Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Der neue deutsche Film - Eine Einordnung 5
1.1 Kino in der Nachkriegszeit 5
1.2 Die Krise des westdeutschen Kinos 6
2. Das Oberhausener Manifest und der Autorenfilm 8
2.1 Der junge deutsche Film 9
2.2 Der späte Durchbruch und die Schwierigkeiten 11
3. Alexander Kluge, Abschied von Gestern 12
3.1. Entstehung und Inhalt des Films 12
3.2. Abschied von Gestern, eine Gesellschaftskritik 14
Schlussbemerkung 16
Literaturverzeichnis 18
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Einleitung
Die Umbrüche der deutschen Filmlandschaft in den späten 50er Jahren und im darauf folgenden Jahrzehnt haben die Art Filme zu machen, grundlegend geändert. Diese Veränderungen wirken bis in die heutige Zeit und haben die Filmlandschaft somit maßgeblich geprägt. Ursache dieses Umbruchs war der Wunsch einiger junger Regisseure, die Bewältigung der geschichtlichen Vergangenheit filmisch zu verarbeiten. Denn erst die neue Nachkriegsgeneration hatte den Mut, die Kraft und die Distanz zu den Geschehnissen des 2. Weltkriegs und des Nationalsozialismus, um sich mit dessen Aufarbeitung und Folgen zu befassen. Dieses Motiv wurde unterstützt durch das zeitgleiche Auftauchen neuer, nicht allein technischer Methoden und entsprechend neuer Möglichkeiten in der Filmindustrie.
Infolgedessen begann eine Phase, in der alte Konventionen und Grenzen des Films mit fast revolutionärer Vehemenz durchbrochen und neue Horizonte für die Darstellungskunst des Films ausgelotet wurden. Diese neuen Horizonte wurden vom Oberhausener Manifest gewissermaßen offiziell definiert und postuliert und später vom dementsprechend etikettierten euen deutschen Film, der somit sein eigenes Genre erschuf, umgesetzt. Dieses Genre repräsentierte eine Filmkultur, die nicht allein die bloße Unterhaltung des Publikums im Sinn hatte. Damit verbunden veränderten sich auch Rolle und insbesondere das Selbstbild der Regisseure, die sich nun, gleichbedeutend mit anderen Kunstschaffenden wie z.B. Theaterregisseuren oder Schriftstellern, als Künstler und ihr Filmwerk als Kunst verstanden wissen wollten. Der Film wurde so zum Mittel, die Gedanken und Ideen des Regisseurs als Autor zu visualisieren. Die Pioniere dieses Autorenkinos erhofften sich davon, endlich eine dem Roman oder Theaterstück ähnliche, tiefgründige und kritische Filmproduktion zu schaffen.
In bewusstem Gegensatz zur kommerziellen Filmproduktion entstanden Filme, die mit bisherigen Sehgewohnheiten brachen und statt leichter Komödienkost ernste Stoffe boten, in denen bisherige gesellschaftliche Werte und Normen hinterfragt und entsprechende Missstände deutlich angeprangert wurden. Die neuen Autorenfilme waren somit einerseits näher an der gesellschaftlichen Wirklichkeit orientiert, während sie gleichzeitig im Film bisher unbekannte, kunstvolle Abstraktionen und gebrochene, teils surreale Erzählformen zur inhaltlichen Zuspitzung nutzten.
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Die Hausarbeit beschäftigt sich mit der Phase des filmischen Umbruchs in dieser Zeit. Dazu soll zunächst der geschichtliche Kontext dargestellt werden, der den Wandel zum großen Teil erklärt.
Anschließend wird der Inhalt des Oberhausener Manifests, das den Markstein des euen deutschen Films bildete, beschrieben und dessen Folgen und Auswirkungen dargestellt. Dazu werden die wesentlichen Merkmale und Neuerungen des in diesem Kontext entstandenen Autorenfilms genannt.
Abschließend wird als erstes und wohl typisches Beispiel des euen deutschen Films Alexander Kluges Abschied von Gestern vor dem Hintergrund der bisher dargestellten Merkmale des deutschen Autorenkinos diskutiert.
Die Wahl fiel auf den Regisseur Alexander Kluge, da dieser als zentrale Figur des Westdeutschen Films gilt und Initiator des Oberhausener Manifests war. Sein Film Abschied von Gestern schließlich steht für den internationalen Durchbruch des neuen westdeutschen Kinos und ist wohl einer der berühmtesten Werke dieser Phase.
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1. Der neue deutsche Film - Eine Einordnung
1.1 Kino in der Nachkriegszeit
Der Schwerpunkt des Kinos der 50er Jahre und auch der vorangegangenen Zeit lag auf konventionellen Literaturverfilmungen und anspruchsloser Unterhaltung. Insbesondere im Nachkriegsdeutschland wurden die Filmproduktionen beherrscht von „Wirklichkeitsflucht, Sentimentalität, Autoritarismus.“ 1 Das Nachkriegsdeutschland war zu einer medialen Bewältigung des Weltkriegs- und Nazi-Traumas schlicht (noch) nicht bereit.
Zwar entstanden auch Soldaten- oder so genannte Trümmerfilme, die das Elend des Krieges und die damit verbunden Schicksale thematisierten, jedoch blieben diese weitgehend unkritisch und oberflächlich, die Verunsicherung mit der die Schauspieler in diesen Filmen spielten war fast greifbar.
Klar dominierten hingegen kommerzielle Filme die Kinos, die ein idealisiertes, phantastisches und kitschig-romantisches Weltbild vermittelten und stets ein Happy End bereithielten. Als typisch für diesen Stil etablierte sich mit dem deutschen Heimatfilm ein Genre, das heute als „eine Inkarnation provinzieller Beschränktheit“ 2 gilt.
Hier wurden immer gut gelaunte, freundliche Menschen gezeigt, die Teil intakter und kleinbürgerlich sozialer Strukturen in bildschönen Landschaften, Kleinstädten und Dörfern waren. Werte wie Zusammenhalt, Ordnung, Einigkeit und eine so einfache wie klare Gut-Böse-Unterscheidung verbreiteten Hoffnung und Positivismus unter den Zuschauern und gaben den Deutschen etwas von den verlorenen und zerstörten Gefühlen der Sicherheit, Orientierung und Heimatliebe wieder. Und deshalb lag der deutschen Nachkriegsgesellschaft viel mehr an den einfachen Idyllen der Heimat- und Schlagerfilme, die ihnen strikte Unterhaltung, Ablenkung und somit „künstlerische wie politische Abstinenz“ 3 verschafften. Das deutsche Kino verschrieb sich gänzlich „dem Unwesentlichen, dem Wesenlosen“ 4 . In dieser oberflächlichen, deutschen Filmlandschaft wurden schablonenhafte Figuren gezeichnet,
1 Gregor, Ulrich: Geschichte des Films ab 1960. München, 1978. S. 122
2 Gregor, S. 122
3 Jacobsen, Wolfgang (Hrsg.): Geschichte des deutschen Films. Stuttgart, 1993. S. 173
4 Jacobsen, S. 175
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Arbeit zitieren:
Olga Glinski, 2008, Der Aufbruch der deutschen Autorenfilmer, München, GRIN Verlag GmbH
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