Vom „Ökostrom“zum„Kahlschlagdiesel“
2
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 3
Abk ürzungsverzeichnis 3
Einleitung 4
1. DatenundFakten 5
1.1 Dievermeintliche„Öko“HEnergiequelle:IndonesischesPalmölals
Regenwaldzerst örer. 5
1.2 DieVerantwortungDeutschlands:DerdeutschePalmölverbrauch 7
2. DasGeschäftmitdemKlimaschutz-Gesetzeslückenundpolitische
Unzul änglichkeiten 9
2.1 DasErneuerbareHEnergienHGesetz-ImNamendesKlimaschutzes:PflanzenölH
BHKWinDeutschland. 9
2.2 Der„RundeTisch“fürnachhaltigesPalmöl-FreiwilligeVereinbarungalsAlibi. 11
3. FazitundLösungsstrategien 12
3.1 Fazit:PalmölisteinKlimasünder. 12
3.2 Lösungsstrategien:ÖkostromundBiodieselsindnureinBestandteilderLösung. 14
Literaturverzeichnis 17
Anhang. 19
Abbildungsverzeichnis
Abb.1: GlobalejährlicheDurchschnittserträgederbedeutendstenÖlpflanzen S.19
Abb.2: AusmaßderEntwaldungaufBorneo1950H2005undProjektionbis2020 S.20
Abb.3: EntwicklungenimBereichpflanzenölbetriebenerBHKW S.21
Abb.4: Entwicklung des Brennstoffverbrauches in PflanzenölHBHKW nach S.22 PflanzenölHArten
Abkürzungsverzeichnis
BAG Bundesarbeitsgemeinschaft BBC BritishBroadcastingCorporation BHKW Blockheizkraftwerk
BMELV BundesministeriumfürErnährung,LandwirtschaftundVerbraucherschutz BMU BundesministeriumfürUmwelt,NaturschutzundReaktorsicherheit CO 2 Kohlendioxid EEG ErneuerbareHEnergienHGesetz ENEV EnergieHEinsparverordnung EU EuropäischeUnion FAO FoodandAgricultureOrganizationoftheUnitedNations FSC ForestStewardshipCouncil NRO Nichtregierungsorganisation RSPO RoundTableonSustainablePalmOil USDA UnitedStatesDepartmentofAgriculture VN VereinteNationen WTO WorldTradeOrganization WWF WorldWideFundForNature
Einleitung
Die aktuelle Debatte über den Einsatz von Biokraftstoffen und Bioenergie, welche sowohl in Deutschland im Rahmen des Integrierten KlimaH und Energiepakets 1 als auchaufEbenederEuropäischenUnion(EU)geführtwird,verfängtsichimmermehr inWidersprüchenundUnklarheitenüberdietatsächlicheKlimabilanzvonBioenergie inFormvonBiomasse.SobetonteBundesumweltministerGabrielinseinerRedezur EinbringungdeserstenTeilsdesKlimaschutzpaketsindenBundestagdieGefahrvon Scheinbilanzen: „Natürlich müssen wir darauf achten, dass wir uns nicht selbst täuschen und eine Scheinbilanz für die Senkung von CO 2 vorlegen. Weder darf der Einsatz von Biokraftstoffen in Deutschland und Europa das Abholzen von Regenwäldern beschleunigen noch dürfen wir die CO 2 HEmissionen wissentlich übersehen, die bei der Herstellung von Biokraftstoffen ausgelöst werden können.“ (Bundestagsrede vom 21.02.2008) Ziel des Gesetzpakets ist der weitere Ausbau erneuerbarer Energien. Bis zum Jahr 2020 soll ihr Anteil am Energieverbrauch 18 Prozentbetragen.
Der Vorteil der energetischen Nutzung von Biomasse, sei es als Kraftstoff, zur Wärmeerzeugung oder zur Stromproduktion, liegt zunächst klar auf der Hand. Mit ihremEinsatzkannsowohleinBeitragzumKlimaschutzgeleistetalsaucheinesichere Energieversorgung im Hinblick auf das sich verknappende Rohölangebot gewährleistetwerden.ImIdealfallbietetdieenergetischeVerwendungvonBiomasse PotentialezurVerknüpfungvonökonomischen,ökologischenundsozialenVorteilen (vgl.Dufey2006:37f.).
Doch wie nachhaltig ist die Nutzung von Biomasse tatsächlich und welche ökologischen Auswirkungen sind mit einem gesteigerten Einsatz verbunden? 2 Diese Fragen sollen im Verlauf der Arbeit am Beispiel von importiertem Palmöl aus
1 Kern des Programms ist nach Angaben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit(BMU) die weitere Förderung der umweltfreundlichen Energieerzeugung in
Anlagen, die zugleich Strom und Wärme bereitstellen. Diese sogenannte KraftHWärmeHKopplung soll
mit 500 Millionen Euro pro Jahr gefördert werden (vgl. BMU: „Das ErneuerbareHEnergienH
WärmegesetzimÜberblick“,Januar2008,S.4).
2 Der Nachhaltigkeitsaspekt wird in dieser Arbeit nur auf ökologische Gesichtspunkte bezogen. Eine sozioHökonomischeBetrachtungwürdedenRahmendesAufsatzessprengen.
Indonesien untersucht werden. Ziel ist es, herauszuarbeiten, dass der Einsatz von BiomassealsEnergiequelleunterdemAspektderNachhaltigkeitdurchauskritischzu betrachtenistundnurdanneinensinnvollenBeitragzumKlimaschutzleistenkann, wenn er in eine breit angelegte Nachhaltigkeitsstrategie eingebettet wird, welche sichnichtnuraufdieEnergieversorgungkonzentriert.
ZudiesemZweckistdieArbeitindreiAbschnittegegliedert.DerersteTeilbildetmit den skizzierten Daten und Fakten zu indonesischem Palmöl die Grundlage des Aufsatzes. Im zweiten Teil werden konkrete politische Unzulänglichkeiten und Probleme, die sich daraus ergeben, analysiert. Hierbei beschränke ich mich im Wesentlichen auf die deutsche Gesetzgebung, welche jedoch zum Teil stark von europäischen Richtlinien gesteuert beziehungsweise beeinflusst wird. Im abschließenden Teil werden die Klimabilanz von Palmöl auf Grundlage der vorangegangenen Untersuchung zusammenfassend dargestellt und Lösungsstrategienformuliert.
1. DatenundFakten
1.1 Dievermeintliche„Öko“æEnergiequelle:IndonesischesPalmölals Regenwaldzerstörer
Palmöl kann in tropischen Ländern wie Indonesien wesentlich billiger angebaut werden als alle anderen Pflanzenöle, wodurch es für den Import und für die energetische Nutzung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die europäischen ZielsetzungenbezüglichdesAnteilserneuerbarerEnergieninFormvonBiomasseim RahmendesEnergieHundKlimapakets 3 undderdarausresultierendenEngpässeauf dem europäischen Energiepflanzenmarkt, werden diese Entwicklung weiter begünstigen. Beschleunigt wird der Prozess durch die steigenden Rapsölpreise als FolgederwachsendenNachfrage(vgl.Pastowskietal.2007:2).
3 Konkrete Zielsetzungen werden im „Aktionsplan Biomasse“ der EU benannt. Danach soll insbesondere „mindestens eine Verdopplung der energetischen Biomassenutzung in Europa“ in den
nächstenJahrenerreichtwerdensowieder„GrundsteinfüreineweitereSteigerungderenergetischen
Biomassenutzungab2020“gelegtwerden(vgl.BiomassActionPlanvom7.12.2005).
DieÖlpalmeistaufgrundihrerEigenschaftendereffektivstePflanzenöllieferantund übertrifft das in Deutschland und Europa zumeist verwendete Rapsöl um ein Vielfaches. Die Früchte der Ölpalmen können ganzjährig geerntet werden. Der jährliche Palmölertrag schwankt zwischen 3,5 und 7 Tonnen pro Hektar (vgl. Pastowski et al. 2007: 14). Dies liegt deutlich über dem Hektarertrag aller anderen Ölpflanzen (siehe Abb. 1 im Anhang). Durch den höheren Ölertrag erscheint der ImportvonPalmölsowohlausökonomischeralsauchausökologischerSichtsinnvoll.
PalmölwirdalsEnergiequelleinDeutschlandderzeitvorallemzurStromerzeugungin Blockheizkraftwerken(BHKW)verwendet.DieseFormderEnergiegewinnungerweckt zunächstdenEindruckderKlimaneutralität,dadieÖlpalmewährenddesWachstums Kohlendioxid (CO 2 ) aus der Atmosphäre bindet und das Palmöl aufgrund der KraftH WärmeHKopplungbesonderseffektivgenutztwird.
DochdieserEindrucktäuscht,dennbeiderHerstellungbeziehungsweiseProduktion vonPalmölwirdeinVielfachesdeseingespartenCO 2 freigesetzt.DieAnbauflächehat sich nach Angaben der Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO)seit1990weltweitauf12MillionenHektarverdoppelt.Indonesienproduziert gemeinsam mit Malaysia 80 Prozent der Weltproduktion von 33 Millionen Tonnen Palmöl (vgl. FAO 2005) und büßt schneller als alle anderen Ländern mit größeren
Der Anbau von Ölpalmen erfolgt hauptsächlich auf einstigen Regenwaldflächen, da mitdemErlösdesHolzeinschlagsdieInvestitionenfinanziertwerden(vgl.Nellemann et al. 2007). So belegte das indonesische Umweltnetzwerk Walhi, dass etwa 80 Prozent aller Waldbrände von Plantagenunternehmen gelegt werden. Dies sei eine häufig angewendete Methode, um „degradiertes Land“ zu schaffen, auf dem Plantagen angelegt werden dürfen (zum Ausmaß der Entwaldung siehe Abb. 2 im Anhang). Die Palmölplantagen stellen dann die günstigste Variante der „Wiederaufforstung“ dar und bringen den Firmen zusätzlich Gelder aus dem staatlichenWiederaufforstungsfondein(vgl.Odenwald2008:3).
4 Pro Tag werden etwa 51 Quadratkilometer Wald zerstört, was einer Fläche von ca. 300 FußballfeldernproStundeentspricht(vgl.FAO2007).
Arbeit zitieren:
Jana Schwenzien, 2008, Vom „Ökostrom“ zum „Kahlschlagdiesel“, München, GRIN Verlag GmbH
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