Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Frankreich im späten 16. Jahrhundert 3
3. Die Grundlagen der Souveränitätslehre Jean Bodins 5
3.1. Der wohlgeordnete Staat 5
3.2. Über die Souveränität 6
4. Zwischen Tradition und Neuzeit 8
4.1. Traditionelle Momente in der Souveränitätslehre 8
4.2. Aspekte der neuzeitlichen Staatsauffassung 9
5. Bodin als der Wegbereiter des modernen Nationalstaates 12
6. Literaturverzeichnis 15
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1. Einleitung
Auf der Suche nach dem Beginn der neuzeitlichen Staatsauffassung, genauer gesagt des Übergangs vom mittelalterlichen zum frühneuzeitlichen Staat, wird man um die Souveränitätslehre des Jean Bodin nur schwer herum kommen. Auch wenn dieser vielinteressierte Wissenschaftler den Begriff der Souveränität nicht erfunden hat, so gilt er dennoch als Begründer des modernen Souveränitätsbegriffs. In der Zeit vor Bodins Wirken wurden nicht selten weltliche Herrscher und Fürsten als souverän bezeichnet, doch vor ihm gelang es keinem Staatsphilosophen die Souveränität klar aus staatstheoretischer Sicht zu formulieren und als Legitimationsgrundlage für gesellschaftliche Ordnungen zu benutzen. Hauptgegenstand der Untersuchung dieser Hausarbeit ist die Frage, ob die Souveränitätslehre des Jean Bodin einen Schritt zur neuzeitlichen Staatsauffassung darstellt und anhand welcher Aspekte diese These untermauert werden kann. Zur besseren Anschauung seiner Staatslehre werden ausgesuchte Passagen aus seinem Hauptwerk Les Six Livres de la République (französisch; „Sechs Bücher über den Staat“) aus dem Jahre 1583 herangezogen und auf ihren neuzeitlichen Charakter hin untersucht. Dafür wird die deutsche Übersetzung des Werks von Gottfried Niedhart (1976) verwendet.
Die Arbeit beginnt mit einer kurzen Vorstellung der gesellschaftlichen Situation in Frankreich im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts, da es unbedingt nötig ist Bodins Lehre in diesem historischen Rahmen zu betrachten. Anders als zum Beispiel bei Platons Idealstaat oder bei der Prädestinationslehre Calvins gründet Bodins Staat nicht auf Mythen oder religiösen Ansichten, sondern auf einer konkreten historisch-gesellschaftlichen Problematik, die es zu lösen gilt. Im darauffolgenden Abschnitt werden die Grundlagen der Souveränitätslehre mit gezielter Verwendung von Originaltextstellen dargestellt. Auf diesen Grundlagen baut die Hauptuntersuchung auf, in der seine Staatslehre hinsichtlich traditioneller und neuzeitlicher Aspekte untersucht wird, um schließlich die Entscheidung herbeizuführen, ob Bodin seinem Ruf als Wegbereiter der neuzeitlichen Staatsauffassung gerecht werden kann.
2. Frankreich im späten 16. Jahrhundert
Zu Beginn der Untersuchung dieser Hausarbeit muss zwingend eine historische Einordnung der Souveränitätslehre erfolgen, denn die gesellschaftlichen Zustände in Frankreich im letzten Drittel des 16. Jahrhunderts waren ausschlaggebend für Jean Bodin (1529/30-1596), mit
4
seinem Hauptwerk Les Six Livres de la République im Jahr 1583 das theoretische Instrument zu liefern, die unerträglichen Verhältnisse zu beenden.
Bodins Souveränitätslehre entsteht in einer Zeit, in der ein Großteil der europäischen Staaten noch im Verband des Heiligen Römischen Reiches stand. 1 Die weltlichen Herrscher der Staaten sind hierbei nichts anderes als Vasallen, der Kaiser des Römischen Reiches ist ihr Lehnsherr und besitzt daher eine weltliche Autorität. Die geistliche Autorität wird wiederum vom Papst beansprucht, dem religiösen Oberhaupt der Fürsten. Hieraus ergibt sich sozusagen eine doppelte äußere Abhängigkeit der europäischen Einzelstaaten. 2 In dieser Zeit tobte in Frankreich ein erbitterter Bürgerkrieg, der das Land zu zerreißen drohte. Der stets lauter werdende Ruf nach Unabhängigkeit von Papsttum und Kaiserreich entfachte die konfessionellen Spannungen und Kämpfe zwischen calvinistischen Hugenotten (Protestanten) und der katholischen Kirche. 3 Der religiöse Kampf gipfelte in der sogenannten „Bartholomäusnacht“ (1572), in der etwa 30000 Hugenotten dem religiösen Wahn der Katholiken zum Opfer fielen, die ihren Machtanspruch blutig durchsetzen wollten. 4 Dieser Religionskampf um die einzige „gerechte Ordnung“ zerstörte jegliche gesellschaftliche Ordnung und politische Normen. In diesem unerträglichen, anarchischen Zustand formierte sich die Gruppe der politiques und erklärte: „Jede Herrschaft, die den Bürgerkrieg beendet, ist dem Bürgerkrieg vorzuziehen.“ 5
Die politiques waren Anhänger der allgemeinen königlichen Gewalt im Staat und gingen davon aus, dass nur eine starke Monarchie den Frieden in Frankreich herstellen und sichern kann. 6 Für sie darf die Zielstellung des staatlichen Handelns nicht mehr die Durchsetzung der Vormachtstellung einer Konfession sein, sondern ohne Umschweife der bedingungslose und dauerhafte Frieden. Daher muss der Entscheid über religiöse Belange aus dem Staat ausgeklammert werden und darf nur noch Angelegenheit der Kirche sein, da diese religiösen Fragen weder militärisch lösbar sind noch den Staat an sich beeinflussen dürfen. 7 Aus dieser Gruppe revolutionärer Denker trat Bodin hervor und lieferte mit seiner Souveränitätslehre die theoretische Lösung des Problems.
1 Kelsen: Der Wandel des Souveränitätsbegriffs. Darmstadt 1970. S. 165.
2 Ebd. S. 166.
3 Mayer-Tasch: Jean Bodin. Düsseldorf 2000. S. 12.
4 Denzer: Jean Bodin. München 2007. S. 180.
5 Schulze: Staat und Nation in der europäischen Geschichte. München 1994. S. 65.
6 Ebd. S. 65.
7 Ebd.
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3. Die Grundlagen der Souveränitätslehre Jean Bodins
3.1. Der wohlgeordnete Staat
In den folgenden beiden Abschnitten werden nun Staat und Souveränität aus Bodins Lehre vorgestellt. Dies dient zur Vorbereitung der Hauptuntersuchung dieser Arbeit und es werden daher nur wesentliche Punkte erfasst.
Der Kampf der französischen Krone um ihre Unabhängigkeit von Kaiser und Papst bringt die Lehre Bodins hervor, in deren Mittelpunkt folgende Aussage steht: „Der Staat ist definiert durch die dem Recht gemäß geführte, mit souveräner Gewalt ausgestattete Regierung einer Vielzahl von Familien und dessen, was ihnen gemeinsam ist.“ 8 Diese prägnante Definition ist direkt am Anfang seiner „Sechs Bücher über den Staat“ zu finden und zielt einzig auf den Zweck des Staates ab; die Wiederherstellung und Sicherung einer friedensstiftenden Ordnung in Frankreich durch eine einheitlich definierte und dem Staatswohl verpflichtete Herrschaft. 9 Um dies zu erreichen, verfasste Bodin sein Werk in der Sprache seiner Landsleute und nicht in der Gelehrtensprache. 10 Neben diesem Fakt offenbart sich die zweckgerichtete Intention seiner Lehre auch direkt nach der Staatsdefinition mit der Verkündung, dass man immer erst nach dem Zweck einer Sache fragen muss, erst dann nach den eigentlichen Mitteln zur Umsetzung. 11 Die Gewichtung seiner Definition lenkt Bodin auf die Orientierung des Staates am Recht, die (souveräne) Gewalt und die Regierten. Die folgende Erörterung dieser drei Kernpunkte wird deutlich machen, dass Bodins Staatslehre mit Blick auf die bestehenden Verhältnisse seiner Zeit eine primär auf die menschliche Existenz gerichtete Zielsetzung verfolgt. 12
Der Staat an sich ist ein Großflächenstaat, denn sein Territorium muss „[…] groß und fruchtbar genug sein, um die Einwohner zu nähren und zu kleiden […]“. 13 Dieser wohlgeordnete Staat ist einzig durch die Gemeinsamkeit der Herrschaft bestimmt, wobei die rechte Regierung gemäß den Gesetzen der Natur handeln muss, um sich von anderen Gemeinschaften wie Räuberbanden abzugrenzen und Willkür auszuschließen. 14 In den weiteren Ausführungen Bodins zeigt sich besonders der sozial intendierte Staatszweck. Die Untertanen sollen grundsätzlich geschützt und gesund gehalten werden. „Da das menschliche
8 Bodin: Über den Staat. Stuttgart 1976. S. 8.
9 Weber: Jean Bodin. Stuttgart 1997. S. 68.
10 Quaritsch: Souveränität. Berlin 1986. S. 49.
11 Bodin: Über den Staat. Stuttgart 1976. S. 8.
12 Mayer-Tasch: Jean Bodin. Düsseldorf 2000. S. 23.
13 Bodin: Über den Staat. Stuttgart 1976. S. 11.
14 Ebd. S. 9.
Arbeit zitieren:
Christian Lesch, 2010, Die Souveränitätslehre des Jean Bodin, München, GRIN Verlag GmbH
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