Inhalt
1. Einleitung 1
2. Historische Entwicklung 1
3. Die Funktionen des Fernsehens 3
3.1 Die Funktion zu unterhalten 3
3.2 Die Funktion zu informieren
3.3 Die Funktion zu bilden und zu sozialisieren 7
3.4 Die Funktion zu strukturieren
3.5 Die Funktion zu idolisieren 11
3.6 Die Funktion Kunst zu sein 11
4. Kontrolle und Sanktionen 11
5. Fazit 11
Literaturangabe
1. Einleitung
Als im Juli 1907 Boris Rosing ein Verfahren mit der Patentnummer 18076 namens „Methode der elektrischen Übertragung von Bildern über Entfernungen hinweg“ 1 anmeldete, ahnte niemand, dass damit die Grundlage für ein Medium gelegt wurde, welches die Welt verändern sollte: das Fernsehen.
Schon vor der Einführung des Privatfernsehens wurde das neue Medium kritisch beurteilt. Wie auch nach der Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern und dem darauf folgenden Boom von literarischen Erzeugnissen befürchtete die konservative Schicht der Gesellschaft eine wachsende Verdummung, besonders der Jugend. Ihr Argument: nicht nur anspruchsvolle sondern auch triviale Inhalte konnten nun schneller verbreitet werden. Damit würden Menschen von intellektuellen Herausforderungen abgelenkt und ihre kognitiven Fähigkeiten würden verkümmern bzw. nicht voll ausgebildet werden.
Mit der Etablierung kommerzieller Sender, dem steigenden Quotendruck, auch auf die öffentlich-rechtlichen Anstalten, und einer neuen Zuschauergeneration rückte der Begriff „Mediensozialisation“ immer stärker in den Fokus der Gesellschaft. Im Verlaufe des technischen und gesellschaftlichen Fortschritts gingen Medium und Nutzer eine bis dahin noch nie da gewesene Symbiose ein. Das Fernsehen wurde zu einer Institution erhoben, die weit mehr war als die Möglichkeit zur Unterhaltung. Meinungsbildung, Sozialisierung, Bildungsarbeit, Informationsquelle und Schaffung eines gesellschaftlichen Konsens - das alles und mehr ist Fernsehen heute. Die vorliegende Arbeit möchte die sechs wichtigsten Funktionen des Fernsehens kritisch betrachten. Dabei werden zunächst historische Bezüge hergestellt, woran sich eine Erläuterung der grundlegenden Funktionen des Fernsehens anschließt. Zuletzt werde ich auf Kontrollinstanzen und mögliche Sanktionen eingehen.
2. Historische Entwicklung
„Der Fernseher wird sich auf dem Markt nicht durchsetzen. Die Menschen werden sehr bald müde sein, 2 jeden Abend auf eine Sperrholzkiste zu starren.“ - Darryl F. Zanuck, 1946
Erst mit einer historischen Betrachtung des Fernsehens wird deutlich, welche Rolle es in der heutigen Gesellschaft spielt. Historische, politische und auch wirtschaftliche Einflüsse wirken sich auf das Verständnis des Mediums aus und tragen dazu bei, an welcher Stelle der Gesellschaft es heute und in Zukunft stehen wird.
1 Vgl. http://de.academic.ru/dic.nsf/dewiki/189732 2 http://www.forum.tvc-support.de/topic-112.html
1
Am 22. März 1935 wurde in Deutschland erstmalig ein regelmäßiges Fernsehprogramm ausgestrahlt. Aufgrund der geringen Verbreitung von Empfangsgeräten entstanden sogenannte Fernsehstuben, in der Bürger Propagandamaterial der Nationalsozialisten zu sehen bekamen 3 . 1939 wurden die ersten TV-Geräte für den Privatgebrauch vorgestellt, doch der Zweite Weltkrieg verhinderte weitere Entwicklungen in diesem Bereich. Nach dem Sieg der Alliierten wurde Deutschland weitere technische Forschung im Funk- und Radiobereich verboten. Erst am 21. (DDR) bzw. 25. Dezember (BRD) 1952 wurden wieder Programme auf einer regelmäßigen Basis ausgestrahlt 4 . Das Wirtschaftswunder der 60er Jahre ermöglichte eine große Verbreitung von Fernsehempfangsgeräten in der Bevölkerung. Gleichzeitig wurde aus dem einfachen Bürger der Zuschauer. Die 1950 gegründete ARD und das 1963 folgende ZDF begannen damit, Programme für die ganze Familie zu entwickeln 5 .
Mit Einführung des Privatfernsehens Ende der 1980er Jahre wurde das duale System mit den öffentlich-rechtlichen Sendern auf der einen Seite und den privaten Sendern auf der anderen Seite geschaffen. Die Finanzierung der Privatsender erfolgt nicht von staatlicher Seite über Steuergelder und umstrittene GEZ-Abgaben, sondern durch Werbeblöcke, welche das laufende Programm unterbrechen. Dieser starke Einfluss der Wirtschaft hat auch immense Auswirkungen auf das Programm und dessen Funktionen. Je länger die Konjunktur in Deutschland anhielt, desto teurer wurden die Werbeblöcke der Sender zur Primetime. Mit den Mehreinnahmen wurden teurere Produktionen möglich, was sich auf die Qualität der Sendungen auswirkte. In den 90er Jahren entwickelte das Privatfernsehen Programmangebote, die sich qualitativ mit den Inhalten der öffentlich-rechtlichen Sender messen konnten. Dies war nur durch die hervorragende wirtschaftliche Lage Deutschlands in dieser Zeit möglich.
Das 21. Jahrhundert sollte erneut die Fernsehlandschaft verändern. So genannte Dokusoaps, also dokumentarisch anmutende Seifenopern, begannen die Vorherrschaft von Serien und Filmen abzulösen. Die Produktion dieser Formate ist kosteneffizienter und stabile Einschaltquoten zeigen die breite Akzeptanz solcher Sendungen. Gleichzeitig beeinflusste die Ausbreitung des Internets das Fernsehen, indem eine starke Vernetzung dieser Medien stattfand: auf den sendereigenen Internetseiten werden nicht nur Programmhinweise oder -zusätze angeboten. Der Zuschauer kann verpasste Sendungen im Stream abspielen, mit den Fernsehschaffenden in Kontakt treten, sich für Produktionen wie z.B. Wer wird Millionär bewerben oder das Programm der Sender in deren User-Foren kritisch bewerten. Damit steigert sich die Interaktivität zwischen Zuschauer und Sender. Um diesen Entwicklungen Folge zu leisten, kann der Zuschauer in Sendungen wie Deutschland sucht den Superstar (im Folgenden: DSDS, RTL), Big Brother (RTL II) oder Ich bin ein Star, holt mich hier raus
3 Vgl. http://www.texter-in.at/product-placement/6a-fernsehen-entwicklung.html
4 Vgl. http://www.uni-protokolle.de/Lexikon/Chronologie_des_Fernsehens.html
5 Vgl. http://www.jcpohl.de/medien/tv.html
2
(RTL) mitbestimmen, welcher der Kandidaten in die nächste Spielrunde kommt, indem er kostenpflichtige Telefonnummern anruft oder SMS-Texte verschickt. In der Zukunft wird eine immer stärkere Vernetzung der Medien Fernsehen und Internet stattfinden. Genaue Prognosen lassen sich allerdings nicht erstellen, da die auf die Medien Einfluss nehmenden politischen, technischen und gesellschaftlichen Entwicklungen aufgrund ihrer Vernetzung und Komplexität nicht vorhersehbar sind.
3. Die Funktionen des Fernsehens
"Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben [sic] wissen, wissen wir durch die Massenmedien" - Niklas Luhmann, 1996 6
Das Fernsehen ist seit seinem Aufkommen zu einem Massenmedium geworden und steht in seiner Verbreitung anderen Medien, wie Zeitungen, Zeitschriften oder dem Internet, in nichts nach. Ein Medium kann definiert werden als eine
„spezifische Kombination von Zeichensystemen bzw. Zeichen und technischen Medien, die Kommunikationsmöglichkeiten durch ihre materiellen und technischen Eigenschaften bestimmen, da sie nur begrenzte Möglichkeiten der Nutzung bieten. Medium ist dabei eine spezifische und relativ stabile Verwendungsweise von Kommunikationsmitteln für bestimmte kommunikative Zwecke.“ 7
Die Bezeichnung „Massenmedium“ tragen Kommunikationsmittel, die eine sehr große, nicht näher zu definierende Anzahl von Rezipienten erreicht.
3.1 Die Funktion zu unterhalten
Der Aspekt der Unterhaltung und der Ablenkung vom Alltag ist die erste in der Literatur genannten
Funktionen des Fernsehens. Vande Berg et al. begründen:
„Television is prolific provider of diversion, escape, and entertainment that requires no 8 literacy, no mobility, and no direct purchase; indeed, children begin watching this tirelessly entertaining babysitter long before they can talk or read.”
Der Unterhaltungswert des Fernsehens wird damit begründet, dass der Zuschauer die medialen Inhalte ohne Vorkenntnisse verstehen kann, das Haus nicht verlassen und kein zusätzliches Geld ausgeben muss. Der Zuschauer bleibt bei diesem Aspekt passiv. Einzig die Möglichkeiten, den Sender zu wechseln oder das Gerät abzuschalten, existieren. Ärzte befürchten, dass die in der Passivität begründete Bewegungsarmut Schuld an für z.B. Herzkreislauferkrankungen sei. Andererseits erkennen 62,9% der Deutschen nach einer Umfrage, dass Fernsehen erheblich dazu beiträgt, Stress abzubauen 9 . Da Stress ebenfalls eine Ursache von Herzerkrankungen sein kann 10 , zeigt sich, dass das
6 http://www.zkm.de/mbuw/taetigkeitsfelder_1.html
7 Dittmar 2009, 47 8 Vande Berg 1998, S.4
9 Vgl. http://www.apotheken-umschau.de/Stress/Bei-Stress-Rueckzug-aufs-Sofa-A100514MAIRR133200.html
10 Vgl. http://www.sprechzimmer.ch/sprechzimmer/Fokus/Stress/Herz_leidet_unter_Stress.php
3
Werkzeug Fernsehen vergleichbar mit anderen Substanzen und Reize ist: „Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift. Allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“ 11 Der Unterhaltungswert eines Formates ist schwer einschätzbar und orientiert sich immer an den individuellen Vorlieben des Zuschauers. Grundlegend lässt sich sagen, dass ein Programm dann als unterhaltend verstanden wird, wenn sich bekannte Elemente des realen Lebens mit unbekannten (zum Teil auch fantastischen) Elementen des fiktionalen Lebens die Waage halten 12 . Das schließt auch Musik- und Sportsendungen ein, in der die fiktionalen Erwartungshaltungen der Zuschauer auf den realen Musiker oder Sportler projiziert werden.
Kritiker des Mediums orientieren sich meist an der Qualität der Angebote und bemängeln die fehlende Intellektualität. Herrmann wirft dem Fernsehen vor, der Gesellschaft den Weg in die Infantilität zu ebenen. „Wir sind, unter anderem durch die Wirkung des Mediums ‚Fernsehen‘, auf dem Weg in die infantile Gesellschaft.“ 13 Er behält in seinen Thesen jedoch nur die Unterhaltungswerte im Blick, um diese zu verdammen und ein Bild von verdummten und verrohten Menschen zu zeichnen. Dabei übersehen Kritiker, dass Angebot und Nachfrage der Sendungen nur eingeschränkt übereinstimmen. Das Modell der Einschaltquoten kann nur als bedingt repräsentativ gelten. Hier werden 5640 Haushalte mit 13 000 Personen über eine technische Vorrichtung am Fernsehgerät und der Fernbedienung auf ihre Senderwahl hin untersucht, und das Ergebnis auf die Gesamtbevölkerung Deutschlands hochgerechnet 14 . Bei ca. 82 Millionen Einwohnern repräsentieren demnach 0,016% der Menschen den durchschnittlichen Fernsehkonsum. Das erachte ich nicht als repräsentativ, da dazu zu wenige Haushalte in der Messung partizipieren. Die Einschaltquote sagt nichts über das Fernsehverhalten der Deutschen aus. Entsprechend kann auch keine klare Aussage über den wirklichen Konsum der infantilisierenden Programme getroffen werden 15 . Geht man von der reinen Unterhaltung aus, so ist ein intellektueller Anspruch auch nur da nötig, wo Fernsehen bewusst wahrgenommen wird. Gerade Jugendlichen wird vorgeworfen, weitgehend banale Inhalte zu konsumieren. Abgesehen von Formaten wie DSDS konsumieren Kinder und Jugendliche hauptsächlich Dokusoaps, wie Analysen der AGOF 16 Internetpräsenz Quotenmeter.de dokumentieren. Theunert kommentiert: „[Kinder und Jugendliche sind] kleine, aber vollkommene Wesen, die genau wissen, was sie wollen und mit Bedacht das aus der Fülle der Programme auswählen, was für sie gut ist.“ 17 Das impliziert, dass bewusstes Sehen von Programmen eine Analyse
11 Paracelsus 1538, zitiert nach: http://www.spektrumdirekt.de/artikel/1015486
12 Vgl. Zubayr 1996, S. 17
13 Hermann 1999, S. 203
14 Vgl. http://www.agf.de/fsforschung/methoden/fernsehpanel
15 Leider gibt es keine alternative Messmethode, sodass ich in meiner Argumentation gezwungen bin, auf die Einschaltquote zurückzugreifen, um die Zuschauerbindung zu kommentieren.
16 Die Arbeitsgemeinschaft Online Forschung (AGOF) ist ein Zusammenschluss der führenden Online-Vermarkter in Deutschland.
17 Theunert et al. 1994, S. 11
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Arbeit zitieren:
Daniel Acker, 2010, Kontrolle eines Werkzeugs oder ein Werkzeug außer Kontrolle? , München, GRIN Verlag GmbH
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