INHALT
EINLEITUNG 1
I. THEORETISCHER TEIL
1. Stand der Forschung. 3
2. Begriffsklärung. 3
2.1. Frontalunterricht 3
2.2 Gruppenunterricht 3
2.2.1 Eine Form von Gruppenunterricht: Das Gruppenpuzzle. 3
II. EMPIRISCHER TEIL
1. Ziel der Untersuchung 5
2. Hypothese. 5
3. Studiendesign: Eine randomisierte kontrollierte Studie 5
4.Planung und Durchführung der empirischen Untersuchung 6
4.1 Randomisierung 6
4.2 Intervention 7
4.3 Blindung 8
4.4 Validität. 8
5. Auswertung 8
5.1 Posttest 9
5.2 Statistische Methode der Auswertung. 9
5.3 Drop-out-Quote 9
6. Ergebnis. 9
7. Reflexion. 11
7.1 Versuchsleiterartefakte. 11
7.2 Sonstige Problemstellungen 12
7.3. Verbesserungsvorschläge 12
8. Mündliche Nachbefragung 12
9. Zeitaufwand 13
III. FAZIT 13
IV. AUSBLICK. 13
V. LITERATUR 14
VI. ANHANG
I
ABBILDUNGEN
Abbildung 1: Expertengruppe
Abbildung 2: Mixgruppe.
Abbildung 3: Mittelwerte im Posttest
Abbildung 4: Gesamtgruppe im Vergleich
Abbildung 5: Mittelwerte im Posttest
II
EINLEITUNG
Die vorliegende Arbeit im Kontext der Erwachsenenbildung richtet ihren Fokus auf den Bereich der beruflichen Bildung im sozial-therapeutischen Ausbildungswesen. In einem randomisiert angelegten Experiment an einer Berufsfachschule für Physiotherapie werden die beiden didaktisch unterschiedlich aufbereiteten Unterrichtsformen des lehrerzentrierten Frontalunterrichts und des schüleraktiven Gruppenunterrichts anhand des Lernerfolgs der Schüler miteinander verglichen werden.
Anstoß für mein Experiment gab mir der novellierte Lehrplanentwurf für die Berufsfachschulen für Physiotherapie, den das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus im Juli 2008 vorgelegt hat. Die „Leitgedanken zur Unterrichtsgestaltung“ lassen darin klar erkennen, dass kooperative und schülergesteuerte Formen des Lernens stärker gefördert werden sollten. In den „Unterrichtsprinzipien“ heißt es weiter, dass die Lernenden den Lernprozess eigenverantwortlich und selbstreguliert gestalten sollten und Lehr-Lern-Arrangements, die selbstgesteuertes Lernen fördern, integraler Bestandteil jeder Unterrichtseinheit sein sollten (vgl. Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung,2008,S.13).
Eigenverantwortliches und selbstgesteuertes Lernen findet in der derzeitigen Unterrichtspraxis an Physiotherapieschulen aber noch recht selten statt - die überwiegenden Unterrichtssequenzen werden in Form von Frontalunterricht gestaltet. Das mag die selben Gründe haben wie an allgemeinbildenden Schulen: zum Einen sind es Disziplinprobleme der Schüler 1 , die Gruppenunterricht vielfach als Zeitvergeudung ansehen, nur widerwillig mitmachen, herumalbern oder trödeln und vielmals die Lautstärke überziehen (vgl. Klippert,2008a,S.26). Zum Anderen sind es seitens der Lehrer geringe Erfahrung in der Moderation von Gruppenarbeit, zu viel
Vorbereitungsaufwand oder die Befürchtung, dass Schüler im Rahmen des Gruppenunterrichts vergleichsweise mehr fehlerhaftes Wissen erwerben als im frontalorientierten Unterricht (vgl. Rotering-Steinberg,2003,S.200; Hopper-dietzel,2005,S.107).
1 In der folgenden Arbeit wird an Stelle der Doppelbezeichnung Schülerinnen / Schüler die männliche Form verwendet. Dies dient der besseren Lesbarkeit. Selbstverständlich sind auch Schülerinnen angesprochen.
1
Hartmut Hopperdietzel (2005) hat in seinen Untersuchungen an einer bayerischen Realschule dennoch nachgewiesen, dass Gruppenunterricht nicht nur eine tendenziell höhere Reproduktionsleistung im Vergleich zu Frontalunterricht fördert, sondern dass Schüler aus dem Gruppenunterricht sogar eine hochsignifikant bessere Transferleistung erbringen. Frühere Untersuchungen zeigen ebenfalls, dass das Arbeiten in der Gruppe verglichen mit herkömmlichem Frontalunterricht das weitaus effektivere und langanhaltendere Lernen ist (vgl. Bödiker, 1975; Dietrich, 1969).
Mit meiner Arbeit möchte ich nun belegen, dass diese Ergebnisse allgemeinbildender Schulen auch auf den Unterricht an Berufsfachschulen für Physiotherapie übertragbar sind.
Die Grenzen dieser Arbeit liegen durch den vorgegebenen Umfang zum Einen darin, dass ich die Untersuchung nur für eine einzelne Unterrichtssequenz (drei Unterrichtseinheiten) durchführen konnte. Zum Anderen kann ich durch den limitierten Umfang nicht tiefer in die Diskussion „Gruppenunterricht versus Frontalunterricht“ einsteigen. Schwerpunkt meiner Arbeit ist die durchgeführte Untersuchung, mit der ich den Lernerfolg der Schüler im Bezug auf die jeweilige didaktische Methode untersuchen möchte.
Im theoretischen Teil dieser Arbeit wird zuerst Bezug genommen zum Stand der Forschung, bevor unterschiedliche Definitionen geklärt werden. Anschließend folgt eine detaillierte Beschreibung der Unterrichtsmethode „Gruppenpuzzle“, welche ein wesentlicher Bestandteil der nachfolgenden Untersuchung ist.
Zu Beginn des empirischen Teils werden die Zielformulierung der Untersuchung und die zu überprüfende Hypothese vorgestellt. Das Studiendesign und das methodische Vorgehen während der Untersuchung stehen im Mittelpunkt des zweiten Teils. Nach der Darstellung der Ergebnisse und deren Diskussion folgen am Ende eine kritische Reflexion sowie ein Ausblick auf weiterführende Untersuchungen.
2
I. THEORETISCHER TEIL
1. Stand der Forschung
Generell scheint im Bereich „Didaktik in der Physiotherapie“ ein absolutes Forschungsdesiderat vorzuherrschen. Ich habe kaum Literatur auf diesem Gebiet finden können. In einer aktuell veröffentlichten Studie (vgl. Meisiek, 2008) werden handlungsorientierte Unterrichtsmethoden mit klassischem Frontalunterricht verglichen, in dem sie aus Schülersicht bewertet werden. Im Ergebnis kommen zwei Drittel der befragten Physiotherapieschüler zu der Annahme, dass der Erwerb von Fachkompetenz besser durch Frontalunterricht gewährleistet ist. Ein interessantes Resultat, betrachtet man Untersuchungen mit Schülern allgemeinbildender Schulen, die belegen, dass
gruppenunterrichtlich geführte Klassen nicht nur mehr wissen, sondern ihr Wissen auch über längere Zeit behalten (vgl. Hopper-dietzel,2005;Bödiker,1975;Dietrich,1969).
2. Begriffsklärung
2.1. Frontalunterricht
Frontalunterricht ist eine Sozialform des Unterrichts, die häufig als fragendentwickelndes Unterrichtsgespräch gestaltet wird (vgl. Tenorth,2007,S.264). Im Vordergrund steht eine starke Lehrerlenkung, d.h., der Lehrer steuert und kontrolliert die Arbeits-, Interaktions- und Kommunikationsprozesse (vgl. Meyer,2007,S.183). Ein wesentliches Merkmal des Frontalunterrichts ist es, dass alle Schüler zur gleichen Zeit, meist im gleichen Raum auf gleichem Weg die gleichen Inhalte lernen sollen.
2.2. Gruppenunterricht
„Gruppenunterricht ist eine Sozialform des Unterrichts, bei der durch zeitlich begrenzte Teilung des Klassenverbandes in mehrere Abteilungen arbeitsfähige Kleingruppen entstehen, die gemeinsam an der von der Lehrerin gestellten oder selbst erarbeiteten Themenstellung arbeiten und deren Arbeitsergebnisse in späteren Unterrichtsphasen für den Klassenverband nutzbar gemacht werden können“ (Meyer,2007,S.242). Die Schüler können dabei relativ selbständig arbeiten, Lernumwege gehen und vom Lehrer nicht vorhergesehene Aspekte des Themas einbringen und bearbeiten (ebd.,S.245).
2.2.1 Eine Form von Gruppenunterricht: Das Gruppenpuzzle
Das Gruppenpuzzle ist eine Form des Gruppenunterrichts, die den Teilnehmern eine gute Möglichkeit gibt, neue, komplexe Inhaltsbereiche aktiv und
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selbständig zu erarbeiten (vgl. Rotering-Steinberg,2003,S.200). Es lässt sich besonders gut einsetzen, wenn sich das Lerngebiet in mehrere Unterthemen aufteilen lässt. Für jedes dieser Unterthemen wird im Vorfeld Studienmaterial in Form von Leittexten zusammengestellt. Zur Bearbeitung des Studienmaterials wird die Großgruppe in gleichgroße Kleingruppen eingeteilt. Diese Kleingruppen bilden die so genannten „Expertengruppen“, die sich jeweils mit einem Unterthema beschäftigen (vgl.Abb.1). Dabei ist der erste Arbeitsschritt jeder Expertengruppe eine Einzelarbeit - jeder Teilnehmer bearbeitet das vorbereitete Studienmaterial für sich selbst, indem er zur Erfassung relevanter Informationen Schlüsselbegriffe markiert und wichtige Ideen oder Fragen notiert. Anschließend diskutieren die Teilnehmer jeder Expertengruppe die Leitfragen zu ihrem Thema, klären noch offene Fragen, verständigen sich auf Kernaussagen, erstellen gemeinsam ein Stichwortskript und überlegen, wie sie das Thema anderen Teilnehmern der Großgruppe in einer neuen Gruppenkonstellation vermitteln wollen (vgl.
Hugenschmidt,2005,S.78). Im nächsten Arbeitsschritt werden die Expertengruppen zu so genannten „Mixgruppen“ neu „zusammengepuzzled“: die Teilnehmer formieren sich so, dass pro Gruppe jeweils ein Experte aus jeder Expertengruppe vertreten ist (vgl.Abb.2).
Abb.1: Expertengruppen Abb.2: Mixgruppen
Reihum präsentiert nun jeder einzelne Experte sein vorbereitetes Thema für die neuen Gruppenmitglieder. Somit wird in dieser Runde jedes der ausgewählten Themen besprochen. Um den Lernerfolg zu festigen, kann man dieser Arbeitsphase eine Ergebnispräsentation anschließen, beispielsweise in Form von Ergebnisplakaten, die von den Mixgruppen erstellt und im Rahmen der ursprünglichen Großgruppe vorgestellt werden. Bekommen die Teilnehmer dabei per Zufallsauswahl die Aufgabe, ein bestimmtes Thema zu präsentieren, erhält man die Konzentration und Motivation der Teilnehmer bis zum Ende aufrecht.
4
II. EMPIRISCHER TEIL
1. Ziel der Untersuchung
Die vorliegende Untersuchung dient dem Vergleich der beiden didaktisch unterschiedlich aufbereiteten Unterrichtsformen des lehrerzentrierten Frontalunterrichts und des schüleraktiven Gruppenunterrichts. Als Vergleichsgröße wird dabei der Lernerfolg der Schüler gemessen. Unter Lernerfolg wird in dieser Arbeit neu erworbenes Fachwissen und dessen Reproduzierbarkeit verstanden.
Fachwissen bezieht sich auf spezielle Kenntnisse in einem bestimmten Sachgebiet, die eine Person zur Lösung fachspezifischer Aufgaben nutzen kann (vgl. Tenorth,2007,S.236). Innerhalb der Physiotherapieausbildung ist der Erwerb von Fachwissen in den unterschiedlichen medizinischen Bereichen eine wichtige Voraussetzung für das Erlangen beruflicher Handlungskompetenzen sowie für die praktische, therapeutische Arbeit an Patienten.
2. Hypothese
►Der Lernerfolg wird bei den Schülern, die am schüleraktiven Gruppenunterricht teilgenommen haben, signifikant höher sein, als bei denjenigen Schülern, die am lehrerzentrierten Frontalunterricht teilgenommen haben.
3. Studiendesign: Eine randomisierte kontrollierte Studie
Bei einer randomisierten kontrollierten Studie (RCT) 2 handelt es sich um eine Untersuchung, bei der die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip in mindestens zwei Gruppen eingeteilt werden. Je nach Untersuchungsgegenstand verfährt man während der Untersuchung mit den Gruppen unterschiedlich, um am Ende feststellen zu können, welches der Verfahren die höchste Effektivität erzielen konnte.
Erfolgt die Zuweisung der Teilnehmer zu den jeweiligen Gruppen rein nach dem Zufallsprinzip, spricht man von einer „randomisierten“ Studie.
Bei „zweiarmigen“ RCTs (bestehend aus zwei Gruppen) werden die Teilnehmer in eine Experimentalgruppe und eine Kontrollgruppe eingeteilt. An der Experimentalgruppe wird das eigentliche Experiment durchgeführt, die
2 „RCT“ ist die englische Abkürzung für „randomized controlled trail“
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Kontrollgruppe erhält eine andere oder - wenn vertretbar - gar keine Intervention.
Am Ende der Untersuchung werden die Ergebnisse der Gruppen miteinander verglichen, indem man die durchschnittliche Veränderung der Gruppen nach der jeweils erfolgten Intervention ermittelt.
Man spricht von einer „kontrollierten“ Studie, da die Ergebnisse der Experimentalgruppe durch die Kontrollgruppe relativiert werden. Das heißt, dass nur dann ein überzeugender Beweis für die höhere Effektivität einer bestimmten Intervention erbracht ist, wenn die Experimentalgruppe eindeutig besser abschneidet, als die Kontrollgruppe (vgl. Scherfer,2006,S.64,ff.).
4. Planung und Durchführung der empirischen Untersuchung In den folgenden Abschnitten soll das methodische Vorgehen bei der Planung und Durchführung der Untersuchung möglichst transparent beschrieben werden.
4.1. Randomisierung
Im konkreten Fall wurde eine Schulklasse der Berufsfachschule für Physiotherapie in Augsburg (25 Schüler) nach dem Zufallsprinzip über das Losverfahren in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Losung wurde von einem externen Dozenten vorgenommen, der über die vorliegende Untersuchung nicht informiert war. Die Zuordnung der Schüler zur Experimental- und Kontrollgruppe erfolgte anschließend durch einen Kollegen, der keinen Einblick in die zuvorige Gruppenauslosung hatte. Somit besteht die Experimentalgruppe (EG) 3 aus 12 Schülern, die Kontrollgruppe (KG) 4 aus 13 Schülern. Im Hinblick auf prognostische Faktoren sind sich die beiden Gruppen sehr ähnlich: Vergleicht man die Durchschnittszensuren des 2. Ausbildungsjahres, so erreichen die Teilnehmer der Experimentalgruppe eine Jahresdurchschnittszensur von 2,09; die Teilnehmer der Kontrollgruppe von 2,08. Basisdaten wie Alter und Geschlecht spielen bei dieser Untersuchung eine untergeordnete Rolle.
3 Die Experimentalgruppe wird im folgenden Textverlauf mit EG abgekürzt
4 Die Kontrollgruppe wird im folgenden Textverlauf mit KG abgekürzt
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Arbeit zitieren:
Petra Fritz, 2009, Ein didaktisches Experiment im Physiotherapieunterricht , München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
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