Inhaltsverzeichnis
Vorwort 1
1. Einleitung 3
2. Biographisches und Bibliographisches zu Petrarca 6
2.1 Kindheit und Jugend 6
2.2 Lebensmitte 8
2.3 Entstehungszeit des Secretum 10
2.4 Petrarcas Bekehrung 12
2.5 Alter 13
3. Das Secretum 14
3.1 Allgemeines 14
3.2 Das genre 14
3.3 Aufbau und Inhalt 15
3.2.1 Praefatio 15
3.2.2 Erstes Buch 17
3.2.3 Zweites Buch 17
3.2.4 Drittes Buch 21
4. Der Begriff der acedia 21
4.1 Begriffsgeschichte: Die acedia von der alten Kirche
bis zum Mittelalter 21
4.2 Begriffsanalsye: Die accidia im Secretum 24
4.3 Vergleich: Petrarcas accidia und die mittelalterliche Todsünde 25
5. Die Rolle Augustins im Secretum 27
6. Petrarcas philosophische Rollenmodelle 30
7. Schlußfolgerungen 31
Literaturverzeichnis 33
1
Vorwort
Das persönliche Interesse der Verfasserin am Thema entstand während eines kirchengeschichtlichen Hauptseminars bei Prof. Dr. H. Junghans zu den „Humanisten”. Die vorliegende Arbeit widmet sich dem speziellen Problem der acedia in Petrarcas Secretum.
Bei diesem handelt es sich in kirchengeschichtlicher Hinsicht um ein interessantes Werk. Seine Genese fällt in die mittleren Lebensjahre des Autors, die schon früh im besonderen Interesse der Petrarca-Forschung standen, ging es doch um die These von Petrarcas ‘Bekehrung’. Für die Stützung beziehungsweise Entkräftigung der These sind Petrarcas berühmter Bericht der Bergbesteigung des Mont Ventoux, das Secretum und die Schrift De otio religioso entscheidende Quellen. In den beiden letztgenannten Werken spielt Augustin als Identifikationsfigur eine große Rolle, die in dieser Arbeit auch untersucht wird.
Der accidia, die den Hauptschwerpunkt dieser Untersuchung bildet, kommt aus theologischer Sicht eine Schlüsselrolle zu, da sie die einzige unter den im zweiten Buch des Secretums behandelten sieben Todsünden ist, die durch Petrarca eine signifikante Umdeutung innerhalb des ansonsten konventionell übernommenen Sündenkatalogs erfährt. Diese Neuinterpretation der acedia wirft ein äußerst interessantes Licht auf das Verständnis des Dogmas der Erbsünde im Humanismus des 14. Jahrhunderts.
Deshalb wird diese Hauptsünde sowohl hinsichtlich ihres Vorkommens als accidia im zweiten Buch des Secretums als auch bezüglich ihrer begriffsgeschichtlichen Entwicklung als acedia von der Alten Kirche bis Dante beleuchtet. 1 Um die Bedeutungsverschiebung der acedia von der mittelalterlichen Todsünde zur ‚Seelenkrankheit’ bei Petrarca zu erklären, wird in dieser Untersuchung Petrarcas religiös-biographische Entwicklung anhand der in dieser Hinsicht wichtigsten biographischen Daten beleuchtet.
Petrarcas moralphilosophische Schriften wurden erst ab der Mitte des 20. Jahrhunderts mit Forschungsinteresse bedacht und untersucht. 2 Die dieser Arbeit zugrunde liegende Textedition des Secretum, die der Verfasserin zugänglich war, ist ein in Bern erschienener Druck von 1604. Diese Ausgabe wird noch immer benutzt. Eine kritische Ausgabe des Secretum existiert bislang nicht. 3
1 Die Schreibweise in dieser Arbeit folgt Siegfried Wenzel: Petrarcas ‚Accidia’. Darmstadt, 1976.
2 Petrarca, Francesco: De sui et multorum ignorantia. Über seine und vieler anderer Unwissenheit. Hg.
von August Buck. Hamburg, 1993, X.
2
1. Einleitung
Das zeitgenössische Umfeld Petrarcas, das Italien des 14. Jahrhunderts, stellt in vielfältiger Hinsicht ein historisch bedeutsames Jahrhundert dar, denn Italien war dasjenige europäische Land, in dem sich zuerst die Auswirkungen umfassender Veränderungen in politischer und sozioökonomischer Hinsicht zeigten. 4 Dieser Umwandlungsprozess war durch die Krise des ausgehenden Mittelalters eingeleitet worden. Kaiser- und Papsttum als universale Ordnungsmächte zerfielen, es bildeten sich Nationalstaaten und in Italien Territorialgewalten und Kommunen heraus. Als ökonomische Faktoren traten die rückläufige landwirtschaftliche Produktion infolge des schwindenden Einflusses des Feudalsystems, sowie eine Finanzkrise der frühkapitalistischen Geldwirtschaft auf. 5 Das bereits geschwächte Papsttum verliert endgültig seine souveräne Rolle im Europa des Hochmittelalters mit dem Exil in Avignon am Anfang des 14. Jahrhunderts. 6 Die sich dort vollziehende Entwicklung der Kurie hat in den Augen der Reformkreise, die nach religiöser, intellektueller und politischer Selbständigkeit streben, einen weitergehend negativen Charakter. 7
Die durch die Krise bewirkte „Integrationsschwäche herrschender Systeme, [der] Ansehensschwund hergebrachter Autoritäten und [der] Geltungsverlust überlieferter Normen“ 8 läßt eine Sehnsucht nach Erneuerung und die Vorstellung der Wiedergeburt in allen Bereichen der Gesellschaft entstehen. Die Renaissancegesinnung schlägt sich unter anderem auch in einer neuen Bildungsbewegung nieder, die im Italien des 14. Jahrhunderts ihren Anfang nimmt und sich bald auf ganz Europa ausdehnen wird. Diese als Humanismus bezeichnete Bewegung erhielt ihre Impulse aus dem Rückgriff auf die römische „‘Humanitas‘, ... ein aus der Synthese von griechischen und römischen Elementen erwachsenes Ideal des Menschseins ...“ 9
Die ‘studia humanitatis’ mit dem Fächerkanon Moralphilosophie, Grammatik, Rhetorik, Poetik, Geschichte bilden das humanistische Studienprogramm, das im Frühhumanismus schon angelegt ist und von späteren Humanisten ausgearbeitet
3 Vgl. Hoffmeister, Gerhart: Petrarca. Stuttgart, 1997, 43
5 Buck: Humanismus..., 123.
6 Schwarzkopf, Johannes; Witz, Cornelia: Italien-Ploetz. Italienische Geschichte zum Nachschlagen.
Freiburg/Würzburg, 1996, 120.
7 Schwarzkopf; Witz: Italien-Ploetz..., 89.
8 Buck: Humanismus..., 123.
9 Petrarca: De sui... , VII.
3
wird. 10 Die Moralphilosophie nimmt als philosophische Basis in diesem Kanon die Vorrangstellung ein, da sie das Ziel des Studienprogramms, die „Lehre der rechten Lebensgestaltung“ 11 nach dem Vorbild antiker Autoren, reflektiert. Das humanistische Persönlichkeitsideal umfaßt aber nicht nur eine hohe ethische Moral im Privatleben, sondern eine ebenso große als politisch engagierter Bürger. 12 Die in Italien nach der spätmittelalterlichen Krise jedoch schon bald einsetzende wirtschaftliche Expansion ist vor allem durch die Verschiebung des ökonomischen Schwerpunktes von der Landwirtschaft zu den neuen städtischen Zentren gekennzeichnet. 13
Im Zuge der umfassenden Erneuerung bildete sich auch in anthropologischer Hinsicht ein neues Bewußtsein heraus. Während sich der einzelne Mensch im Mittelalter vorrangig als Mitglied einer Gemeinschaft begriff, trat mit der Renaissance die Einmaligkeit des Indiviuums stärker in den Vordergrund. 14 Die vor allem biblisch bestimmten Vorstellungen von der Menschenwürde, der dignitas hominis, gewinnen in der Auseinandersetzung mit der Antike die neue Dimension der Verwirklichung des schöpferischen Potentials im Menschen hinzu. 15 Die trotz dieses optimistischen Lebensgefühls nicht zu verdrängende Erfahrung der Kontingenz des Lebens und die Begrenztheit der menschlichen Fähigkeiten ließen die Humanisten das Festhalten an den eigenen Erfahrungen und das Vertrauen in die alles überwindenden Tugenden betonen. 16
Obwohl die Institution Kirche in selbstverständlicher Weise das Leben aller Menschen auch in der Renaissancegesellschaft prägte, war es dennoch „nur eine beschränkte Zahl von Humanisten, die religiöse und theologische Probleme diskutiert haben: die christlichen Humanisten.” 17 Aufgrund der anthropozentrischen Grundtendenz des Humanismus bildeten religiöse Fragen nicht den Mittelpunkt
10 Petrarca: De sui... , VII.
11 Petrarca: De sui... , VII.
12 Buck: Humanismus..., 176.
13 Schwarzkopf; Witz: Italien-Ploetz...,116.
14 Buck: Humanismus..., 253.
15 Buck: Humanismus..., 255-256
16 Vgl. Buck: Humanismus..., 264.
17 Buck: Humanismus..., 228.
4
seiner Interessen, daher ist auch die Rekonstruktion eines geschlossenen christlichhumanistischen Reformprogrammes nicht möglich. 18
Da sich das Selbstverständnis und die ‘Weltanschauung’ der Humanisten auf die Hochschätzung der Antike und das Studium ihrer Schriftsteller gründete, stellten sie „... naturgemäß zuerst die Frage nach den Beziehungen zwischen Christentum und Antike und nach der Kompatibilität des antiken Menschenbildes mit der christlichen Lehre...” 19 , wenn es um ihre Haltung gegenüber der christlichen Religion ging. Eine erste, grundlegende Vermittlung zwischen Antike und Christentum hatten schon die Kirchenväter geleistet, und auf diese Vermittlungsarbeit griffen die christlichen Humanisten gern zurück, konnten sie sich doch so auf eine bereits ‘vorgedachte’ Synthese zwischen Antike und Christentum berufen. 20 Um ihre Wertschätzung der antiken ‘sapientia’ zu legitimieren und ihr als
‘praeparatio evangelica’ Anerkennung zu verschaffen, knüpften die christlichen Humanisten an die Theorie der Kirchenväter an, nach der den Heiden durch natürliche Offenbarung grundlegende Glaubenswahrheiten zugänglich waren. 21 Die patristische Frömmigkeit besaß für die Humanisten eine besondere Anziehungskraft, weil sie ‚eloquentia‘ und ‚pietas‘ in sich vereinigte und sich wohltuend von der ‚scientia‘ der scholastischen Theologie unterschied. Sie gab in ihrer einfachen und klaren Weise den Geist der Evangelien wieder. 22 Der Wertschätzung der Eloquenz lag eine neue Entwicklung auf dem Gebiet der Philosophie zugrunde. In der Auseinandersetzung mit der scholastishen Logik und Sprachwissenschaft, die die Bestimmung des Seienden (res) mit unhistorischem, abstraktem Charakter zur Voraussetzung und Priorität jeglicher Wissenschaft erhoben hatte 23 , erkannten die Humanisten die Bedeutung des (verbum), des konkreten, der alltäglichen menschlichen Erfahrung entstammenden
Sprachäußerungen. 24 In der bildreichen Sprache von Poesie und Rhetorik lagen in den Augen der Humanisten die Möglichkeiten, ihren Zeitgenossen die Wahrheit in angemessener und pragmatischer Weise zugänglich zu machen. 25
18 Buck: Humanismus..., 534.
19 Buck: Humanismus..., 229.
20 Vgl. Buck: Humanismus..., 229.
21 Vgl. Buck, Humanismus..., 233.
22 Vgl. Buck: Humanismus..., 243.
23 Vgl. Schulthess, Peter; Imbach, Ruedi: Die Philosophie im lateinischen Mittelalter: Ein Handbuch mit
einem bio-bibliographischen Repertorium. Düsseldorf/Zürich, 2000, 287.
24 Vgl. Grassi, Ernesto: Einführung in die humanistische Philosophie: Vorrang des Wortes. Darmstadt,
1989, 19.
25 Vgl. Schulthess; Imbach: Die Philosophie..., 287.
5
Die von der Kirche als Heilsanstalt zunehmend unabhängigere individuelle Frömmigkeit ist charakteristisch für die christlichen Humanisten. 26 Diese verstärkte Spiritualisierung von christlich-humanistischen Glaubensäußerungen korrespondierte mit einer Geringschätzung des öffentlichen religiösen Kultus. 27 Weil die subjektive Glaubenseinstellung nun wichtiger erschien als die objektive Verkündigung, „wurde der Initiativpunkt der Beziehungen zu einer transzendenten Welt von Gott in das menschliche Gewissen verlegt und das Schwergewicht im religiösen Bereich von der theologischen Spekulation auf die christliche Lebensführung verlagert...” 28 . In christologischer Hinsicht ergab sich daraus eine Betonungsverschiebung in Richtung auf die menschliche Natur Christi, demgegenüber der Aspekt des Kreuzes an Bedeutung verlor. 29
2. Biographisches und Bibliographisches zu Petrarca 2.1 Kindheit und Jugend
Francesco Petrarca wurde als Sohn des Notars Petracco di Parenzo und der Eletta Canigiani am 20. Mai 1304 in Arezzo geboren. Aufgrund der Verbannung des Vaters aus Florenz und dessen neuer Tätigkeit als Advokat an der päpstlichen Kurie in Avignon ließ er sich mit der Familie im nahegelegenen Carpentras nieder. 1307 wurde Francescos Bruder Gherardo geboren.
Petrarca erhielt in Carpentras seinen ersten Unterricht und anschließend eine Ausbildung in lateinischer Grammatik und Rhetorik. 30 1311 und 1313 begegnete Petrarca Dante, der ein Freund seines Vaters und Großvaters war.
Ohne wirkliches Interesse dafür aufzubringen, studierte Petrarca die Rechte in Montpellier (1316-20) und in Bologna (1320-26), einem bereits damals angesehenen Zentrum volkssprachlicher und lateinischer Literatur. 31 1326, nach dem Tod seines Vaters, bricht Petrarca das Jurastudium ab. Er geht nach Avignon zurück und führt dort zusammen mit Gherardo ein ausschweifendes
26 Vgl. Buck: Humanismus..., 250.
27 Buck: Humanismus..., 243.
28 Buck: Humanismus..., 229.
29 Vgl. Buck: Humanismus..., 251.
30 Petrarca: Die Besteigung..., 42.
31 Petrarca, Francesco: Die Besteigung des Mont Ventoux. (Familiarum rerum libri IV, 1). Übersetzt u.
hg. von Kurt Steinmann. Stuttgart, 1995, 42.
6
Arbeit zitieren:
Elisabeth Humboldt, 2001, Die Bedeutung der 'acedia' in Petrarcas 'Secretum', München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte: neuer Titel erschienen: Die Bedeutung der 'acedia' in Petrarcas 'Secretum'
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte: neuer Titel erschienen: Die Bedeutung der 'acedia' in Petrarcas 'Secretum'
Elisabeth Humboldt hat einen neuen Text hochgeladen
The Renaissance Philosophy of Man: Petrarca, Valla, Ficino, Pico, Pomp...
Ernst Cassirer, John H. Randall, Paul Oskar Kristeller
El umbral de la modernidad : estudios sobre filosofía, religión y cien...
Miguel Ángel Granada
PETRARCA II EL CANCIONERO -BILINGE-
0 Kommentare