Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 2-3
2.Statistische Daten 3-4
2.1 Allgemeine Entwicklungen und Tendenzen 4-6
2.2 Jugendkriminalität 7-10
2.3 Jugendliche Tatverdächtige nichtdeutscher Herkunft 10
2.4 Die Rolle von Mehrfach und Intensivtätern 11
3.Definitionen 11
3.1 Eine Definition von Jugend 11-12
3.2 Devianz 12
3.3 Delinquenz 12-13
3.4 Das Jugendstrafrecht 13-14
3.5 Gewaltverständnis und Gewaltdelikt 14-16
4. Geschlecht Männlich 16-17
4.1 Verhaltensdispositionen bei Männern 17
4.1.1 Aus evolutionstheoretischer Sicht 17-18
4.1.2 Aus umwelttheoretischer Perspektive 18-19
4.1.3 Kognitive Theorien der Geschlechterdifferenzierung 19-20
4.2 Gesundheits- und Risikoverhalten bei Jungen 20-21
4.3 Schulerfolg 22
4.4 Zwischenfazit 22
5. Die Rolle der Aggression 22-24
6. Risikofaktoren zu Entstehungsbedingungen von Gewalttätigkeit 24
6.1 Äußere Bedingungen 24-28
6.2 Innere Faktoren für Gewalttätiges Verhalten 28
6.2.1 Entwicklungspsychiatrische Faktoren 28-30
6.2.3 Fehlangepasste Aggression 30-32
7. Zusammenfassung der Ergebnisse und Ausblick 33-34
8.Literaturverzeichnis 35-39
1
1. Einführung
Bei den Jugendstrafgefangenen 1 in Deutschland herrschte 2005 ein Männeranteil von ca. 87% vor. Vergleicht man dabei die Verurteiltenquoten nach Geschlecht, so kam es 2005 bei 57,4% der weiblichen Angeklagten in Jugendgerichtsverfahren zu einer Verurteilung, während es bei den männlichen Angeklagten knapp 66% waren. Eine Jugendstrafe kann vom Richter nur dann verhängt werden, wenn sie wegen „Schädlicher Neigungen“ oder der „Schwere der Schuld“ erforderlich erscheint. 2 Zieht man die jährlich erscheinende, Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes zurate, zeigen sich dabei Parallelen in den Ergebnissen. Wie sich in Kapitel 2 herausstellen wird, führen männliche Jugendliche und Heranwachsende besonders bei den Körperverletzungsdelikten die Statistik als Täter und Opfer an. Obwohl diese Statistik nur die Anzahl der polizeilich bekanntgewordenen Fälle von Gewalttätigkeit zeigt, gibt sie dennoch einen Eindruck von Häufigkeit und Verteilung der Gewalt. Es scheint also eine Korrelation zwischen dem Geschlecht und sozial unverträglichen Verhaltensweisen zu geben, die das Risiko einer polizeilichen Erfassung, erhöhen. Durch eine besondere Nähe zum Schulalltag zeichnet sich dabei der Deliktbereich „Gewalttaten“ in Zusammenhang mit Körperverletzungsdelikten ab. Jungen neigen im schulischen Kontext eher zur offenen Gewalt und prügeln sich beispielsweise auf dem Schulhof oder im Klassenzimmer. 3
In der vorliegenden Arbeit möchte ich Zusammenhänge darstellen. Zunächst werde ich dazu die kriminologischen Hintergründe des (gegenüber den Mädchen) hohen Risikos von männlichen Jugendlichen und Heranwachsenden aufdecken, durch gewalttätiges Verhalten aufzufallen und delinquent zu werden. Ich bediene mich dabei hauptsächlich der polizeilichen Kriminalstatistik, da diese das offizielle Bild der registrierten Kriminalität wiedergibt. Nach einer Erläuterung der Arbeitsbegriffe stelle ich einige geschlechtsspezifischen Merkmalen des männlichen Geschlechts aus verschiedenen Perspektiven dar. 4 Dazu fasse ich einige besondere Bedingungen, die sich mit dem Thema Männlichkeit und Sozialverhalten befassen, zusammen. Eine
entwicklungspsychiatrische Sicht überschneidet sich dabei teilweise mit soziologischen
1 Anm. Ich verwende in dieser Arbeit aus Gründen der besseren Lesbarkeit durchgehend männliche Bezeichnungen. Ich möchte darauf hinweisen, dass kontextabhängig auch die weibliche Form mit einbezogen ist. Ich bitte um Nachsicht, diesen mir wichtigen Aspekt nicht jedes Mal aus Platz- und praktischen Gründen ausdrücklich in beiden schriftlichen Formen dargestellt zu haben.
2 Vgl. Trapper, Thomas: Jungen im Strafvollzug, S.:220f; In.: Matzner, Michael; Tschirner, Wolfgang (2008): Handbuch Jungen-Pädagogik
3 Vgl. Guggenbühl, Allan: Die Schule - ein weibliches Biotop?, S.151; In: Matzner, Michael; Tschirner, Wolfgang (2008): Handbuch Jungen-Pädagogik
4 Anm. Auch wenn generell eine Diskriminierung der Geschlechter in diesem Zusammenhang nicht ausgeschlossen werden kann, werde ich diese sowie eine erweiterte Darstellung der Gender-Thematik aus Gründen der Relevanz für meine Arbeit bewusst ausgelassen.
2
und pädagogischen Ergebnissen. Ich werde anschließend einige Faktoren darstellen, die das Risiko erhöhen, sozialunverträgliche Verhaltensstrukturen und
Persönlichkeitsmerkmale zu entwickeln. Allen voran stehen hier zwei Begriffe von Aggression, die im Falle einer Fehlanpassung ein besonders hohes Risiko darstellen ein problematisches Sozialverhalten zu entwickeln und delinquent zu werden. Was darunter zu verstehen ist, wird in Kapitel 6 dargestellt. Sozialverhalten ist hierbei als Begriff zu sehen, der von der Kultur, die ihn verwendet, normativ belegt ist. Entspricht das Sozialverhalten nicht den gesellschaftlichen Vorstellungen, die mit dem Begriff und dessen Verwendung in Zusammenhang gebracht werden so wird es von der Gesellschaft missbilligt. Die besondere Komponente der Gewalttätigkeit innerhalb der Formen von problematischen Sozialverhaltensmerkmalen, betreffen sicher nicht alle Individuen die diese Merkmale aufzeigen. Wie sich jedoch herausstellen wird, ist Gewalt, die nicht dem Schutz von Leib und Leben dient, ab einem bestimmten Alter von einer gewissen Problematik geprägt. Welche Entstehungsbedingungen sich, in besonders verhängnisvoller Weise hervortun und wie diese die Entwicklung fehlangepasster Aggression oder antisoziale Persönlichkeitsstrukturen begünstigen, soll Teil dieser Arbeit sein.
2. Statistische Daten
Bei der Erfassung und Auswertung statistischer Daten beziehe ich mich hauptsächlich auf die derzeit aktuellste und ausführlichste PDF-Version der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) des Bundeskriminalamtes (BKA) aus dem Jahr 2008. Die Angaben der PKS, berufen sich auf das „Hellfeld“, also ausschließlich die polizeilich erfassten Fälle. Es gibt auch Dunkelfeldbefragungen von Jugendlichen, die allerdings nicht chronologisch auswertbar sind und deshalb keine Rückschlüsse auf Entwicklungen zulassen. Die zunehmende Anzeigebereitschaft, besonders bei vergleichsweise leichten Körperverletzungsdelikten, hat über dies innerhalb der letzten Jahre deutlich zugenommen. Dadurch wurde das „Dunkelfeld“ ständig „aufgehellt“. Die PKS sagt dementsprechend wenig über die tatsächliche „Gefahrenlage“ aus. 5 Die Versicherungswirtschaft etwa meldet, dass Raubüberfälle unter Schülern weniger werden. Der Bundesverband der Unfallkassen meldete 2005, dass es keine Anhaltspunkte für ansteigende Brutalität unter Jugendlichen gebe. Eine Vielzahl von Hinweisen lässt eher darauf schließen, dass es die Anzeigeaufnahme seitens der
5
Vgl. Walter, Michael: Jugendgewalt: Befunde - öffentliche Wahrnehmungen - Präventionspolitik, S.132; In: Steinhausen,
Entwicklungspsychiatrische Grundlagen und forensische Grundlagen für die Praxis
Polizei, stetig ansteigt. 6 Die Tatverdächtigenbelastungsziffer (TVBZ) bezeichnet dabei die Anzahl der Tatverdächtigen ab dem achten Lebensjahr, bezogen auf 100.000 der jeweiligen Altersgruppe der Wohnbevölkerung. Dadurch werden zahlenmäßige Schwankungen in der Bevölkerung (Wiedervereinigung etc.) berücksichtigt. 7
2.1 Allgemeine Entwicklungen und Tendenzen
Betrachtet man die Tendenz der Anzahl von polizeilich erfassten Fällen, so hat sich diese innerhalb der letzten 17 Jahre, insbesondere aber seit 2004, rückläufig entwickelt. Dabei zeigt sich die Anzahl der Tatverdächtigen und die der aufgeklärten Fälle kongruent und verhält sich günstig zur Anzahl der erfassten Fälle (Abb. 1 8 ) .
Abb. 1
Parallel dazu die Tendenz der registrierten Fälle im Bereich der Gewaltkriminalität. Diese machen zwischen ca. 3% 9 wie in Abb. 2 dargestellt und 9,9% 10 des Gesamtaufkommens aus. Auch zum Zuwachs der Gesamtheit der registrierten Fälle beteiligte die Gewaltkriminalität sich mit lediglich 3%. 11
Abb. 2
6 Vgl. Walter, Michael: Jugendgewalt: Befunde - öffentliche Wahrnehmungen - Präventionspolitik, S.132; In: Steinhausen, Hans-Christoph; Bessler Cornelia (Hrsg.)(2008): Jugenddelinquenz -Entwicklungspsychiatrische Grundlagen und forensische Grundlagen für die Praxis
7 Vgl. PKS2008, S.15
8 Vgl. ebenda, S.29
9 Vgl. Spiess, Gerhard (2008): Jugendkriminalität in Deutschland zwischen Fakten und Dramatisierung, S.2f
10 Vgl. PKS2008, S.120
11 Vgl. Spiess, Gerhard (2008): Jugendkriminalität in Deutschland zwischen Fakten und Dramatisierung, S.2f
4
Bei der Entwicklung der polizeilich registrierten Fälle von Gewaltkriminalität fällt innerhalb der Fallgruppe vor allem der dramatische Anstieg von Raub, räub. Erpressung und Körperverletzungsdelikten auf (Abb. 3 12 ).
12 Vgl. ebenda, S.3
5
Abb. 3
Wie in einer Dunkelfeldbefragung in Bochum festgestellt werden konnte, verdoppelte sich im Untersuchungszeitraum von 23 Jahren zwischen 1975 und 1998 die Anzahl der registrierten Fälle von Körperverletzung. Die Anzahl der von Bürgern angezeigten Körperverletzungen stieg dagegen um weniger als ein Viertel an, während die Anzeigerate von 12% auf 23% (also um 92%) anstieg. 13
Abb. 4 14 zeigt, dass im Untersuchungszeitraum zwischen 1993 und 2008 der PKS2008 die Werte für vorsätzliche leichte Körperverletzung um 102,7% anstiegen, wohingegen sich die Werte für schwerwiegendere Körperverletzungen um 72,3% erhöhten.
Abb. 4
13 Vgl. Spiess, Gerhard (2008): Jugendkriminalität in Deutschland zwischen Fakten und Dramatisierung, S.3f 14 Vgl. PKS2008, S.22
6
2.2 Jugendkriminalität
Wie Abb. 5 15 zeigt, lässt sich bei der TVBZ von Jugendlichen innerhalb der letzten 20 Jahre ein Anstieg um gut 90% beobachten.
Abb. 5
In Abb. 6 16 ist zu sehen, dass laut PKS2008 von 2007 bis 2008 eine rückläufige Tendenz der TVBZ vorherrscht. Insbesondere gab es bei den deutschen Heranwachsenden Rückläufe im Bereich von Bedrohung und Delikten, die mit Drogen in Verbindung stehen. Anstiege über 1% gab es lediglich bei den nichtdeutschen Jugendlichen bei Ladendiebstahl und Beleidigungen.
Abb.6
15 Vgl. Spiess, Gerhard (2008): Jugendkriminalität in Deutschland zwischen Fakten und Dramatisierung, S.11 16 Vgl. PKS2008, S.77ff
7
Arbeit zitieren:
Johannes Roth, 2010, Risikofaktoren und Entstehungsbedingungen von Störungen des Sozialverhaltens durch fehlgeleiteter Aggression als Gewaltdelinquenz bei männlichen Jugendlichen, München, GRIN Verlag GmbH
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