Inhalt
1 E i n l e i t u n g 3
2. Begriffsklärung 3
3. Zentrale Themen existenzphilosophischen Denkens 6
3.1 Angst als Grundbefindlichkeit des Menschen 6
3.2 Freiheit und Freitod 7
3.3 Die Sinnfrage 10
3.4 Tod als Zuspitzung der Sinnfrage 11
4. Feministische Konsequenzen existenzphilosophischen Denkens 13
5. Zusammenfassung 15
6. Literaturangaben 16
Anhang
N Philosophischer Essay über ein Impulszitat von Günter Anders zur Frage
„Sind wir invertierte Utopisten?“
2
1. Einleitung
In der vorliegenden Seminararbeit soll zunächst der Begriff Existenz in Abgrenzung zum Begriff der Essenz erläutert werden. Anschließend sind einige zentrale Themen der Existenzphilosophie - Angst und Freiheit, die Sinnfrage und Tod als Zuspitzung der Sinnfrage -vorzustellen. In einem letzten Schritt werden einige existenzphilosophische Impulse auf feministisches Denken anklingen.
2. Begriffsklärung
Der Begriff Existenz (lat. hervortreten oder ins Leben, ins Dasein treten.) 1 ist innerhalb der philosophischen Tradition meist an den Begriff Essenz gebunden, bzw. diesem untergeordnet. Existentia bedeutet so viel wie Dasein, Bestehen, Vorhanden sein oder einfach Leben. Existenz meint also zunächst schlichtweg, dass etwas ist, etwas existiert. Essentia bedeutet im Gegensatz dazu das Wesen und wird in der griechischen Ontologie und Metaphysik auch als Substanz bezeichnet. Es meint das, wodurch etwas ist, was es ist und nicht bloß dass es ist. „Auf der Unterordnung der Existenz unter die Essenz baut die Philosophie die Hierarchie ihrer Begriffe auf: Zur Essenz gehört die Ewigkeit, die Wahrheit, die Notwendigkeit, die Allgemeinheit und das Gute während die Existenz durch die Zeit, den Schein, den Zufall, die Besonderheit und das Böse bestimmt ist. Alles, was ist, existiert, ist deshalb eine vergängliche, in die Welt des Scheins verstrickte und in ihrem Dasein zufällige Besonderung seines ewigen, wahren, notwendigen und allgemeinen Wesens. Während das Wesen von der Idee des Guten erleuchtet wird und insofern selbst das Gute ist, wird das Dasein von seiner Neigung zum Bösen und zur Sünde bestimmt. Einzig und allein Gott existiert in der vollkommenen Einheit von Dasein (Existenz) und Wesen (Essenz) und ist folglich das Höchste Wesen und zugleich das Höchste Seiende.“ 2
1 Vgl. Seibert, Existenzialismus, S. 8-9. (und vgl. Der Brockhaus. Philosophie. Ideen, Denker und
Begriffe 2009, S. 115.)
2 Seibert, Existenzialismus., S. 8-9.
3
Satres Antwort auf diese theologische These, dass in Gott allein Existenz und Wesen zusammenfallen und Gott daher das Höchste Wesen und zugleich das Höchste Seiende ist, lautet:
„Der atheistische Existentialismus, für den ich stehe, ist zusammenhängender. Er erklärt, dass, wenn Gott nicht existiert, es mindestens ein Wesen gibt, bei dem die Existenz der Essenz vorausgeht, ein Wesen, das existiert, bevor es durch irgendeinen Begriff definiert werden kann, und dass dieses Wesen der Mensch oder, wie Heidegger sagt, die menschliche Wirklichkeit ist. Was bedeutet hier, dass die Existenz der Essenz vorausgeht? Es bedeutet, dass der Mensch zuerst existiert, sich begegnet, in der Welt auftaucht und sich danach definiert.” 3
Der Existenzphilosophie geht es daher vor allem um eine Umkehrung des Seinsbegriffs. Während die traditionelle Philosophie vom Wesen (der Essenz) der Dinge ausgeht und auch das Sein des Menschen mit Blick auf sein Wesen betrachtet, versucht die Existenzphilosophie von einem Sein des Menschen auszugehen, dem kein vorgedachtes Wesen zugrunde liegt. Stattdessen spricht die Existenzphilosophie von einem Sein des Menschen, das dieser erst entwerfen muss. Was ist der Mensch? Darauf gibt es keine dauerhaft gültige Antwort. Der Mensch ist, was er aus sich macht. Das ist die Besonderheit des Menschen, sie unterscheidet ihn von allem anderen Sein und diese Besonderheit wird unter dem Begriff Existenz zusammengefasst, der daher nur für menschliches Sein zutreffen kann. Der existierende Mensch findet als sein bestimmendstes Wesensmerkmal gerade kein vorliegendes Wesen vor. Erst seine Existenz, das heißt sein Existenz-Entwurf, bestimmt über sein Wesen.
Diese Unterscheidung zwischen Existenz und Essenz ist wesentlich für alle weiteren existenzphilosophischen Entwürfe. Schon bei Kierkegaard, der als einer der ersten Existenzphilosophen betrachtet wird (wenn nicht überhaupt als der erste Existenzphilosoph - falls man Augustinus noch nicht zu diesen zählt) und auf den sich auch viele existenzphilosophische Vertreter beziehen, lässt sich der Begriff
3 Satre, Ist der Existentialismus ein Humanismus? Drei Essays, S. 11.
4
Existenz als Bezeichnung menschlicher Seinsweise finden. Auch die französischen Existenzialisten (von denen hier nur Camus und Satre vorgestellt werden) folgen Kierkegaards Denken vom Vorrang der Existenz.
Während bei Kierkegaard aber die Religion noch eine wichtige Bedeutung hat, geht es bei Camus und Satre um eine atheistische Auseinandersetzung mit den Fragen zu Existenz und Ethik.
An den Begriffen Geworfenheit, Selbstentwurf, Freiheit oder Selbstbestimmung wird die Zentrierung der Existenzphilosophie auf das Problem der Befreiung des Menschen zu seinen eigenen Möglichkeiten hin deutlich. Die Notwendigkeit dieser Möglichkeit zu sein, zeigt sich zum Beispiel auch in den Erfahrungen von Absurdität, Angst und Tod und weist darauf hin, dass gerade dieses subjektive Empfinden das Leben des Menschen bestimmt und vermeintlich objektive philosophische Thesen vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen verblassen.
Allerdings wird darin oft auch ein Nachteil der Existenzphilosophie gesehen, dass sie aufgrund ihres Interesses an subjektiven Phänomenen und Erfahrungen empirischen Analysen schwer zugänglich bleibt. Darin wiederum wurzelt der Vorwurf, dass existenzphilosophisches Denken mit ihren schwer kommunizierbaren Erfahrungen am Rande der Irrationalität stehe und dass sie sich mit ihren individualistischen Ansprüchen kaum in wissenschaftliche Konzepte integrieren ließe. Was den einen als Nachteil scheint, ist den anderen jedoch das entscheidend Positive an der Existenzphilosophie: Sie beschäftigt sich mit den konkreten Erfahrungen (Angst, Verzweiflung, Sinnfragen, Einstellungen zum Tod, usw.), die das Leben der Menschen prägen und sie ist bemüht, eine Sprache zu finden, die nicht bloß logisch analytisch befriedigen ist, sondern auch existenziell betroffen macht. 4
4 Vgl. Reutterer, Erkennen und Handeln, S. 179-180.
5
3. Zentrale Themen existenzphilosophischen Denkens
Allen Existenzphilosophen ist gemeinsam, dass sie jeweils um die konkrete Existenz des Menschen und nicht um abstrakte Probleme kreisen. Ausgangspunkte existenzphilosophischen Denkens sind meist krisenhafte Erfahrungen. Die Erschütterungs- und Umbruchssituationen nach den Weltkriegen, die menschliche Grunderfahrung der Angst, Grenzsituationen wie Leid, Schuld oder Tod, die Unausweichlichkeit des Todes, die Absurdität des Daseins oder die Auflösung geltender Wertordnungen bringen Existenzphilosophen dazu, abstrakte
Fragestellungen zu vermeiden und stattdessen nach der konkreten Existenz des Menschen zu fragen. Im Folgenden sollen die Themen Angst und Freiheit, Sinn und Tod als Zuspitzung der Sinnfrage aus existenzphilosophischer Perspektive erläutert werden.
3.1 Angst als Grundbefindlichkeit des Menschen
Das Thema Angst spielt schon bei Kierkegaard 5 eine wichtige Rolle und wird später auch für Heidegger den Ausgangspunkt für seine Daseinsanalysen darstellen. Heidegger nennt Angst „die Grundbefindlichkeit des Menschen“ 6 und spricht von einer „Geworfenheit des Menschen“ 7 . Ungefragt ist der Mensch in die Welt geworfen und muss sich in dieser der Unausweichlichkeit des Todes stellen, denn der Tod ist nicht bloß ein Ereignis am Ende des Lebens, sondern als potentielle Gefahr und Last dem Leben ständig aufgegeben.
Kierkegaard geht von drei Stadien unserer Existenz aus, die jeder Mensch zu durchlaufen kann, bzw. sollte (das ästhetische, das ethische und das religiöse -worauf ich hier nicht näher eingehen möchte). Insofern könnte man einwenden, dass es bei Kierkegaard immer noch ein allen Menschen zugrunde liegendes Wesen des Menschen gäbe, eben ein dreistadiges. Doch dieser Einwand würde dazu führen, dass es gänzlich unmöglich wird, nicht von einem Wesen zu sprechen, da damit
5 Vgl. Kierkegaard, Der Begriff Angst 1844.
6 Vgl. Heidegger, Sein und Zeit 1973.
7 Vgl. ebd.
6
Arbeit zitieren:
Mag. Renate Enderlin, 2010, Themen und Konsequenzen der Existenzphilosophie, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart: neuer Titel erschienen: Themen und Konsequenzen der Existenzphilosophie
Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts / Gegenwart: neuer Titel erschienen: Themen und Konsequenzen der Existenzphilosophie
Philosophie: neuer Titel erschienen: Themen und Konsequenzen der Existenzphilosophie
Familien. Klein. Betriebe. Die Besonderheiten von Familien - Kleinbetr...
Familien. Klein. Betriebe. Die...
Konsequenzen von Leistungsgruppierungen
Pädagogische Psychologie und E...
Olaf Köller, Detlef H. Rost
Koranexegese, Grammatik Und Logik: Zum Verhaltnis Von Arabischer Und A...
Cornelia Schock, C. Schvck
Bindung und Trauma - Konsequenzen in der Arbeit mit Pflegekindern
Tagungsdokumentation der 16. J...
0 Kommentare