Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Asthma bronchiale 1
2.1 Definition 2
2.2 Klassifikation 3
2.3 Epidemiologie 3
2.4 Ätiologie und Pathogenese 4
3 Medizinische Aspekte 5
3.1 Asthmareaktion 5
3.2 Asthmasymptome 6
3.3 Asthmaformen 7
3.3.1 Extrinsisches Asthma (exogen-allergisch) 7
3.3.2 Intrinsisches Asthma (Infektasthma) 8
3.3.3. Anstrengungsasthma 8
3.4 Diagnostik 9
3.4.1 Anamnese 9
3.4.2 Körperliche Untersuchung 9
3.4.3 Lungenfunktionsdiagnostik 10
3.4.4 Allergiediagnostik 11
3.4.5 Belastungstests 12
4 Therapieformen 12
4.1 Prävention 13
4.2 Medikamentöse Behandlung 13
4.2.1 Medikamentöse Stufentherapie 14
4.2.2 Inhalationsverfahren 15
4.3 Sporttherapie 15
4.3.1 Aufbau einer Sporttherapie 16
5 Asthma und Schulsport 19
5.1 Rahmenbedingungen für den Schulsport 20
5.2 Aufbau der Schulsportstunden 20
5.2.1 Aufwärmphase 21
5.2.2 Belastungsphase 21
5.2.2.1 Große Spiele 21
5.2.2.2 Kleine Spiele 23
5.2.2.3 Weitere Sportarten 25
5.2.3 Abklingphase 28
6 Schlusswort 28
7 Literaturverzeichnis
Anhang A
1 Einleitung
Die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die an einer chronischen Krankheit leiden, hat in den letzten Jahren drastisch zugenommen, so dass es wichtig ist über deren Entstehung und über das Krankheitsbild aufzuklären. Dabei ist Aufklärung nicht nur bei den Betroffenen und ihren Familien für die Therapie und die Rehabilitation wichtig. Auch LehrerInnen sollen über chronische Krankheiten aufgeklärt werden, um eine Integration der betroffenen Kinder in die Klasse zu erleichtern. Darüber hinaus sollen sie über mögliche Gefahren informiert werden, um einen sicheren Umgang mit betroffenen Kindern gewährleisten zu können.
Diese Arbeit beschäftigt sich mit der chronischen Atemwegserkrankung Asthma bronchiale, einem sportmedizinischen Problem im Schulsportunterricht.
Viele LehrerInnen sind immer noch der Ansicht, Asthma und Sport würden sich ausschließen. Sie halten asthmatische SchülerInnen für sportunfähig und akzeptieren ein ärztliches Attest zur Befreiung vom Sportunterricht. Dabei können und sollen Asthmatiker an sportlichen Aktivitäten teilnehmen. Die sportliche Betätigung bewirkt eine Verbesserung der Krankheit sowohl unter medizinischen als auch unter sozialen Aspekten. Betroffene Kinder und Jugendliche, die am Sportunterricht teilnehmen, werden nicht isoliert und fühlen sich der Gruppe zugehörig.
Diese Arbeit widerlegt die veraltete Sicht der Sportuntauglichkeit von Asthmatiker und behandelt Vorschläge für die Gestaltung des Sportunterrichts mit asthmaerkrankten SchülerInnen. Einführend werden allgemeine Aspekte wie Verbreitung, Entstehung und Ursachen der Krankheit beschrieben. In Kapitel 3 wird das Krankheitsbild sowie die verschiedenen Formen von Asthma bronchiale unter medizinischen Gesichtspunkten ausführlich beschrieben, um ein genaueres Verständnis dieser Atemwegserkrankung zu geben. Um die sporttherapeutischen Möglichkeiten vorzustellen, werden im anschließenden Kapitel verschiedene Therapieformen erläutert, wobei die Sporttherapie als Therapieform den Schwerpunkt des Kapitels bildet. Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung werden in Kapitel 6 aufgezählt. Ein abschließendes Schlusswort rundet diese Arbeit ab.
2 Asthma bronchiale
Aufgrund der zunehmenden Zahl von asthmaerkrankten Kindern und Jugendlichen ist es wichtig über diese chronische Atemwegskrankheit aufzuklären. Um ein ausreichendes Wissen über Asthma bronchiale zu erhalten, spielt nicht nur die Aufklärung über medizinische Aspekte eine große Rolle. Wichtig sind auch Informationen über die Entstehung und die Verbreitung dieser Krankheit zur Vorsorge und zum Schutz. Zudem kann die Aufklärung der Ursachen mehr Verständnis über die Krankheit erzielen.
1
2.1 Definition
Im normalen Sprachgebrauch wird der Begriff „Asthma“ als Synonym für Asthma bronchiale verwendet. Der Begriff Asthma kommt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet Atemnot [Nolte; 1998]. Jedoch hat die Asthmaforschung ergeben, dass diese Definition über den Begriff der Atemnot nicht mehr zutreffend ist, da Patienten auch ohne das Verspüren eines Atemnotzustandes durchaus an behandlungsbedürftigem Asthma leiden können.
Bei dem Versuch eine allgemeine, verbindliche Definition von Asthma bronchiale zu finden, stößt man bei [Nolte; 1998] auf vier verschiedene Ansätze:
1. Bei der ätiologischen 1 Definition, die für möglichst jede Krankheit anzustreben ist, ergibt sich das Problem, dass die Ursache der Krankheit nur in einem kleinen Teil der Fälle feststellbar ist (z.B. exogen-allergisches Asthma). Deshalb ist nach dem derzeitigen Forschungsstand eine Asthmadefinition, die allein die allergische Entwicklung zur Grundlage hat, nicht richtig und unvollständig.
2. Die pathogenetische 2 Definition bezieht sich auf die Hyperreaktivität des Bronchialsystems. Unter dem Begriff der Hyperreaktivität ist „die Überempfindlichkeit der Atemwege gegenüber spezifischen oder unspezifischen Reizen physikalischer und chemischer Art oder körperlicher Belastung“ [Petermann, 1999] zu verstehen. Obwohl ein hyperreaktives Bronchialsystem bei jedem Asthmatiker vorzufinden ist, hat sich diese Definition aus folgenden zwei Gründen nicht durchsetzen können: Erstens gibt es auch bei anderen Atemwegserkrankungen gelegentlich ein hyperreaktives Bronchialsystem (z.B. akuter Atemwegsinfekt, chronische Bronchitis). Zweitens ist die Definition schlecht praktikabel, da zum Nachweis eines hyperreaktiven Bronchialsystems ein Provokationstest nötig ist.
3. Bei der klinischen Definition wird der Anfallscharakter und die spontane Rückbildungsfähigkeit, die sog. Reversibilität, der klinischen Symptomatik laut Definitionsvorschlag des „Ciba Foundation Guest Symposium“ (1959) in den Mittelpunkt gestellt. Charakteristisch für diese Definition sind die vom Patienten angegebenen Symptome wie „anfallsweise auftretende und spontan abklingende Atemnot“ [Nolte; 1998], welche für die klinische Anwendung nützlich sind.
4. Die funktionsanalytische Definition wird am ehesten einer weltweit verbindlichen Asthmadefinition gerecht. Denn die funktionsanalytische Diagnostik liefert einen exakten Nachweis der Reversibilität der Atemwegsobstruktion 3 , bei der die variable und reversible Strömungsbehinderung im Bronchialsystem zusammen mit dem morphologischen Befund der Entzündung als Grundlage dient.
1 ursprungdeutend;
2 über die Krankheitsentstehung;
3 Atemwegsverengung;
2
Zusammenfassend lässt sich Asthma bronchiale definieren als „eine variable und reversible Atemwegsobstruktion infolge Entzündung und Hyperreaktivität der Atemwege“ [Nolte; 1998].
2.2 Klassifikation
Nicht jedes Asthma ist gleich stark ausgeprägt. Da zur Schweregradeinteilung ganz unterschiedliche Parameter herangezogen werden können, wie z.B. die Häufigkeit der Symptome, subjektive Beschwerdeintensität oder Therapieumfang, gibt es keine einheitliche und allgemeingültige Klassifikation. Im Folgenden soll die in [Szczepanski, Schmidt; 1997] von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Einteilung in vier Schweregrade dargestellt werden, die sich an den Lungenfunktionsparametern orientiert (siehe Tab. 1):
Bei leichtem Asthma (Grad 1) tritt weniger als 5mal pro Jahr eine erschwerte Atmung auf. Es kommt nicht zur Atemnot und die Lungenfunktion ist im beschwerdefreien Intervall ohne Befund. Kommt es 6-10mal pro Jahr zu einer erschwerten Atmung mit Pfeifgeräuschen, so wird nach WHO-Klassifikation mäßiggradiges Asthma (Grad 2) diagnostiziert - selten tritt Atemnot auf. Anhand der Lungenfunktion kann eine pathologische Veränderung erkannt werden. Bei mittelschwerem Asthma (Grad 3) liegen kurz oder länger dauernde asthmatische Symptome bis 20mal pro Jahr vor. Insbesondere in diesen Phasen ist die Lungenfunktion krankhaft verändert mit erhöhtem Atemwegswiderstand und leichter Überblähung. Bei schwerem Asthma (Grad 4) kommt es mehr als 20mal pro Jahr oder dauerhaft zu asthmatischen Beschwerden wie Pfeifen oder häufiger Atemnot. Die Lungenfunktion zeigt oft anhaltende krankhafte Veränderungen und eine deutliche Überblähung der Lunge. Aus einer erheblichen Verengung der Bronchien resultiert eine Erhöhung des Atemwegs-widerstandes.
2.3 Epidemiologie 4
Die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter ist Asthma bronchiale. Jedes zwölfte Schulkind in Deutschland leidet unter asthmatischen Beschwerden [Hannemann; 1999]. Studien siedeln die Prävalenz für Deutschland zwischen 5% und 10% an. Es gibt darüber hinaus auch deutliche Hinweise dafür, dass die Prävalenz weiter zunimmt. Bis in die vierziger Jahre wurde Asthma eher selten diagnostiziert: 1926 wurde bei einer Querschnittsuntersuchung in Ostpreußen ein Auftreten von Asthma bei 0,05% der Bevölkerung festgestellt. 1953 ergaben die Untersuchungen im Frankfurter Raum eine Häufigkeit von 0,54%. Inzwischen konnten mehrere Studien den deutlichen Trend zur Zunahme der Erkrankung zeigen [Lecheler; 1990]. Die Gründe für die starke Diskrepanz zu heutigen
4 Seuchenforschung;
3
Zahlen kann wohl nicht allein durch Faktoren wie unterschiedlich zugrundgelegte Definitionen, das Fehlen eines objektiven Asthmaparameters oder die Verbesserung der Diagnostik erklärt werden. Nach [Lecheler et al.; 1997] führen die Lebensgewohnheiten in unserer Industriegesellschaft zu einem stärkeren Auftreten von Asthma bronchiale. Dabei spielen folgende Faktoren eine große Rolle:
- Änderung von Lebensräumen und -weisen,
- Belastungen mit Luftschadstoffen (Ozon, Schwefeldioxid, Stickstoffoxide),
- Allergenexposition,
- Infektionen,
- Sozialstatus (allergische Reaktionen sind häufiger in Bevölkerungsschichten mit niedrigem Einkommen).
2.4 Ätiologie und Pathogenese
Die für Asthma bronchiale charakteristische Hyperreagibilität der Bronchien ist z.T. erblich bedingt. Die Hyperreagibilität ist definiert als „eine zur Stärke des Reizes überproportionale Kontraktion der Atemwegsmuskulatur“ [Ulmer; 1981]. Leidet ein Elternteil an Asthma bronchiale, erhöht sich das Risiko für das Kind, ebenfalls an Asthma zu erkranken, von durchschnittlich 10% auf das Doppelte; sind beide Elternteile betroffen, steigt die Wahrscheinlichkeit für das Kind auf über 50%.
4
Neben der Vererbung sind häufig schwere Erkältungen oder Infektionen im Säuglings- und Kleinkindalter Ursachen für Asthma bronchiale. Diese Infektionen sind zu 90% virusbedingt, für die die Hyperreagibilität verantwortlich ist [Szczepanski, Schmidt; 1997]. Die Asthmasymptomatik wird hervorgerufen, wenn bestimmte Reize auf die angeborene oder erworbene hyperreagible Bronchialschleimhaut treffen. Diese als Auslöser oder Trigger bezeichneten Reize bewirken, dass bestimmte Vermittlersubstanzen, die sog. Mediatoren freigesetzt werden. Die Mediatoren, z.B. Histamin können einerseits direkt weitere Reaktionen auslösen, die zur Folge eine chronische Entzündung der Bronchialschleimhaut bewirken. Andererseits können Mediatoren auch indirekt Asthmasymptome hervorrufen, indem sie als Lockstoffe für weitere Entzündungszellen fungieren. Da letzteres wiederum neue Mediatoren freisetzt, schließt sich der Kreis für eine dann chronische, sich selbst unterhaltende Entzündung, die wiederum die Hyperreaktivität zur Folge hat. Der zentrale Mechanismus, der die Asthmasymptomatik hervorruft, ist also die chronische Entzündung, ausgelöst und unterhalten durch die Mediatoren [Szczepanski, Schmidt; 1997].
3 Medizinische Aspekte
Um Asthma bronchiale richtig therapieren zu können, ist es wichtig Betroffene und ihre Familien über das Krankheitsbild zu informieren. Dazu gehören Erklärungen über Vorgänge im Körper bei einem „Anfall“. Ebenso wichtig ist die Aufklärung über alle möglichen Symptome für eine frühzeitige Erkennung und Vorsorge. Da sich Asthma bronchiale bei Kindern und Jugendlichen in vielen verschiedenen Erscheinungsformen zeigt, werden diese vorgestellt. Eine Form von Asthma bronchiale ist das Anstrengungsasthma, das am häufigsten bei körperlicher Belastung auftritt. Aus diesem Grund wird Anstrengungsasthma im Hinblick auf die sporttherapeutischen Möglichkeiten näher beschrieben. Aufgrund der verschiedenen Formen und unterschiedlichen Beschwerden bei Asthma bronchiale ist es umso wichtiger eine sichere Diagnose zu erstellen. Es werden hierbei die geläufigsten Verfahren für die Diagnostik vorgestellt.
3.1 Asthmareaktion
Die folgenden drei von den Mediatoren evozierte Mechanismen lösen die Asthmareaktion aus, die mit einem Asthmaanfall gleichzusetzen ist.
Die indirekte Mediatoreneinwirkung mit der Anlockung von Entzündungsstoffen führt zu einer Schwellung der Schleimhaut, die bei Gesunden hauchdünn ist und die Bronchiolen von innen auskleidet. Des Weiteren führt die indirekte Mediatoreneinwirkung zu einer vermehrten Produktion von zähem Schleim. Das Zusammenziehen der glatten Bronchialmuskulatur wird dagegen direkt bewirkt. Durch alle drei Vorgänge wird die Bronchiallichtung verengt. Diese Obstruktion ist mit
5
Arbeit zitieren:
Thi Thanh Tung Ho, 2003, Sportmedizinische Probleme im Schulsportunterricht: Asthma bronchiale, München, GRIN Verlag GmbH
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