Katholische Universität Eichstätt - Ingolstadt Fakultät für Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit - FHSt -
vorgelegt am 10.06.2003
von:
Marion Dürr
Gliederung:
1 Der Körper als Ausdrucksmittel des Menschen. 4
2 Die Bedeutung der Körperhaltungen für die liturgische Feier 5
3 Die wichtigsten Körperhaltungen in der liturgischen Feier und ihre konkreten
Bedeutungen 6
3.1 Das Sitzen. 6
3.2 Das Stehen und die Orantenhaltung. 7
3.3 Das Knien / die Kniebeuge / die Verbeugung 11
4 Die Sprache’ der Gesten und Gebärden des Vorstehers. 13
5 Resümee 14
Abk ürzungsverzeichnis: 15
Literaturverzeichnis : 15
3
1 Der Körper als Ausdrucksmittel des Menschen
Der Mensch als leib-geistiges Wesen drückt sich nicht nur durch die Sprache aus, sondern transportiert auch viele Informationen über den Körper: z.B. kann eine schlaffe Körperhaltung Traurigkeit und Depression ausdrücken, während eine aufrechte Haltung Selbstbewusstsein und Tatbereitschaft anzeigen kann. 1 Leib und Seele stehen in engem Zusammenhang - wenn die Seele leidet, wirkt sich das meistens auch auf den Körper aus und umgekehrt. So sind viele Psychologen der Auffassung, dass der Mensch seine Gesundheit positiv beeinflussen könnte, wenn er lernen würde, angemessen mit seinen Emotionen umzugehen. 2 Weiterhin lassen sich „die meisten menschlichen Grundbedürfnisse … durch eindeutige körpersprachliche Signale ausdrücken und befriedigen: Der Wunsch beispielsweise, daß sich mir jemand zuwendet, mir entgegenkommt, sich mir gegenüber öffnet oder sich mit mir verbindet, läßt sich durch entsprechende körperliche Verhaltensweisen ebenso erfüllen wie die Sehnsucht, angesehen oder gehalten zu werden und damit geborgen zu sein“. 3 Dementsprechend sind Formen wie jemandem die Hand zu geben, jemanden zu umarmen oder mit dem Kopf jemandem zur Begrüßung zuzunicken in unserem Kulturkreis üblich und für alle verständlich. Jedoch haben diese gesellschaftlichen Formen „mit der Preisgabe verbindlicher Konventionen … einen Großteil ihrer Bedeutung verloren; man verkehrt zwang- und damit formloser untereinander. Nun ist sicher grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, wenn Förmlichkeiten aufgegeben werden, die ihren Sinn verloren haben und zu leeren Äußerlichkeiten geworden sind“, 4 aber Formen im Umgang mit den Mitmenschen und gegenüber Gott drücken auch Selbstachtung und Achtung vor dem anderen aus. So ist es auch im Gottesdienst „keineswegs bedeutungslos, welche Haltung wir einnehmen.“ 5
1 vgl. Wolf, Axel: Menschenkenntnis, 23
2 vgl. Bourne, Lyle E. - Ekstrand, Bruce R.: Einführung in die Psychologie, 307
3 Schützeichel, Harald: Die Feier des Gottesdienstes, 46
4 Jorissen, I. - Meyer, H.B.: Zeichen und Symbole im Gottesdienst, 80
5 Jorissen, I. - Meyer, H.B.: Zeichen und Symbole im Gottesdienst, 80
4
2 Die Bedeutung der Körperhaltungen für die liturgische Feier
In SC 14 bringt die Liturgiekonstitution klar zum Ausdruck, dass „alle Gläubigen … zu der vollen, bewußten und tätigen Teilnahme an den liturgischen Feiern geführt werden (sollen), wie sie das Wesen der Liturgie selbst verlangt und zu der das christliche Volk, … kraft der Taufe berechtigt und verpflichtet ist“. Mit der ‚tätigen’, ‚vollen’, ‚bewussten’, ‚frommen’, ‚gemeinschaftlichen Teilnahme’ mit ‚geistlichem Gewinn’, 6 wie sie vom II. Vatikanum beschrieben wurde, ist gemeint, dass der Gläubige nicht passiver Zuschauer bei einer heiligen Handlung sein soll, sondern am Geschehen selbst innerlich und äußerlich Anteil nehmen und es mit vollziehen soll. 7 Um diese ‚tätige Teilnahme’ zu fördern, führt die Liturgiekonstitution in SC 30 u.a. auch die Körperhaltungen und Gesten an, denen Sorge zuzuwenden ist. Durch die Körperhaltung soll sozusagen das innere Empfinden nach außen treten: „Wenn auch die innere, seelisch-geistige Beteiligung unabdingbar ist und an erster Stelle zu stehen hat, so verlangt diese wegen der leib-geistigen Verfaßtheit des Menschen auch nach dem leibhaftigen sichtbar-spürbaren Ausdruck.“ 8 Aber auch umgekehrt kann das äußere Zeichen Wirkung auf die innere Befindlichkeit ausüben: „Wenn ich zunächst nicht in der ‚Stimmung’ bin, ein Gebet, ein Lied, eine Körperhaltung in Gemeinschaft mitzuvollziehen und es dennoch zunächst nur äußerlich tue, so kann das durch Zeichen Ausgedrückte, indem ich mich darauf einlasse, auch innerlich geweckt werden.“ 9 Nicht umsonst legen auch z.B. indische Meister viel Wert auf die Körperhaltungen beim Gebet und der Meditation (z.B. Lotussitz, Atemtechnik, usw.). 10
Es geht beim Gebet also um mehr als nur um eine „Erhebung der Seele zu Gott“. 11 Das Gebet ist eine Öffnung des ganzen Menschen vor Gott mit Leib, Seele und Geist. Auch die AEM fordert eine ‚tätige Teilnahme’ der Gläubigen, die „Leib und Seele umfaßt und von Glauben, Hoffnung und Liebe getragen ist“. 12 So soll der
6 vgl. SC 11. 14. 21. 48. 79
7 vgl. SC 48. 19
8 Adam, Adolf: Grundriss Liturgie, 18
9 Lengeling, Emil Joseph: Liturgie - Dialog zwischen Gott und Mensch, 93
10 vgl. Sauer, Ralph: Die Kunst, Gott zu feiern, 162
11 Sauer, Ralph: Die Kunst, Gott zu feiern, 162
12 AEM 3
5
Arbeit zitieren:
Marion Dürr, 2003, Körperhaltungen als Ausdruckshandlungen in der liturgischen Feier, München, GRIN Verlag GmbH
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