Inhaltsverzeichnis
I. Die Entwicklung der Fragestellung
II. Die Prüfung 4
1. Die Autoren 4
a) Heinrich Spoerl 5
b) Hans Reimann 6
c) Auseinandersetzung über die Urheberschaft 6
2. Der Roman 7
a) Zeitpunkt der Spielhandlung 8
b) Inhaltsangabe 9
c) Erzählstil 10
3. Die Lehrer 12
a) Prof. Crey 12
b) Studienrat Dr. Brett 14
c) Bömmel 15
d) Direktor Knauer 16
e) Die anderen Lehrer 17
4. Die Schüler 18
a) Die allgemeinen Schulverhältnisse 18
b) Die Beziehungen zwischen den Schülern 19
c) Johann Pfeiffer 19
d) Wolfgang Luck 21
5. Die Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern
im Roman 22
6. Vergleich des Romans mit den damaligen und heutigen
Schulverh ältnissen 23
a) Schule zu Beginn des 20. Jahrhunderts 23
b) Schule heute 25
III. Die Ergebnisse 26
Literaturverzeichnis 28
2
I. Die Entwicklung der Fragestellung
Die Schule ist das zentrale Thema der Kindheit und Jugend. In der Regel wird man mit dem Hinweis der Eltern und Verwandten, nun beginne der Ernst des Lebens, mit sechs Jahren eingeschult. Wenn alles gut geht, legt man das Abitur mit etwa 19 Jahren ab; dann ist man bereits volljährig. Zwischen diesen Jahren ist das Leben stark von Unterricht, Hausaufgaben, Noten, Zeugnissen und anderen Unannehmlichkeiten bestimmt.
Man sollte nun glauben, dass nach dem Verlassen der Schule kein Interesse mehr besteht, sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Das Gegenteil ist, wie ich im Verwandtenkreis schon öfters erfahren musste, der Fall. Man wird als Jugendlicher nicht nur nach der Schule und - anscheinend noch interessanter für die Erwachsenen - nach den Schulergebnissen gefragt, sondern es wird auch gern von den eigenen Schulerfahrungen 1 berichtet. Die Erzählungen haben eines gemeinsam: Die Schulzeit scheint im Laufe der Zeit seinen Schrekken verloren zu haben! Die Erinnerungen sind insgesamt positiv. Natürlich war nach den Schilderungen früher „alles viel schwerer“, aber im Wesentlichen stehen komische Schulerlebnisse im Vordergrund der Berichte.
Der Film „Die Feuerzangenbowle“ in der Fassung von 1944 2 vermittelt den selben heiteren Eindruck von Schule. Durch die vielen Wiederholungen zu Weihnachten im deutschen Fernsehen 3 hat er mittlerweile Kultstatus erlangt. An den Universitäten wird er Jahr für Jahr in der Vorweihnachtszeit zum Vergnügen der Studenten vorgeführt 4 . Im Internet sind die besten Szenen bei „Youtube“ eingestellt worden. Man kann sagen, dass durch den Film „Die Feuerzangenbowle“ bis heute über Generationen hinweg bekannt ist. Die Streiche und Zitate aus der Geschichte haben ihre Wirkung nicht verloren. Im Sommer 1993 haben in
1 Großvater Abiturjahrgang 1937, Onkel (selbst Lehrer) 1969, Vater 1974, Schwester 2009.
2 Näheres in der Besprechung von Daniela Frings
http://www.martinschlu.de/kulturgeschichte/zwanzigstes/film/vorkrieg/feuerzangenbowle.htm
sowie in Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Feuerzangenbowle_(1944).
3 Erstmals im DDR-Fernsehen am 28.12.1964 und im ZDF am 26.12.1969, zu vgl.
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Feuerzangenbowle_(1944).
4 Benjamin Maak in Spiegelonline:
http://einestages.spiegel.de/static/topicalbumbackground/3569/die_feuerzangenbowle.html.
3
Anlehnung an den Roman sogar drei Männer versucht, sich in einem Gymnasium in Neustadt an der Ostsee unerkannt als neue Schüler in eine Abiturklasse einzuschmuggeln. Sie wurden nach drei Tagen enttarnt 5 .
„Die Feuerzangenbowle“ habe ich als Kind das erste Mal mit meiner Familie im Fernsehen gesehen. Die Geschichte wirkte auf mich einerseits witzig, andererseits „merkwürdig“. Die Schüler sahen so erwachsen aus; die Lehrer erschienen mir alt zu sein. Mir fiel es schwer einen Bezug zu meinem Schulalltag herzustellen. Die Facharbeit gibt nun die Gelegenheit, sich auf der Grundlage des Buchs 6 intensiver mit der Geschichte zu befassen.
Welches Lehrer- und Schülerbild wird mit dem Roman vermittelt? Entspricht die Darstellung den tatsächlichen Verhältnissen von damals? Was ist mit heute vergleichbar? Und worin liegt die über Generationen andauernde Faszination der Geschichte?
II. Die Prüfung
1. Die Autoren
Die Internetsuche ergab, dass kaum Quellen zum Buch zu finden sind. Aus diesem Grund entschloss sich zum Beispiel die 10. Klasse einer Schule in Melle ihre Ergebnisse zu einer Unterrichtsreihe ins Netz einzustellen 7 . Trotz des Bekanntheitsgrades des Romans hat sich die Literaturwissenschaft bislang nicht mit dem Autor und seinen Werken befasst. Noch erstaunlicher ist, dass selbst die Frage der Urheberschaft des Romans bis heute ungeklärt ist. Zwei Namen werden genannt, die mehr oder weniger Anteil an der Entstehung des Romans haben sollen.
5 Näheres unter http://www.xilp.de/fzb93/fzb93.htm.
6 Ursprünglich 1933 im Droste Verlag Düsseldorf erschienen. Mir liegt die im Juli 2009 erschie-
nene 7. Auflage des Piper Verlag München vor.
7 http://www.heinrich-boell-schule.melle.cc/hs_texte.htm.
4
a) Heinrich Spoerl
Als Autor „Der Feuerzangenbowle“ wird in den Buchausgaben ausschließlich Heinrich Spoerl genannt. Hinweise auf andere Personen werden vom Verlag nicht gemacht.
Die veröffentlichten Informationen zu Heinrich Spoerl sind angesichts seiner Bucherfolge spärlich 8 . Er wurde am 08.02.1887 als Sohn eines Ingenieurs und Fabrikbesitzers in Düsseldorf geboren und starb am 25.08.1955 in Rottach-Egern in Bayern. In seiner Geburtsstadt besuchte er von 1893 bis 1905 die Oberrealschule 9 am Fürstenwall. Nach dem Abitur studierte er Jura an verschiedenen deutschen Universitäten. Von 1919 bis 1937 und später erneut von 1945 bis 1949 arbeitete er - nicht sehr erfolgreich 10 - als Rechtsanwalt in einer eigenen Kanzlei. Dazwischen war er als freier Schriftsteller tätig. Er ist Vater von Alexander Spoerl 11 (03.01.1917 bis 16.10.1978), der ebenfalls Romane 12 und Sachbücher schrieb.
Heinrich Spoerl wurde als Verfasser von humoristischen Romanen und Erzählungen bekannt. Zu seinen größten Erfolgen zählen sein Erstlingswerk „Die Feuerzangenbowle“ von 1933 sowie „Wenn wir alle Engel wären“ von 1936, „Der Maulkorb“ aus dem selben Jahr und „Der Gasmann“ von 1940, die alle verfilmt wurden. Zum Film „Die Feuerzangenbowle“ von 1944 hat er auch das Drehbuch geschrieben. Er dürfte sich schon damals „Auflagenmillionär“ nennen. Seine Titel werden heute noch verlegt. Gleichwohl ist er ein „unbekannter Bestsellerautor“ 13 . Eine Biographie über ihn ist bislang nicht verfasst worden. Der Nachlass des Autors befindet sich ungeordnet seit 1984 im Heinrich-Heine-
8 Überblickin Wikipedia zu Heinrich Spoerl http://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Spoerl.
9 Die Oberrealschule war eine in Preußen seit 1882 genehmigte lateinlose neunjährige Schule,
mit deren Reifezeugnis man studieren konnte. Näheres unter Wikipedia: http://de.wikipedia.org-
/wiki/Oberrealschule.
10 Robert Schediwy und Bernd Hemmersbach in der Wiener Zeitung mit Nachweisen:
http://www.wienerzeitung.at/Desktopdefault.aspx?TabID=3946&Alias=wzo&lexikon=Autoren&let
ter=A&cob=5029.
11 Überblick in Wikipedia zu Alexander Spoerl http://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Spoerl.
12 Der bekannteste Roman ist „Memoiren eines mittelmäßigen Schülers“ von 1950.
13 So ausdrücklich Robert Schediwy und Bernd Hemmersbach in der Wiener Zeitung mit einer
Würdigung des Werkes: http://www.wienerzeitung.at/Desktopdefault.aspx?TabID=3946&Alias-
=wzo&lexikon=Autoren&letter=A&cob=5029.
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Institut in Düsseldorf. Zu seinem 50. Todestag erschien lediglich eine kurze Würdigung in der Rheinischen Post Düsseldorf 14 .
b) Hans Reimann
Der als Albert Johannes Reimann 15 am 18.11.1889 in Leipzig geborene und am 13.06.1969 in Schmalenbeck bei Hamburg gestorbene Autor und Kabarettist, der auch unter verschiedenen Pseudonymen veröffentlichte, war über einige Jahre mit Heinrich Spoerl befreundet. Er stammt aus bürgerlichen Verhältnissen. Nach dem Gymnasium erfolgte eine Ausbildung zum Grafiker an der Münchener Kunstakademie, danach studierte er Philologie und Kunstgeschichte an der dortigen Universität.
Reimann war Herausgeber bzw. Mitarbeiter verschiedener in der damaligen Zeit bekannter satirischer Zeitungen 16 . In Leipzig besaß er mehrere Jahre ein politisches Kabarett. Bekannt wurde er vor allem durch die „Sächsischen Miniaturen“, in denen er den Alltag seiner sächsischen Heimat in der Mundart darstellte. Sein Bühnenstück „Das Ekel“ von 1924 ist durch drei Verfilmungen 17 am verbreitesten. „Die Feuerzangenbowle“ wurde erstmals 1934 mit dem Titel „So ein Flegel“ verfilmt. Zu dem ebenfalls mit Heinz Rührmann in der Hauptrolle besetzten Film schrieb Reimann das Drehbuch. Das Drehbuch weicht allerdings stark vom Inhalt des Romans ab 18 .
c) Auseinandersetzung über die Urheberschaft
Reimann hat erstmals 1959 in seiner Biografie „Das blaue Wunder“ behauptet, er sei der Urheber „Der Feuerzangenbowle“ 19 . Die Idee zum Roman sei ihm nach dem Lesen der 1872 erschienen Kurzgeschichte „Besuch im Karzer“ von Ernst Eckstein 20 gekommen. Zusammen mit Spoerl habe er einen ersten Ent-
14 http://www.rp-online.de/duesseldorf/duesseldorf-stadt/nachrichten/duesseldorf/Der-Vater-des-
Pfeiffer-mit-drei-aeff_aid_102981.html#comments.
15 Überblick bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Reimann_(Autor); ausführlich auf
der Hans-Reimann-Homepage: http://www.hans-reimann.de/.
16 Unter anderem: „Der Drache“, „Das Stachelschwein“, „Weltbühne“ und „Simplicissimus“.
17 Unter anderem 1939 mit Hans Moser und 1959 mit Heinz Erhardt in der jeweiligen Hauptrolle.
18 http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Feuerzangenbowle.
19 Der Nachlassverwalter stellt unter Wiedergabe der entsprechenden Stelle aus der Biografie
Näheres auf der Homepage dar: http://www.hans-reimann.de/fzb.html.
20 Näheres zur Person: http://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Eckstein.
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wurf geschrieben. Außerdem habe er es über einen befreundeten Landrat geschafft, eine Zeitlang in einem niederschlesischen Gymnasium unerkannt als Schüler aufgenommen zu werden. Dort habe er Ideen gesammelt. Der Beitrag von Spoerl wird von ihm als gering beschrieben: „Hinrich milderte allzu krasse Stellen, erfand einen netten Vorspann, ließ das Ganze vervielfältigen“ 21 . Reimann begründet die Überlassung der Urheberschaft damit, dass er 1933 unter Beobachtung der Nazis gestanden habe 22 .
Der Wahrheitsgehalt dieser Behauptungen ist bis heute nicht geklärt. Feststeht, dass in dem Roman auf die Kurzgeschichte von Ernst Eckstein Bezug genommen wird 23 . Der Droste-Verlag und die Erbengemeinschaft Spoerl haben jedenfalls keine rechtlichen Schritte gegen die Behauptungen eingeleitet 24 , obwohl der Sohn Alexander immer erklärte, dass der Vater sich an seinen Schulstreichen bedient habe, soweit die eigenen Erinnerungen nicht genügten. Der Verlag räumt jedenfalls jetzt zumindest ein, dass Reimann als „Ideengeber“ beteiligt gewesen sei 25 . Der Anteil dürfte aber nicht zu gering sein. Anderenfalls ist nicht nachvollziehbar, warum die Hälfte des Autorenhonorars seit 1933 an Reimann und später an seine Erben überwiesen wurde. Als Ergebnis steht fest, dass der Roman von zwei Personen verfasst wurde.
2. Der Roman
„Die Feuerzangenbowle“ trägt den Untertitel „Eine Lausbüberei in der Kleinstadt“. Mit dem Untertitel wird bereits deutlich gemacht, worum es geht. Ein Lausbub ist in Süddeutschland umgangssprachlich die Bezeichnung für einen
21 http://www.hans-reimann.de/fzb.html.
22 Die zwiespältige Rolle Reimanns im Dritten Reich wird in Wikipedia näher beschrieben:
http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Reimann_(Autor).
23 Seite 16 der benutzten Ausgabe; ausführlich zu den beiden Geschichten Taepel in ihrer Stu-
dienarbeit: http://www.grin.com/e-book/104135/eckstein-ernst-gesammelte-schulhumoresken-
das-bild-von-lehrern-und# .
24 Zum Stand der Auseinandersetzung Krüger in der TAZ vom 12.01.2007: http://www.taz.de/in-
dex.php?id=archivseite&dig=2007/01/12/a0233.
25 Zum Stand der Auseinandersetzung Schediwy und Hemmersbach in http://www.wiener-
zeitung.at/Desktopdefault.aspx?TabID=3946&Alias=wzo&lexikon=Autoren&letter=A&cob=5029;
zu vgl. auch RP-Online: http://www.rp-online.de/duesseldorf/duesseldorfstadt/nachrichten/dues-
seldorf/Der-Vater-des-Pfeiffer-mit-drei-aeff_aid_102981.html#comments.
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„frechen“ Jungen. In dem Roman werden demnach Jungenstreiche 26 humorvoll erzählt.
Ein zweiter Hinweis zum Roman ist der Geschichte vorangestellt: „Dieser Roman ist ein Loblied auf die Schule, aber es ist möglich, dass die Schule es nicht merkt.“ 27 Die Autoren befassen sich mit der Schule in lustiger Weise, ohne die Lehrerschaft oder die Institution Schule kritisieren zu wollen. Das Schüler-Lehrer-Verhältnis wird überspitzt dargestellt.
a) Zeitpunkt der Spielhandlung
Eine Zeitangabe enthält der Roman nicht. Der Roman erschien 1933. Der Film von 1944, zu dem Spoerl das Drehbuch schrieb, spielt in der „guten alten Zeit“, die ebenfalls nicht genau definiert wird. Aus der Kleidung der Personen, der Benutzung einer Kutsche als Fortbewegungsmittel, ein im Direktorenzimmer hängendes Bild des 1888 verstorbenen Deutschen Kaisers Wilhelm I. und anderen Details wird geschlossen, dass die Spielhandlung dort um 1900 liegt 28 . Zwischen diesen beiden Grenzen, um 1900 und vor 1933 dürfte auch die Handlung im Buch einzuordnen sein.
Da wirtschaftliche Not und politische Auseinandersetzungen in der Geschichte nicht einmal am Rande angesprochen werden, ist davon auszugehen, dass die Handlung eher zu Beginn des 20. Jahrhunderts liegt. Im ersten Weltkrieg (1914 bis 1918) und insbesondere in der nachfolgenden Weimarer Republik herrschten große wirtschaftliche Not, eine hohe Arbeitslosigkeit und politisch schwierige Verhältnisse. Das beschriebene Klassenzimmer 29 , hoher Katheder, Schulbänke in zwei Reihen, Bild vom „Alten Fritz“ 30 , Kohleofen und Papierkiste, ähnelt den im Internet zu findenden Bildern 31 aus dieser Zeit. Die Kleidung des Lehrers Professor Crey 32 , insbesondere Taillenrock und Pikeeweste, sowie die
26 http://synonyme.woxikon.de/synonyme/lausb%C3%BCberei.php.
27 Seite 5 des Romans.
28 Wikipedia mit ausführlicher Begründung: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Feuerzan-
genbowle_(1944).
29 Seite 14 des Romans.
30 Friederich II. von Preußen, auch Friederich der Große genannt, geb. 24.01.1712, gest.
17.08.1786.
31 http://www.eva-mariahetterich.de/schule_frueher.html.
32 Seite 16 des Romans.
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sonstigen Accessoire wie Zwicker und Uhrkette passen zeitlich. Um 1900 dürften auch erstmals Mädchen als Externe in einem Jungengymnasium ein Abitur ablegen, später wurden erst selbständige Mädchengymnasien zugelassen 33 . Die Handlung liegt demnach Anfang des 20. Jahrhunderts, vermutlich vor dem
1. Weltkrieg.
b) Inhaltsangabe
Das Buch und der Film in der Fassung von 1944 unterscheiden sich inhaltlich nur geringfügig. Die Dialoge sind weitestgehend identisch; lediglich einige wenige Stellen sind ausgelassen oder unwesentlich verändert worden 34 . Ausgangspunkt der Geschichte ist ein aus sieben Herren bestehender Stammtisch, der eine Feuerzangenbowle, ein alkoholischen Getränk, ansetzt. Zu der Runde gehört als jüngster der erst 24-jährige erfolgreiche Schriftsteller Dr. Johannes Pfeiffer. Gesprächsthema ist aus Anlass der Beerdigung eines ehemaligen Lehrers die Schule und insbesondere die gegenüber den Lehrern gespielten Streiche. Pfeiffer, der von einem Privatlehrer unterrichtet worden war, wird im Verlaufe der durch den Alkohol immer lustiger werdenden Männerrunde dazu überredet, sich verdeckt als Schüler in die Abitursklasse eines kleinstädtischen Gymnasiums anzumelden, um dort das Schulleben kennen zu lernen.
Im Roman werden die Schule mit seinen Lehrern und Schülern sowie das Leben in der Kleinstadt beschrieben. Einen breiten Raum nehmen dabei die verschiedenen Streiche ein, die sich der „Schüler“ Pfeiffer und seine neuen Freunde ausdenken. In der Rahmenhandlung verliebt sich Pfeifer in die Tochter des Direktors seines Gymnasiums. Sie besucht die benachbarte Mädchenschule. Der Schulaufenthalt wird schließlich durch seinen Rauswurf beendet. Er hatte in Verkleidung die Rolle eines Lehrers gespielt. Am selben Tag wurde das Gymnasium vom Oberschulrat besichtigt. Da Pfeiffer die Schule durch seine gekonnte Schauspielerei nicht in Schwierigkeiten brachte, dürfte er sich mit Eva verloben. Danach deckt Pfeiffer seine wahre Identität auf.
33 Zu vgl. Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Abitur, Schmitz Seite 3 http://www.schillergym-
nasium-koeln.de/schule/geschichte/geschichte.htm, hier liegt neben der Jungenschule das Ly-zen, das Mädchengymnasium, Seite 45 des Romans.
34 Näheres in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Feuerzangenbowle_(1944).
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Zum Schluss wird von den Autoren das „traurige Happy-End“ 35 dem Leser mitgeteilt. Die gesamte Geschichte entspricht nicht der Wahrheit. Solche Gymnasien mit derartigen Lehrern und Schülern gibt es nach Aussage der Autoren nicht. Nur die Feuerzangenbowle als Ausgangspunkt der Geschichte sei wahr. Und: „Wahr sind auch die Erinnerungen, die wir mit uns tragen; die Träume, die wir spinnen, und die Sehnsüchte, die uns treiben. Damit wollen wir uns bescheiden.“ 36
c) Erzählstil
Nach den beiden dem Buch vorangestellten und bereits genannten Hinweisen verfolgt der Roman das Ziel, witzige Geschichten zum Schulalltag zu erzählen. Wie wird dieses Ziel erreicht?
Durch die Handlung führt ein ungenannter Erzähler, der das Geschehen exakt beschreibt und die Gefühle der Figuren in der jeweiligen Situation nachempfindet. Ausführlich werden die beteiligten Lehrer 37 bildlich mit all ihren Schwächen wiedergegeben. Durch Übertreibungen wird der humoristische Effekt erzielt und bei verschiedenen Lehrern zusätzlich durch die lautmalerische Wiedergabe ihrer Aussprache bei der wörtlichen Rede betont. Bei dem Lehrer „Bömmel“ ist das der niederrheinische Dialekt und bei Crey der Sprachfehler, der von einer Figur aus der bereits genannten Kurzgeschichte Ecksteins 38 übernommen wurde. Die Überzeichnung der Figuren wird vom Erzähler selbst eingeräumt. Er schildert nämlich, dass drei Herren der Feuerzangenbowle Prof. Crey als „ganz vernünftigen Menschen“ kennen lernen, der nichts mit der zuvor von Pfeiffer gezeichneten Karikatur gemein haben soll 39 .
Der Erzähler scheint sich mit dem Schulleben und den Abläufen in einer Kleinstadt gut auszukennen; dadurch unterstreicht er seine Glaubwürdigkeit. Seine Kenntnisse belegt er durch Fachausdrücke aus dem Schulbetrieb wie etwa die damals üblichen Klassenbezeichnungen, die Nennung unterschiedlicher Schul- 35 Seite159 des Romans
36 Die letzten Sätze des Romans.
37 Zum Beispiel Prof. Crey Seite 16 und Bömmel Seite 34 des Romans.
38 Seite 16 des Romans; ausführlich Taepel in ihrer Studienarbeit: http://www.grin.com/e-
book/104135/eckstein-ernst-gesammelte-schulhumoresken-das-bild-von-lehrern-und#.
39 Seite 145 des Romans.
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strafen sowie Lehrertiteln und Begriffen aus der Schulaufsicht. Die Verhältnisse in einer Kleinstadt werden genau nachgezeichnet. Bei aller Ironie über das Spießertum 40 wird deutlich, dass er zu diesem Leben eine positive Einstellung hat. Der Erzähler, „der die Menschen kennt und dennoch mag“, unterhält mit „gütigem, verständnisvollem“ Humor sein Publikum 41 . Probleme werden, wenn sie denn mal entstehen, schnell und folgenlos gelöst.
Die Lebendigkeit der Geschichte wird durch lange Passagen in wörtlicher Rede erhöht, die den Leser in die Situation, häufig sind dies Schulstunden, einbezieht. Die Figuren werden in ihrer Umgangssprache mit ihren Spracheigentümlichkeiten 42 wiedergegeben. Dabei steht vor allem der „Schlagabtausch“ zwischen den handelnden Figuren im Vordergrund, der durch Wortspielereien noch zusätzlich zugespitzt wird 43 . Einige von ihnen haben Kultstatus und sind bis in die Gegenwart weit verbreitet. Das verleitet dazu, sie zum „Bildungsgut“ der deutschen Literatur im letzten Jahrhundert zählen zu wollen 44 . Das gilt insbesondere für folgende drei Textpassagen: Dialog zwischen Prof. Crey und Pfeiffer:
„Sä heißen?“ „Pfeiffer, Johann.“ „Met einem oder met zwei äff?“ „Mit drei, Herr Professor.“ „??“ „Eins vor dem ei und zwei hinter dem ei.“ 45 Unterricht bei Bömmel:
„Wo simmer denn dran? Aha, heute krieje mer de Dampfmaschin. Also, wat is en Dampfmaschin? Da stelle mehr uns janz dumm...“ 46 Prof. Crey zur Trinkmenge der genossenen Heidelbeerwein: „Jeder nor einen wenzigen Schlock.“ 47
40 Zum Beispiel Beschreibung des „Nachtlebens“ in der Kleinstadt und der Verhältnisse bei der
Zimmerwirtin S. 32 f. des Romans.
41 So ausdrücklich Schediwy und Hemmersbach in dem Artikel „Spoerl: Ein liebenswürdiger
Humorist“: http://www.wienerzeitung.at/Desktopdefault.aspx?TabID=3946&Alias=wzo&lexikon-
=Autoren&letter=A&cob=5029
42 Beispiel: Diskussion nach den „Papierkugelangriff“ auf Crey Seite 16 f. des Romans.
43 Dialog zwischen dem Direktor und Pfeiffer, der erst nicht denken soll, dann aber wieder zum
Denken aufgefordert wird, Seite 25 f; oder Erwischen in der Kneipe durch den Direktor und sei-
ne Frage nach den „Anderen“ (gemeint Mitschüler). Pfeiffer bezieht die Frage bewusst auf sein
zweites Paar Schuhe, die „bei der Wirtin“ sind, Seite 129 des Romans.
44 So RP-Online in ihrer Würdigung zum 50. Todestag Spoerls 2005: http://www.rp-online.de-
/duesseldorf/duesseldorf-stadt/nachrichten/duesseldorf/Der-Vater-des-Pfeiffer-mit-drei-
aeff_aid_102981.html#comments,
45 Seite 15 des Romans.
46 Seite 35 des Romans
47 Seite 59 des Romans.
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Schließlich werden eine ganze Reihe nicht mehr gebräuchliche Worte aus der damaligen Umgangssprache sowie aus dem früher als Pflichthauptfach in der Schule unterrichteten Latein benutzt 48 . Insgesamt ist die durch einen variablen Satzbau bestimmte Geschichte trotzdem leicht lesbar. Sie ist auf den Lesegeschmack eines breiten Publikums abgestellt, das sich über die Schülerstreichen amüsieren kann.
3. Die Lehrer
Ihre Charaktere stehen im Vordergrund des Romans; sie sind die Zielscheibe der Streiche. Aus dem Lehrerkollegium des Gymnasiums werden insgesamt sieben männliche Personen 49 vorgestellt: Direktor Knauer (alte und neue Sprachen), Prof. Crey (Geschichte, Chemie, Deutsch, Physik), Studienrat Dr. Brett (Mathematik), Müller 2 (Geschichte, Englisch), „Bömmel“ (Physik), Fridolin (Musik) und Schmidt (Sport). Die Darstellung der Lehrer im Film ist sogar für die Lehrerfortbildung entdeckt worden 50 . Hinzu kommen Eberbach (Mathematik), ein bereits pensionierter Lehrer des Gymnasiums, die Lehrerinnen der benachbarten Mädchenschule, die Direktorin (Physik, Deutsch) und „Miss Porridge“, der zu Beginn der Geschichte gerade beerdigte pensionierte Lehrer eines der Teilnehmer der Feuerzangenbowle, „Pavian“ (Latein), und der Oberschulrat von der Schulaufsicht.
Aus dieser Gruppe von Lehrern werden vier ganz unterschiedliche „Lehrertypen“ von den Autoren ausführlicher beschrieben, deshalb sollen sie auch näher analysiert werden. Danach soll bei den anderen Lehrern nur kurz auf andere für das Lehrerbild bedeutsame Einzelheiten eingegangen werden.
a) Prof. Crey
Im Roman ist er die Hauptfigur des Kollegiums. Es handelt sich um einen 46jährigen 51 und damit berufserfahrenen 52 Lehrer, der sich dominant und streng
48 Eine Übersicht wurde von der Heinrich-Böll-Schule erstellt: http://www.heinrich-boell-
schule.melle.cc/hs_texte.htm
49 Zu vgl. auch Heinrich-Böll-Schule: http://www.heinrich-boell-schule.melle.cc/hs_texte.htm.
50 Frank-Voutsas, Lehrerfortbildung mit der Feuerzangenbowle: http://www.dafnetzwerk.org-
/site/content/www.daf-netzwerk.org/de/tagungen/ergebnisse/konferenz2006-09/Frank-Voutsas-
Lehrerfortbildung.pdf.
51 Seite 58 des Romans.
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gibt. Bei ihm fällt insbesondere die Aussprache auf. Er ersetzt Vokale wie ie durch ä, i durch e, e durch ä und ü durch ö, um der Stimme einen volleren Ton zu geben, damit er bedeutender wirkt. Seine „Bedeutung“ unterstreicht er mit der Kleidung. So trägt er eine „kunstvoll gebauschte“ Krawatte, eine „echte“ Perle und ein „mächtiges“ Seidentuch. Seine Gutmütigkeit versucht er mit einem Spitzbart zu verbergen 53 . Seine Schüler lassen sich von ihm aber nicht beeindrucken. Sein gekünsteltes Auftreten führt nur dazu, dass die Schüler ihm den Spitznamen „Schnauz“ 54 verpassen.
Die von ihm vertretenen Grundsätze der „klassischen Pädagogik“, Schule muss bitter wie Medizin schmecken, um zu nützen 55 , gibt Aufschluss über seine Einstellung. Bei den Schülern zeigt sie keine Wirkung. Er ist Zielscheibe körperlicher Angriffe 56 und mehrerer Streiche 57 . Trotz seiner guten Vorsätze, einen modernen und pädagogisch anspruchsvollen Unterricht mit Praxisbezug 58 anzubieten, lässt er sich immer wieder von den Schülern provozieren und verschwendet die Unterrichtszeit mit langatmigen pädagogischen Ausführungen oder überflüssigen Untersuchungen 59 . Seinen Beruf nimmt er ernst; er will Vorbild für die Schüler sein und ihnen helfen. So führt er Pfeiffer in die Klassengemeinschaft ein, steht dem gemeinsamen Unterricht von Mädchen und Jungen aufgeschlossen gegenüber 60 , entschuldigt sich bei Pfeiffer wegen einer vermeintlich ungerechtfertigten Kritik 61 und sucht den Kontakt zu den Erziehungsberechtigten 62 . Bei ihm wird auch ernsthaft gearbeitet 63 . Den Respekt der Schüler erwirbt er sich dadurch aber nicht, zumal der Unterricht auf eine reine Wis- 52 NachSchmitz war Voraussetzung für das Führen des Titels Professor eine 12-jährige Dienst-
zeit als Oberlehrer, Seite 11 in http://www.schillergymnasium-koeln.de/schule/geschichte/ge-
schichte.htm.
53 Zu seinem Aussehen: Seite 16 des Romans.
54 Seite 18 des Romans.
55 Seite 16 des Romans.
56 Abschießen von Papierkügelchen, Seite 16 f. des Romans.
57 Heidelbeerwein, Seite 55 ff., und Übernahme des Unterrichts durch Pfeiffer, Seite 146 ff. des
Romans.
58 Zum Beispiel Verkostung des Heidelbeerweins, Seite 55 des Romans.
59 Zum Beispiel Seite 15 f. und die vergebliche Suche nach dem Werfer des Papierkügelchens,
Seite 16 ff. des Romans.
60 Übernimmt „gemischten“ Unterricht, Seite 131 ff. des Romans.
61 Entschuldigt sich für eine „Standpauke“ wegen vermeintlicher Verspätung, Seite 139 des
Romans.
62 Kontakt mit den „Vormündern“, Seite 144 f. des Romans.
63 Seite 40 des Romans.
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sensvermittlung ohne tieferen Bezug zur Schülerwelt angelegt ist 64 . Manchmal rächt sich Crey bei den Schülern für die zugefügten Kränkungen. So nutzt er gegenüber Pfeiffer seine Lehrerstellung aus, in dem er „persönlich“ 65 wird. Schließlich verliert er öfter den Überblick in der Klasse. Um die Situation zu retten, ist er gerne bereit, einen Schüler als Täter zu bestrafen, der innerhalb der Klassengemeinschaft keine Unterstützung hat 66 .
In der Erwachsenenwelt ist Crey ein angesehener Pädagoge. Er darf sich als „verdienter“ Lehrer den Sonntagsausflügen der Familie des Direktors anschließen. Die Frau des Direktors hat den Wunsch, dass ihre Tochter Eva ihn heiratet. Und schließlich stellen die als „Vormünder“ von Pfeiffer auftretenden drei Männer der Feuerzangenbowle fest, dass Crey ein „ganz vernünftiger Mensch mit großem Wissen und klugen Gedanken“ sei 67 .
b) Studienrat Dr. Brett
Brett, der Mathematiklehrer, ist das „genaue Gegenstück“ 68 von Crey. Er gehört der jüngeren Lehrergeneration an, kennt die Schüler und ist jederzeit „Herr der Lage“. Sein Auftreten ist militärisch forsch; er „kommandiert“ Turnübungen zu Beginn der Stunde 69 und verfügt über eine entsprechend „harte, knarrende“ Stimme 70 . Er macht aber auch einen guten Unterricht 71 , hilft den Schülern mit seinen Fragen, zu der richtigen Lösung zu kommen 72 und durchschaut nach einer gewissen Zeit auch Täuschungsmanöver 73 . Zu Strafen muss er nicht greifen, um sich durchzusetzen. Er lacht mit der Klasse zusammen über einen Witz,
64 Zum Beispiel in Deutsch, wo es zu keiner inhaltlichen Bearbeitung eines Themas kommt.
Pfeiffer ist deshalb, obwohl Schriftsteller nach der Lehrerauffassung ungeeignet für schreiben-den Beruf, Seite 40 f. des Romans.
65 Pfeiffer wird von ihm als immer dümmer werdend bezeichnet, Seite 76 des Romans. Gegen-
über Eva weist er ihn auf seine Stellung als Schüler hin, Seite 136 des Romans.
66 Zum Beispiel gegenüber Luck, der angeblich 1 ½ Zentner Zeitungen mitgebracht haben soll,
wird Arrest verhängt, Seite 83 f. des Romans.
67 Seite 145 des Romans.
68 So ausdrücklich auf Seite 18 des Romans.
69 Seite 18 des Romans.
70 Seite 102 des Romans.
71 Pfeiffer ist begeistert über den Mathematikunterricht, Seite 37 f. des Romans.
72 Hilft Pfeiffer einfühlsam bei der Prüfung, Seite 20 f. des Romans.
73 Entdecken des „Vorsagespiegels“ Seite 40 des Romans.
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hat aber gleichwohl die Situation jederzeit auch für die Schüler erkennbar in der Hand 74 . Brett und Pfeiffer haben voreinander Achtung 75 .
Innerhalb des Lehrerkollegiums hat er trotz seiner Jugend eine führende Stellung. Die „nach Rang und Dienstalter wohlgeordnete Truppe“, die den Oberschulrat durch die Schule führt, wird vom Direktor und ihm angeführt 76 . Unter der Lehrerschaft erlaubt er sich, den dienstälteren Prof. Crey zu veralbern, als über die Konsequenzen wegen des gefälschten Bauarbeitenschilds diskutiert wird. Gleichwohl achtet er aber auch auf die Einhaltung der Form in diesem Gremium. Er „verbiss“ sich jedenfalls das Lachen über diesen gelungenen Schülerstreich 77 und versteckte sein Gesicht hinter einem Taschentuch als Pfeiffer für Crey den Unterricht gab 78 . Seinen Lehrauftrag sieht er in der Förderung der Schüler. Er versteht das Gymnasium als bürgerliche Institution, die den Vertretern dieser Schicht den sozialen Aufstieg ermöglichen soll. Die Schule hat nach seiner Auffassung den Auftrag, den Schülern das „Arbeiten“ beizubringen, das für ein Weiterkommen im Leben seines Erachtens notwendig ist 79 .
c) Bömmel
Die interessanteste Person unter den Lehrern ist Bömmel. Er ist von den Autoren als kauziges Original angelegt worden. Die Schüler kennen nur seinen Spitznamen. Es handelt sich um einen alten, gesundheitlich schon beeinträchtigten Lehrer, der seine verschlissene Kleidung aufträgt 80 und Marotten wie das Ausziehen seiner Schuhe während des Unterrichts auslebt. Der niederrheinische Dialekt, das Duzen aller Schüler und sein Verzicht auf die von ihm als überflüssig empfundene Respektbekundungen machen ihn für den Leser sympathisch. Er will der nette „Schülerfreund“ sein, der niemanden weh tut, aber auch in Ruhe gelassen werden möchte. In seinem Unterricht kann man etwas lernen, weil er komplizierte Sachverhalte wie die „Dampfmaschin“ in einfache kleine Lerninhalte zerlegt. Die Physikstunde scheitert aber dann doch. Das liegt
74 Witz von Pfeiffer, den Brett fortführt, über den aber dann vorsichtshalber nicht mehr gelacht
wird, Seite 20 des Romans.
75 Seite 37 des Romans.
76 Seite 149 des Romans.
77 Seite 90 des Romans.
78 Seite 152 des Romans.
79 Seite 130 f. des Romans.
80 Zur Beschreibung dieser Person, Seite 34 des Romans.
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daran, dass er einen reinen Lehrvortrag hält 81 und die Schüler ihn nicht ernst nehmen. Bömmel darf man allerdings auch nicht unterschätzen. Er ist nicht dumm und hat viel Berufserfahrung. Er wechselt gegenüber Schülern ins Hochdeutsche und in das „Sie“, wenn er sich bedroht fühlt und meint, sich nun wehren zu müssen 82 .
Im Lehrerkollegium ist er Außenseiter; Bömmel wird nur gefragt, wenn es unbedingt nötig ist. Er wird auch von seinen Kollegen nicht (mehr?) ernst genommen. Auch hier hält er keine Formen ein und benimmt sich „wie immer daneben“ 83 . Nur gegenüber dem Oberschulrat reißt er sich zusammen und spricht hochdeutsch 84 . Seine klugen Einfälle zur Lösung von Problemen werden nach einem ersten Zögern aber gern von den Lehrern angenommen. So gab er die entscheidenden Ratschläge zur Lösung der Probleme „Bauschild“ und „Unterricht Pfeiffers als Crey“ 85 . Andere Lehrer probieren „Tricks“ von ihm aus. Crey hat seine Anregung, die Schüler während einer Klassenarbeit durch ein Loch in der Zeitung zu beobachten 86 , aufgegriffen und so seine Schüler verblüfft.
d) Direktor Knauer
Direktor Knauer wird in dem Roman nur in der Funktion als Leiter der Schule und nicht in seiner Lehrtätigkeit beschrieben. Seinen Spitznamen Zeus 87 verdankt er deshalb auch nicht einer besonderen „Macke“ sondern allein dieser Stellung. Aber auch er hat eine „Schrulle“. Er trägt ständig eine kleine blaue Mappe unter dem Arm, ohne dass der Inhalt bekannt wird 88 . Wie leitet er nun die Schule?
81 Zur Analyse des Unterrichts von Bömmel Frank-Voutsas in Lehrerfortbildung mit der Feuer-
zangenbowle in http://www.daf-netzwerk.org/site/content/www.daf-netzwerk.org/de/tagun-
gen/ergebnisse/konferenz2006-09/Frank-Voutsas-Lehrerfortbildung.pdf.
82 Zum Beispiel Strafarbeit für Pfeiffer, Seite 35 oder Werfen eines Schwamms zum Wecken
von schlafenden Schülern, Seite 79 des Romans.
83 Lehrerkonferenz zum „Bauschild“, Seite 90 des Romans.
84 Seite 149 des Romans.
85 Baumaßnahmen veranlassen (Bauschild), Seite 90 f.; Fortsetzung des Unterrichts (Pfeiffer -
Crey), Seite 151 des Romans.
86 Seite 77 des Romans.
87 Gottvater der griechischen Mythologie, der mächtiger als alle anderen Götter zusammenwar.
88 Auch zur Beschreibung der Person, Seite 24 des Romans.
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Dazu wird mitgeteilt, das Knauer das „Gegenteil von einem Schultyrannen“ sei. Seine Führungseignung besteht darin, „die kleine Anstalt mit Wohlwollen und Sanftmut im Gleise zu halten“ 89 . Im Verlaufe der Geschichte wird allerdings mehrfach deutlich, dass der Direktor seine Leitungsaufgaben nicht wahrnimmt, weil er „nicht für Konflikte war“. Ihm liegt es mehr, die Dinge laufen zu lassen, als initiativ die Führung zu übernehmen. In der Lehrerkonferenz zum unberechtigt aufgestellten Bauschild hat er keine eigene Ansicht geäußert, er hat auch nicht die Absicht dies zu tun 90 . Bei dem Unterricht Pfeiffers als Crey lässt er den Schüler auf Vorschlag von Bömmel weitermachen, um sich nicht auseinandersetzen zu müssen 91 . Für eine Beeinflussung des Direktors reicht allein der Hinweis auf einen erfundenen Ministerialdirektor 92 oder auf andere Respektspersonen 93 aus.
Trotzdem ist der Direktor eine Autorität in der Schule. Für die Schüler ist ein Termin beim Direktor eine „Sensation“; die Situation wird als unangenehm emp-funden 94 . Bestimmte Lehrer wie zum Beispiel Fridolin beugen sich bedingungslos dem Willen des Direktors 95 .
e) Die anderen Lehrer
Von den übrigen Lehrern des Gymnasiums werden vier weitere Persönlichkeiten kurz angesprochen, die nach dem Roman typische Verhaltensweisen eines Lehrers zeigen. Der bereits erwähnte Musiklehrer Fridolin, der sich im Lehrerkollegium nur nach dem Direktor richtet und willig Handlangerdienste als „ehrenden Auftrag“ übernimmt 96 , dafür aber ohne besonderes Engagement seinen Unterricht abwickelt. Bei ihm wird gesungen, weil es im Stundenplan steht 97 . Der Turnlehrer Schmidt, der Übungen bevorzugt, die er nicht vorzumachen
89 Seite 24 des Romans.
90 Seite 90 des Romans.
91 Seite 151 des Romans.
92 Der von Pfeifer erfundene Onkel Ministerialdirektor von Webern aus dem Unterrichtsministe-
rium, Seite 129 f. des Romans.
93 Zur Einführung des koedukativen Unterrichts wird auf den Wunsch der Direktorin der Mäd-
chenschule verwiesen, Seite 113 des Romans.
94 Seite 23 f. des Romans.
95 Konferenz wegen des Bauschildes, zu vgl. Seite 90 des Romans.
96 Seite 91 des Romans.
97 Seite 41 des Romans.
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braucht 98 . Er hat kein Interesse, dass die Jugendlichen Spaß am Sport haben. Der zwischenzeitlich pensionierte Lehrer Eberwald, der die Kenntnisse der Klasse in Mathematik in der Mittelstufe „versaute“. Auf die Anweisung des Di-rektors, Mathematikaufgaben dem modernen Leben anzupassen, erfindet er aberwitzige Fragestellungen 99 . Schließlich Müller 2, der „farblos wie ein Glas Wasser“ ist und routiniert seinen Unterricht abspult, aber seine eigentlichen Lehreraufgaben als Erzieher nicht annimmt 100 . Er gehört zu dem Typ Lehrer, den man als Schüler als Erstes vergisst.
4. Die Schüler
Zunächst sollen einführend die im Roman mitgeteilten allgemeinen Schulverhältnisse zusammengefasst werden. Sodann ist den Beziehungen innerhalb des Klassenverbandes nachzugehen. Einzelne Schüler sind bis auf Pfeiffer und dem „kleinen Luck“ nicht besonders herausgestellt worden. Nur sie sollen deshalb näher betrachtet werden.
a) Die allgemeinen Schulverhältnisse
Die Schüler trugen Anzüge Marke „Jünglingsmodell“ 101 , Krawatte und eine Schülermütze 102 . Zur Abiturklasse gehören mit Pfeiffer 15 Schüler. Das entspricht den damaligen Verhältnissen. Um 1900 legten zwischen einem bis zwei Prozent eines Altersjahrganges das Abitur ab; 2005/2006 lag die Abiturientenquote in Deutschland bei 43,1 Prozent 103 . Damals musste Schulgeld 104 bezahlt werden, so dass auch nur Kinder aus entsprechenden Elternhäusern weiterführende Schulen besuchen konnten.
Das Klassenzimmer ist mit in zwei Reihen aufgestellten Schulbänken und einem erhöhten Katheder ausgestattet 105 , das den Anforderungen eines Fron-
98 Seite54 des Romans.
99 Seite 37 f. des Romans.
100 Seite 34 des Romans.
101 Seite 11 ff. des Romans.
102 Informationen zur Schülermütze in Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B-
Clerm%C3%BCtze.
103 Zu der Entwicklung der Abiturentenzahlen Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Abitur.
104 Nach Schmitz 120 Mark pro Monat bei einem Arbeiterlohn von etwa 900 Mark, zu vgl.
Schmitz Seite 4, http://www.schillergymnasium-koeln.de/schule/geschichte/geschichte.htm.
105 Seite 14 des Romans.
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talunterrichts genügt. Es gibt in der Schule aber auch bereits einen Physiksaal als speziellen Raum 106 . Schließlich fällt auf, dass von den „Strafen“ wie Zusatzarbeiten, Arrest („Karzer“) und Schulverweis oft Gebrauch gemacht wird. Über die Schulfächer erfährt man wenig. Im Roman müssen die Schüler vor allem Griechisch und Latein, aber auch Französisch und Englisch lernen. Mathematik und Naturwissenschaften sind Bestandteil des Lehrplanes; ihnen wird aber weniger Bedeutung beigemessen. „Die alten Griechen, anerkannt humanistisch gebildete Leute, waren gänzlich ohne Chemie ausgekommen“ 107 .
b) Die Beziehungen zwischen den Schülern
Die Klasse ist „keine homogene Masse“ 108 , sondern besteht aus verschiedenen Gruppen. Unter anderem kann sich eine Gruppe aus dem Interesse der gemeinsamen Erledigung der Hausaufgaben ergeben, wobei die Schüler insgesamt als grundsätzlich faul beschrieben werden. Die „Interessengemeinschaft“ diente nicht ausschließlich der Arbeit. Im Roman erledigt öfter einer die Hausaufgaben für alle 109 . Vor allem unterhielt man sich in der Gruppe. Themen sind Politik und Frauen 110 , wobei die Schüler kein Verhältnis eingingen 111 . Das Interesse der Schülerinnen an den Jungen ist genauso stark 112 . Zu den „Vergnügungen“ der Schüler gehört der Alkoholkonsum. Dazu trifft sich die Klasse auch verbotenerweise in einer Kneipe 113 . Als ungeschriebene Klassenregel gilt, dass nicht gepetzt wird 114 .
c) Johannes Pfeiffer
Er spielt zwar nur die Rolle des Schülers, trotzdem kann man bei ihm mehrere Beobachtungen über seine Stellung in der Klassengemeinschaft machen. Er ist der „Neue“, der nach einiger Zeit bereits die Führungsrolle übernimmt. Was erfährt man dazu?
106 Seite 131 des Romans.
107 Seite 55 des Romans.
108 Seite 46 des Romans.
109 Seite 48 f. des Romans.
110 Seite 50 f. des Romans.
111 Seite 46 des Romans.
112 Zu vgl. der koedukative Unterricht, Seite 131 ff. des Romans.
113 Seite 124 ff. des Romans.
114 Seite 22 f., 62 des Romans.
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Pfeiffer ist bei seiner Ankunft unsicher. Die Klasse beobachtet ihn kritisch. Sein Äußeres und jede seiner Handlungen werden genau registriert 115 . In diesen ersten Minuten entscheidet sich, ob er akzeptiert wird oder nicht. In der großen Pause wird er dann von zwei Vertretern der Klasse genauer unter die Lupe genommen. Dabei handelt es sich um den Anführer und den Stärksten der Jungen. Pfeiffer wird die Klassenregel „Petzen verboten“ deutlich gemacht. Dabei wird auch gedroht und Gewalt eingesetzt 116 . Pfeiffer gelingt es, sich in dieser wichtigen Phase zu behaupten. Bereits mit der ersten Antwort gegenüber Crey zur Schreibweise seines Namens und dem Erzählen eines Witzes im Beisein von Brett bringt er die Klasse zum Lachen. Den körperlichen Angriff des Mitschülers wehrt er durch einen Jiu-Jitsu-Griff ab. Damit ist ihm die Aufnahme in die Klassengemeinschaft gelungen.
Im Verlauf der Geschichte übernimmt Pfeiffer die Führungsrolle in der Klasse. Das geschieht in einem langsamen Prozess. Zunächst erfindet er den „Vorsagespiegel“ in Mathematik 117 , mit dem er zum „Diktator der Klasse“ wird. Mit ihm hilft er seinen Mitschülern bei den Prüfungen an der Tafel. Seine Freundschaft ist somit wichtig. Er wird nach einigen weiteren Streichen „Vorstand“ einer Interessengemeinschaft für gemeinsame Hausarbeiten, man trifft sich bei ihm 118 . Damit kann er sich auf eine Gruppe innerhalb der Klassengemeinschaft stützen. Sodann gelingt es Pfeiffer mit dem „Heidelbeerweinstreich“ 119 , unter Einbeziehung der gesamten Klassengemeinschaft einige Stunden schulfrei zu erschwindeln. Damit hat er sich endgültig im Klassenverband integriert. Schließlich passt er seine Kleidung der Mode an, er wird ein „Dandy unter den Primanern. Der lange Rosen 120 verblasst neben ihm.“ 121 Die Mitschüler wissen von seiner Beziehung zu einem Mädchen und er verspricht ihnen, Kontakte zu den Schülerinnen der Nachbarschule herzustellen 122 . Damit festigt er seine Position.
115 Auftritt in der Klasse, zu vgl. Seite 14 f., und Vorrechnen an der Tafel, Seite 20 des Romans..
116 Zu vgl. Seite 21 ff. des Romans.
117 Seite 38 ff. des Romans.
118 Seite 46 f. des Romans.
119 Seite 51, 55 ff. des Romans.
120 Der frühere Anführer.
121 Seite 70 des Romans.
122 Seite 124 f. des Romans.
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d) Wolfgang Luck
Der „kleine“ Luck, dessen Vorname nur beiläufig mit Wolfgang 123 angegeben wird, ist der Klassenprimus „wider Willen“ und der „Prügelknabe“ der Klasse. Obwohl er „jedermanns Freund“ sein will, erreichte er „genau das Gegenteil“ 124 . Warum ist das so?
Luck verhält sich im Klassenverband anders als seine Mitschüler. Er ist fleißig, macht seine Hausaufgaben und beteiligt sich am Unterricht. Er macht als einziger bei den Turnübungen des Dr. Brett mit 125 . Die Außenseiterstellung wird dadurch verstärkt, dass Luck der Schwächste der Klasse und gleichzeitig der Klügste ist 126 . Diese Kombination macht ihn angreifbar, zumal er sich den Attacken seiner Mitschüler weder mündlich noch körperlich widersetzt. Da hilft es auch nicht, dass Luck nicht petzt, jeden Streich mitmacht und den anderen bei den Hausaufgaben hilft. Durch den Streich mit dem Bauschild beweist er zwar, dass er auch auf diesem Gebiet mit seinen Klassenkameraden mithalten kann, diese glauben ihm aber nicht seine Täterschaft 127 .
Die Ausgrenzung von Luck würde man heute als Mobbing bezeichnen. Nur einige Beispiele aus dem Roman 128 : Äußern von offensichtlich unberechtigten Verdächtigungen eines Mitschülers gegenüber Lehrern (Werfen einer Papierkugel, Mitbringen von Zeitungen), Zwicken in den Hintern, Spicken der Kleidung mit Stecknadeln, Ausschluss von gemeinsamen Aktionen der Klasse. Luck leidet unter der Situation. Er fühlt sich „geduckt, verulkt und gepiesackt“ und zieht sich „in sich selber zurück“, weil er der Meinung ist, dass ihn niemand in der Klasse leiden mag 129 .
Als Grund für die Schikanen wird der Gruppenzwang im Klassenverband genannt. Der einzelne Schüler quält nur im Kreis seiner Mitschüler das ausgeguckte Opfer. Dabei wird im Laufe der Zeit das Quälen Gewohnheit; ein Nach- 123 Seite97 des Romans.
124 Beschreibung Seite 47 des Romans.
125 Seite 18 f. des Romans.
126 Seite 64 des Romans.
127 Seite 88 ff. des Romans.
128 Seite 17, 19, 64, 83, 895 des Romans.
129 Seite 63, 89, 92 des Romans.
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denken erfolgt nicht mehr 130 . Wichtig dürfte hier aber auch sein, dass ein Einschreiten von Seiten der Lehrer nicht erfolgt und selbst vom Opfer wohl auch nicht erwartet wird.
5. Die Beziehungen zwischen Lehrern und Schülern im Roman Die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern wird von den Teilnehmern an der Feuerzangenbowle auf einen einfachen Nenner gebracht: Die Schule dient nach der Erinnerung dieser ehemaligen Schüler ausschließlich dazu, die Lehrer „aus Spaß zu quälen“. Die Lehrer werden durch die ständige kritische Beobachtung durch die Schüler, die jeden Fehler registrieren und sofort ausnutzen, über die Jahre geprägt. Um „die Würde zu wahren und sich keine Blöße“ zu geben, wirken die Lehrer nicht natürlich 131 . Pfeiffer stellt bei seinem Schulbesuch zwar fest, dass es keineswegs nur Originale an der Schule gibt. Das Gymnasium war nicht das erwartete „Museum für pädagogische Raritäten“ 132 . Trotzdem steht im Vordergrund des Romans die Auseinandersetzung zwischen Lehrern und Schülern, die man fast als Gegnerschaft bezeichnen kann. Die Lehrer präsentieren sich ihren Schülern. Dies gilt besonders für Crey, der sich wie ein Schauspieler auf einer Theaterbühne aufführt 133 . Die Schüler spielen die Streiche; die drei bekanntesten Streiche sind das „Betrinken“ mit dem Heidelbeerwein, das Baustellenschild und der Unterricht durch Pfeiffer als Crey. Der Lehrer ist in der Regel der Verlierer der Auseinandersetzung, die auch mitleidslos werden kann. Bömmel, dem ein Schuh versteckt wurde, musste zum Beispiel als alter Mann auf einem Fuß durch den Klassenraum hüpfen 134 . Nur Brett wird als gleichstarker Gegner beschrieben.
Hinter dieser vordergründigen Beziehungsebene findet man aber auch noch andere Beschreibungen, die Auskünfte über das Verhältnis geben. Zunächst fällt auf, dass bis auf Crey und Brett einige der anderen Lehrer als völlig unmotiviert geschildert werden. Der Frontalunterricht mag noch der damaligen Zeit entsprechen. Erstaunlich ist aber, dass Lehrern dieser Zeit wie dem Musiklehrer
130 Seite 64 f. des Romans.
131 Seite 6 - 9 des Romans.
132 Seite 33 des Romans.
133 Insbesondere in der Unterrichtstunde mit den Schülerinnen, zu vgl. Seite 132 des Romans.
134 Seite 36 des Romans.
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Fridolin, dem Turnlehrer Schmidt und dem pensionierte Mathematiklehrer Eberwald jegliches Engagement abgesprochen wird. Einen „pädagogischen Auftrag“ haben viele der Lehrer im Roman für sich nicht erkannt. Es geht ihnen allein um die Wissensvermittlung. Bei Müller 2 wird dies besonders deutlich. Seine Stunden flossen in „ermüdender Sachlichkeit“ dahin 135 . Die Lehrer geben sich keine Mühe, den Schülern einen Bezug zu dem Lehrstoff zu vermitteln. Eine Ausnahme ist insoweit nur der Lehrer Brett.
Schließlich betrachten die Lehrer im Roman nicht die „Erziehung“ der Schüler und die soziale Integration innerhalb des Klassenverbandes als ihre Aufgabe. Das gilt auch für Brett. Die Situation des Schülers Luck als Außenseiter kann der Lehrerschaft nicht verborgen geblieben sein. Zwei Mal verdächtigt der Mitschüler Rosen unberechtigt seinen Mitschüler gegenüber Crey 136 . Einmal wird gegen Luck deshalb ein zweistündiger Arrest verhängt. Die Lehrer fühlen sich nicht für die soziale Erziehung in der Schule verantwortlich.
6. Vergleich des Romans mit den damaligen und heutigen Schulverhältnissen
In dem Roman werden von den Autoren eine ganze Reihe von Einzelheiten des Schulalltags beschrieben. Entspricht ihre Darstellung den realen Verhältnissen?
a) Schule zu Beginn des 20. Jahrhunderts
Die äußeren Bedingungen eines Gymnasiums in dieser Zeit werden im Roman sehr genau und zutreffend wiedergegeben. Damals war das humanistische Gymnasium, das den Schwerpunkt des Unterrichts auf Latein und Griechisch legte, die Regelschule. In dieser Zeit wurden erste Ansätze zum Aufbau anderer Formen von gymnasialer Ausbildung erkennbar. Diese sollten mehr der Vorbereitung einer späteren Ausbildung in praktischen Berufen des Bürgertums dienen. Die Geschichte ihrer Schule haben in Köln das Rhein-Gymnasium 137
135 Seite 34 des Romans.
136 Seite 17, 83 des Romans.
137 http://www.rhein-gymnasium.de/index.php?option=com_content&task=view&id=47&Ite-
mid=41.
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und das Schillergymnasium 138 aufgeschrieben. Aus den Berichten lassen sich zusammenfassend einige Parallelen zum Roman entnehmen.
Bei den damaligen Lehrveranstaltungen handelt es sich um reinen „Paukunterricht“, wenn auch erste Versuche unternommen wurden, den Stoff für die Schüler zu veranschaulichen. Die „mangelnde Arbeitshaltung“ der Schüler und die Verhinderung der „Kneiperien“ der Schüler waren wie in der Geschichte Themen der damaligen Schulzeit 139 . Der Schulträger war auch verpflichtet, dem Direktor wie im Roman eine Dienstwohnung im Schulgebäude zur Verfügung zustellen. Die Stärke einer Abiturklasse lag zwischen 12 und 18 Schülern. Weibliche Lehrkräfte wurden aufgrund des Frontdienstes erst zum Ende des 2. Weltkrieges in Jungenschulen eingesetzt.
Das Schüler-Lehrer-Verhältnis entspricht natürlich nicht in der überspitzten Form des Romans der Wirklichkeit. Das Privileg, ein Gymnasium besuchen zu dürfen, hat die Schüler der gehobenen Bürgerschaft von groben Respektlosigkeiten abgehalten. Trotzdem bestanden in der damaligen Jugend vergleichbare Neigungen. Die Schüler waren zum Beispiel von der angebotenen Deutschlektüre im Unterricht „ähnlich begeistert oder gelangweilt wie heute 140 “. Die Jugend war nach einem Ministerialerlass durch „Schundliteratur“ gefährdet. Gleichwohl hatte man aber wohl auch Spaß zusammen, wie der von Hoffmann wiedergegebene Klassenbucheintrag aus dem Jahre 1908 „Reden stört durch Schwatzen“ belegt. Insgesamt wird aber durch einen ehemaligen Schüler des Schillergymnasiums des Abiturjahrganges 1923 berichtet, dass kaum ein enger Kontakt zwischen den Lehrern und Schülern Bestand. Er kommt gleichwohl zu dem Ergebnis, dass die Schüler ein „nettes Verhältnis“ zu den Lehrern gehabt hätten 141 .
138 http://www.schillergymnasium-koeln.de/schule/geschichte/geschichte.htm.
139 So Hoffmann in
http://www.rheingymnasium.de/index.php?option=com_content&task=view&id=47&Itemid=41.
140 Schmitz Seite 14 in http://www.schillergymnasium-koeln.de/schule/geschichte/geschich-
te.htm.
141 Schmitz, Seite 10 in http://www.schillergymnasium-koeln.de/schule/geschichte/geschich-
te.htm.
24
b) Schule heute
Die ständige Reformierung der Schule ist bis heute Alltag 142 . Sie erfolgt auf gesellschaftliche Veränderungen und hat Auswirkungen auf das Lehrer-Schüler-Verhältnis. Die grundlegenden Änderungen in der Schule seit der Spielhandlung dürften Folgende sein:
Abitur steht als Bildungsabschluss allen Bevölkerungsschichten offen 143 ; der Wechsel der Schullaufbahnen ist erleichtert worden. Mit dem Abitur ist die freie Studienwahl oder ein Berufseinstieg nicht erreicht. Die Noten haben über den Numerus Clausus eine große Bedeutung erhalten.
Die koedukative Schule ist Regelschule 144 . Mathematische, naturwissenschaftliche und technische Lehrstoffe sind Schwerpunkte der schulischen Ausbildung geworden.
Englisch hat Latein und Griechisch als Pflichtsprache abgelöst; die alten Sprachen haben ihre frühere Bedeutung vollständig verloren. In der Oberstufe sind die Klassenverbände aufgelöst. Der Schüler kann nach Neigung seinen Schwerpunkt wählen.
Der Unterricht hat sich verändert. Der Lehrstoff wird erarbeitet. Neben dem Lernen steht die Anwendung des Erlernten im Vordergrund. Die Schule sieht sich auch als pädagogische Instanz. Die Erziehung der Schüler ist auch Aufgabe der Schule.
Eltern und auch Schüler wirken bei den Entscheidungen der Schule mit.
Die Änderungen haben Auswirkungen auf den Beruf des Lehrers gehabt. Der Lehrvortrag genügt nicht mehr der Wissensvermittlung. Der Schüler wird durch einen eigenen Beitrag an dem Prozess beteiligt. Die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler ist dadurch zumindest in der Oberstufe stärker partnerschaftlich geworden. Der Schüler kann Einfluss auf seinen Lernstoff nehmen. Trotzdem bleibt die Beziehung ein Verhältnis, in dem der Lehrer stärker noch als in frühe- 142 Etwain jüngster Zeit Lernstandserhebungen, Abitur nach 12 Jahren, Zentralabschlüsse,
Rückkehr zum Nachmittagsunterricht pp.
143 2005/2006 bundesweit 43,1 Prozent eines Jahrganges, Wikipedia http://de.wikipedia.org/wi-
ki/Abitur.
144 53,7 Prozent der Abiturienten im Jahr 2007 war weiblich., Wikipedia wie Fußnote 144.
25
ren Zeiten über die Noten über das weitere Schicksal des Schülers Einfluss nimmt. Das Abitur reichte bis Mitte des Jahrhunderts noch für jedes Studium aus. Ein mangelhafter Unterricht des Lehrers hat heute im Gegensatz zur Feuerzangenbowle bei einem Zentralabitur verheerende Folgen; die Fälle gibt es 145 .
Wie in der Feuerzangenbowle lassen sich auch heute in jeder Schule die verschiedenen Lehrertypen in unterschiedlicher Ausprägung finden. Das gilt für das Original, dem man einen Spitznamen gibt und der Unterricht als Showbühne missversteht. Aber auch der Technokrat, der seinen Unterricht ohne Rücksicht auf die Schüler abspult, der Lehrer, der keine Lust hat oder der resignierend vor der Pension stehendende Beamte ist auf fast jeder Schule vertreten. Bei den Schülern gibt es sicherlich auch die beschriebene Eigenschaft Faulheit. Hausaufgaben abschreiben, Desinteresse an bestimmten Unterrichtsthemen und den bequemen Weg zum Erfolg finden; das hat bestimmt schon jeder Schüler erlebt. Die in der Feuerzangenbowle beschriebene Klassengemeinschaft hat sich nicht verändert. Sie wird weiterhin von verschiedenen Gruppen gebildet. Das Thema Mobbing, das die Autoren am Rande des Romans ansprechen, gibt es und nimmt an Bedeutung zu. Schließlich gibt es auch die Streiche, die man den Lehrern spielt. Sie sind vielleicht eine „Nummer kleiner“ als im Roman, gehören aber zum Schulalltag. Beim „Abigag“ sind sie sogar erlaubt!
Das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern hat sich nicht zuletzt durch die gesellschaftlichen Reformen verändert; Parallelen zur Feuerzangenbowle kann man trotzdem finden.
III. Die Ergebnisse
Die Autoren haben in „Der Feuerzangenbowle“ die Schule als heile Welt beschrieben. Hier stehen nach ihren Schilderungen Spaß und Freude im Vorder-grund. Die Lehrer sind Originale, die von den Schülern belächelt werden. Die
145 Meine Schwester konnte zum Beispiel in der Mathematikarbeit im Abitur nur die Hälfte lösen,
weil der Lehrer einen Teil des Stoffs nicht durchgenommen hatte.
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Schüler genießen unbeschwert ihre Jugend. Ihr Lebensinhalt besteht allein darin, den Lehrern Streiche zu spielen. Diese Harmonie in der Schule ist sicherlich nicht realistisch. Dieses Bild entspricht auch überhaupt nicht dem eines heutigen Abiturienten im Notenstress. Da muss man nicht einmal auf besondere Vorfälle in Schulen wie Gewalt, Schulamokläufen und Mobbing hinweisen.
Die Autoren „Der Feuerzangenbowle“ haben es aber nicht bei dieser einfachen Darstellung der Verhältnisse belassen. Die Freude an der Schulzeit und die Beschreibung der Streiche bilden sicherlich den Schwerpunkt der Geschichte. Die intensive Beschäftigung mit dem Text hat aber gezeigt, dass die Autoren auch einige Parallelen zu der Wirklichkeit gezogen haben, die auch heute noch real sind. Die verschiedenen Lehrertypen sind jedem Schüler in unterschiedlicher Ausprägung begegnet. Die Klassengemeinschaft, die Einstellungen der Schüler zur Schule und das Problem Mobbing sind zeitlos gültig. Und Schülerstreiche gibt es auch bis heute. Aspekte aus dem Roman kann man also bis in die heutige Zeit antreffen.
Darin liegt neben dem Wortspielen und „Blödeleien“ in dem Roman auch die Faszination der Geschichte. Nach der Schule bleiben nur die schönen Begebenheiten in der Erinnerung, die bei jeder Erzählung weiter ausgeschmückt werden. Dies ist ein Phänomen, das die Teilnehmer der Feuerzangenbowle schon erkannten. Der Roman unterstützt diese Rückbesinnung, in dem er zum Nachdenken über die Schülerzeit in humorvoller Weise anregt.
Aus dem Roman kann man für die heutige Schüler-Lehrer-Generation die Auf-forderung entnehmen, gemeinsam Schule menschlich zu gestalten. Man muss in ihr einige Jahre miteinander verbringen. Eine Gegnerschaft bringt keiner der Gruppen etwas. Durch Zusammenarbeit werden Reibungen vermieden. Der Lernerfolg und die Lernfreude kann so gesteigert werde.
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Oberrealschule, Stand 18.12.2009 http://de.wikipedia.org/wiki/Oberrealschule
Wikipedia
Schülermütze, Stand 27.07.2009 http://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%BClerm%C3%BCtze
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Arbeit zitieren:
Oliver Haucke, 2010, Welches Lehrer- und Schülerbild des frühen 20. Jahrhunderts wird in dem Roman die Feuerzangenbowle von Heinrich Spoerl vermittelt?, München, GRIN Verlag GmbH
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Deutsch: neuer Titel erschienen: Welches Lehrer- und Schülerbild des frühen 20. Jahrhunderts wird in dem Roman die Feuerzangenbowle von Heinrich Spoerl vermittelt?
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