Gustav Gründgens’ Darstellung des Mephisto in seiner
Inszenierung des Faust I für das Deutsche Schauspielhaus in
Hamburg 1
0. Einleitung 3
0.1. Mephisto - die Figur. 3
0.1.1. Sein Wesen. 3
0.1.2. Seine Funktion 3
0.2. Mephisto - die Rolle 4
1. Gustav Gründgens’ Darstellung des Mephisto 4
1.1. Die äußere Erscheinung (inkl. Gegenstände im Verhältnis zum Körper)4
1.1.1. Die Statur 4
1.1.2. Die Physiognomie 5
1.1.3. Die Maske 5
1.1.4. Das Kostüm. 6
1.1.5. Die Gegenstände (im Verhältnis zum Körper) 7
1.2. Die Körpersprache (inkl. Stimme) 8
1.2.1. Die Mimik. 8
1.2.2. Die Gestik 9
1.2.3. Die Bewegung. 11
1.2.4. Die Stimmqualität, die Tonlage und der Text im Verhältnis zum
K örper. 13
1.2.5. Einfluss von Mephistos Spielweise auf den Rhythmus der
Inszenierung. 14
1.3. Zusammenfassende Bemerkung anhand von Kritiken. 15
2. Bibliographie 18
1 1957 fand die Premiere im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg statt. Über hundertmal
wurde „Faust I“ hier aufgeführt. Die Video-Aufnahme, auf die sich vorliegende Arbeit beruft,
erfolgte 3 Jahre später: 1960. Gründgens übernahm neben der Mephisto-Rolle, die er zuvor
schon etwa fünfhundertmal auf der Bühne verkörpert hatte, auch die künstlerische Oberleitung.
2
0. Einleitung
0.1. Mephisto - die Figur
0.1.1. Sein Wesen
Mephisto ist Teufel, d.h. das Böse und damit Gegenspieler Gottes und Feind des Menschen. Er steht für Verneinung, Nihilismus, Zerstörung, Chaos, Stillstand und sagt von sich selbst: „Ich bin der Geist, der stets verneint.“ Damit geht einher, dass er ein Misanthrop ist: Er glaubt weder an den Sinn der menschlichen Bestrebungen, noch an die menschliche Vernunft. Der Grund hierfür liegt darin, dass er nur „ein Teil des Teils, der anfangs alles war“ ist, d.h. im Gegensatz zum Streben nach Ganzheit, dem Göttlichen, steht. Er kann Fausts Streben in seiner Ganzheit nicht erfassen. Er glaubt, ihn vom rechten Weg abbringen zu können, indem er ihn mit irdischen Genüssen betrügt und scheut somit nicht, die Wette einzugehen, zu der es zwischen Faust und ihm kommt. Faust kann seine zweite Seele, die des hohen Strebens nach Unendlichkeit, darüber hinaus jedoch nicht vergessen. Mephisto kann die Wette folglich nicht gewinnen. Darin besteht seine Tragik.
0.1.2. Seine Funktion
Mephisto ist ein Teil von Gottes Plan: Gott bedient sich seiner, um Fausts Entwicklung voranzutreiben. Der Mensch braucht den Schalk, um in seinem Streben, Wesensmerkmal des Menschen, nicht viel zu schnell zu erlahmen. Mephisto erreicht also das Gegenteil von dem, was er glaubt, zu realisieren. Er ist:
„Ein Teil von jener Kraft / Die stets das Böse will und stets das Gute schafft.“
3
0.2. Mephisto - die Rolle
Im Prolog im Himmel bezeichnet der Herr Mephisto als den „Schalk“, der ihm unter den verneinenden Geistern am wenigsten zur Last sei. Dieser Name schließt den Begriff der ausschließlichen teuflischen Bosheit aus. Das ist ein Beispiel dafür, dass Mephisto nicht eindimensional als ’der Böse’, sondern in unendlichen Abstufungen gespielt werden kann und soll: vom derben Volksteufel über den Schalk und den Kavalier hinweg bis zum geistigen Gegenprinzip Fausts.
Er darf dabei weder nur banal und schwächlich dargestellt werden, weil sonst auch der Protagonist Faust um soviel banaler und schwächer ist, noch darf er ihn in den Hintergrund drängen.
„Das Stück heißt »Faust« und nicht »Mephisto« und die größte Kunst des Mephisto ist vielleicht, auf Kosten der Hauptrolle nicht zu sehr in den Vordergrund zu treten.“ (Der Schauspieler Ludwig Dessoir, 1852) 2
1. Gustav Gründgens’ Darstellung des Mephisto 3
1.1. Die äußere Erscheinung (inkl. Gegenstände im Verhältnis zum Körper)
1.1.1. Die Statur
Gustav Gründgens ist zwar etwas kleiner als der Faust-Darsteller Will Quadflieg, aber dennoch relativ groß. Er ist ziemlich schlank, aber kräftig gebaut, was man v.a. an seinem breiten, sehnigen Hals und seinen breiten Schultern erkennen kann. Alles andere ist von den Kostümen verhüllt. Er hat eine sehr gerade, stolze Körperhaltung und pflanzt sich stets mit weit
2 Grosse, Helmut (Hg.). Faust und Mephisto. Goethes Dramenfiguren auf dem Theater. Hg. Theatermuseum der Universität Köln, 1983.
3 Die Analyse beruht auf der Grundlage von Patrice Pavis’ „Fragenkatalog zur Inszenierungsanalyse“ (In: Balme, Christopher. Einführung in die Theaterwissenschaft. 2., überarb. Aufl.. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2001: S.89.) und von Manfred Pfisters „Typologie der Theatercodes bzw. Zeichensysteme“ (In: Nünning, Vera und Ansgar. Grundkurs anglistisch-amerikanistische Literaturwissenschaft. Stuttgart: Klett, 2001: S.86.).
4
auseinander gestellten Beinen auf. Allein die von Natur aus gegebene Statur spricht also bereits für eine gewisse Stärke und Überlegenheit, die zumindest Mephisto selbst sich gegenüber Faust von vornherein zuschreibt.
1.1.2. Die Physiognomie
Gustav Gründgens hat ein relativ schmales Gesicht mit einer hohen Stirn, was v.a. auf dem künstlichen Haaransatz weit oberhalb des Gesichts beruht. Sie ist zerfurcht von sogenannten Sorgenfalten und auch rund um Nase und Mund hat Gründgens ziemlich markante Falten, die je nach Gefühlsausdruck mehr oder weniger deutlich zum Vorschein kommen. Zwischen der markanten Nase und dem breiten Mund hat er eine ausgeprägte Lippenspalte. Was an seinem Gesicht jedoch am meisten auffällt, sind die kleinen, stechenden Augen.
1.1.3. Die Maske
Mephistos Maske geht in Richtung östliches Theater: das Gesicht, umrahmt von einer pechschwarzen, glänzenden, ’badekappenähnlichen’ Frisur, ist kalkweiß geschminkt. Es handelt sich hierbei um eine Wassermaske (Maske aus wasserlöslicher Farbe), welche die Gesichtshaut glanzlos, porig und haarig erscheinen lässt. Die Falten kommen hervor und werfen Schatten. (Demgegenüber steht die Fettmaske Fausts, welche die Falten verschwinden lässt und ihm ein glänzendes und junges Aussehen verleiht.) Nur die Lippen und die Augenbrauen sind hervorgehoben. Die Lippen sind mit einem kräftigen Rot angemalt und schmal gezogen, wodurch der Mund breit, aber spitz erscheint, was ihm einen Ausdruck von Ernst- und Boshaftigkeit verleiht. Dieser Zug wird noch deutlicher verstärkt durch die großen hochgezogenen schwarzen Augenbrauen. „Sie wirken wie eine Reminiszenz an die Hörner der volkstümlichen Teufelsgestalt“ 4 . Man kann ihm dadurch aber auch ein leicht karnevalistisches Aussehen zuschreiben. Ansonsten ist nichts an seinem Gesicht hervorgehoben. Die Augen etwa stechen nur durch Mephistos ausgezeichnetes Mienenspiel hervor.
4 Kühlken, Edda. Die Klassiker-Inszenierungen von Gustaf Gründgens. Deutsche Studien Bd. 15. Hg. Willi Flemming und Kurt Wagner. Meisenheim am Glan: Anton Hain Verlag, 1972: S.124.
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Arbeit zitieren:
Noémie Schlentz, 2003, Gustav Gründgens´Darstellung des Mephisto in seiner Inszenierung des Faust I für das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, München, GRIN Verlag GmbH
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