1. Einführung
In der heutigen internationalen und nationalen Politik gibt es viele Menschen, die am Entscheidungsprozess mitwirken. Bevor ein Gesetz oder ähnliches beschlossen wird, beeinflussen viele verschiedene Gruppierungen das Ergebnis durch ihre vertretenen und höchst unterschiedlichen Interessen. Dabei gibt es mittelbaren Einfluss durch die Regierung oder Opposition aber auch unmittelbaren Einfluss durch die Bürger. Durch die Möglichkeit für den Bürger bei der nächsten Wahl, eine andere Partei zu wählen, muss die Regierung und auch die Opposition zur Gewinnung neuer und Behalten alter Stimmen das tun, was der Bürger verlangt. Dies ist der wichtigste Einflussfaktor eines Staatsbürgers in einer Demokratie. Der Bürger bringt seine Interessen durch viele verschiedene Ausdrucksformen zur Geltung, von Umfragen bis hin zu Demonstrationen verkündet er seine Meinung. Dabei helfen die nongovernmental Organizations, oder auch NGOs, dem Interesse ihrer Mitglieder Ausdruck zu verleihen und diese gegenüber den Entscheidungsträgern im politischen System vorzutragen. So gibt es zum Beispiel in Deutschland NGOs für fast jede Berufsgruppe, um die individual unterschiedlichen Arbeitsbedingungen seiner Mitglieder zu verbessern. Dabei üben diese Organisationen Druck auf die Regierung aus, in dem sie Forderungen stellen und diese mit dem Wählen oder Nichtwählen bestimmter Parteien erzwingen. Bei einer NGO mit vielen Mitgliedern stellt dies eine große Machtposition dar.
Doch wie kommt es eigentlich zu der Entstehung dieser Organisationen? Was für eine Rolle spielt die Demokratie in dem Land für die Gründung von NGOs, und spielt die Akzeptanz der Staatsform eine Rolle? Diese Arbeit geht von einem Zusammenhang zwischen der Demokratie und Zufriedenheit mit der Staatsform in einem Land und der Entstehung von Organisationen aus, und versucht dies zu untersuchen. Dabei stellen die NGOs die abhängige und die Demokratie und Zufriedenheit mit der Staatsform die unabhängige Variable dar.
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Dieser Theorie liegen zwei große Mechanismen zu Grunde: zum einen benötigt eine Gründung eines Interessenverbandes die Rechtgrundlage überhaupt zu existieren. Wenn dies nicht vorliegt oder stark erschwert wird, kommt es zu keinen bis wenigen Gründungen von NGOs. Der zweite Mechanismus erwartet, dass in einem demokratischen Land mit einer größeren Akzeptanz der Bürger gegenüber der Demokratie auch mehr Beteiligung am politischen Prozess gefordert wird und dies zur Gründung von NGOs führt. Dies liegt vor, da vor einer Gründung natürlich zuerst ein Interesse daran bestehen muss.
Somit kommt diese Arbeit zu der zu untersuchenden Hypothese: Je stärker die Demokratie in einem Land sowohl institutionell verankert als auch gesellschaftlich akzeptiert ist, desto mehr non-governmental Organisationen bilden sich.
Diese These wird anhand einer quantitativen Länderstudie untersucht. Hierbei werden sowohl die demokratischen als auch die nicht demokratischen Länder untersucht, um eine Kontrollgruppe zu besitzen um somit eine Scheinkorrelation auszuschließen. Die Untersuchung soll damit zeigen, welche - vielleicht auf den ersten Blick unbeachtete - Auswirkungen eine Demokratie hat und besitzt somit eine hohe Relevanz in der Demokratieforschung.
2. Definitionen und Operationalisierung.
Im Folgenden werden die drei verwendeten Hauptbegriffe definiert und erklärt, mit welchen Mitteln sie in der Arbeit analysiert und beziffert werden. Bei der komplexen Demokratiemessung wird ebenso ein Überblick über den Forschungsstand gegeben und erläutert, wieso der hier verwendete Wert die beste Möglichkeit darstellt.
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2.1. Non-governmental Organizations.
In dieser Arbeit wird für den Wert der non-governmental Organizations, oder auch NGOs, der Länderwert von Perry und Robertson genommen (Perry/Robertson 2002). Diese definieren für ihre quantitative Studie eine NGO als eine “autonomous international governmental and non-governmental organizations of a non-profit nature” (vgl ebd.: 40). Diese muss Mitglieder in mindestens drei Ländern haben und darf keinen Fokus auf ein spezielles Land legen (vgl. ebd). Der Wert der NGOs für die Länder beziffert die Anzahl der NGOs, welche in diesem Land ihren Hauptsitz haben.
Der Wert der NGOs wirft einige Probleme auf. Zum einen ist es klar, dass Entwicklungsländer eine deutlich niedrigere Anzahl an NGOs aufweisen werden als Industrienationen. Zusätzlich spielt die Einwohneranzahl eine Rolle. So ist zu erwarten, dass ein kleiner Staat eine niedrigere Anzahl an Organisationen aufweisen wird als ein größerer Staat mit gleichem Demokratiestatus. Dies liegt einfach daran, dass bei einer höheren Anzahl von Bürgern mehr verschiedene Interessen in solch einer Größe bestehen, dass eine Organisation dafür gegründet wird. Dies ist allerdings nicht proportional zu erwarten. So sind irgendwann in der Theorie einfach schon alle möglichen Organisationen gegründet worden, sodass eine höhere Anzahl an Einwohnern keinen Unterschied mehr macht. Mit ohnehin schon sehr hohen Einwohnerzahlen werden irgendwann nur noch wenige Nischenorganisationen hinzukommen. Daher wird bei steigender Einwohnerzahl ein zunächst sehr hoher Anstieg an gegründeten Organisationen erwartet, der dann abflacht. Dies muss versucht werden sinnvoll integriert zu werden, um die eigentliche Untersuchung auf den Zusammenhang zwischen Freiheitsstatus und Anzahl der NGOs nicht zu verfälschen. Die Entwicklung der hierfür verwendeten Formel gestaltet sich dabei als problematisch. Es gibt keine richtigen und falschen Zahlen hierfür, es können nur Vermutungen angestellt werden. In dieser Arbeit wird versucht die Einwohnerzahl in eine Skala umzuwandeln. So wird an jedes Land je nach Einwohneranzahl ein Wert von 0 bis 6 vergeben. Dabei wird 0 an Länder mit
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unter einer Millionen Einwohnern, 1 unter 5 Millionen, 2 unter 10 Millionen, 3 unter 20 Millionen, 4 unter 50 Millionen, 5 unter 100 Millionen und die 6 für alle Länder mit einer Einwohnerzahl von über 100 Millionen vergeben. Dieser Wert wird daraufhin mal 100 genommen und dann von der Anzahl der NGOs in dem Land abgezogen. Dies soll die Einwohnerzahl ausgleichen um einen besseren Wert für die Untersuchung zu liefern.
Es ist festzuhalten, dass dies anzweifelbare Werte sind, welche keine wissenschaftliche Basis besitzen und damit das genaue Ergebnis erschweren oder sogar stark verfälschen können. Dies liegt auch daran, dass es sich nicht um eine fließende, prozentuale, sondern wie zum Beispiel beim Freedom House Index um eine fixe Skala mit festen Grenzen handelt. So hat ein Land mit 9,9 Millionen Einwohnern einen Abzug von 100 NGOs weniger als ein Land mit 10.1 Millionen. Dies ist bekannt, aber es konnte keine bessere Möglichkeit für eine ausgleichende Formel gefunden werden.
2.2. Demokratiestatus.
Diese Arbeit steht - wie jede Studie in der Demokratieforschung - vor dem Problem, Demokratie zu definieren und zu messen. So erfanden Politikwissenschaftler bereits eine große Zahl an verschiedenen Messmethoden. Ein paar von ihnen werden im folgenden Teil kurz vorgestellt mit jeweiliger Bewertung der Relevanz für diese Arbeit.
2.2.1. Vanhanen-Skala.
Vanhanen entwickelte eine Skala, welche sich aus zwei unterschiedlichen Werten ergibt und somit den Grad der Demokratisierung in einem Land bestimmt (vgl. Vanhanen 1997). Zum einen nimmt er hierfür den Wettbewerbsgrad in der Regierungsbildung. Diesen errechnet er durch den
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Anteil an Stimmen, welche die Partei mit den meisten Stimmen erhalten hat, indem er ihn von 100 subtrahiert. Als zweiten Wert nimmt er die Partizipation, welche die Wahlbeteiligung und eventuelle Volksabstimmungen beinhaltet. Aus beiden Werten ergibt sich nach erneuter Rechnung der Vanhanen-Wert für die Demokratisierung in jedem Land (vgl. ebd.).
Aber lässt sich die Demokratie wirklich anhand von Wahlbeteiligung und Anzahl der Stimmen für die stärkste Partei errechnen? Zumindest verhindert Vanhanens Skala, dass Länder mit unfreien Wahlen zu einem guten Ergebnis kommen, da bei einem zu hohen Wert für die Siegerpartei ein niedriger Demokratisierungswert herauskommt. Denn einfach nur Wahlen zu besitzen macht keine Staatsform zu einer Demokratie. Wenn das so wäre, wären fast alle Staaten mittlerweile eine Demokratie. Diese müssen echten demokratischen Regeln folgen. Sie müssen gleich, frei und geheim sein. Eine reine Untersuchung, ob es Wahlen gibt, hilft also nicht. Jedoch beachtet Vanhanens Skala nicht, dass rein theoretisch eine Partei auch bei demokratischen Wahlen zu extremen Werten kommen kann, wenn diese einfach generell vom Großteil der Bürger des Landes freiwillig unterstützt und gewählt wird. Denn wenn eine Partei gewinnt, welche nur wenige Stimmen hatte, macht es den Staat dadurch keineswegs demokratischer. Somit enthält die entwickelte Formel von Vanhanen zwar korrekte Ansätze autoritäre Regime auszufiltern, stellt aber keineswegs verlässliche Werte für den Demokratisierungsgrad eines Landes, welche man in der Komparatistik verwenden kann.
Es sollte klar sein, dass in einer Demokratie Freiheitsrechte eine tragende Rolle spielen. Eine Demokratie benötigt gesicherte Freiheitsrechte sowohl für den Alltag als auch für die politische Beteiligung. Beides muss gewährleistet sein um von einer Demokratie sprechen zu können. Dies muss irgendwie in eine Skala für den Grad der Demokratisierung mit eingebaut werden, aber es zu messen gestaltet sich als schwierig. Es handelt sich dabei um nicht greifbare und somit auch um kaum mit rein beobachtenden Mitteln zu messende Werte.
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Arbeit zitieren:
Christian Götzinger, 2009, NGOs und ihre Beziehung zum Demokratisierungsgrad eines Landes, München, GRIN Verlag GmbH
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