Gliederung 2
Einleitung 3
Charles Mingus - The Thinking Musician 4
Vom Entertainer zum selbstbewussten Musiker 5
Die Politisierung des Jazz 6
Charles Mingus - The Acting Musician 7
Abschlie ßende Betrachtung 9
Literatur - und Quellenverzeichnis 11
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Einleitung
Die Entwicklung des Jazz in den USA des letzten Jahrhunderts hängt wesentlich mit den gesellschaftspolitischen Verhältnissen der jeweiligen Zeit zusammen. Insbesondere die Ereignisse und politischen wie gesellschaftlichen Umstände in den ausgehenden 50er und 60er Jahre prägten den Jazz nachhaltig. 1 Neben den verschiedenen studentischen Bewegungen, die damals gegründet wurden, war es vor allem die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung, die in dieser Zeit ihren Höhepunkt erfuhr. Sie setzte sich für eine Gleichberechtigung der schwarzen Bevölkerung ein, die zwar gesetzlich weitgehend zugesichert, aber tatsächlich kaum umgesetzt wurde. Das Bemühen, diesen alltäglichen Rassismus zu überwinden und sich gegen die Bevormundung durch die weiße Bevölkerung aufzulehnen, spiegelte sich zu dieser Zeit auch im Jazz wider. Anders als noch der Swing in den 30er Jahren, der zu einer populären Tanzmusik eines vornehmlich weißen Publikums geworden war, entwickelte sich der Jazz zunehmend zu einer Musik elitärer Minderheiten, die sich dem kommerziellen Mainstream entzog. Im Bebop der 40er und 50er Jahre wird ein neues Selbstverständnis der schwarzen Musiker deutlich, die darum bemüht waren, sich von einem negativen Selbstbild zu lösen, das das Selbstverständnis der schwarzen Bevölkerung noch immer belastete. Diese Haltung prägte auch die Entwicklung des Third Stream und erfuhr in den 60er Jahren mit Aufkommen des Free Jazz einen neuen musikalischen Ausdruck. Dieser manifestierte sich sowohl in der Rückbesinnung auf die afrikanischen Wurzeln als auch in einem neuen ästhetischen Selbstverständnis in der Musik.
Diese Entwicklung ging mit einem wachsenden Selbstbewusstsein der schwarzen Jazzmusiker einher, die es zunehmend ablehnten, der gesellschaftlich
aufgezwungenen Rolle als Entertainers zu entsprechen. Die ständige Diskriminierung, die sich vor allem in oft unzumutbaren Arbeitsbedingungen zeigte, veranlasste zahlreiche Jazzmusiker dazu, auch politisch aktiv zu werden und sich gegen die bestehenden Verhältnisse aufzulehnen. Die übliche Bevorzugung von weißen Musikern bei Studio-Produktionen und in Rundfunkorchestern trug ebenfalls dazu bei, dass sich besonders junge schwarze Musiker diesem Protest anschlossen. Einer der bedeutendsten und aktivsten von ihnen war Charles Mingus, der sich sowohl in seiner Musik als auch durch sein Auftreten vehement für die kulturelle und intellektuelle Emanzipation der afroamerikanischen Bevölkerung einsetzte.
1 vgl. Knauer, Wolfgang. Jazz. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Sachteil 4, Ludwig Finscher (Hrsg.),
Bärenreiter-Verlag, Kassel/Stuttgart 1996, S.1408
3
Charles Mingus - The Thinking Musician
„Mingus, der Bassist, der Komponist, der Bandleader, der Rebell, der Zornige, der Aufsässige.“, so beschrieb Siegfried Schmidt-Joos im Programmheft der Berliner Jazztage aus dem Jahr 1970 den Jazzmusiker Charles Mingus und zeichnete damit das Bild eines Mannes, der zu den herausragenden Musikerpersönlichkeiten der 60er Jahre zählte. 1922 in den USA geboren beschäftigte sich Mingus als angehender Cellist bereits in jungen Jahren intensiv mit der klassischen Musik, musste aber bald feststellen, dass er aufgrund seiner Hautfarbe keine Zukunftsaussichten als klassischer Musiker haben würde. Als er bald darauf mit den Jazz-Kompositionen des Bandleaders Duke Ellington in Berührung kam, faszinierte ihn diese Musik derart, dass er im Alter von 14 Jahren vom Cello zum Kontrabass wechselte. Inspiriert vom Spiel des Bassisten Jimmy Blanton begann Mingus die begleitende Rolle des Basses um schnelle Gegenmelodien zu erweitern. Dabei kombinierte er das Call-Response-Prinzip der afrikanischen Musiktradition mit Einflüssen aus der europäischen klassischen Musik. Auf diese Weise rückte der Kontrabass zunehmend in den Vordergrund und wurde neben der begleitenden Funktion auch zum Soloinstrument innerhalb eines Ensembles.
In Mingus` Bassspiel, das von einem Wunsch nach weitgehender Kontrolle über das Instruments bzw. über die Musik und gleichzeitig von individueller Freiheit geprägt war, zeigte sich sowohl seine umfassende Kenntnis der Musiktheorie als auch seine zerrissene Persönlichkeit. Sein dynamisches und temporeiches Spiel glich emotionalen Ausbrüchen, die von ruhigeren Phasen unterbrochen waren. Diese produktive Zerrissenheit wird in dem Album The Black Saint And The Sinner Lady aus dem Jahr 1963 besonders deutlich.
Seine expressive Spielweise spiegelte sich auch in der Art und Weise wider, wie er sein Ensemble leitete, ja geradezu vor sich hertrieb und es zu einer kollektiven Improvisation anspornte. Dabei bediente er sich vor allem der Harmonien und Rhythmen des Bebop und erweiterte das Klangspektrum seiner Kompositionen ab etwa 1960 um eine Reihe sinfonischer Instrumente. Hinter dieser Suche nach neuen musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten und der gleichzeitigen Einbeziehung klassischer Instrumente und fester Arrangements verbarg sich auch der Wunsch, den Jazz als ernstzunehmende und intellektuell anspruchsvolle Kunstmusik ähnlich der klassischen Musik zu etablieren.
Durch das Schaffen einer nachvollziehbaren Musiktradition und der Möglichkeit, diese Musik anhand einer Notation studieren zu können, sah Mingus einen wesentlichen Schritt zur Legitimierung des Jazz als Kunstmusik. Vor diesem Hintergrund wird
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Arbeit zitieren:
Master of Arts Roland Mahler, 2007, Charles Mingues, München, GRIN Verlag GmbH
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