Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Historischer Kontext 2
3. Kurzbiografie 3
4. Wirtschaftliche Überlegungen 3
5. Pestalozzis Menschenbild 4
5.1. Der Mensch lebt im Wiederspruch 4
5.2. Naturzustand 5
5.3. Gesellschaftlicher Zustand 5
5.4. Sittlicher Zustand 6
5.5. Pestalozzi und die Armut 6
6. Pädagogischer Ansatz 7
6.1. Gegen das „Maulbrauchen“ 7
6.2. Wohnstubenerziehung 8
6.3. Lernen mit Hand, Kopf und Herz 8
7. Theorieentwicklung und Umsetzung 9
7.1. „Tagebuch von der Erziehung meines Sohnes“ 9
7.2. Neuhof 9
7.3. Stans 10
7.4. Yverdon 10
8. Auswirkungen auf die Nachwelt 11
9. Fazit 11
Anhang 13
Literaturverzeichnis 14
1
1. Einleitung
Johann Heinrich Pestalozzi hat mit seinem Lebenswerk unser heutiges Menschenbild, die Elementarbildung des 19.Jh. und die Sozialpädagogik des 20.Jh. stark beeinflusst. Sein Leben ist von der Suche nach Möglichkeiten zur Verbesserung der Lebensumstände der Unterprivilegierten bestimmt. Es ging ihm hierbei nicht um das Verteilen von Almosen, sondern darum die Menschen in die Lage zu versetzen, ihr Leben selbst zu bewältigen.
2. Historischer Kontext
Pestalozzi lebte in einer Zeit des Umbruchs. Die feudale Ordnung bricht zusammen, das Bürgertum emanzipiert sich. Das Handwerksrecht wird abgeschafft und Gewerbefreiheit eingeführt. Technischer Fortschritt und arbeitsteilige Produktion läuten das Industriezeitalter ein. Viele Güter konnten von schlecht qualifizierten Arbeitern in großer Menge hergestellt werden. Durch das Überangebot an Arbeitskraft konnten niedrigste Löhne diktiert werden. Dadurch rutschten viele Menschen ins Proletariat ab. 1
Seit Mitte des 17 Jh. wurden durch Neuerungen in der Landwirtschaft immer größere Erträge hervorgebracht. Der Merkantilismus hatte bisher die Landwirtschaft außer Acht gelassen. Durch Bevölkerungswachstum und Industrialisierung wird vor allem England zum Abnehmer der gesteigerten Erträge. Es kommt zu einer wahren Agrareuphorie, viele Menschen sehen in der Landwirtschaft eine gesicherte ökonomische Zukunft und widmen sich dem Landbau. In den Jahren 1771 und 1772 treten in Europa Missernten auf. Gleichzeitig werden Getreideim-porte aus Nordamerika wirtschaftlich. Dies und die steigende Bevölkerungszahl sind unter Anderem dafür verantwortlich, dass es in den 70er Jahren des 18. Jh. zur Massenarmut kommt. Von Seiten der Obrigkeit versucht man der „ Armenschwemme“ mit Vertreibung und der Einrichtung von Zucht- und Arbeitshäusern beizukommen. 2
1 Vgl. Marx
2 Vgl. Abrate/ Mieck
2
3. Kurzbiografie
Am 12.01.1746 wird Johann Heinrich Pestalozzi in Zürich geboren. Als er fünf Jahre alt ist stirbt sein Vater. Er wächst mit seinen Geschwistern, von seiner Mutter und einer Magd ängstlich behütet als „Mutterkind“ auf. Als jungem Stadtbürger ist es ihm möglich die Elementar- und anschließend die Lateinschule zu besuchen. Theologie- und Jurastudium bricht er ab und beginnt eine landwirtschaftliche Lehre. 1769 heiratet er die acht Jahre ältere Anna Schultheß gegen den Willen ihrer Eltern. Er erwirbt 20 Hektar Wiesen und Ackerland und errichtet darauf seinen Neuhof. Die landwirtschaftliche Unternehmung scheitert, ebenso Versuche mit Baumwollverarbeitung in Heimarbeit und die Einrichtung einer Armenanstalt. Durch Landverkäufe und Zuwendungen der Familie seiner Frau können 1780 Schulden abgetragen werden. Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten betätigt sich Pestalozzi in den folgenden Jahren als Schriftsteller. Nach dem Einmarsch französischer Truppen 1798 wird Pestalozzi Leiter einer Anstalt für verwaiste Kinder in Stans. Diese wird bereits ein halbes Jahr später geschlossen um einem Lazarett zu weichen. Darauf hin beschließt Pestalozzi Lehrer zu werden. In einem Lehrerseminar mit angeschlossener Erziehungsanstalt auf Schloss Burgdorf hat er die Möglichkeit seine Ideen umzusetzen. 1803 wird Schloss Burgdorf Sitz des Berner Oberamtmanns. 1804 gründet Pestalozzi ein neues Institut in Yverdon, welches sehr schnell in ganz Europa berühmt wird. Bis 1815 erlebt das Institut seine Blüte. Wegen Streitigkeiten unter den Mitarbeitern und finanziellen Problemen wird das Institut 1825 geschlossen. Pestalozzi zieht sich auf den Neuhof zurück und will dort wieder eine Armenanstalt eröffnen. Er stirbt am 17.02.1827. 3
4. Wirtschaftliche Überlegungen
Die häufigen Richtungswechsel in Pestalozzis Leben lassen sich u. A. auf wirtschaftliche Überlegungen zurückführen. Die Aufgabe des Theologiestudiums war zum einen die Folge mangeln der Neigung, die Sorge um ein gesichertes Einkommen war mit Sicherheit ein anderer Aspekt den man nicht außer Acht lassen darf. Die Chance in Zürich eine Pfarrerstelle zu bekommen war zur damaligen Zeit äußerst gering und die große Zahl der Anwärter auf eine reguläre Pfarrerstelle wurde zu einem sozialen Problem. 4 Die Überlegung es mit Landwirtschaft zu versuchen entsprach durchaus dem Zeitgeist und versprach zunächst auch wirt-
3 Vgl.Kuhlermann
4 Vgl. Stadler
3
schaftlichen Erfolg. 5 In der Spätagrarischen Gesellschaft des ausgehenden 18. Jh. war die Überlegung, der Massenarmut dadurch beizukommen in dem man die Armen industrietauglich machte, weit verbreitet. 6 So ist die Umstellung des Neuhofs auf Baumwollverarbeitung in Heimarbeit aus ökonomischen Gründen nach zu vollziehen. Berechnungen Pestalozzis belegen laut Brühlmeier, dass ein Kind auf dem Neuhof, zunächst zwar Verlust einbrachte, nach Anlernen und Einarbeitung im dritten Jahr Gewinn erwirtschaftete. Entscheidend für den Misserfolg war, dass die Kinder zumeist den Hof verließen sobald ihre Arbeit Erträge einbrachte und sie somit für andere Arbeitgeber interessant wurden. 7 Bei seinen Überlegungen über die Armenerziehung lässt er auch die Wirtschaftlichkeit nicht außer Acht und sieht die Notwendigkeit, die Armen in den Fertigkeiten auszubilden, die zur Unterhaltssicherung den wahrscheinlichsten Erfolg versprechen. 8
5. Pestalozzis Menschenbild
Geht Pestalozzi zunächst von einem Menschen aus der von Grund auf gut ist, wird sein Menschenbild durch Enttäuschungen mit der Zeit nuancierter und pessimistischer. Er wird von seinen Schutzbefohlenen auf dem Neuhof ausgenutzt. Die französische Revolution, die er zunächst begrüßt, erweist sich als inhuman. 9 In „Meine Nachforschungen über den Gang der Natur in der Entwicklung des Menschengeschlechts“ zeichnet er sein Menschenbild.
5.1. Der Mensch lebt im Wiederspruch
Für Pestalozzi besteht das Leben des Menschen aus Spannung und Widerspruch zwischen seinen Wünschen und seiner Tätigkeit. Er schreibt ihm eine „tierische“ oder „sinnliche“ Natur und eine „höhere“ Natur zu. Die sinnliche Natur ist bestimmt von Trieben und Instinkten wie Selbst- und Arterhaltung, Lust und Unlust. Die höhere Natur geht über das tierische hinaus. Sie befähigt den Menschen zum Erkennen von abstrakten Werten wie Liebe, Wahrheit, Schönheit, Gerechtigkeit und den Glauben an Gott. Durch sie kann er seinen Egoismus unterdrücken, schöpferisch tätig werden, gesellschaftliches Leben gestalten, Verantwortung
5 Vgl. Abrate/Mieck
6 ebenda
7 Vgl. Brühlmeier
8 Vgl. Liedtke
9 ebenda
4
Arbeit zitieren:
Günter Lehmler, 2009, Das Menschenbild Pestalozzis und der daraus resultierende pädagogische Ansatz , München, GRIN Verlag GmbH
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