Inhaltsverzeichnis:
I.Einleitung.......................................................................................................... S.2
II.Hauptteil.......................................................................................................... S. 3 - 12
II.1 Die Laborschule: Eine Einführung. S. 3 -5
II.2 Die Laborschule Bielefeld und ihre Entwicklung im Umgang
mit Geschlechterdifferenz. S. 5 - 12
III.Fazit................................................................................................................ S. 12 - 13
IV.Quellen……………………………………………………………………... S. 14
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I. Einleitung:
Die Koedukationsdebatte, also die Diskussion um eine gemeinsame Erziehung von Jungen und Mädchen in der Schule, hat in der Vergangenheit kritische Diskussionen und eine enorme Anzahl verschiedener Projekte in deutschen Schulen hervorgebracht. Im Mittelpunkt dieser Arbeit steht eine ganz bestimmte deutsche Schule, die Laborschule Bielefeld. Dabei handelt es sich um die staatliche Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen und zugleich um eine wissenschaftliche Einrichtung der Universität Bielefeld, speziell der pädagogischen Fakultät. Es ist, im pädagogischen Sinn, also eine sehr besondere Schule, wie sie sich in der Bundesrepublik in dieser Form kein zweites Mal finden lässt.
Im Folgenden soll die Laborschule kurz beschrieben und die Besonderheiten und Unterschiede zu den bekannten Regelschulen sollen aufgezeigt werden, um vor diesem Hintergrund auf die Koedukation bzw. die Entwicklung selbiger an der Bielefelder Schule einzugehen. Dabei wird der Schwerpunkt auf der jüngeren Entwicklung (seit Anfang der neunziger Jahre) liegen, in diesem Zusammenhang werden nur einige Projekte genannt, von denen ich wiederum einige exemplarisch näher ausführen werde.
Die Laborschule beschäftigt sich ganz bewusst mit der Frage nach geschlechtlicher Differenz, mit dem bewussten Umgang der Erziehung in geschlechterheterogenen Gruppen, daher kann diese Arbeit auch keinen Anspruch erheben, die Vielzahl vergangener und aktueller Projekte und Bemühungen, Koedukation umzusetzen, zu erläutern. Vielmehr soll die Arbeit einen Einblick in die pädagogischen Leitlinien der Laborschule geben und zeigen, wie sich die Frage nach einer angemessenen und funktionierenden Koedukation im Laufe der Zeit verändert bzw. entwickelt hat.
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II. Hauptteil
II.1 Die Laborschule: Eine Einführung
Die Bielefelder Laborschule wurde 1974 nach den Ideen des Reformpädagogen Hartmut von Henting gegründet. Die Schule umfasst 10 Jahrgänge, die von 660 SchülerInnen besucht werden (60 je Jahrgang). Sie ist in vier Stufen gegliedert: Stufe I (Jahrgang 0-2 ), Stufe II (Jahrgang 3-4), Stufe III (Jahrgang 5-7) und Stufe IV (Jahrgang 8-10).
Die Laborschule versteht sich nach eigenen Angaben als Angebotsschule, d.h., sie nimmt Kinder aus der gesamten Region nach einem Aufnahmeschlüssel auf, welcher eine Schülerpopulation, die der gesellschaftlichen Schichtung entspricht und eine geschlechtliche Ausgewogenheit gewährleistet, es findet also keine Sondierung nach Leistung statt. Es handelt sich um eine Ganztagsschule, wobei die zeitliche Verteilung von Unterricht und Hausaufgabenförderung stufenweise unterschiedlich ist. Die Laborschule verfolgt das Ziel, SchülerInnen individuell zu fördern, so gibt es neben einem Pflichtbereich auch einen umfangreichen Wahlbereich. Die Beurteilung ist ebenfalls individualisiert, so dass erst ab Ende des 9. Schuljahres Notenzeugnisse verteilt werden, davor verfassen die Lehrerinnen und Lehrer sog. „Berichte zum Lernvorgang“, die eine individuelle Beurteilung garantieren sollen. Nach dem 10. Schuljahr können Schülerinnen und Schüler einen für Gesamtschulen üblichen Abschluss erwerben, der u.U. Für den Besuch der gymnasialen Oberstufe qualifiziert.
Die Laborschule bezeichnet sich als Ort, an dem Kinder und Jugendliche gerne Leben und Lernen sollen, so findet eine Verknüpfung zwischen beidem statt, die sich deutlich im Unterricht niederschlägt. Lernen soll mit Erfahrungen verbunden und nicht bloße Belehrung sein, die nähere und die weitere Umgebung der Schule, die Natur und die Regionen, die den Lernenden aus der alltäglichen Erfahrung bekannt sind, werden in den Unterricht einbezogen. Unterschiede zwischen den Schülerinnen und Schülern verstehen die Pädagogen als Bereicherung und nicht als Belastung, so sollen die SchülerInnen befähigt werden, in leistungs-, jahrgangs- und natürlich auch in geschlechtsheterogenen Gruppen zu leben bzw. zu lernen. Zudem versteht sich die Bielefelder Laborschule als Gemeinschaft aller ihr zugehörigen Personen, die das gemeinsame Handeln und Leben friedlich und vernünftig gestalten. Im Folgenden werde ich die bereits erwähnten Stufen und die dazugehörigen Jahrgänge kurz beschreiben, da ihr Aufbau für das Verständnis der Schulphilosophie unerlässlich ist: Stufe I (Jahrgang 0,1,2):
Die Aufnahme der Kinder im Vorschulalter beginnt mit dem Jahrgang 0, der einen Übergang vom familiären Leben zum Leben und Lernen in der Laborschule erleichtern soll. In den ersten drei Jahren lernen die fünf- bis achtjährigen zusammen, wobei die Jüngeren von den Älteren
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lernen. Dabei entwickeln die SchülerInnen einen eigenen Arbeitsrhythmus, ohne Zeit- oder Notendruck.
Es existiert noch kein fester Stundenplan, der Unterricht und der Tagesablauf folgen einem den Bedürfnissen der Kinder angepassten Rhythmus. Stufe II (Jahrgang 3,4):
In der zweiten Stufe dient ein Großteil der Schulzeit dem praktischen Lernen, z.B. in Form von Gruppenprojekten, deren Ergebnisse später öffentlich vorgestellt werden können. Den Kindern werden Angebote und Hilfen entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten geboten, außerdem lernen alle SchülerInnen ab dem 3. Schuljahr gemeinsam in spielerischer Form Englisch, die erste Fremdsprache. Stufe III (Jahrgang 5,6,7):
Der Unterricht ist auch in der dritten Stufe noch nicht in Fächer unterteilt, sondern in verschiedene Einheiten (Erfahrungsbereiche), aus denen die Fächer später hervorgehen. Zu den Erfahrungsbereichen gehören: Der Umgang von Menschen mit Menschen
(Sozialwissenschaften); Der Umgang mit Sachen: erfindend, gestaltend, spielend (Künste); Der Umgang mit Sachen: beobachtend, messend, experimentierend (Naturwissenschaft); Der Umgang mit Gedachtem, Gesprochenem und Geschriebenem (Sprache/n, Mathematik) und der Umgang mit dem eigenen Körper (Sport und Spiel). Wie bereits erwähnt, tritt an die Stelle der Leistungsdifferenzierung die Angebotsdifferenzierung, d.h., die Kinder der dritten Stufe wählen jedes Jahr zwei Wahlkurse, zu denen eine zweite Sprache (Französisch oder Latein) und viele praktische Kurse (kochen, nähen etc.) gehören. Stufe IV (Jahrgang 8,9,10):
Die Jugendlichen können durch das Angebot verschiedener Wahl- und Leistungskurse individuelle Schwerpunkte in ihrer Schullaufbahn setzen und gewinnen durch Praktika Einblick in die Arbeitswelt und die komplexen Wirtschaftsstrukturen. In den oberen Jahrgängen fertigen SchülerInnen außerdem drei größere theoretische oder praktische Arbeiten an und nehmen an einem dreiwöchigen Austauschprogramm teil, das sie in das umliegende europäische Ausland führt. Laborschülerinnen und -schüler werden durch Beratung und Hospitation zudem bereits auf den eventuellen Besuch einer weiterführenden Schule vorbereitet.
Die Schülerinnen und Schüler wachsen in der Laborschule in ständigen Gemeinschaften auf, die kleinste davon nennt sich Stammgruppe, dort finden täglich Versammlungen statt und sie bietet ein Forum für Mitteilungen, Gespräche und Konflikte. Das Schulgebäude ist als Großraum angelegt, jede Stammgruppe hat zwar ihren festen Platz, jedoch lässt die Fläche viel Gestaltungsspielraum zu und bietet ständigen Kontakt zu anderen Gruppen. Die SchülerInnen organisieren ihr Zusammenleben größtenteils als verantwortungsvolle und vernünftig Handelnde
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Arbeit zitieren:
Daniel Valente, 2007, Die Laborschule Bielefeld und ihre Entwicklung im Umgang mit Geschlechterdifferenz, München, GRIN Verlag GmbH
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