Inhalt____________________________________________________________
1. Vorwort 3
Was ist offener Unterricht?
2. 4
2.1 Definitionsversuch
4
2.2 Die sechs Prinzipien offenen Lernens nach
6
Wulf Wallrabenstein
2.3 Die geschichtlichen Wurzeln offenen Unterrichts
7
2.4 Bildungsplanreform 2004 in Baden-Württemberg
8
3. Die Rollenverteilung im offenen Unterricht 9
3.1 Die Rolle des Schülers
9
3.2 Die Rolle des Lehrers
10
Wie kann offener Unterricht aussehen?
4. 12
4.1 Regeln
12
4.2 Rituale
13
4.3 Freiarbeit
14
4.4 Wochenplanarbeit
15
4.5 Bewertung und Zensuren
16
Kritik
5. 17
Literaturangaben
6. 19
- 2 -
1. Vorwort
Jedes Kind ist ein Original, ein Individuum mit eigenen Empfindungen, Ideen und Vorlieben. Als Lehrer hat man die Aufgabe, den Überblick, die Kraft und die Motivation aufzubringen und zu bewahren, jedem dieser Subjekte gerecht zu werden und es in seiner Entwicklung zu fördern. Ein Zitat trifft diese Anforderung passend:
„Der Lehrer hat die Aufgabe, eine Wandergruppe mit Spitzensportlern und Behinderten im Nebel durch unwegsames Gelände zu führen, und zwar so, daß alle bei bester Laune und möglichst gleichzeitig an drei verschiedenen Zielorten ankommen.“ 1
In den letzten 30 Jahren hat sich unsere Gesellschaft stark verändert. Eine zunehmende Individualisierung der Lebensführung macht sich in allen Bereichen des Lebens bemerkbar. Veränderungen, die sich auch auf die Kinder und das Kindsein auswirken und auf die die Grundschule reagieren muss. Kinder, die aufgrund der Arbeitstätigkeit beider Elternteile oft allein zu Hause sind, die zunehmend Wirklichkeit aus zweiter Hand erfahren, die ihr Spiel- und Freizeitverhalten verändert haben, die in einer multikulturellen Gesellschaft aufwachsen. Reicht hier das altbekannte Konzept aus, in dem der Lehrer vor der Klasse steht und die Schüler mit Wissen „füttert“? In dem der Sinn des Unterrichts daraus zu bestehen scheint, dass man als Lehrer am Ende des Schuljahres eine Note gibt oder als Schüler diese bekommt? Hartmut von Hentig, der bekannte Pädagoge fordert dazu auf, „die Schule neu [zu] denken“. 2 Eine Art dieses neuen Denkens hat nämlich in den letzten Jahren in Theorie und Praxis Einzug gehalten. In vielen Büchern und Konzepten wurde diese Art des Unterrichts als „Offener Unterricht“ bezeichnet. Von dieser „Öffnung“ des Unterrichts soll auch diese Arbeit handeln. Dabei soll versucht werden, den Begriff „Öffnung“ zu klären (2.1), welche Prinzipien dahinter stehen (2.2). Da die pädagogische Sichtweise, die dieser Unterricht spiegelt, nicht neu ist, soll ein kurzer Rückblick in die Geschichte der Pädagogik die Wurzeln aufzeigen, wobei auch einige Bekannte Vertreter genannt werden (2.3). Dass die Öffnung des Unterrichts mittlerweile in
1 HOEFS, Offenheit macht Schule, S. 9
2 VON HENTIG, Die Schule neu denken, Buchtitel
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die Bildungspläne Einzug gehalten hat, soll anhand des im Jahr 2004 eingeführten Bildungsplanes des Landes Baden-Württemberg aufgezeigt werden (2.4). Da der offene Unterricht einen Unterricht vom Schüler aus fordert, soll unter 3. die Rollenveränderung erörtert werden. In 3.1 geht es um die Schülerrolle, in 3.2 um die Lehrerrolle und deren Anforderungen an die Unterrichtsplanung. Nachdem die Idee des offenen Unterrichts ausführlich vorgestellt wurde folgt unter 4. die Anwendung. Hier werden fünf verschiedene Methoden des offenen Unterrichts vorgestellt. Im letzten Punkt sollen dann auch kritische Stimmen zu Wort kommen, bevor ich in demselben Punkt dann auch meine Meinung zum offenen Unterricht erläutere (5.)
2. Was ist offener Unterricht?
2.1 Definitionsversuch
Möchte man einen unbekannten Begriff klären, schlägt man für gewöhnlich in einem Wörterbuch oder in der Fachliteratur die Definition dieses Begriffes nach. Im Falle des offenen Unterrichts ist dies nicht so einfach. Es gibt scheinbar keine eindeutige Definition. In vielen Büchern wird der Begriff umschrieben und es wird erklärt, wie man Offenheit im Unterricht und in der Schule umsetzen kann, aber kaum ein Autor wagt eine Festlegung der Begrifflichkeit. Bannach meint zum Beispiel: „Den offenen Unterricht als fest umrissenes Konzept gibt es nicht.“ 3 Auch Peterßen findet keine Reihe von Prinzipien, über die allgemein Einigkeit herrschen würde. Vielmehr wäre die
„didaktische Diskussion […] durch eine Vielzahl von Beiträgen, Vorschlägen und Berichten über eigene Erfahrungen gekennzeichnet.“ 4
Peterßen versucht selber, fünf Prinzipien zusammenzustellen, die in 2.2 näher betrachtet werden. Einen Hinweis auf die Herkunft des Ansatzes und damit auch auf die Ziele und
3 BANNACH; SEBOLD; WEHMEYER, Wege zur Öffnung des Unterrichts, S. 6
4 PETERSSEN, Handbuch Unterrichtsplanung, S. 154
- 4 -
Ideen gibt Wallrabenstein. Er legt sich auch als erster Autor fest und gibt eine mögliche Umschreibung des Begriffs. Er möchte den Offenen Unterricht kennzeichnen als „Sammelbegriff für unterschiedliche Reformansätze in vielfältigen Formen inhaltlicher, methodischer und organisatorischer Öffnung mit dem Ziel eines veränderten Umgangs mit dem Kind auf der Grundlage eines veränderten Lernbegriffs.“ 5
Diese Definition gibt uns einige Ideen in die Hand. Der Offene Unterricht ist als eine Art Schlüssel- oder Sammelbegriff zu verstehen, der einen veränderten Umgang mit dem Schüler als Ziel hat. Darin sind sich auch alle Autoren einig, dass diese Veränderung des Umgangs ein kompletter Perspektivenwechsel, „eine neue Qualität des Lernens im Unterricht“ 6
ist. Ein Unterricht, in dem das Kind mit seinen Lernmöglichkeiten und seinen Einstellungen im Zentrum des Geschehens und Planens steht, „der Schüler nicht länger in passiver Haltung an den Rand des Unterrichtsgeschehens [drängt].“ 7
Als Alternative zu einem geschlossenen, zielorientierten Unterricht strebt der offene Unterricht eine Veränderung der Lernkultur durch oben erwähnte Öffnung auf inhaltlicher, methodischer und organisatorischer Ebene an. Die Ebene der inhaltlichen Öffnung bedeutet dabei, dass die Erfahrungswelt der Schüler mit ihren Fragen und Anliegen einbezogen wird. Methodische Öffnung meint, dass die Kinder sich aktiv an der Gestaltung und Planung des Unterrichts beteiligen können und sollen. Dadurch werden die unterschiedlichen Ausgangslagen und Interessen der Schüler berücksichtigt. Die Ebene der organisatorischen Öffnung meint schließlich, dass der Tagesablauf deutlich strukturiert wird und das Lernen innerhalb und außerhalb der Schule stattfinden kann. „Mit diesen Perspektiven sind entscheidende Merkmale […eines…] Offenen Unterrichts […] entfaltet.“ 8
Auf oben erwähnte neue Qualität des Lernens im Unterricht soll im nächsten Unterkapitel genauer eingegangen werden.
5 WALLRABENSTEIN, Offene Schule - Offener Unterricht, S. 54
6 REISS; EBERLE, Offener Unterricht, S. 9
7 HELL, Öffnung des Unterrichts in der Grundschule, S. 15
8 WALLRABENSTEIN, Offene Schule - Offener Unterricht, S. 35
- 5 -
2.2 Die sechs Grundprinzipien des offenen Lernens nach Wulf Wallrabenstein 9
1. Lernen lebt von der aktiven Teilnahme beim Aufbau neuer Sinnstrukturen Die Kinder sollen durch Eigenaktivität, selbständiges Nachgehen von Beobachtungen und subjektive Erfahrungen eigene Vorstellungen erzeugen. Lernen wird von den Kindern als eigenständige Konstruktion des Wissensaufbaus entwickelt. Durch das Angebot von Lernlandschaften können Lernobjekte ganz verschieden untersucht und benutzt werden. Jedes Kind kann nach seinen Interessen, Fähigkeiten und Vorerfahrungen lernen.
2. Lernen ist selbstbestimmt
Lernen braucht Phasen der Wiederholung und des Übens. Durch wiederholte Tätigkeit aus eigenem Antrieb kann ein wirklicher Erkenntnisgewinn erworben werden. Das Kind kann selbst über seine Entwicklung entscheiden, wobei das Verhältnis des Kindes zum Lernen entscheidend ist.
3. Lernen ist sprachlich vermittelt und sozial bedeutsam Lernprozesse werden häufig über Sprache entfaltet. Lernen vollzieht sich in Kommunikation über einen Gegenstand. Dazu muss ein persönlicher Rahmen in der Klasse vorhanden, der solche Lernprozesse ermöglicht und unterstützt. 10
4. Lernen vollzieht sich ganzheitlich
Kinder nähern sich auf unterschiedlichen Wegen dem Erkenntnisziel. Dies gelingt besonders, wenn vielfältige Anforderungen an Denken, Verstehen und Handeln gegeben sind. Die Schüler können selbständig Fragen entwickeln und Zusammenhängen nachgehen und diese herausfinden.
5. Lernen ist zweckgerichtet
Kinder möchten den praktischen Zweck des Lernziels erkennen können. Wozu muss ich schreiben lernen, wozu muss ich rechnen lernen? Konkrete Gegenstände, Situationen und Materialien sind für den Lernprozess sehr wichtig.
6. Lernen ist fortlaufend und hat Geschichte
Beim Lernen tauchen immer wieder Widerstände auf, die den Schüler entmutigen können. Umso größer ist der Lerneffekt, wenn er das Lernziel über andere Wege erreicht, indem er
9 vgl. WALLRABENSTEIN, Offene Schule - Offener Unterricht, S. 110 ff
10 vgl. hierzu auch SCHÄFER, Karl-Hermann und SCHALLER, Klaus: Kritische Erziehungswissenschaft und
kommunikative Didaktik. Heidelberg, 1973
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Arbeit zitieren:
Tilman Fuchs, 2005, Offenheit macht Schule, München, GRIN Verlag GmbH
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