durch die Niederlage und die Auflösung des Deutschen Reiches und anderseits durch die Gebietsverluste im Osten schwer erschüttert. Aus dem Wunsch nach Revision des Versailler Friedenvertrages und den Nachkriegsgrenzen entstand die Ostforschung, die sich nicht nur auf das Gebiet der Geschichtswissenschaft beschränkte, sondern auch andere Disziplinen wie Soziologie, Geographie, Wirtschaft und andere auffasste. Kennzeichnend für die deutsche Ostforschung war ihre starke Politisierung und deutschzentrierte Sicht der Geschichte, wobei das deutsche Volk in den Vordergrund der historischen Ereignisse gestellt wurde und die osteuropäischen Völker nur für die eigenen Forschung eine Relevanz hatten. 2 In den neu entstandenen Staaten Osteuropas, sowie in allen Ländern, die nach dem Krieg Teile ihres Territoriums verloren hatten, war die Zwischenkriegszeit durch eine Schwäche der Demokratie und zugleich durch eine Radikalisierung des Nationalismus und Antisemitismus gezeichnet. Da das Judentum in Osteuropa im Vergleich zu Westeuropa eine bedeutende Minderheit bildete, 3 war es, einerseits, dem Antisemitismus der Staatsvölker ausgesetzt und wurde, anderseits, als Hindernis von den Ostforschern für die geplante deutsche Neuordnung des Raumes betrachtet. All dies kam zum Ausdruck durch zahlreiche antisemitische Publikationen in der Weimarer Republik, in denen das Judentum aus deutschzentrierter Sicht und anhand stereotyper und verzerrter Bilder dargestellt wurde. In dieser Hausarbeit werden solche west-östliche Stereotype im Aufsatz „Deutschtum und Judentum in Osteuropa“ untersucht, dessen Autor Peter-Heinz Seraphim als Ostforscher in der Zwischenkriegszeit tätig war und aufgrund seiner Beschäftigung in der Judenforschung als „Judenexperte“ während des nationalsozialistischen Regimes bekannt war.
1 Vgl. Bernchardt, Hans-Michael: Voraussetzungen, Struktur und Funktion von Feindbildern. Vorüberlegungen
aus historischer Sicht, in: Jahr, Christoph [u.a.] (Hg.): Feindbilder in der deutschen Geschichte. Studien zur
Vorurteilsgeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Berlin 1994(Dokumente, Texte, Materialien. Veröffentlicht
vom Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin, Bd.10) , S.14.
2 Vgl. Petersen, Hans-Christian: Bevölkerungsökonomie - Ostforschung - Politik. Eine biographische Studie zu
Peter-Heinz Seraphim (1902-1979), Osnabrück 2007, S.15-16.
3 Vgl. Bergmann, Werner: Geschichte der Antisemitismus, München 2002, S. 70, 84.
4
I. Peter-Heinz Seraphim - zu seinem Leben und Werk
1.1. Kurze Biographie
Peter-Heinz Seraphim wurde 1902 in Riga geboren. Sein Vater, der Historiker und Journalist Ernst Seraphim, war als Vertreter des deutschbaltischen Bürgertums in seinen politischen Überzeugungen sehr deutschnational und antidemokratisch orientiert. 4 Nach dem ersten Weltkrieg ist die Familie Seraphim nach Königsberg in Ostpreußen umgezogen, das zur deutschen Exklave im Osten laut des Vertrages von Versailles geworden war. 1921 wurde er an der Albertus-Universität in den Fächern Ökonomie und Staatswissenschaften immatrikuliert und promovierte 1924 an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Breslau. An beiden Universitäten verkehrte Seraphim in denselben völkischakademischen Kreisen, die für seine politische Orientierung große Rolle spielten. Er verstand sich als „selbstverständlich 'national'“ 5 , antidemokratisch und strebte nach einem deutschvölkischen autoritären Reich. In seinem gesellschaftlichen Umfeld waren Begriffe wie „Volk“ und „Deutschtum“ zentral. 6
Nach seinem Studium war Seraphim drei Jahre als Assistent in der Wirtschaftsabteilung an der Breslauer Osteuropa-Institut beschäftigt. Zurück in Königsberg wurde er 1930 Referent in dem „Institut für Ostdeutsche Wirtschaft“, wo sein Zuständigkeitsbereich Polen war. Kennzeichnend für die Jahre nach der Machtergreifung Hitlers ist sein Eintritt in die NSDAP in April 1933, sowie in die SA später desselben Jahres und 1934 in den „Volksbund für das Deutschtum im Ausland“ und „Bund Deutscher Osten“. In beruflicher Hinsicht hat sich Seraphim1936 an der Universität Kiel habilitiert und im Oktober 1939 wurde er zum Dozenten an der Albertus-Universität ernannt. 7
Nach dem Kriegsausbruch hat er als Kriegsverwaltungsrat in Krakau gewirkt. Seine Aufgabe war die „Beobachtung der Wirtschaftspolitik“ im Generalgouvernement. Gleichzeitig arbeitete Seraphim für das Krakauer Referat „Judenforschung“ am „Institut für Deutsche Ostarbeit“, sowie für die „Institut zur Erforschung der Judenfrage“ in Frankfurt am Main. Hier noch zu erwähnen ist seine Tätigkeit als Schriftleiter der Zeitung „Weltkampf“. Im Juli 1941 wurde er zum Professor für Wirtschaftliche Staatswissenschaften an der Universität in Greifswald ernannt und nur ein halbes Jahr später wieder zum Wehrdienst als
4 Vgl. Petersen, Hans-Christian: Bevölkerungsökonomie - Ostforschung - Politik, S. 40 - 41, 46.
5 Zitiert nach Petersen, S.74.
6 Vgl. Ebda,S.71-82.
7 Vgl. Ebda,S.82-85, 92, 103, 115,118.
5
Kriegsoberverwaltungsrat in der Ukraine eingezogen. Ab Mai 1943 leitete er das „Oder-Donau-Institut“ in Stettin. 8
Am Kriegsende ist Seraphim in amerikanische Kriegsgefangenschaft geraten, in die USA transportiert und aufgrund seines Fachwissens als „Ostexperte“ eingestuft worden. Nach seiner Rückkehr in Deutschland war er für die Organisation „Gehlen“ tätig und konnte seine frühere Arbeit für die Ostforschung, allerdings mit Schwerpunkt Sowjetunion, wiederaufnehmen. 1950 nahm Seraphim einen Lehrauftrag an der Münchner Universität für „Osteuropäische Wirtschaft“ an und vier Jahre später wechselte er an die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Bochum, wo er die Studienleitung bis seine Pensionierung 1967 übernommen hat. Peter-Heinz Seraphim ist 1979 in Rosenheim gestorben. 9
1.2 „Deutschtum und Judentum in Osteuropa“
Der Aufsatz „Deutschtum und Judentum in Osteuropa“ erschien 1943 während Seraphims Greifswalder Professur in dem zweibändigen Werk „Deutsche Ostforschung. Ergebnisse und Aufgaben seit dem ersten Weltkrieg“. Diese Aufsatzsammlung, an deren Verfassung viele andere Ostforscher teilnahmen, wurde als Festschrift zu dem 70. Geburtstag Albert Brackmanns von Hermann Aubin, Otto Brunner und anderen herausgegeben. Es ist zu beobachten, dass sein Artikel die einzige Arbeit zu jüdischer Thematik in der Aufsatzsammlung ist. 10
„Deutschtum und Judentum in Osteuropa“ stützt sich, wie Seraphim selbst bemerkt, auf sein umfangreichstes Werk „Das Judentum im osteuropäischen Raum“, das 1938 publiziert wurde. Seine Veröffentlichung erfolgte nach jahrelanger Beschäftigung mit dem Thema Judentum, das zu Seraphims Ruf als „Judenexperte“ in den politischen und wissenschaftlichen Kreisen beigetragen hat.
II. Deutsches Selbstbild und jüdisches Feindbild in Seraphims
Werk
Mit der Verwendung von Vorurteilen und Stereotypen, die als verallgemeinernde, wertende und emotionalgeladene Worte oder Bilder für die Orientierung in einer schwer zu
8 Vgl. Ebda,S.148-152,167-168,175,184, 204, 225.
9 Vgl. Petersen, Hans-Christian: Bevölkerungsökonomie - Ostforschung - Politik,S.231-233,240,249, 269-274,
338, 341.
10 Vgl. Ebda,S.209.
Arbeit zitieren:
Valentina Slaveva, 2009, West-östliche Stereotypen? Das Beispiel der deutschen Ostforschung, München, GRIN Verlag GmbH
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