INHALTSVERZEICHNIS
EINLEITUNG. 1-3
1. GESELLSCHAFTLICHE VERÄNDERUNGEN UND DEREN AUS-
WIRKUNGEN AUF DAS WAHLVERHALTEN DER BÜRGER. 3
1.1.1 DIE DELIGNMENT-THESE VON RUSSEL DALTON. 3
1.1.2 TABELLE 1: MODELL DER DELIGNMENT-THESE. 4-6
5.3 EINIGES POLITIKDEMOGRAPHISCHES ÜBER DIE USA. 6-7
2. DIE BEDEUTUNG DER MEDIEN FÜR DIE POLITIK. 7-9
2.1 DIE MEDIENLANDSCHAFT IN DEN VEREINIGTEN
STAATEN VON AMERIKA. 9-10
2.2.1 DAS MEDIUM FERNSEHEN IM AMERIKANISCHEN
WAHLKAMPF. 10-11
2.2.2 DIE MEDIENNUTZUNG, SPEZIELL DES FERNSEHENS, DER
CLINTON -ADMINISTRATION. 11-12
5.3.1 KRIEGERISCHE SCHACHBRETTLOGIK IN DER MEDIENNUTZUNG
DER
CLINTONADMINISTRATION. 12
5.3.2 WAHLKAMPFFERNSEHSPOTS. 12-
14
2.2.5 FERNSEHDEBATTEN. 14
2.6 NEUE TECHNIKEN UND WEGE DER
INFORMATIONS ÜBERMITTLUNG. 14-15
2.7 NEUE MEDIEN UND DEREN BEDEUTUNG FÜR DIE POLITISCHE
PR. 15
2.8 GENERELLES ZUR POLITISCHEN
PR. 15-16
2.8.1 DIE BEDEUTUNG DER POLITISCHEN PR FÜR DEN AMERIKANISCHEN
2
PR ÄSIDENTEN. 16
2.9.1 MEDIENBEZIEHUNGEN UND AUSSENDARSTELLUNG BILL
CLINTONS. 17
2.9.2 DAS VERHÄLTNIS BILL CLINTONS UND DER POLITISCHEN PR ZU
DEN MEDIEN. 17-
18
3. STRUKTURENWANDEL IN DEN STABSTELLEN DES WEISSEN HAUSES
UND WICHTIGE PERSONEN DER CLINTON-ADMINISTRATION BEI DER
1996er KAMPAGNE. 19-20
5.3 GEORGE STEPHANOPOLOUS. 20
3.2 DICK MORRIS. 20-21
4. DIE KAMPAGNE DER CLINTON-ADMINISTRATION IM WAHLKAMPF
1996: THEORIEN UND TECHNIKEN. 21-22
4.1.1 TRIANGULATION I (“combine the best theme from each side“) 22-23
4.1.2 TRIANGULATION II ("second conversation ) 24
4.2 THEORIE DER KAMPAGNENFÜHRUNG (“theory of the race ) 24
4.3 MEINUNGSUMFRAGEN (“polling ) 24-26
4.4 DIE „BY PASSING“-STRATEGIE. 26
4.5.1 „SPIN DOCTOR“-KOMPLEXE. 26-27
4.5.2 „PROAKTIVE“ MASSNAHMEN 27
4.5.3 „REAKTIVE“ MASSNAHMEN. 27-29
4.6 „OPPOSITION
RESEARCH “ 29
5. POLITISCH-INHALTLICHES IM US-AMERIKANISCHEN WAHLKAMPF
1996 DER CLINTON-ADMINISTRATION. 29-30
5.1.1 TRADITIONELLE SCHWERPUNKTE IN DER POLITISCHEN AGENDA
DER DEMOKRATISCHEN PARTEI. 30-31
5.1.2 POLITISCH-INHALTLICHE AGENDA DER CLINTO-N
ADMINISTRATION 31-33
5.1.3 WEITERE POLITISCH-INHALTLICHE AGENDA-THEMEN DER
CLINTON-DEMOKRATEN.......................................................................................33 5.1.4 POLITISCH-INHALTLICHES ZU SOZIALFÜRSORGLICHEN AGENDA
PRÄSIDENT CLINTONS......................................................................................33-34 5.1.5 GROSSTHEMEN DIE VON DEN EREIGNISABLÄUFEN VORGEGEBEN WURDEN, ODER AUF INITIATIVEN PRÄSIDENT CLINTONS ZURÜCK-
ZUFÜHREN SIND......................................................................................................34
5.1.6 GESCHEITERTE POLITISCH-INHALTLICHE VORHABEN.............................34-35 5.2.1 INNENPOLITISCHE EREIGNISSE UND UMSTÄNDE IN DER
REGIERUNGSZEIT BILL CLINTONS......................................................................35 5.2.2 SKANDALE BILL CLINTONS UND SEINES NÄCHSTEN UMFELDES................36 5.3 DAS POLITISCHE COMEBACK PRÄSIDENT CLINTONS NACH DEN
VERLORENEN „MIDTERM ELECTIONS“ 1994.................................................36-38 5.4 DEMOGRAPHISCHE FAKTEN ZU DEN TRADITIONELLEN
DEMOKRATEN- UND CLINTONS 1996er WÄHLERSCHAFT...............................38 5.5 DER „DEMOCRATIC LEADERSHIP COUNCIL“……………………….………38-40 5.6.1 FINANZIERUNG DES WAHLKAMPFES……………………………………………40 5.6.2 TABELLE 2: FINANCIAL ACTIVITY OF THE 1996 PRESIDENTIAL PRENOMINATION………………………………………...………………………….41
6. ZUSAMMENFASSUNG UND FOLGERUNGEN...................................................41-43
7. LITERATURVERZEICHNIS
4
EINLEITUNG
Seitdem sich auf der politischen Weltbühne Anfang der neunziger Jahre, durch den Zerfall des Sowjetreiches, ein epochaler Wandel vollzog, trifft das zu, was Anthony Giddens mit den folgenden Worten beschreibt: „Die Idee des Kommunismus und die des Sozialismus ist seit dem Untergang der Sowjetunion verlorengegangen...“ 1 Dieses globale historische Ereignis hatte auch essentielle Auswirkungen auf die Politikinhalte der westlichen Demokratien: politische Ideologien haben sich entleert und die Gestaltungskraft der Politik hat sich erschöpft 2 . Paradoxerweise vollzog sich im Laufe der neunziger Jahre ein politischer Zeitenwechsel 3 , der dadurch geprägt war, daß die bis dato regierenden konservativen Regierungen, gerade von Mitte-Links-Regierungen in den Ländern Großbritannien, Deutschland und Vereinigten Staaten, von Amerika abgelöst wurden. In den USA wurde Bill Clinton (1992) der erste US-Präsident der Demokratischen Partei, nachdem die Republikaner mit den Präsidenten Ronald Reagan (1980-1988) und George W. Bush (1988-1992) regiert hatten. Warum gerade Linksparteien in ihren jeweiligen Ländern mit ihren politischen Inhalten und Strategien einen gesellschaftlichen Konsens erreichten, der sie in ihrer Machtausübung legitimierte und Bill Clinton gar die Wiederwahl (1996) einbrachte, wird am Beispiel der Vereinigten Staaten dargestellt werden. Untersuchungsobjekt dieser Hausarbeit ist also der US-Wahlkampf 1996 der Clinton-Administration: daher werden im Rahmen dieser Arbeit auch nur die in den USA spezifischen gesellschaftlichen, medialen und politischen Umstände beleuchtet und nachgezeichnet werden. Auf die Kampagnenstrategie und die politisch-inhaltlichen Aspekte der Clinton-Administration wird hier insbesondere eingegangen werden. Nur dort, wo es im Einzelfall angebracht ist, werden auch allgemeingültigere Aussagen in die Betrachtung mit einfließen, um globalere Zusammenhänge herzustellen. Anfang der neunzehnhundertneunziger Jahre hielt ein Begriff in den Sprachgebrauch der Kommunikationswissenschaftler Einzug, der da ist: „Third Age of Political Communication“ 4 . Dieser Terminus Technicus gilt seitdem als Synonym für den Beziehungswandel der Politik den Medien gegenüber.
1 GIDDENS, Anthony: Jenseits von Links und Rechts. In. Ulrich Beck (Hg.): Edition Zweite Moderne. Aus dem Englischen. Frankfurt a.M.: Suhrkamp Verlag. 1994. S. 9.
2 vgl.: ebd., S. 9.
3 vgl.: ESSER, Frank: Spin doctoring als Regierungs-PR. Strategisches Skandal-, Themen-und Imagemanagent der Clinton-Administration. In: Klaus Kamps (Hg.): Trans-Atlantik, Trans-Portabel? Die Amerikanisierungsthese in der politischen Kommunikation. Opladen: Westdeutscher Verlag (in Vorbereitung). S. 1.
1
Geprägt ist dieser Wandel durch: 1. Die Politik ist in einem gestiegenen Maße abhängig von professionellen Beratern, um sich gegen den Mediendruck zu wehren, beziehungsweise sich der Medien für die eigenen Zwecke zu bedienen. 2. Massenkommunikative Vermittlungsleistung wird nicht mehr als notwendiges Übel, sondern als Kernelement politischen Handelns begriffen. Dazu werden Medienstrategen und Kommunikationsexperten in hohe, teils neugeschaffene Ämter mit engem Kontakt zur politischen Führung berufen. Die Strategen und Experten haben darüber hinaus eine politische Stimme und Autorität über ihre Fachressorts. 3. Einem Antagonismus zwischen Medien und Politik, der sich darin äußert, daß eine erhöhte Aggressivität der Medien gegenüber der Politik, als Reaktion auf eine Professionalisierung der politischen PR festzustellen ist: die Journalisten befürchten eine Eingrenzung ihrer Autonomie und ihrer publizistischen Unabhängigkeit. 4. Steuerung der Öffentlichkeitsagenda („by passing“) an den Medien vorbei. Diese hier oben geschilderten Sachverhalte werden unter den Aspekten folgender
Fragestellungskomplexe untersucht: 1. Ist dieser Wandel in der Politikvermittlung als Folge von veränderten politischen Ideologien, oder als Folge von veränderten politischen Marketingmaßnahmen zu begreifen? 5 2. Inwiefern spielen hier auch soziodemographische, also innergesellschaftliche 6 und mediale Veränderungen eine Rolle? 3. Die Frage von Ursache und Wirkung: reagiert das politische System nur, oder ist es sogar Taktgeber und Vorreiter von den unter Punkt eins und zwei angedeuteten umfassenden Gesamtveränderungen? Die Hausarbeit wird zur besseren Übersicht in insgesamt fünf Großbereiche untergliedert werden, die wiederum in mehrere Unterpunkte zerlegt werden: 7 1. Gesellschaftliche Veränderungen und deren Auswirkung auf das Wahlverhalten der Bürger. 2. Die Bedeutung der Medien für die Politik. 3. Strukturenwandel in den Stabstellen des Weißen Hauses und wichtige Personen der Clinton-Administration bei der 1996er Kampagne. 4. Die Kampagne der Clinton-Administration im Wahlkampf 1996: Theorien und Techniken. 5. Politischinhaltliches im US-amerikanischen Wahlkampf 1996.
4 vgl.: BLUMLER, JAY & DENNIS KAVANNAGH: The third age of political communication: Influences and features. In: Political Communication. 16.Jahrgang, Heftnummer 3. 1999. S.213-216, hier: S. 209.
5 ESSER, Frank: S. 1.
6 vgl.:SCHULZ, Winfried: Wahlkampf unter Vielkanalbedingungen, Kapagnenmanagement, Informationsnutzung und Wahlverhalten. In: Media Perspektiven. August 1998. S. 378-391, hier: S. 388
7 siehe Inhaltsverzeichnis
2
1. Gesellschaftliche Veränderungen und deren Auswirkung auf das
Wahlverhalten der Bürger
Schlagworte wie die Zunahme von gesellschaftlicher Komplexität, funktionale Differenzierung, Wertewandel und Säkularisierung, probieren auf einer differenzierteren Ebene zu beschreiben, was man unter dem Sammelbegriff der gesellschaftlichen Veränderung zusammen fassen könnte. In diesem Kapitel soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern sich diese veränderte gesellschaftliche Realität im Wählerverhalten niederschlägt. In diesem Zusammenhang ist festzuhalten, daß sich der durchschnittliche Bildungsgrad in den westlichen Industrieländern stetig verbessert hat, was ursächlich mit einer erhöhten politischen Kompetenz verbunden ist. Winfried Schulz sagt in seinem Buch: Wahlkampf unter Vielkanalbedingungen, Kampagnenmanagement, Informationsnutzung und Wählerverhalten, aus, die im vorangegangenem Satz dargestellten Zusammenhänge sind empirisch abgesichert. 8 Weiter ergeben sich durch die oben geschilderten Tatsachen eine nachlassende Parteienbindung, was wiederum bedeutet, daß das Wechselwählerverhalten angestiegen ist und die Parteienbindung stark abgenommen hat. Die Dealignment-These von Russel Dalton geht inhaltlich diesen eben eingeschlagenen Weg konsequent weiter:
1.1.1 DIE DEALIGNMENT-THESE VON RUSSEL DALTON
Die Aussagen Dalton’ s sind im Kern auch, daß ein gestiegener durchschnittlicher Bildungsgrad zu mehr politischer Kompetenz führt. Darüber hinaus verknüpft er damit aber noch die Feststellung, daß durch die Ausweitung des Mediensystems, insbesondere der neuen Medien, wie z. B. Internet, verbesserte Möglichkeiten der politischen Informationserlangung bestehen und deren Beschaffungsaufwand gesunken ist. Dies ist dann, laut Dalton auch der Grund dafür, daß ein selbständigeres Umgehen seitens des Bürgers mit der jeweiligen Wahlsituation eingetreten ist. Auf die komplexreduzierende Funktion der Parteienbindung sind die Wähler demnach nicht mehr in dem Maße angewiesen wie sie es früher waren. Dieser Ursachen- und Wirkungszusammenhang läßt sich anschaulich an einem Modell demonstrieren:
8 vgl.: SCHULZ, Winfried: S. 378 ff., hier: S. 381.
3
1.1.2 TABELLE 1: MODELL DER DEALIGNMENT-THESE 9
Das Schaubild läßt sich wie folgt lesen:
Dalton führt die beiden Dimensionen der Kognitiven Mobilisierung und der Parteienbindung ein, die für die jeweiligen Aussagen stehen: 1. Herrscht bei dem Wähler eine hohe kognitive Mobilisierung in Verbindung mit einer starken bzw. sehr starken Parteienbindung, dann handelt es sich um einen parteitreuen Überzeugungswähler. 2. Ist die kognitive Mobilisierung niedrig, aber die Parteienbindung stark bzw. sehr stark, dann handelt es sich um einen parteitreuen Gewohnheitswähler. 3. Ist die kognitive Mobilisierung hoch, der Bürger jedoch ohne, oder mit nur schwacher Parteienbindung, klassifiziert Dalton ihn als sogenannten Unabhängigen. 4. Letzter Fall nimmt den Wähler mit niedriger kognitiver Mobilisierung und nur schwacher, oder gänzlich ohne Parteienbindung unter die Lupe. Hier handelt es sich laut modellhafter Dealignment-These um einen sogenannten Unpolitischen. 10 Schulz führt in seinem Text weiter aus, daß in den entwickelten Industrienationen das Wählersegment der Unabhängigen („apartisans“) zunehmend an Bedeutung gewinnt. Demzufolge richten sich auch die Wahlkampfaktivitäten auf dieses Wählerpotential aus. Die Unabhängigen oder Parteilosen sind nach der Leseart Daltons diejenigen Wähler, mit der größten formalen Bildung. Sie sind es auch, wie schon weiter oben im Text erwähnt, die Informationsressourcen besonders hoch nutzen um sich eine eigene Meinung zu bilden.
9 vgl.: ebd., S. 378 ff., hier: S. 382.
4
Der Wandel zur Medien- oder Informationsgesellschaft kommt also den Bedürfnissen der „neuen Parteilosen“ sehr entgegen. Aber dennoch irritiert die medienspezifische Politikvermittlung den kognitiv hoch Mobilisierten, der das Beziehungsspiel zwischen Medien und Politik durchschaut und darauf zum Teil mit „dealignment“ reagiert. 11 Die hoch mobilisierten Wählertypen, also insbesondere die Unabhängigen, stufen Programme („issues“) höher ein, als den Spitzenkandidaten einer Partei („images“). Sie richten sich aber in ihrer Wahlentscheidung am stärksten nach der Politikbilanz einer Partei, oder ihres Spitzenkandidaten, der letzten Jahre. Obwohl die Unabhängigen in der Wahlkampfstrategie der Parteien Priorität haben, geht die Programmatik der Parteien zugunsten der Darstellung des Spitzenkandidaten zurück 12 („images“ statt „issues“). 13 Diese Doppelstrategie wirkt nach dem bisher gehörtem paradox und ist nur damit zu erklären, daß die Parteien auch ihre parteitreuen Gewohnheitswähler befriedigen wollen, denn eigentlich liegt hinsichtlich der Parteistrategien eines auf der Hand: Wahlkampagnen gestalten sich als Reaktion auf eine sich verändernde soziale und gesellschaftliche Realität, in der nicht mehr Ideologien, sondern der praktische Nutzen der Politik für die meisten Wähler im Vordergrund steht. Bleibt die Frage, ob denn die Entideologisierung der traditionellen Parteiagenda zugunsten der Personalisierung des Wahlkampfes geeignet ist, um die Unpolitischen zu aktivieren? Umfragen verneinen dies. 14 Um weiter in diesem Kontext zu argumentieren: Längerfristig überfordert die medienspezifische Art der Politikvermittlung den Unpolitischen und nährt so sogar die Politikverdrossenheit und Wahlabstinenz zusätzlich. Generell hält Schulz in seinen Ausführungen Folgendes fest: Der Negativtrend in der Einstellung der Bürger gegenüber der Politik, bzw. dem politischen System und seinen Akteuren, wird während des Wahlkampfes nur vorrübergehend und nur kurzfristig unterbrochen: Auf die USA bezogen kann man diesen Trend schon seit den sechziger Jahren beobachten. 15 Dies hängt wohl mit dem Wandel im Verhältnis der Massenmedien zur Politik zusammen: „Beides ist in der Amerikanisierungs- bzw. Modernisierungsthese implizit und hat bei genauerer Betrachtung seine Wurzeln, außer im soziokulturellen Wandel und in den
10 Natürlich ist dies nur eine modellhafte Abbildung und kann demnach nicht die in der Realität eventuell vorkommenden Grauzonen abdecken.
11 vgl.: SCHULZ, Winfried: S. 390.
12 vgl.: MORRIS, Dick: Behind the Oval Office. Winning the Presidency in the Nineties. New York: Random House. 1997. S. 148.
Dennoch weiß auch der Kampagnenstratege Clinton’ s, Dick Morris: Nicht “images“, sondern „issues“ gewinnen Wahlen. „Issues“ sind aber das beste Instrument, um „images“ zu erzeugen.
13 vgl.: SCHULZ, Winfried: S.
14 vgl.: ebd., S.
5
Veränderungen der politischen Kultur, auch in der Expansion und Kommerzialisierung des Mediensystems.“ 16
1.2 EINIGES POLITIKDEMOGRAPHISCHES ÜBER DIE USA
Vieles in Bezug zu den USA, die die älteste Demokratie der Welt ist, erscheint äußerst ungewöhnlich und sogar befremdlich. So trägt eigentlich nur die Ober- und Mittelschicht das politische System der USA. Der arme und deklassierte Bevölkerungsanteil der amerikanischen Gesellschaft nimmt kaum bis gar keinen Einfluß auf die Politik. Demzufolge beträgt die Wahlbeteiligung im Durchschnitt lediglich 50 Prozent. Aber gerade die eklatanten Probleme, wie die der Inneren Sicherheit (Gewalt und Kriminalität), Drogenmißbrauch, Gesundheits- Krankheits- und Altersvorsorge, sowie der schlechte Zustand von öffentlichen Schulen, betrifft gerade die ärmsten der Amerikaner. Der Glaube, diese vielfältigen und schwerwiegenden Probleme, die gerade in Ballungsgebieten auftreten, in den Griff zu bekommen, schwindet zunehmend. So ist es gerade der wirtschaftliche, soziale und kulturelle Zwiespalt in der Gesellschaft, der dazu führt, daß das Land und seine Bürger mehr und mehr mit sich selbst beschäftigt sind. Amerikanische Wähler verlangen von ihren Politikern demnach in erster Linie die Lösung innerer Probleme. Dies spiegelt sich auch in den Agenden der wahlkampfführenden Politikern wieder, die sich hauptsächlich auf innenpolitischen Themen konzentrieren 17 . Die traditionell starke Mittelschicht in den USA sieht sich neuerdings in ihrer Existenz bedroht. Grund hierfür ist der Verlust gutbezahlter Jobs im Zuge der Globalisierung. Der soziale Abstieg und die dadurch drohende Verarmung dieses Bevölkerungsteils sind in dessen Augen eher eine Bedrohung denn eine Herausforderung. Die gesellschaftlichen Spannungen werden auch noch zusätzlich durch den wachsenden Gegensatz zwischen ländlichem und städtischem Milieu und zwischen der wertebewußten christlichen Wählerschaft und ihren Gegenspielern, den individualistischen Menschen, verstärkt. Das Mißtrauen der amerikanischen Bürger gegenüber der Washingtoner Politik sitzt tief, was sich darin äußert, das sie die Politiker als kleine und machthungrige Klasse abqualifizieren 18 . Zum Schluß kann man noch anmerken, daß die Vereinigten Staaten seit der Reagan-Administration in den 1980er Jahren immer konservativer geworden sind, ohne wirklich
15 vgl.: ebd., S.389.
16 ebd., S. 389.
17 siehe dazu auch das Kapitel , S. 5.
18 vgl.: MOLT, Peter: Amerikanische Wahlkämpfe. In: Bernhard Vogel (Hg.): Die politische Meinung,
6
funktionierende Linke. Der Süden wirkt im Gegensatz zum Nordosten, wo die Wähler zu einem moderaten Konservatismus neigen, schon fast fundamentalistischkonservativ. 19
2. DIE BEDEUTUNG DER MEDIEN FÜR DIE POLITIK
Die Medien nehmen eine vermittelnde Funktion zwischen dem politischen System auf der einen und den Bürgern auf der anderen Seite ein. 20 Dieses spiegelt sich auch in den Generalfunktionen der Medien wider: 1. Sie haben eine Informationspflicht den Bürgern gegenüber. 2. Sie nehmen den Platz einer Kontrollinstanz dem politischen System gegenüber ein. 3. Und haben eine Kritikfunktion. 21 Das Mediensystem trägt also zum politischen Meinungsbildungsprozeß der Bürger bei, indem sie Öffentlichkeit über das politische Handeln herstellen, die Bürger über die politischen Akteure informieren und die Politikprozesse in ihren Ursachen und Auswirkungen verständlich und nachvollziehbar machen. Auf der anderen Seite legitimieren sie die Politiker und ihre Politik dadurch, in dem sie ihre Handlungen öffentlich machen. Weiter, so Frau Holtz-Bacha, haben die Medien auch eine Integrations- und Sozialisationsfunktion, der sie aufgrund ihrer Informationsfunktion nachkommen: 1. Sie vermitteln allgemeingültige Verhaltensnormen und gemeinsame, gesamtgesellschaftliche und individuelle Ziele. 2. Die Medien entlasten das politische System, indem sie die an die Politik gestellten Erwartungen reduzieren. 3. Auf der anderen Seite aber sind es die Medien, die auch das Input der Bürger an das politische System zu richten helfen. 4. Insgesamt helfen die Medien also, beiderseitiges Vertrauen und Unterstützung herzustellen (BürgerlStaat) und die Akzeptanz von politischen Entscheidungen zu sichern. Diese Punkte stellen in aller Kürze die idealtypischen Funktionen der Massenmedien dar. Weiter geht der Text auf das Phänomen der Fragmentierung der Medienlandschaft ein 22 , das zur Folge hat, daß die Wahrscheinlichkeit des „gemeinsamen“ (medialen) Erlebens abnimmt: „Immer weniger Leute kommen zu einem gemeinsamen Programm zusammen.“ 23 Dieses
Monatszeitschrift in Fragen der Zeit. 41. Jahrgang, Heftnummer 324. November 1996. S. 90.
19 vgl.: MIELE, Jürgen: Innen- und Außenpolitische Herausforderungen der Clinton-Administration nach den Wahlen vom 5. November. In: Hans Seidel Stiftung e.V. (Hg.): Politische Studien, Zweimonatszeitschrift für Politik und Zeitgeschichte. 47. Jahrgang Heftnummer 350. November/Dezember 1996. München. S. 16.
20 vgl.: HOLTZ-BACHA, Christina: Das fragmentierte Medien-Publikum. Folgen für das politische System. In: Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Aus Politik und Zeitgeschichte. Bonn. Heftnummer B 42. 10. Oktober 1997. S. 14.
21 vgl.: ebd., S. 15.
22 vgl.: ebd., S. 16.
23 ebd., S. 16.
7
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