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Friedhart Knolle
Zusammenfassung
Biosphärenreservate sind Modell-Landschaften nachhaltiger Entwicklung und Landschaftsnutzung. Sie werden von der UNESCO anhand einheitlicher, international festgesetzter Kriterien anerkannt. Das im Land Sachsen-Anhalt gelegene Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz ist bisher das einzige Reservat dieser Art im Gipskarst weltweit. Seine Entstehung wird im Rahmen des sich über die drei Bundesländer Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt erstreckenden Gipskarstgebietes Südharz beschrieben.
Karst und Biosphärenreservate
Biosphärenreservate sind Modell-Landschaften nachhaltiger Entwicklung und Landschaftsnutzung. Sie werden von der UNESCO anhand einheitlicher, international festgesetzter Kriterien anerkannt (www.unesco.de). Charakteristisch für Bio-sphärenreservate ist die Untergliederung in Zonen:
Die Kernzone dient der Erhaltung der natürlichen Ökosysteme und dem Schutz der dort lebenden Tier- und Pflanzenarten. Die menschliche Einflussnahme ist hier so gering wie möglich gehalten, ein Betreten der Kernzone ist in der Regel nur zu Forschungszwecken erlaubt.
Die Kernzone ist von einer Pufferzone umgeben. Hier sind menschliche Einflüsse und Aktivitäten zugelassen, die mit ökologischen Ansprüchen vereinbar sind, wie zum Beispiel Umweltbildung, Ökotourismus, ökologischer Landbau und angewandte Grundlagenforschung.
Um die Pufferzone herum liegt eine Entwicklungszone. Hier wird nachhaltige Entwicklung gemeinsam mit der örtlichen Bevölkerung umgesetzt. Alle Nutzungs- und Wirtschaftsformen werden praktiziert, sofern sie umwelt- und sozialverträglich sind. Auch in der Entwicklungszone wird Forschung und Monitoring durchgeführt.
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Weltweit sind auch einige Karstlandschaften als Biosphärenreservate ausgewiesen (www.unesco.org/mab/wnbrs.shtml) - bekannt ist z.B. das Mammoth Cave Biosphere Reserve in Kentucky, USA. Im slowenischen Biosphärenreservat Karst befinden sich die berühmten Höhlen von Skocjan, die auch zum Weltnaturerbe der UNESCO gehören (www.parkskocjanske-jame.si). Zu den Aufgaben des Reservates zählt die Erforschung der Tropfsteinbildung und der hydrologischen Prozesse in den Höhlensystemen und Gewässernetzen. Um das Naturerbe zu erhalten, wird die Landwirtschaft im Karst auf umweltschonende Praktiken umgestellt und die Wasserverschmutzung durch Düngemittel und Abwasser streng kontrolliert. Die slowenische Karstlandschaft ist auch als "international bedeutendes Feuchtgebiet" ausgewiesen und durch die Ramsar-Konvention geschützt. Bekannt sind auch das Slowakische Karst-Biosphärenreservat oder der auf diese Weise geschützte Kegelkarst von Vietnam. Durch Biosphärenreservate geschützte Gipskarstlandschaften gibt es weltweit kaum. Zwar umfasst der österreichische Biosphärenpark Großes Walsertal auch einen kleinen Anteil Gipskarstlandschaft, aber für den Schutzzweck ist er dort kaum relevant. Ein flächenhaftes Gipskarst-Biosphärenreservat gibt es weltweit nur in einem Fall - das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz im sachsen-anhaltischen Teil des Südharzes
(www.bioreskarstsuedharz.de). Diese Tatsache ist selbst unter Fachleuten national und international kaum bekannt.
Die Südharzer Sulfatkarstlandschaft
Immer wieder ist die Gipskarstlandschaft des Südharzes Diskussionsthema - aber lange ist kein Übersichtsbeitrag erschienen, der die Fülle neuer Entwicklungen und Literatur knapp erschließt. Das kann auch mit dem vorliegenden Text nicht geschehen und eine Monografie zu diesem Thema wird noch länger auf sich warten lassen. Es soll versucht werden, hier in komprimierter Weise einen Überblick der Schutzbemühungen der letzten Jahrzehnte zu geben, der zum Weiterlesen auffordert - daher ist ein umfangreiches Schriftenverzeichnis beigefügt. Für detailliertere Recherchen steht die immer weiter wachsende Literaturdatenbank in www.karstwanderweg.de zur Verfügung.
Die Südharzer Gipskarstlandschaft ist ein in Europa einmaliger Naturraum, der sich über Teile der Länder Niedersachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt erstreckt. Aufgrund seiner besonderen geologischen Situation und dem in dieser Form und Mächtigkeit nur hier großräu- mig und oberflächennah anstehenden Gipsgestein ist am Südharz im Laufe von mehreren
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10.000 Jahren eine Landschaft von extremer Verkarstungsintensität mit morphologischer und biologischer Vielfalt entstanden, die hochgradig schützenswert ist (Vladi 1991). Stellvertretend für die ästhetische Schönheit dieser Landschaft steht der klassische Stahlstich von L. Richter (Blumenhagen 1838).
Abb. 2: Blick auf die Gipssteilwand des Sachsensteins (Stahlstich von L. Richter aus Blumenhagen 1838)
Am Südharz dominieren die im ausgehenden Erdaltertum, d.h. vor 258 - 251 Mio. Jahren, in einem warmen Flachmeer abgelagerten Gipse und z.T. als Riffbildungen vorliegenden Dolomite. Die Korrosion des leicht löslichen Gipses, nachgeordnet auch des schwerer löslichen Dolomits, führte im Verlaufe des Eiszeitalters und der Nacheiszeit zu einer Fülle von Karsterscheinungen wie Flussversinkungen und Bachschwinden, Karstquellen, Poljen und Überflutungsflächen, Erdfällen, Dolinen, Laug- und Gerinnehöhlen, Kegelbildungen, Karrenfeldern u.a.
Am deutlichsten offenbart sich der Karstformenschatz in den zahllosen Erdfällen am Südharz. Allein ca. 10.000 Formen existieren im Landkreis Osterode am Harz; jährlich kommen etwa 10 Einsturzereignisse hinzu. Viele Erdfälle weisen Kleingewässer mit Verlandungszonen, eine reichhaltige Ufervegetation, Amphibien- und Libellenfauna sowie organische Sedimente auf, die in ihren Pollen- und Stoffprofilen die Vegetations- und Landnutzungsgeschichte der weiteren Umgebung seit Jahrtausenden lehrbuchhaft konserviert haben (Deicke 2003). Ein in der Fläche massiertes Auftreten von Höhlen und nach ihrem Einsturz von Erdfällen führt an Schichtstufen zu deren allmählicher Zurückverlegung und zum Verbleib weiträumiger Subrosionssenken. Höhlen und Höhlenruinen, Quellen und verlandende Seen sind begehr- te Fundplätze der ur- und frühgeschichtlichen Forschung, die am Südharz seit jeher einen
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Schwerpunkt hat. Karstgrundwasser und die großen Karstquellen dienen der Gewinnung von Trinkwasser (Rhumequelle) und zur Abfüllung von Mineral- und Heilwasser (Förste). Es ist verständlich, dass diese Landschaft, die in ständigen dynamischen Veränderungen steht, für das Siedlungswesen und den Verkehrswegebau voller Probleme steckt. Auch die rohstoffliche Nutzung der Gips- und Dolomitgesteine in fast 30 Steinbrüchen führt zu permanenten Konflikten mit dem Naturschutz und der Trinkwassergewinnung.
Datenzuwachs in der Südharzer Karstforschung
Bereits Johannes Thal beschrieb 1588 in seiner "Sylva Hercynia" den Südharz als eine Region von großer Artenvielfalt. Seitdem ist eine Fülle von Literatur über dieses dem eigentlichen Südharz vorgelagerte Gebiet erschienen. Dennoch blieb es stets im Schatten des bekannteren und wissenschaftlich viel stärker beachteten Harzgebirges, und an dieser Situation hat sich bis heute wenig verändert.
U.a. im Zuge der Debatten um das Naturschutzgebiet Hainholz, um Fragen der Rohstoffgewinnung und das Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz sind zahlreiche Veröffentlichungen zu verschiedenen geo- und biowissenschaftlichen Spezialaspekten des Gebietes erschienen.
Auf Initiative der heutigen Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V. und als Auftragsarbeiten für die regional zuständigen Naturschutzbehörden sowie in der Folge der 1979 erfolgten Gründung des Karstmuseums Heimkehle in der seinerzeitigen DDR sind zudem seit den 1970er Jahren viele bisher oft unpublizierte Kartierungen erfolgt, die in der Zusammenschau einen sehr vollständigen Überblick und umfangreiche Detaildaten überwiegend zu den geowissenschaftlichen Aspekten der Gipskarstlandschaft lieferten.
Dies sind u.a. der Höhlenkataster Harz, gefertigt von der seinerzeitigen Arbeitsgemeinschaft für niedersächsische Höhlen 1977, ständig fortgeschrieben durch die Arbeitsgemeinschaft für Karstkunde Harz e.V. (Fricke 1998), ein Erdfallkataster im Maßstab 1:5.000, bestehend aus Formblättern und Grundkarten mit geologischen und botanischen Daten sowie naturschutzfachlichen Empfehlungen (Hartmann et al. 1986), und eine Kartierung 1:10.000 aller Karsterscheinungen durch das Ingenieurbüro Völker, Uftrungen, von 1996 und 1997. Letztere Arbeit sowie der Erdfallkataster haben in der Flächenbeschreibung von Gipskarst-landschaften Pilotcharakter und entsprechend auch Eingang in die Ingenieur- bzw. Baugrund- geologie gefunden, etwa in die baubehördliche Prüfung von Bauvorhaben und in die gemeind-
Arbeit zitieren:
Friedhart Knolle, 2010, Karstlandschaft Südharz, München, GRIN Verlag GmbH
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