Gliederung
1. Einleitung
2. Rechtsextremismus / rechtsextreme Organisationen
2.1 Der Begriff Rechtsextremismus
2.2 rechtsextreme Organisationen
2.2.1 Die Republikaner („REP’s“)
2.2.2 Nationaldemokratische Partei Deutschlands („NPD“)
2.2.3 Deutsche Volksunion („DVU“)
2.2.4 weitere rechtsextreme Parteien und Organisationen
3. Rechtsextremismus - Frauen und Männer im Vergleich
3.1. Rechtsextremismus - reine Männersache?
3.2. Motive für rechtsextreme Orientierungen und für den Eintritt
in rechtsextreme Organisationen
3.2.1 allgemeine Motive für Rechtsextremismus
3.2.1.1 Protestwähler
3.2.1.2 psychologische Erklärungsansätze
3.2.1.3 soziale Erklärungsansätze
3.2.1.4 politische Erklärungsansätze
3.2.1.5 Zusammenfassung der allgemeinen Motive
3.2.2 frauenspezifische Motive
3.2.2.1 positive Bewertung der klassischen Frauenrolle
3.2.2.2 Angst vor sexuellen Übergriffen
3.2.2.3 Frauen als Anhängsel von Männern
3.2.2.4 Dominanzkultur
3.2.2.5 Zusammenfassung der frauenspezifischen
Motivationen und eigene Stellungnahme
3.3 Aktivitäten von Frauen und Männern in rechtsextremen
Gruppen
3.3.1 Frauen in rechtsextremen Parteien
3.3.2 Frauen in weiteren rechtsextremen Organisationen
und Gruppen
3.2.2.1 Skingirl-Freundeskreis Deutschland (SFD)
3.2.2.2 Mädelschar Deutschland
3.3.3 Zusammenfassung der Aktivitäten von Frauen
4. Schlussbetrachtung
Literaturverzeichnis
4
1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob es Unterschiede zwischen Frauen und Männern bezüglich ihrer Eintrittsmotivation und ihren Aktivitäten in rechtsextremen Organisationen gibt.
Dabei soll hier zunächst ein mal untersucht werden, was unter den Begriff ‚rechtsextrem‘ bzw. ‚Rechtsextremismus‘ zu verstehen ist. Im Anschluss daran soll beispielhaft auf einige Organisationen, die im weiteren Verlauf der Arbeit genannt sind, eingegangen werden. Dabei soll erläutert werden, warum diese Organisationen als rechtsextrem zu betrachten sind.
Anschließend wird zunächst untersucht, ob sich die Motive für den Eintritt in diese Organisationen zwischen Frauen und Männern unterscheiden, um dann zum Abschluss darauf einzugehen, welche Formen der Aktivität(en) es von Frauen in den rechtsextremen Organisationen gibt, und ob sich darin frauenspezifische Beitritts-Motive widerspiegeln.
2. Rechtsextremismus / rechtsextreme Organisationen
2.1 Der Begriff ‚Rechtsextremismus‘
Der Begriff „Rechtsextremismus“ wird nicht nur umgangssprachlich, sondern auch in der wissenschaftlichen Literatur uneinheitlich verwendet, ein innerwissenschaftliches konsensuales Verständnis der Terminologie existiert nicht 1 . Zum Teil wird versucht, die konkurrierenden Begrifflichkeiten wie „Rechtsradikalismus“ oder „Rechtsextremismus“, „Ausländerfeindlichkeit“ und „Rassismus“ sowie „Neofaschismus“ und „Neonazismus“ bestimmten Phänomenen oder Gruppierungen zuzuordnen 2 , was aber bislang nicht zu einer einheitlichen Terminologie geführt hat.
1 Kowalsky, Wolfgang/Schröder, Wolfgang, 1994, S. 9
2 so z.B. bei Butterwege, 1996, S. 15
5
Der in dieser Arbeit verwendete Begriff von Rechtsextremismus dient als Sammelbegriff, der verschiedene Ideologien der Ungleichwertigkeit ungleicher Menschen beinhaltet. Kriterien für diese behauptete Ungleichwertigkeit können zum Beispiel das „Geschlecht“, die „Rasse“, die „Kultur“ oder die „Religion“ sein. Darüber hinaus werden dem Begriff Rechtsextremismus hier auch Ideologien zugeordnet, die von einer nationalen Überhöhung ausgehen, eine homogene Volksgemeinschaft auf Grund vermeintlicher biologischer oder kultureller Merkmale behauptet, oder die als ‚anders‘ Definierten bis hin zur Vernichtungsbereitschaft ausgrenzt, eine Einteilung in „lebenswert“ und „lebensunwert“ propagiert 3 .
2.2 rechtsextreme Organisationen
Im Folgenden sollen einige Parteien und Gruppierungen jeweils kurz vorgestellt werden. Ebenso soll an einigen Beispielen erläutert werden, warum diese als rechtsextrem anzusehen sind 4 .
2.2.1 Die Republikaner („REP’s“)
Die Partei „Republikaner“ wurde 1983 in erster Linie von ehemaligen CSU-Mitgliedern gegründet. Mitte der 1990er Jahre hatte die Partei noch über 15.000 Mitglieder 5 . Die Zahl der Mitglieder hat sich allerdings in den letzten Jahren kontinuierlich auf 11.500 Personen im Jahre 2001 verringert 6 .
Zwar ist die Partei bemüht, sich als rechtskonservative Partei innerhalb des demokratischen Parteienspektrums darzustellen, dennoch sind
3 die hier vorgenommene Definition beruht im wesentlichen auf den Ausführungen von Wlecklick, Petra, 1995, S. 9 und Bitzan, Renate, 2000, S. 19f.; vergl. auch Pfahl-
Traughber, 1993, S. 18ff
4 es werden jeweils nur einige Anhaltspunkte dargestellt, eine genauere Betrachtung aller Merkmale erscheint im Rahmen dieser Untersuchung nicht notwendig.
5 Sturhan, Katrin, 1997, S.118
6 Bundesministerium des Innern, 2001, S. 102
6
weiterhin tatsächliche Anhaltspunkte für rechtsextremistische Bestrebungen festzustellen 7 .
Auch das aktuelle Parteiprogramm der Republikaner zur Bundestagswahl 2002 offenbart, warum diese Partei als rechtsextrem anzusehen ist. So werden, zwar nicht so offen wie bei anderen Organisationen, aber dennoch deutlich, Ansprüche auf ehemalige deutsche Gebiete gestellt, im Sprachgebrauch wird statt ‚Deutschland‘ teilweise von ‚Mittel-deutschland‘ gesprochen 8 . Des weiteren wird in einer fremdenfeindlichen Weise der drohende Untergang des deutschen Volkes angedeutet, wenn noch mehr Ausländer die ‚deutsche Identität‘ durch ‚kulturelle Überfremdung‘ gefährden 9 .
2.2.2 Nationaldemokratische Partei Deutschlands („NPD“)
Die NPD konnte in den 1990er Jahren einen deutlichen Mitgliederzuwachs aufweisen, allein zwischen 1997 und 1998 einen Zuwachs von ca. 50 Prozent 10 . Seitdem ist die Mitgliederzahl relativ konstant bei ca. 6.500 geblieben 11 .
Selbst nach dem Stellen eines Verbotsantrags durch Bundesregierung, Bundesrat und Bundestag und der Einleitung eines Verbotsverfahrens durch das Bundesverfassungsgericht äußert die NPD offen ihre Feindschaft gegenüber der demokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland 12 .
So finden sich im aktuellen Parteiprogramm der NPD mehrere eindeutige Stellungnahmen. Bei der NPD wird offener als bei den Republikanern gefordert, dass Deutschland sich wieder in seine „geschichtlich gewachsenen Grenzen“ ausdehnen müsse („Deutschland ist größer als
7 Bundesministerium des Innern, 2001, S. 106
8 Republikaner, 2002 - beim Besuch des Internet-Auftritts ertönt auf der Startseite die Melodie des ‚Deutschlandlieds“, dazu ist der komplette Text aller drei Strophen zu
lesen.
9 Republikaner, 2002
10 Innenministerium des Landes NRW, 1998
11 Bundesministerium des Innern, 2001, S. 85
12 Bundesministerium des Innern, 2001, S. 66
7
die Bundesrepublik!“) 13 . Daneben finden sich wie bei den Republikanern Aussagen, dass der „Überfremdung“ durch Ausländer entgegenzuwirken sei, damit die „deutsche Volkssubtanz erhalten“ bleibe 14 .
2.2.3 Deutsche Volksunion („DVU“)
Die DVU wurde 1987 gegründet. Zwar sind auch bei ihr die Mitgliederzahlen rückläufig, dennoch ist sie mit derzeit ca. 15.000 Mitgliedern die mitgliederstärkste rechtsextreme Partei Deutschlands 15 . Die verfassungsfeindlichen Bestrebungen der DVU lassen sich an übersteigerten nationalistischen, fremdenfeindlichen und revisionistischen Publikationen erkennen 16 . So finden sich im aktuellen Wahlprogramm der DVU auch die schon bei den anderen Parteien genannten Themenfelder, wie eine „Begrenzung des Ausländeranteils“, und die Forderung nach Wiederherstellung eines Deutschlands mit den Gebieten "östlich von Oder und Neiße" 17 .
2.2.4 weitere rechtsextreme Parteien und Organisationen
Neben den drei vorgestellten mitgliederstarken rechtsextremen Parteien gibt es noch ca. 70 weitere rechtsextreme Organisationen 18 . Einige Organisationen wie z.B. die Partei „Vereinigte Rechte“ haben sich aufgelöst, andere Parteien wie „Ab jetzt...Bündnis für Deutschland“ (BfD) und „Bund für Gesamtdeutschland“ (BGD) waren nahezu inaktiv und beteiligten sich nicht an Wahlen 19 . Da die meisten anderen Organisationen aufgrund von Mitgliederschwund immer unbedeutender geworden sind 20 , sollen sie an dieser Stelle nicht weiter vorgestellt werden.
13 NPD, 2002
14 Ebd.
15 Bundesministerium des Innern, 2001, S. 95
16 Ebd.
17 DVU, 2002
18 Bundesministerium des Innern, 2001, S. 35
19 Bundesministerium des Innern, 2001, S. 117
20 Ebd.
8
3. Rechtsextremismus - Frauen und Männer im Vergleich
3.1. Rechtsextremismus - reine Männersache?
Wenn von Rechtsextremismus die Rede ist, geht es meist, insbesondere in den nichtwissenschaftlichen Publikationen, um Männer oder männliche Jugendliche. Nur vereinzelt wird auch über Rechtsextremismus bei Frauen und weiblichen Jugendlichen berichtet. Aber auch in wissenschaftlichen Publikationen standen zumindest in der Vergangenheit oftmals Männer im Mittelpunkt der Untersuchungen. So kam bis 1990 das Thema „Frauen und Rechtsextremismus“ in der Forschung so gut wie nicht vor, und auch in der Folgezeit bezog sich der größere Teil der Untersuchungen und Veröffentlichungen auf männliche Täter bzw. Personen 21 , wenn auch die Anzahl der Veröffentlichungen, die sich mit dem Phänomen „Frauen und Rechtsextremismus“ beschäftigen, scheinbar langsam weiter steigt.
Auf den ersten Blick mag dies auch einleuchten, da Männer im Zusammenhang mit rechtsextremen Straftaten wesentlich häufiger aktenkundig werden, als Frauen. So lag z.B. bei der Auswertung von knapp 1400 E rmittlungsakten im Zusammenhang mit rechtsextremen Straftaten der Anteil der männlichen Tatverdächtigen ungefähr bei 96 Prozent 22 , andere Quellen schreiben Mädchen und Frauen sogar nur 2 Prozent der rechtsextremen Straftaten zu 23 . Darüber hinaus stellen Frauen nur ca. 3 -5 Prozent der aktiven Funktionäre in rechtsextremen Parteien, sowie ca. 33 Prozent der WählerInnen 24 .
Aus diesen vergleichsweise geringen Zahlen kann aber dennoch nicht abgelesen werden, dass Frauen ‚weniger rechtsextrem‘ sind, Rechtsextremismus somit also eine Männer-Angelegenheit sei, und Frauen davon meist nur als Opfer betroffen wären 25 . Vielmehr kann man den
21 Wohllaib, Nikola, 1996, S. 79
22 Willems, Helmut/Würtz, Stefanie/Eckert, Roland, 1993
23 Möller, Kurt, 1991, S. 27
24 Bitzan, Renate, 2000, S.26; Wohllaib, Nikola, 1996, S. 81
25 Jaschke, Hans-Gerd, 2001, S. 117
9
Arbeit zitieren:
M.A. Ekkehard Passolt, 2002, Eintrittsmotivation und Aktivitäten von Frauen und Männern in rechtsextremen Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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