Inhaltsverzeichnis
S e i t e n
I E i n l e i t u n g
3
II. Das Augsburger Wirtschaftsbürgertum im Vormärz
3
1. Betätigungsfelder der Wirtschaftsbürger in Augsburg
3
1.1 Banken und Börsenhandel
3
1.2 Banken und Industrie
5
2. Sozialer Hintergrund
6
2.1 B ü r g e r l i c h e W e r t e
6
2.2 Herkunft und Familienstrukturen
8
3. R e l i g i o n
10
3.1 Bedeutungsverlust des kath. Wirtschaftsbürgertums
10
3.2 Situation der jüdischen Wirtschaftsbürger
12
4. Die gesellschaftliche Oberschicht
14
4.1 Vereinswesen als Gesellschaftsorganisation
14
4.2 P o l i t i s c h e r E i n f l u s s
1 6
III. Der typische Wirtschaftsbürger
19
IV. A n h a n g
20
1. Quellen
20
2. Literaturverzeichnis 37
- 3 - Inwieferntritt der Augsburger Wirtschaftsbürger in der Gesellschaft in Erscheinung und kann er als typischer Vertreter des deutschen Wirtschaftsbürgertums im Vormärz betrachtet werden?
I. Einleitung
Der Begriff des Wirtschaftsbürgertums, der sich bereits im Vormärz herausbildete, legt nahe, diese Gesellschaftsschicht als eine einheitliche, dieselben Ziele verfolgende Gruppe von Bürgern zu betrachten. Allerdings darf nicht vergessen werden, dass die Welt des Einzelnen auch im Vormärz noch stark regional geprägt war und dementsprechende Unterschiede in der Herausbildung bestimmter Bevölkerungsschichten herrschten. Obwohl das gehobene Bürgertum über gewisse finanzielle Mittel verfügte und oft auch Auslandsreisen unternommen hat, bedeutet das nicht, dass die Einwohner einer Stadt ihre Schicht für das gesamte deutsche Gebiet repräsentieren. Diese Arbeit soll das Wesen des Augsburger Wirtschaftsbürgers herausarbeiten und damit eine mögliche Grundlage für allgemeine Vergleiche bereiten. Am hilfreichsten ist hierzu die Abhandlung Frank Möllers, der sich mit der bürgerlichen Führungsschicht und den Vereinen in Augsburg beschäftigt hat, und die Arbeiten Peter Fassls, der sein Augenmerk vor allem auf religiöse und wirtschaftlich bedeutende Aspekte legt. Selbstverständlich kann man bei der Beschäftigung mit der Wirtschaftsgeschichte Augsburgs nicht auf die Werke Wolfgang Zorns verzichten, der diese ausführlichst darlegt. Alle anderen Veröffentlichungen dienten der inhaltlichen Ergänzung und Bestätigung. Als besonders ergiebig erwiesen sich auch die Augsburger Archive mit Unmengen von Quellenbeständen. Anhand dieser Materialien soll nun im Weiteren ausgeführt werden inwiefern der Augsburger Wirtschaftsbürger in der Gesellschaft in Erscheinung tritt und ob er vielleicht als typischer Vertreter des deutschen Wirtschaftsbürgertums im Vormärz betrachtet werden kann.
II. Das Augsburger Wirtschaftsbürgertum im Vormärz
1. Betätigungsfelder der Wirtschaftsbürger in Augsburg 1.1. Banken und Börsenhandel
Das Wirtschaftsbürgertum in Augsburg setzt sich im Vormärz aus Großhändlern, Bankiers, Fabrikanten, sowie den kaufmännischen und technischen Direktoren und den Prokuristen der Betriebe zusammen. Im frühen 19. Jahrhundert gewann das Bankwesen
- 4 - zunehmendan Bedeutung und überflügelte wirtschaftlich den erschütterten Handel. „Im Gegensatz dazu [dem Handel] verzeichneten die Augsburger Banken in der napoleonischen Zeit und danach große Gewinne.“ 1 Zunächst mit Kriegsspekulationen und später mit Effektenhandel und Staatspapieren ließen sich an der Augsburger Börse Vermögen verdienen. Die Staatsanleihen ergaben einen risikofreien Zins von 5-6% und durch den noch von den Kriegswirren herrührenden Mangel an Kapital ergaben sich private Leihzinsen von bis zu 15% 2 . Besonders augenfällig sind hierbei die Gewinne der Bankiers Johann Lorenz Schäzler und Johann Gottlieb Süßkind und des Bankhauses Froelich & Wohnlich. Zwar sind diese Herren im weiteren Kreis Mitglieder von Kaufmannsfamilien, aber die Investition in Industrien erschien in dieser Zeit nicht rentabel. Erst der Aufstieg Münchens zum Wechselplatz und Finanzzentrum bescherte der Zeit der großen Spekulationsgewinne in Augsburg ein Ende, die „Augsburger Börse verlor […] seit 1826 unaufhaltsam an Bedeutung.“ 3 Vor allem als die bayerische Regierung die Bayerische Hypotheken- und Wechselbank ins Leben rief und 1835 infolge der Beteiligungen entschied, dass der Hauptsitz in München liegen wird, wanderte auch das Wertpapiergeschäft langsam in die Hauptstadt ab. Ausschlaggebend für das Ende der gewinnträchtigen Bankgeschäfte war jedoch der Niedergang Augsburgs als Handelsstadt. Der Zollverein bereitete 1834 langfristig zwar neue Möglichkeiten im deutschen Raum, aber andererseits schränkten hohe Zollgrenzen zu Österreich-Italien und Frankreich die traditionell über Augsburg laufenden Verkehrsströme ein. 4 Dazu kommt, dass der „Ausbau des Eisenbahnsystems seit den vierziger Jahren […] im Gegensatz zu den Plänen Friedrich Lists, welche die Handels- und Gewerbestädte Nürnberg und Augsburg als Verkehrszentren in Süddeutschland vorgesehen hatten, auf München hin zentriert [war]“ 5 . Augsburg geriet wirtschaftlich abseits der Hauptverkehrswege, da es durch den Ausschluss Österreichs aus dem Zollverein nicht mehr „im Mittelpunkt“, sondern in der südöstlichen Ecke „Teutschlands[!] 6 “ lag. Auch
1 Frank Möller: Bürgerliche Herrschaft in Augsburg 1790-1880. (= Stadt und Bürgertum, Bd.9), München 1998, S. 138.
2 Hannes Leiskow: Spekulation und öffentliche Meinung in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Jena 1930, S. 2.
3 Wolfgang Zorn: Handels- und Industriegeschichte Bayrisch-Schwabens 1648-1870. Wirtschafts-, Sozial-und Kulturgeschichte des schwäbischen Unternehmertums. (= Studien zur Geschichte des Bayrischen Schwabens, Bd. 6) Augsburg 1961, S. 131f.
4 Peter Fassl: Wirtschaftliche Führungsschichten in Augsburg 1800-1914. In: Möckl, Karl (Hg.): Wirtschaftsbürgertum in den deutschen Staaten im 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert. (= Deutsche Führungsschichten in der Neuzeit, Bd. 21), München 1996, S. 220f.
5 Peter Fassl: Konfession, Wirtschaft und Politik. Von der Reichsstadt zur Industriestadt, Augsburg 1750-1850. (= Abhandlungen zur Geschichte der Stadt Augsburg, Bd. 32), Sigmaringen 1988, S. 220.
6 Stadtarchiv Augsburg: Die Organisation der Reichsstadt Augsburg: Entwurf einer Darstellung der Handelsverhältnisse hiesiger Stadt. Denkschrift des Augsburger Handelsstandes von 1806.
- 5 - wennMünchen als Finanzplatz erst 1860 wirklich Bedeutung erlangte, war damit klar ersichtlich, dass München dem ehemaligen Wechselplatz von europäischer Bedeutung den Rang ablaufen würde und die Augsburger Vermögenden suchten nach neuen Investitionsmöglichkeiten.
1.2. Banken und Industrie
Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts, aber besonders nach der napoleonischen Zeit, als die Kattunfabriken allmählich unrentabel wurden, entzogen die Banken das Kapital, dass eine entstehende Industrie dringend benötigte. Vor allem das in Augsburg traditionelle Textilgewerbe konnte nicht mit der technisch weit überlegenen Industrie in England konkurrieren. In der Folgezeit mussten einige Fabriken, wie zum Beispiel die Baumwollspinnerei Gebr. Heinle und die Kattundruckerei Dingler ihren Betrieb einstellen. 7
Fabriken sind mehr als kein anderes Handelsgeschäft, selbst im Augenblick des am günstigsten erscheinendem Zeitpunktes, großen möglichen Gefahren ausgesetzt, und Realitäten einer ins stocken geratenen Fabrik sind, hätten solche auch ursprünglich auch noch so viel gekostet, fast gar nichts mehr Werth [!]. 8
Damit ist die zunächst noch vorherrschende Meinung der Augsburger Wirtschaftsbürger wiedergegeben. Trotz der wirtschaftlich ungünstigen Lage blieben dem Standort Augsburg eine Vielzahl kleinerer Betriebe erhalten, sogar einige Neugründungen entstanden. 9 Von den größeren Textilfabriken überlebte nur die Kattundruckerei Schöppler & Hartmann unter der Leitung von Karl Forster. Aufgrund des Wegfalls der Augsburger Börse als Investitionsmöglichkeit entdeckten einzelne Bankiers, angeregt durch die erfolgreiche Wirtschaftung einzelner Unternehmen wie der Tabakfirma Lotzbeck, wieder die Möglichkeiten der Industrie. Mit der Verlegung der Kammergarnspinnerei von Nürnberg nach Augsburg, eben durch Investoren und die Wasserkraft des Lechs angelockt, begann in Augsburg 1836 die industrielle Gründungswelle. 10 Kurz darauf wurde unter Führung des Bankiers Johann Lorenz Schäzler die Mechanische Baumwoll-Spinnerei und Weberei 11 gegründet, deren Aktienkapital von 1,2 Mio. fl. innerhalb von 18 Tagen bereits gezeichnet war, und davon
7 Josef Graßmann: Die Entwicklungen der Augsburger Industrie im Neunzehnten Jahrhundert. Augsburg 1894
8 Antrag des Abg. Schäzler, die Errichtung einer National-Bank … betr., Mü. 1819 (1822), 26. In: Zorn: Handels- und Industriegeschichte, S. 129.
9 Möller: Bürgerliche Herrschaft, S. 144.
10 Fassl: Konfession, S. 226.
11 Siehe Quellen, Dok. 10.
- 6 - 60%allein von Banken. 12 Die Beteiligung der Augsburger Wirtschaftsbürger am Eisenbahnbau ist endgültig als „Lernprozeß von der Spekulation zur soliden Industrieinvestition […]“ 13 zu verstehen. Der Augsburger Bahnhof 14 und die damit verbundenen Nutzungsmöglichkeit des entstehenden bayerischen Schienensystems ließen Augsburg für Industriegründungen an Attraktivität gewinnen. Mit zunehmendem Erfolg ergriffen immer mehr Augsburger Wirtschaftsbürger selbst den Beruf des Unternehmers 15 , natürlich mit dem Kapital der verzweigten Familie aus den Bankgeschäften. Bereits ab 1840 lässt sich eine außerordentlich starke Zunahme der Neugründungen erkennen.
2. Sozialer Hintergrund 2.1. Bürgerliche Werte
Trotz allem Erfolg war es für den Wirtschaftsbürger wichtig, sich auch bürgerlich zu verhalten. Man war stolz darauf ein Bürger zu sein. Die Verleihung eines Freiherrntitels, auf den Johann Lorenz Schäzler mit Fleiß und Ausdauer hingearbeitet hatte, brachte ihm Vorteile im Umgang mit der adligen Gesellschaft, „seinem Bürgerstolz mißfiel es aber dann, daß man ihn nur noch als Baron, nicht mehr als Finanzrat anredete, da das eine auf Leistung, das andere aber nur auf Gnadenerweis beruhe“ 16 . Karl Ludwig Forster ging in seiner Verbundenheit mit dem Bürgertum sogar soweit, dass er noch 1948 die Reichsratwürde ablehnte. Aber vor allem in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts setzte sich die Faszination eines Adelstitels gegen bürgerlichen Stolz der Wirtschaftsbürger durch, die die Standesunterschiede eigentlich nur am Vermögen und an der Leistung des Einzelnen festmachten. 17 Mit der Ausübung eines Gewerbes verdiente man mehr und in den Augen der Wirtschaftsbürger leistete man auch mehr. Ein Arbeitstag von 12 Stunden oder auch länger war keine Seltenheit, auch für die Großunternehmer oder Bankiers, so erklärt Johann Lorenz Schäzler:
Selbst im Winter gieng[!] ich gemeiniglich[!] schon des Morgens früh 6 Uhr mit meiner Handlaterne auf das Comptoir, zündete mit den in dem Circulations-Ofen noch vom vorigen Abend unter der Asche glimmend gebliebenen Funken mir
12 Friedrich Hassler. Hundert Jahre Mechanische Baumwollspinnerei und Weberei Augsburg. Augsburg 1937, S. 21-67.
13 Möller: Bürgerliche Herrschaft, S. 145.
14 Siehe Quellen, Dok. 11.
15 Siehe Quellen, Dok. 1.
16 Wolfgang Zorn: Johann Lorenz und Ferdinand Benedikt von Schaezler. In: Lebensbilder aus dem bayerischen Schwaben, Bd. 3, München 1954, S. 369-388.
17 Peter Fassl: Wirtschaftliche Führungsschichten in Augsburg 1800-1914. In: Karl Möckl (Hg): Wirtschaftsbürgertum in den deutschen Staaten im 19. und im beginnenden 20. Jahrhundert. (= Deutsche Führungsschichten in der Neuzeit, Bd. 21), München 1996, S. 243.
- 7 - selbstdas Feuer im Ofen an und arbeitete mit meinen Leuten, denen ich mit gutem Beyspiel[!] vorangieng, ununterbrochen fort, bis gemeiniglich[!] Nacht Neun Uhr. 18
Deswegen hatte der erfolgreiche Unternehmer oder Kaufmann in Augsburg bis gegen Ende des Jahrhunderts einen höheren Stellenwert als der Regierungsbeamte oder Offizier, was jedoch nicht bedeutete, dass Staatsdiener nicht gesellschaftlich geachtet wurden und einen feste Bestandteil der Führungsschichten in Augsburg stellten. 19 Trotz allem war auch der Alltag der Wirtschaftsbürger im Vormärz durchschnittlich von Bescheidenheit geprägt, die Ehefrauen führten zum Beispiel den Haushalt selbst. Oft wohnten die Kinder auch noch lange nachdem sie bereits verheiratet waren im Hause der Eltern oder Schwiegereltern, da eine eigene Wohnung als nicht angemessen erschien. 20 „Persönlicher Luxus wurde beargwöhnt, galt als Zeichen von Leichtsinn und Abkommen vom rechten Weg“ 21 Aber gleichzeitig stiegen die Gewinne und der verheiratete Wirtschaftsbürger mittleren Alters konnte es sich finanziell leicht leisten ein eigenes Anwesen zu erwerben. Vor allem im Zuge der Fabrikneugründung wurden innerhalb des Firmengeländes regelrechte Villen errichtet. Man genoss so die Leistung seiner Arbeit, versuchte aber trotzdem die bürgerliche Lebensführung beizubehalten. In Augsburg lagen die Fabrikgelände zwar am Rand der Stadt 22 , aber immer noch im Stadtgebiet. Deswegen erstand Johann Lorenz Schäzler zusätzlich zu seinem Stadthaus ein so genanntes Gartenpalais 23 , welches abseits jeglicher Industrie steht. Überhaupt erwarb „die Spitze des Augsburger Wirtschaftsbürgertums […] im großen Umfang Gutsbesitz“ 24 , nicht nur aus dem Wunsch es dem Adel gleichzutun, sondern auch als eine krisenfeste Kapitalanlage. Hier wiederum konnte sich die Erhebung in den Adelsstand als nützlich erweisen, wobei „der Zusammenhang zwischen beiden […] nicht immer eindeutig geklärt werden [kann] - sollte der Erwerb eines Adelstitels den Erwerb von Landbesitz erleichtern oder umgekehrt?“ 25 Auf jeden Fall ermöglichte die Verleihung eines Adelstitels die Errichtung eines Fideikommisses 26 , wovon mehrere Wirtschaftsbürger
18 Johann Lorenz Freiherr von Schaezler: Meine Lebens-Beschreibung. In: Zorn: Handels- und Industriegeschichte. S. 329.
19 Fassl: Führungsschichten. S. 244.
20 Schaezler: Lebens-Beschreibung. S. 310-317.
21 Fassl: Führungsschichten. S. 244.
22 Siehe Quelle, Dok. 12.
23 Siehe Quelle, Dok. 13.
24 Möller: Bürgerliche Herrschaft. S. 121.
25 Ebd., S. 120.
26 Rechtsinstitut für den Adel, wonach ein Vermögensgut, insbesondere Grundbesitz, unveräußerlich und nur als Ganzes in der Familie vererblich ist und der jeweilige Inhaber nur die Erträge des Gutes nutzbar machen kann.
- 8 - Gebrauchmachten. 27 Mit zunehmenden Verdiensten wurden auch die Möglichkeiten für die sowieso schon als essentiell betrachtete Ausbildung weiter ausgeschöpft. Für den Sohn eines erfolgreichen Wirtschaftsbürgers war eine gute Ausbildung, immer häufiger auch eine schulische durch Privatlehren oder auf Gymnasien, selbstverständlich und vor allem Reisen ins In- und Ausland um verschiedenste Unternehmen und Fabriken kennen zulernen gewannen immer mehr an Bedeutung. 28 Obwohl viele Vertreter des Augsburger Wirtschaftsbürgertums an bürgerlichen Idealen festhielten, entwickelte sich durch den wirtschaftlichen Erfolg auch hier eine eigene Gesellschaftsschicht mit leicht veränderten Werten.
2.2. Herkunft und Familienstrukturen
Augsburg hat eine weit zurückreichende Handelsgeschichte, doch „um 1800 zählte zu der wirtschaftlichen Führungsschicht keine einzige Familie, die bereits vor dem 30jährigen Krieg wirtschaftliche Bedeutung gehabt hätte, und nur sehr wenige die vor 1700 zugewandert waren.“ 29 Das bedeutet, dass die Wirtschaftsbürger Augsburgs größtenteils nicht aus der Stadt selbst stammten, sondern sich erst gegen Ende des 18. Jahrhunderts dort niedergelassen hatten. Viele vermögende protestantische Familien kamen aus anderen Reichsstädten, dem Norden des deutschen Raumes und später vor allem aus Baden-Württemberg und Franken (Schüle, Wohnlich, Süßkind, Schäzler, Forster,…), während wirtschaftlich tätige Katholiken von Österreich und Norditalien, später dann auch aus dem schwäbischen Umland, nach Augsburg übersiedelten (Carli, Pedrone, …). 30 Bereits vor dem Beginn des 19. Jahrhunderts konnte es die alte Oberschicht bewerkstelligen vor allem die protestantischen Zuwanderer größtenteils zu integrieren und dauerhaft in die Augsburger Gesellschaft aufzunehmen. Damit erklärt sich der im Vormärz sehr hohe Prozentsatz von über 50% der Führungskräfte aus Augsburg und der näheren Umgebung. 31 Noch höher ist in der Folgezeit dann die Selbstrekrutierungsquote des Augsburger Wirtschaftsbürgertums von 61%, die durch jeweils unterschiedliche Werte aus Handel, Bankwesen und Industrie entsprangen. 32 Dies wurde in erster Linie noch durch die Heiratspolitik der einzelnen Familien verstärkt. So bestanden mehrere familiäre Verbindungen, die sich über das gesamte Augsburger Wirtschaftsbürgertum erstreckten, wobei „gerade die Gruppe der protestantischen und wirtschaftsbürgerlichen
27 Möller: Bürgerliche Herrschaft. S. 122.
28 Zorn: Handels- und Industriegeschichte. S. 276-280.
29 Fassl: Führungsschichten. S. 218.
30 Zorn: Handels- und Industriegeschichte. S. 265f.
31 Fassl: Führungsschichten. S. 224f.
32 Ebd., S. 226.
Arbeit zitieren:
Sebastian Plappert, 2003, Wirtschaftsbürgertum im Vormärz, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Geschichte: neuer Titel erschienen: Wirtschaftsbürgertum im Vormärz
Sebastian Plappert hat einen neuen Text hochgeladen
Wege in die Moderne. Reiseliteratur von Schriftstellerinnen und Schrif...
Jahrbuch Forum Vormärz Forschu...
Christina Ujma
Ökonomie und Recht - Historische Entwicklungen in Bayern. 6. Tagung de...
Im Auftrag der Gesellschaft fü...
Christoph Becker, Hans G. Hermann
Wirtschaftsbürger oder Marktopfer?
Neue Beschäftigungsverhältniss...
Herrmann Reichold, Albert Löhr, Gerhard Blickle
Literaturbetrieb und Verlagswesen im Vormärz
Jahrbuch Forum Vormärz Forschu...
Christian Liedtke
0 Kommentare