Prof. Dr. Weinhardt hat mit seiner Betreuung den passenden Rahmen für diese Zulassungsarbeit gegeben, in dem er mich meinen eigenen Weg gehen ließ und zu den richtigen Zeitpunkten
Großer Dank gebührt auch meinen Eltern Doris und Paul-Heinrich Fuchs, die nicht nur die Arbeit korrigiert, sondern auch während den schwierigen Phasen dieser Arbeit hinter mir gestanden sind. Marc Schubnell, Christof Schröter und Jens Rittershofer möchte ich
Inhalt
Vorwort 6
I. Geburt, Tod und Auferstehung Jesu
historisch betrachtet 9
1. Hinführung 9
2. Geburt Jesu 11
2.1 Matthäus (Mt 1 2) 11
2.2 Lukas (Lk 1 - 2, 21) 16
2.3 Historische Erträge des Quellenvergleichs 19
2.4 Intentionen der Verfasser 20
3. Tod und Auferstehung Jesu 22
3.1 Paulus (1. Kor 15,1-11) 22
3.2 Markus (Mk 15 16) 23
3.3 Sondergut bei Matthäus 27
3.4 Sondergut bei Lukas 30
3.5 Johannes (Joh 18, 28-21, 25) 32
3.6 Historischer Ertrag des Quellenvergleichs 34
3.7 Intentionen der Verfasser 38
4. Aktuelle Positionen 40
4.1 Gerd Theißen 40
4.1.1 Geburt Jesu 40
4.1.2 Tod und Auferstehung Jesu 41
4.2 Wolfhart Pannenberg 43
4.2.1 Geburt Jesu 43
4.2.2 Tod und Auferstehung Jesu 44
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5. Zusammenfassung . . . . . . . 49
II. Religionspädagogische Betrachtungen . 52
1. Hinführung . . . . . . . . 52
2. Die Kritische Symbolkunde von Peter Biehl . . . 54
3. Festtheorien . . . . . . . . 67
4. Unterrichtseinheit von Peter Biehl zum Weihnachtsfest 76
5. Zusammenfassung . . . . . . . 81
III. Unterrichtsbausteine für die Osterzeit . 83
1. Hinführung . . . . . . . . 83
2. Bildungsplan . . . . . . . . 84
3. Symbole des Osterfestes . . . . . . 86
4. Didaktische Kriterien der Einheit . . . . 91
5. Unterrichtsbausteine mit dem Symbol „Stein“ (Sek. I) 92
Ausblick . . . . . 104
Materialien zu den Unterrichtsbausteinen . 105
Literaturangaben . . . . 114
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Vorwort
Rhythmen bestimmen das Leben auf dieser Erde. Jedes Jahr wiederholt sich der Kreislauf von Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Der Mensch hat beobachtet, erkannt und deshalb das Jahr in zwölf Monate eingeteilt, die wiederum in Wochen unterteilt wurden. Aus sieben Tagen besteht eine Woche. Den Werktagen folgt das Wochenende mit einem Ruhetag. Jeden Tag geht die Sonne auf und abends wieder unter, weshalb der Tag in eine bestimmte Anzahl von Stunden unterteilt wurde. Der Mensch hat sich auf die naturgegebenen Wiederkehrenden Rhythmen eingestellt, sich daran gewöhnt und so gut wie möglich zu Nutze gemacht. Jeder Mensch braucht neben den naturgegebenen Kreisläufe über das Leben hinausweisende Rhythmen und Riten. Neben dem Arbeitsrhythmus hat sich deshalb in Europa und auf anderen Kontinenten der kirchliche Jahreskalender tradiert und durchgesetzt. Eng mit dem Alltag der Menschen verwoben stand dieser Festkreis für die Durchbrechung des Alltags. Er sollte die Menschen an das Göttliche erinnern, von dem alles empfangen wurde. Höhepunkte dieses Festkreises wurden die kirchlichen Feste, die meist von allen Dorfbewohnern gemeinsam gefeiert wurden. Seit einigen Jahrhunderten hat dieser Festkreis jedoch scheinbar an Kraft und Einfluss verloren. Neue Staatsformen revolutionierten die Gesellschaften, Großstädte veränderten das Zusammenleben der Menschen und neue Erfindungen revolutionierten das Arbeitsleben grundlegend. Das Verständnis für und die Angewiesenheit auf diese Feste wich einer Skepsis gegenüber den Religionen und deren Symbolen und Festen. Heute werden nur noch wenige der Feste, die einst für den gesellschaftlichen Rhythmus so wichtig waren, von der Bevölkerung begangen. Festtage wurden und werden abgeschafft, um der Wirtschaft unter die Arme zu greifen und die einstigen Hauptfeste sind willkommene Konsumfeste, an denen viele Firmen jedes Jahr unvorstellbare Summen umsetzen. Der Alltag ist von Arbeit geprägt, weshalb die kostbare freie Zeit so wenig wie möglich mit diesem dominierenden Aspekt des Lebens in Berührung kommen soll. Für Anselm Grün leben wir in einer Zeit, „[…]
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die nur noch den Rhythmus von Arbeitszeit und Urlaub kennt […]“ 1 . Gefeiert wird weiterhin, aber nicht mehr mit religiösem Hintergrund. Die Wirtschaft hat sich auch diese profanen Festformen schon lange zu Eigen gemacht, indem sie eine Eventindustrie gebildet hat, die gekonnt und geplant Alltagsabwechslung und Alltagsverdrängung anbietet. Der kirchliche Festkalender wurde fast komplett verdrängt und überdeckt. Lediglich zwei der Feste werden weiterhin Jahr für Jahr von Menschen weltweit begangen: Weihnachten und Ostern. An diesen Festen ist zwar die Konsumhaltung am stärksten ausgeprägt, jedoch verzeichnen die Kirchen an diesen Feiertagen eine hohe Zahl an Gottesdienstbesuchern. Ein letzter Hoffnungsschimmer, dass mehr hinter den Festen stecken muss, ist den Besuchern der Festgottesdienste geblieben. Während die älteren Generationen noch die Wurzel und den Sinn dieser Feste problemlos benennen können, bleibt bei immer mehr Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen diese Frage unbeantwortet und offen. Viele religiöse Symbole werden nicht mehr mit dem Anlass der Feste in Verbindung gebracht und viele der modernen Festsymbole haben nichts mehr mit den eigentlichen Wurzeln der Feiern zu tun. In der vorliegenden Arbeit soll deshalb versucht werden, die Wurzeln der beiden Hauptfeste neu zu entdecken und sich mit den biblischen Geschichten, die ihnen zu Grunde liegen, intensiv auseinanderzusetzen. Im ersten Abschnitt (I.) dieser Arbeit werden diese Quellen analysiert und deren Historizität untersucht. Die Geburt Jesu, die der Grund für das Weihnachtsfest ist, wird im Matthäusevangelium und im Lukasevangelium beschrieben, weshalb diese Texte herangezogen und verglichen werden (I.2). Um die Osterereignisse untersuchen zu können, müssen alle vier Evv und ein Text aus dem ersten Korintherbrief hinzugezogen werden. In diesem Teil werden somit neben dem Matthäusevangelium und dem Lukasevangelium zusätzlich das
Markusevangelium und das Johannesevangelium untersucht und verglichen (I.3). Die aktuellen theologischen Positionen zu diesen Quellen werden aufgezeigt (I.4) und meine Position (I.5) wird diesen ersten Abschnitt schließen. Das zweite Ziel dieser Arbeit soll sich der Chance dieser Feste für den Religionsunterricht widmen. Wie können Feste und Symbole im Schulalltag die Lernenden auf die Spur des religiösen Hintergrunds dieser Feste gebracht
1 Grün; Reepen 1985, S. 81
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werden? Ein didaktischer Ansatz wurde Anfang der 80er Jahre von Peter Biehl entworfen, in dem der Umgang mit Symbolen ins Zentrum des Religionsunterrichts gestellt wurde. Der zweite Abschnitt (II.) hat zur Aufgabe, die Grundideen des didaktischen Ansatzes von Biehl zu thematisieren und vorzustellen (II.2). In der Auseinandersetzung mit den Kritikern dieses Ansatzes weitet er seinen Vorschlag auf die Feste und deren Festsymbole aus. Aus diesem Grund werden verschiedene Festtheorien vorgestellt und betrachtet, was ein Fest vom Alltag unterscheidet und was ein religiöses Fest von einem profanen Fest unterscheidet (II.3). Wie Biehl seinen Ansatz praktisch umsetzt, wird an seiner weihnachtlichen Unterrichtseinheit exemplarisch dargestellt (II.4).
Der abschließende dritte und letzte Abschnitt der Arbeit (III.) beinhaltet einen Versuch meinerseits, das Erarbeitete dieser Arbeit praktisch auf Ostern anzuwenden. In mehreren Bausteinen sollen die didaktischen Kriterien von Biehls Ansatz (III.4) umgesetzt werden. Die Aktualität des Ansatzes zeigt sich im Bezug zum Bildungsplan (III.2), der viele der Ideen Biehls enthält. Das in diesen Bausteinen (III.5) behandelte Symbol des Steins wird nach einem kurzen Abriss der Geschichte des Osterfestes analysiert (III.3), um dann in Form von acht Unterrichtsbausteinen umgesetzt zu werden (III.5). In der gesamten Arbeit werden die gängigen Abkürzungen nach TRE und JRP verwendet.
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I. Geburt, Tod und Auferstehung Jesu
historisch betrachtet
1. Hinführung
„Wissenschaft sagt nicht: ‚So war es’, sondern: ‚So könnte es aufgrund der Quellen gewesen sein.’“ 2
Dieser erste Teil der Arbeit befasst sich mit den Quellen, die von Geburt und Tod Jesu zeugen, sowie mit den Schriften, auf die sich die kirchlichen Feste Weihnachten und Ostern berufen. Bei diesen Quellen handelt es sich um die vier Evangelien (Evv) und einen Auszug aus dem 1. Korintherbrief (1. Kor 15, 1-11), der bei den Ostererscheinungen aufgrund des Zeitpunkts seiner Entstehung nicht außer Betracht gelassen werden kann. Dieses Kriterium ist für die historische Zuverlässigkeit von Quellen von hohem Wert. Nach der Zwei-Quellen-Theorie ist demnach das Markusevangelium (MkEv) das Älteste der vier Evangelien (Evv). Matthäus (Mt) und Lukas (Lk) haben diese Schriften als Grundgerüst für ihre Berichte genutzt, allerdings mit Sondergut aus der Quelle Q erweitert. Das Johannesevangelium (JohEv) ist das Jüngste unter den Evv und weist die höchste theologische Reflexionsstufe aller Evv. Die Briefe des Paulus sind unter den zur Verfügung stehenden Quellen die Ältesten und vor diesem Hintergrund für die Untersuchung des Ostergeschehens von sehr hoher Bedeutung. Zur Methode der historisch-kritischen Exegese ist zu erwähnen: Alle Quellen stammen von irrtumsfähigen Menschen und müssen deshalb historischer Kritik unterzogen werden. Ferner müssen sie alle im Lichte eines historischen Relativismus gedeutet werden, der weiß: Alles steht in Korrelation mit
2 Theißen 1996, S. 5
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anderem; alles hat Analogien. […] Daher sind historische Quellen das entscheidende Kriterium für ihre Arbeit. Alles muß sich an ihnen messen, jeder Gedanke ihnen unterworfen werden. Mit einer Vorstellung der Quellen zum historischen Jesus muß daher jede wissenschaftliche Jesusdarstellung beginnen. 3 In den Evv wird in unterschiedlicher Ausführlichkeit von der Geburt und der Kindheit Jesu berichtet. Sowohl das LkEv als auch das MtEv beinhalten die ausführlichsten Berichte, wobei es einige Unterschiede in den Erzählungen gibt. So berichtet das MkEv gar nichts über Jesu Geburt, sondern beginnt seine Erzählung stattdessen mit Johannes dem Täufer. Im Laufe seines Evangeliums berichtet Mk Einzelheiten über Jesus, beschränkt sich dabei jedoch auf dessen Herkunftsort Nazareth (MkEv 1, 9), den Namen seiner Mutter (Maria; Mk 6, 3) und seinen erlernten Beruf (Zimmermann; ebd.). Das JohEv als viertes der Evv beginnt mit einem Prolog, der im Vergleich zu den anderen Evv aus dem Rahmen fällt, weil er das Augenmerk auf die Deutung des präexistenten Logos lenkt. Dieser Logos wird am Ende dieses Prologs mit dem Sohn Gottes identifiziert (Joh 1, 14). Bei Joh werden nur wenige Details zum Leben Jesu erwähnt. Er kommt demnach aus Nazareth und ist Sohn eines Mannes mit dem Namen Joseph (beides in Joh 1, 45). Da sonst keinerlei relevante Informationen in diesen beiden Evv zur Herkunft Jesu zu finden sind, wird sich die Untersuchung der Geburtsberichte auf das LkEv und das MtEv unter 2.1 beschränken. Die historischen Tatsachen und die Gemeinsamkeiten der Texte werden unter 2.2, die Intentionen der Verfasser unter 2.3 dargestellt.
Die Ostergeschehnisse werden dagegen mit Hilfe aller Evv und der genannten Stelle aus dem Korintherbrief überprüft (3.1). In chronologischer Reihenfolge beginnt der Abschnitt mit der Darstellung des Korintherbriefes (3.1.1), bevor anhand des MkEv die letzten Tage Jesu dargestellt werden (3.1.2). Die Darstellung von Lk und Mt ist auf das Sondergut beschränkt. Joh wird unter 3.1.5 separat behandelt. Der Quellenvergleich und die Analyse der Quellen auf deren historischen Gehalt ist unter 3.2 zu finden, bevor unter 3.3 die verschiedenen Intentionen der Verfasser kurz beleuchtet werden.
Die Diskussionen um die Jesusgeschichten sind noch nicht erschöpft, wie unter 4. deutlich wird. Hier sind drei Positionen zu finden, die zum Teil sehr kontroverse Meinungen vertreten. Den Anfang macht hier Gerd Theißen (4.1), der die Quellen
3 Theißen 1996, S. 31
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recht neutral darstellt und die möglichen Auslegungen ausbreitet. Wolfhart Pannenberg (4.2) nimmt in seiner Systematik eine Position ein, die zu Gerd Lüdemann (4.3) nicht gegensätzlicher sein könnte. Gerade bezüglich der Darstellung von Positionen ist folgendes zu erwähnen: In der Diskussion über den historischen Jesus ist nichts frei von Wünschen und Interessen, auch nicht die Skepsis. Außerhalb der Theologie will sie dem Christentum Legitimation entziehen. Innerhalb der Theologie wird sie zu seiner Legitimation eingesetzt. 4
Den Abschluss dieses ersten Teils bildet eine Zusammenfassung (5.) des Erarbeiteten, darüber hinaus erläutere ich meine persönliche Position. Dieser Teil stellt gleichzeitig die Überleitung zum religionspädagogischen Abschnitt dar. Die Grundfragen in diesem Teil lauten also: Wann und wie wurde Jesus geboren? Wie und warum wurde er hingerichtet? Und noch viel wichtiger: Ist er nach seiner Beerdigung tatsächlich auferstanden und Menschen erschienen?
2. Geburt Jesu
2.1 Matthäus (Mt 1 + 2)
Mt 1, 1-17
Das MtEv beginnt mit einem ausführlichen Geschlechtsregister (Mt 1, 1-17), das sich aus kurzen, aneinander gereihten Hauptsätzen, ähnlich dem Buch der Chronik, zusammensetzt. Im Vergleich zum Alten Testament wird man hier jedoch auf einige Lücken stoßen. So fehlt z. B. Jojakim, der Sohn Joschijas 5 in der Ahnenreihe. Parallel gibt es im LkEv eine Genealogie (Lk 3, 21-38), die sich mit
4 Theißen 1996, S. 96f
5 1. Chr. 3,15; Vgl. 1. Chr. 2, 1-15; 3,5-16
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dieser nicht harmonisieren lässt. Eröffnet wird der Stammbaum von Abraham (Mt 1, 2), „dem Stammvater der Juden“ 6 , an seinem Ende steht Jesus (Mt 1, 16). Mt möchte damit aufzeigen, dass „[…] die ganze Geschichte [in Gottes Hand liegt], die seit der Erwählung Abrahams auf Jesus als ihr Ziel hinläuft“ 7 . Laut diesem Register kommt Jesus aus dem Königsgeschlecht Davids (Mt 1, 6), zu dem aber auch Tamar, die Dirne Rahab, die Moabiterin Ruth und Batseba gehören. Mt greift damit die Geringeren heraus, die bekannten Stammmütter Sara, Rebekka und Lea werden hingegen nicht genannt. Es gibt verschiedene Deutungsversuche 8 , wie der Verfasser Maria in der Reihe der genannten Frauen verstanden hat. Zwei der vier Frauen waren Heidinnen, jedoch bewiesen beide einen auffallenden Glauben - und das, obwohl eine von ihnen einen unmoralischen Lebenswandel geführt hatte, der für die heidnische Welt bezeichnend war (Rahab). Historisch gesehen ist der Stammbaum für Mt nicht so wichtig. Er will der Gemeinde zeigen, dass Jesus „von Gott zu Israel als sein Gesalbter gesandt“ 9 ist und sich die prophetischen Verheißungen des Alten Testaments in Jesus erfüllt haben. Vers 16 besagt, dass Jesus von Maria geboren wird, während im gesamten Geschlechtsregister immer nur die Männer als Zeugen ihrer Nachfahren Erwähnung finden. Hier ist ein erster Hinweis auf die nun folgende Zeugung und Geburt Jesu (Mt 1, 18-25) zu finden.
Mt 1, 18-25
Beides wird in wenigen Versen, auf sehr nüchterne Art erzählt. So wird der Ablauf der Zeugung oder der Geburt selber gar nicht erwähnt. Vers 18 besagt, dass Maria vom heiligen Geist schwanger ist, Vers 25, dass Jesus geboren wurde. „Auffällig ist, daß das Wunder der jungfräulichen Empfängnis nicht erzählt, sondern vorausgesetzt wird.“ 10 Vers 20 berichtet, wie Marias Verlobter Josef diese Nachricht von einem Engel überbracht bekommt. Josef plant zu dieser Zeit bereits Maria aufgrund ihrer jungfräulichen Schwangerschaft heimlich zu verlassen (Mt 1, 19). Der Leser erfährt somit vor Josef, auf welche Art und Weise Maria schwanger geworden ist. Nachdem Josef im Traum davon erfahren hat, wie Maria
6 Bull 2004, S. 17
7 Schweizer 1986, S. 8
8 Vgl. Luz 2002a, S. 132-136
9 Ebd., S. 139
10 Schweizer 1986, S. 11
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schwanger geworden ist, bekommt er den Auftrag, sie dennoch zur Frau zu nehmen. Weiter offenbart ihm der Engel den Namen, den er dem Nachkommen geben soll und welche Rolle dieser für die Welt spielen wird (Mt 1, 21). Josef steht in diesen Versen im Vordergrund des Geschehens, insbesondere seine Abstammung von David. „Als von Joseph anerkannter Sohn ist Jesus Davidide […]. Daran ist Mt mehr interessiert als an der Jungfrauengeburt.“ 11 Zur Jungfrauengeburt muss man hinzufügen, dass in der damaligen Zeit von jedem großen Mann angenommen wurde, dass er ohne Zeugung durch einen menschlichen Vater zur Welt kam. Jesus wurde durch diese Geisteszeugung einerseits in eine Reihe mit Männern wie Plato oder Alexander dem Großen gestellt, andererseits aber auch nicht als einzigartig hervorgehoben. Beschrieben wird die Geisteszeugung dazu weder in Mt noch in Lk, es bleibt bei der bloßen Ankündigung. 12 Die weiteren Ankündigungen des Engels zur Berufung Jesu beruhen auf der verbreiteten jüdischen Hoffnung, „daß der Messias Retter seines Volkes sein wird. Als jüdische Hoffnung ungewöhnlich ist aber die Aussage, daß er das Volk ‚von ihren Sünden’ retten wird.“ 13 Die Spiegelung erster christlicher Erfahrungen in diesem Vers lassen vermuten, dass Mt die ganze Lebensgeschichte Jesu kannte. Der Höhepunkt des Traumes folgt in Vers 22, in dem der Engel verkündet, dass all das bisher Erzählte in einem Prophetenwort aus Jesaja 7, 14 wieder zu finden ist. Das gilt für die Jungfrauengeburt ebenso wie für den Titel „Immanuel“, den „sie“ Jesus geben werden. Mt möchte dem Leser verdeutlichen, dass Gott gegenwärtig ist. Er bringt dabei ein Zitat mit einem Übersetzungsfehler in seiner Geschichte unter, der ihm wohl völlig entgangen ist. Mittlerweile ist nämlich nachgewiesen, dass unter dem Begriff almah nicht eine Jungfrau, sondern eine junge Frau zu verstehen ist. 14 Eng mit der Jungfrauengeburt sind die Erfüllung des Wortes Jesajas und der Gehorsam Josefs in den letzten beiden Versen verbunden. Das Wort Jesajas erfüllt sich - Josef nimmt Maria zu sich, ohne sie zu berühren, bis einige Zeit später Jesus geboren wird. „Zentrum ist das in Jesus sich vollziehende Heilsangebot Gottes an den Menschen und seine Antwort im Gehorsam.“ 15
11 Schweizer 1986, S. 13
12 Vgl. ebd., S. 14f
13 Luz 2002a, S. 148
14 Vgl. Lüdemann 1997, S. 22
15 Schweizer 1986, S. 15
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Mt 2, 1-12
Die hier einsetzende Erzählung beginnt von neuem mit der Geburt Jesu. Die Erzählung scheint wie aus einem Guss zu sein und wirkt mangels Eingliederung in die umgebenden Geschichten sehr in sich geschlossen. Jesus wird zu Bethlehem in Judäa während der Herrschaftszeit des Herodes geboren (Mt 2, 1). Durch die Geburt in der Davidstadt wird zusätzlich die Zugehörigkeit des Messias zu Davids Stammbaum betont. Drei Gelehrte bzw. Magier aus dem Osten (konkret: Babylon) kommen durch die Hilfe eines Sternes nach Jerusalem zu Herodes, um den neugeborenen König der Juden ausfindig zu machen (Mt 2, 2). Der Stern erinnert an eine Prophetie aus 4. Mose 24, 17: Bereits hier wird vorhergesagt, dass ein Stern aus Jakob aufgehen wird. In der hellenistischen Mythologie treten allerdings häufiger Kometen am Himmel auf, um den neuen Herrscher anzukündigen. Münzen aus der damaligen Zeit zeugen davon, dass die Herrscher und Helden oftmals einen Stern als Symbol für ihre Königsherrschaft nutzten. 16 Die ausländischen Gelehrten sind zumindest aufgrund dieses Sternes nach Jerusalem gekommen. Herodes findet mit Hilfe seiner Gelehrten heraus, dass laut Micha 5, 1 der Neugeborene in Bethlehem geboren werden muss (Mt 2, 4-6). Die Erfüllung der Schrift wird dadurch erneut bekräftigt. Herodes ist mitsamt der Stadt Jerusalem erschrocken, dass ein neuer Herrscher geboren worden sein musste und erteilt den Gelehrten den Auftrag, nach Bethlehem zu gehen (Mt 2, 3+7). Auf dem Rückweg sollten sie ihn dann über den genauen Aufenthaltsort des neuen Königs informieren. Seltsam ist hierbei, dass Herodes den Fremden nicht einfach einige seiner Soldaten als Begleitung mitgibt, sondern ihnen stattdessen sehr viel Vertrauen entgegen bringt. Wenn ihm tatsächlich so viel am Tod von Jesus gelegen hätte, wie sich später in dem von ihm angeordneten Kindermord herausstellt, wäre hier eine größere Vorsicht einleuchtender gewesen. Die Gelehrte erreichen dank des Sternes schließlich das Geburtshaus, beschenken Jesus und beten ihn an. Sie sind somit die ersten, die Jesus als den neuen Messias und Judenkönig verehren. Bemerkenswert ist, dass sie Heiden sind, also keine Juden! Jesu Königreich ist demzufolge nicht ausschließlich auf die Juden begrenzt. Nach diesem Höhepunkt der Geburtsgeschichte erfahren die Gelehrten durch einen Traum von Herodes Mordplänen und machen auf ihrem Rückweg
16 Vgl. Luz 2002a, S. 161
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daher einen Bogen um ihn (Mt 2, 12). Im Vergleich mit den anderen Quellen kommt diese Geschichte recht schnell an ihre Grenze, die ihr die Historizität verwehren - dementsprechend wird sie von vielen Auslegern als unwahrscheinlich angesehen. Für Mt ist in diesem Abschnitt wichtig, dass König Herodes den Messias ermorden lassen möchte. Sowohl Herodes als auch ganz Jerusalem stehen ihm feindlich gegenüber. Verstärkt wird die Feindschaft der Jerusalemer Juden durch die Tatsache, dass es ausgerechnet Heiden sind, die als erste vor ihm niederknien und ihn anbeten.
Mt 2, 13-23
Nachdem sich die Gelehrten wieder auf den Weg gemacht haben, träumt auch Josef von den Plänen des Herodes und flieht daraufhin mit Frau und Kind nach Ägypten. Der Aufbau dieser Erzählung erinnert stark an die Mosegeschichte. 17 Dazu klingt schon das Wandermotiv an, das sich später durch das gesamte Evangelium ziehen wird. Während die drei in Ägypten ausharren, werden in Bethlehem alle Kinder unter zwei Jahren auf Anordnung getötet. Josef zeigt erneut den Gehorsam gegenüber Gottes Auftrag. Die Flucht des neuen Königs deutet auf ein gänzlich anderes Königreich hin, das nicht wie die herkömmlichen Reiche mit Waffengewalt errichtet wird. Nach dem Tod von Herodes kehrt Jesu Familie wieder nach Israel zurück. Wiederum auf einen Traum hin zieht Josef nach Nazareth. Dieser Abschnitt beinhaltet erneut einige Prophezeiungen aus dem Alten Testament, die sich hier erfüllen: Die Flucht nach Ägypten (Mt 2, 13-15) wird in Hosea 11, 1 prophezeit, der Kindermord des Herodes (Mt 2, 16-18) in Jeremia 31,15 vorausgesehen. Weiterhin besagt Jesaja 11, 1 wird angekündigt, dass Jesus „Nazoräer“ 18 heißen wird. Das im Text erwähnte Ereignis des Kindermordes hat bisher noch keine Entsprechung in der Geschichtsforschung gefunden und darüber hinaus ist Ägypten als Zufluchtsort für verfolgte Juden auch nicht bekannt. Herodes wird durch diese Tat jedoch als brutaler König entlarvt, der sogar vor dem Mord an Kindern nicht zurückschreckt. Im Vergleich zum LkEv stimmt die Geschichte nur in Bezug auf den Ort Bethlehem überein. Somit kann festhalten werden, dass auch dieser Text nicht an historischen Fakten interessiert ist. Mt
17 Vgl. Luz 2002a, S. 159
18 Anm. d. Verf.: In Jesaja 11,1 steht, dass ‚ein Spross aufgehen’ wird. Spross heißt im hebräischen nezär.
Auch das hebräische Wort nasir (=Geweihter) aus Richter 13,5 und 4. Mose 6 klingt im Wort Nazoräer an.
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möchte hier hervorheben, dass es allein Gottes Führung ist, die das Kind rettet. In einem Wort an den Propheten Hosea bezeichnet Gott Jesus das erste Mal als seinen „Sohn“. Das gesamte 2. Kapitel deutet auf Gottes Plan hin, der über allem steht: „Der Gedanke […] von Gottes Führung und Plan für die traditionelle Geschichte [und] von der Bewahrung des Königskindes Jesus [ist] für Mt wichtig.“ 19
2.2 Lukas (Lk 1 - 2, 21)
Lk 1, 1-25
Die längere der beiden Geburtsgeschichten befindet sich im LkEv. Viele Ausleger betrachten die von Lk geschriebene Geschichte als Legende. Dazu tragen ihr Aufbau, die Wahl der Sprach sowie die Verbindung zur Apostelgeschichte bei. Nach einem kurzen Proömium (Lk 1, 1-4), in dem Lk „Rechenschaft über Ziel und Methoden seiner Arbeit“ 20 ablegt, beginnt er mit parallelen Erzählungen der Geburtsgeschichten von Johannes dem Täufer und Jesus. Die Ankündigungen der Schwangerschaften sind in ihrer Erzählstruktur sehr ähnlich: Jeweils erscheint zu Beginn der Engel Gabriel und verkündet die bevorstehende Schwangerschaft. Zacharias erhält im Tempel Besuch von einem Engel und weil Zacharias an den Worten des Engels zweifelt (Lk 1, 18), wird er bis auf den Tag der Beschneidung seines Sohnes stumm (Lk 1, 19).
Lk 1, 26-38
Dieser Abschnitt beginnt mit der Begegnung Marias mit dem Gabriel in Nazareth. Dort lebt sie gemeinsam mit ihrem Verlobten Josef, der aus dem Hause Davids stammt (Lk 1, 27). Lk erwähnt die Jungfräulichkeit Marias insgesamt zweimal (ebd.). Im Unterschied zu Johannes’ Vater, der im Tempel tätig ist und dort vom Engel heimgesucht wurde, kommt der Engel zu Maria ins Haus. Der Engel muss die von seiner Erscheinung Erschrockene Frau erst einmal beruhigen, bevor er mit
19 Luz 2002a, S. 177
20 Bull 2004, S. 33
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seiner Ankündigung beginnen kann. Er bezeichnet sie als „Begnadete“, die „Gnade bei Gott“ gefunden hätte. „Sie ist Tochter, nicht Mutter der Gnade.“ 21 Die Seine Ankündigungen zur Person Jesu zeigen ihr die Größe des in ihr heranwachsenden Kindes (Lk 1, 32ff). So soll das Kind „Sohn des Höchsten“ heißen, den Thron Davids besteigen und ein ewiges Reich errichten. Hier wird ähnlich wie bei Mt eine Verbindung zwischen dem Ostergeschehen und der Geburt hergestellt: „Lukas denkt wohl an die Herrschaft des Auferstandenen über seine Gemeinde, die im Gottesreich ihre Vollendung findet (vgl. Apg 1, 6-8).“ 22 Nach dieser großartigen Offenbarung fragt Maria wie das geschehen könne (Lk 1, 34). Als Jungfrau ist eine Schwangerschaft für sie absolut unvorstellbar! Der Engel erklärt ihr, dass sie von der „Kraft des Höchsten“ überschattet (Lk 1, 35) und der heilige Geist das Werk in ihr vollbringen wird. Maria schenkt dem Engel und seiner Ankündigung Glauben (Lk 1, 38). Schon im Alten Testament gibt es parallele Geschichten, in denen Gott z. B. Sara „heimsucht“ (1. Mose 21, 1f) oder Hanna „gedenkt“ (1. Samuel 1, 17f) - beide Frauen werden daraufhin schwanger werden. „Jungfrauengeburt war für den damaligen Menschen zwar ein überaus seltenes, aber nicht absolut einzigartiges Ereignis.“ 23 Nicht die Jungfräulichkeit steht hier somit im Mittelpunkt, sondern vor allem die Ankündigung des Messias’.
Lk 1, 39-56
Im nächsten Abschnitt verknüpft Lk die beiden Geburtsgeschichten. Maria macht sich ohne Josef auf den Weg zu Elisabeth und macht damit den Anfang für eine ganze Reihe von Begegnungen in diesem Kapitel. „Der aktiv eingreifende Gott bringt Menschen zusammen: Das Heil entfaltet sich in menschlichen Beziehungen.“ 24 Symbolisch beginnt das Kind im Leib der Elisabeth zu hüpfen, als sie den Gruß Marias hört. Johannes wird somit aktiv, als Maria zu Elisabeth kommt, „eine erste Begegnung zwischen Johannes und Jesus vollzieht sich“ 25 . Elisabeth wird daraufhin vom heiligen Geist erfüllt und preist Maria für die „Frucht ihres Leibes“ (Lk 1, 42-45), die daraufhin in Jubel über die Bestätigung des Zeichens ausbricht (so genanntes Magnifikat in Lk 1, 46-55). Die Ähnlichkeit ihres
21 Schweizer 1993, S. 19
22 Ebd.
23 Ebd., S. 21; Siehe hierzu 2.1.1 Matthäus
24 Bovon 1989, S. 85
25 Schweizer 1993, S. 23
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Lobliedes mit Hannas Dankgebet (1. Samuel 2, 1) ist nicht von der Hand zu weisen. Bedenken muss man jedoch, dass Maria als unverheiratete Frau schwanger ist! Elisabeth sind diese Tatsachen als Verwandte Marias (Lk 1, 36) mit Sicherheit bekannt, geht darauf aber nicht ein. Stattdessen preisen beide Frauen Gott dafür, dass er sie beschenkt hat und heilige Persönlichkeiten in ihnen heranwachsen lässt. Maria bleibt für drei Monate bei Elisabeth, bevor sie wieder zu Josef zurückkehrt.
Lk 1, 57-80
Das Ende des ersten Kapitels wird von der Geburtsgeschichte des Johannes gefüllt. Entgegen der jüdischen Sitte entscheiden sich die Eltern für einen Namen, der in der Familie noch nicht vorhanden ist (Lk 1, 60-63). Als daraufhin Zacharias sein Stimme wieder erlangt, sind die Nachbarn sehr erstaunt und verbreiten die Geschichte in Judäa (Lk 1, 64-66). Zacharias wird vom heiligen Geist erfüllt, lobt Gott im so genannten Benediktus und weissagt über seinen Sohn (Lk 1,76).
Lk 2, 1-21
In einer losen Anknüpfung beginnt die Geschichte von der Geburt Jesu. Aufgrund eines Gebots von Kaiser Augustus (Lk 2, 1) müssen alle Menschen des Römischen Reiches gezählt werden. Diese Volkszählung fällt in die Zeit, in der Quirinius Statthalter in Syrien ist: „[…] Die zeitliche Parallelisierung der Geburt unter Herodes (Lk 1, 5) mit dem Zensus des Quirinius (2, 1f) [bereitet] Schwierigkeiten.“ 26 Quirinius war nämlich erst ab 6 n. Chr. syrischer Statthalter. Wenn Jesus somit unter Herodes geboren wurde, Herodes aber 4 v. Chr. starb, klafft hier eine zeitliche Lücke von 10 Jahren. Hinzu kommt, dass der Geschichtsforschung von einer Volkzählung in diesem Zeitraum nichts bekannt ist. Maria und Josef machen sich also auf den Weg von Nazareth nach Bethlehem, weil Josef aus dem Geschlecht Davids stammt (Lk 2, 4f). Kurz nach ihrer Ankunft in Bethlehem wird Jesus geboren. Ganz schlicht beschreibt Lk die Geschehnisse, unspektakulär vollzieht sich die Geburt. Lk unterbricht dann seine Geschichte, „um der Hirtenlegende Platz zu machen, […, so] daß wir weniger über die Person Jesu
26 Theißen 1996, S. 149
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als über seine Ausstrahlung unterrichtet werden.“ 27 Die genannten Hirten verbringen diese Nacht bei ihrer Herde, als auf einmal das Unfassbar geschieht: Engeln erschrecken sie mit ihrer plötzlichen Erscheinung und verkünden ihnen die frohe Botschaft. Das Licht der Engel erleuchtet dabei die dunkle Nacht: „Die Herrlichkeit Gottes erscheint und umrahmt die Hirten.“ 28 Viele prophetische Bilder des Alten Testaments sind auf den Hirten und die Herde bezogen - und ausgerechnet jene Gruppe kommt in diesem Evangelium als erste zur Krippe und beginnt nach dem Besuch mit der Verbreitung der frohen Botschaft (Lk 2, 17f). Die Rolle der Hirten ist es, die frohe Botschaft, die „allem Volk widerfahren“ ist, auszubreiten. Im Hinblick auf die Apostelgeschichte wird ersichtlich, dass Lk das apostolische Werk der christlichen Missionare vor Augen hat. Die gesamte Hirtengeschichte möchte ein „Ineinander von Herrlichkeit und Niedrigkeit“ 29 darstellen. Maria behält die Geschehnisse und das Gehörte in ihrem Herzen. Die Hirten preisen Gott für all das Gehörte und Gesehene. Nach acht Tagen wird das Kind nach jüdischer Sitte beschnitten und erhält den Namen Jesus - genau wie es der Engel es befohlen hatte.
2.3 Historischer Ertrag des Quellenvergleichs
Stellt man die aufgeführten Geburtsgeschichten im Hinblick auf ihre Gemeinsamkeiten gegenüber, ist das Ergebnis ernüchternd: „Die Berührungen […] sind minimal.“ 30 Die Hauptberührungspunkte beider Texte sind die Eltern Jesu, namentlich Josef und Maria, seine Abstammung von David, sein Geburtsort und seine Geburt unter dem Herrscher Herodes. Ansonsten „sind die Überlieferungen von Mt 1, 18-2, 23 und von Lk 1, 5-2, 40 […] völlig verschieden.“ Der von beiden Verfassern beschriebene Umzug von Nazareth nach Bethlehem geschieht bei Mt nach der Rückkehr aus Ägypten, bei Lk aufgrund der Volkszählung noch vor der Geburt. Viele Ausleger sind der Meinung, dass die
27 Bovon 1989, S. 122
28 Ebd., S. 124
29 Ebd., S. 131
30 Luz 2002a, S. 125
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Bethlehemtradition ein „Ergebnis nachösterlicher christologischer Reflexion (Davidsohn)“ 31 ist. Der Verfasser des JohEvs spricht sich hier für Nazareth aus (Joh 1, 45f). Dazu wird die Engelbotschaft bei Lk an Maria, bei Mt hingegen an Josef gerichtet. Die Gelehrten werden bei Lk nicht erwähnt, umgekehrt weiß Mt nichts von einer Verkündigung der Geburt an die Hirten. 32 Historisch betrachtet sind die Texte somit wenig aufschlussreich. Nicht nur, dass die Texte nicht zu harmonisieren sind, die Problematik des Geburtsjahres 33 und des Geburtsortes deuten darauf hin, dass hinter den Texten andere Absichten stehen.
2.4 Intentionen der Verfasser
Die beiden Geburtsgeschichten sind und wollen scheinbar keine Tatsachenberichte sein: „[…] Alle Evangelisten [haben] kein eigentlich biographisches, sondern ein theologisches Interesse an Jesus […]. Das Desinteresse an einer Biographie im modernen Sinne charakterisiert im Übrigen auch alle anderen biographischen Quellen der Antike.“ 34 Mt legt den Schwerpunkt seiner Geschichte deutlich auf den Aspekt der Erfüllung der Schrift anhand der Person Jesu. Sein Stammbaum soll seine Abstammung von David und Abraham aufzeigen. Gottes Pläne, seine Ankündigungen in der Vergangenheit, werden in Jesus wahr. Der in dieser Geburt handelnde Gott ist der Herr über die Geschichte. Die Jungfrauengeburt ist in der damaligen Epoche kein außergewöhnlicher Gedanke, weiterhin weist Josefs Gehorsam bei jeder der Erscheinungen des Engels auf ein weiteres Anliegen von Mt hin: „Zentrum ist das in Jesus sich vollziehende Heilsangebot Gottes an den Menschen und seine Antwort im Gehorsam.“ 35 Die Einzigartigkeit Jesu wird in diesen beiden ersten Kapiteln immer wieder unterstrichen. Er ist nicht nur der verheißene Retter, sondern auch der Weltenkönig - sogar die Gelehrten aus dem Osten müssen vor ihm
31 Bull 2004, S. 159
32 Vgl. Lüdemann 1997, S. 87ff
33 Siehe 2.1.2
34 Bull 2004, S. 159
35 Schweizer 1986, S. 15
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niederfallen. Die Wanderung nimmt ein Thema vorweg, das sich im gesamten Evangelium in Jesu Wanderdasein bestätigt. Lk legt das Augenmerk eher darauf, dass Jesus in diese sichtbare Welt kommt, dass Gott Mensch wird. Schon Maria preist ihn dafür, dass er in ihrer Niedrigkeit geboren wird und die Hungrigen versorgen wird. Die Hirten sind in ihrer sozialen Stellung alles andere als hoch angesehen - dennoch wird ausgerechnet ihnen die Ehre zuteil, Jesus als erstes zu sehen. Die Volkszählung als Grund für ihre Wanderung ist eine völlig weltliche Handlung: „Aber Gott ist deswegen nicht weniger Subjekt eines weltwendenden Geschehens.“ 36 Die Geburt findet auf eine unspektakulär Art und Weise statt, so dass man nicht unbedingt die Grundlage für eine Königsherrschaft in ihr vermuten würde. Es sind Ereignisse in einem Provinzstädtchen wie Bethlehem, die Bewegung im Himmel und auf der Erde auslösen. Die Engel verkünden diese frohe Botschaft den Hirten, die Hirten erzählen das Gehörte und Gesehen danach wiederum weiter. Vor der Geburt Jesu ist die Geschichte von Lobliedern durchzogen, die gewisse Parallelen zu den Psalmen des Alten Testaments aufweisen. Die frohe Botschaft erzeugt in den Hörenden Jubel! Ähnlich dem Alten Testament folgt der Botschaft eine Gott verherrlichende Antwort derer, die sie Botschaft empfangen haben: „Das Zusammengehören von Altem und Neuem Testament kommt in dieser Vorgeschichte des Lk zu ihrem schönsten Ausdruck.“ 37
36 Schweizer 1993, S. 32
37 Westermann 1968, S. 191
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3. Tod und Auferstehung Jesu
3.1 Paulus (1. Kor 15, 1-11)
Die älteste Quelle über das Ostergeschehen ist im ersten Brief an die Korinther zu finden. „Herkunft und Alter der Formel führen bis in die älteste Zeit nahe an die Ereignisse heran.“ 38 Paulus erinnert die Gemeinde an die frohe Botschaft des Evangeliums (1. Kor 15, 1), durch die sie gerettet sind: „Die Haltung zu Jesu Auferstehung entscheidet nach pln Auffassung über Sinn oder Sinnlosigkeit des Glaubens an Jesus, über Sündenverhaftung oder Sündenvergebung, über menschliches Elend oder dessen Überwindung.“ 39 Paulus schreibt, dass Jesus für die Sünden der Menschheit gestorben ist, begraben wurde und am dritten Tage auferstanden ist (1. Kor 15, 3-5). Für ihn ist in diesem Brief nicht wichtig, „wie Jesus gestorben oder wie seine Auferstehungserscheinungen aussahen. Wichtig war für Paulus in dieser Situation offenbar nur, daß sie stattgefunden haben […]. 40 Vom Kreuz spricht Paulus hingegen an einer anderer Stelle (1. Kor 1, 18). Hier zählt er nur die Personen auf, denen Jesus erschienen ist: Kephas, die zwölf Jünger Jesu, eine nicht näher konkretisierte Gruppe von über 500 Glaubensbrüdern, Jakobus, die Apostel und zuletzt er selbst. Für Paulus sind somit Tod und Auferstehung Jesu das grundlegende Ereignis des Evangeliums, ohne das der Glaube nichtig und sinnlos wäre. Als Beweis für Jesu Auferstehung sieht Paulus sowohl die Einzel- als auch die Gruppenerscheinungen.
38 Theißen 1996, S. 426
39 Ebd., S. 415f
40 Lüdemann 1995, S. 16
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3.2 Markus (Mk 15 + 16)
In den drei synoptischen Quellen werden die Passionsgeschichte und das Ostergeschehen ausführlicher beschrieben als bei Paulus in dessen eher formelhaften Ausführungen über Tod und Auferstehung Jesu. Der Verlauf dieser Geschichte, der bei den Synoptikern bis auf wenige Ausnahmen übereinstimmt, soll hier auf Basis des Markusevangeliums dargestellt werden, da es sowohl dem Mt- als auch dem LkEv als Grundlage dient.
Mk 15
Nach seiner Verhaftung im Garten Gethsemane und dem Verhör durch den Hohen Rat wird Jesus an Pilatus übergeben (Mk 15, 1). Dieser fragt Jesus, ob er der König der Juden wäre, was Jesus bestätigt (Mk 15, 2). Die Hohenpriester treten daraufhin als Ankläger auf, ernten von Jesus’ Seite jedoch nichts als Schweigen, was Pilatus wiederum sehr verwundert. Die Meinungen der Ausleger gehen in Bezug auf die Geschichtlichkeit dieser Frage weit auseinander. So spricht z. B. H. Lietzmann spricht sich z. B. gegen die Beteiligung der Juden am Tode Jesu aus, J. Blinzler hingegen befürwortet die Historizität des Prozesses vor dem Synhedrium aus. 41 „Mit Vers 6 nimmt der Prozeß eine für den Leser
überraschende Wende. Wir hören von einem von Pilatus geübten Brauch, am Fest dem Volk auf dessen Bitte einen Gefangenen freizugeben.“ 42 Die nächsten Verse berichten von vehementen Forderungen des Volkes nach einer Freilassung des Verbrechers Barabbas. Pilatus, dem dieses Unrecht nicht entgeht, wende sich mit der Frage an das anwesende Volk, was mit dem „König der Juden“ nun geschehen soll (Mk 15, 12). Die Antwort ist deutlich - das Volk fordert die Kreuzigung Jesu. Pilatus gibt Barabbas daraufhin frei, befiehlt die Geißelung und Kreuzigung Jesu, um ihn dann den römischen Soldaten zu übergeben (Mk 15, 15-16). Diese verspotten Jesus, „krönen“ ihn mit einer Dornenkrone, ziehen ihm einen Purpurmantel an, schlagen und bespucken ihn (Mk 15, 16-20). Kniefall, Krone und Purpurmantel sind „Bestandteil des hellenistischen Herscherkultes. […] Was im Hohn an Jesus herangetragen wird, würde ihm in
41 Vgl. Theißen 1996, S. 393f
42 Gnilka 1999, S. 300
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Wahrheit zustehen.“ 43 Nach dieser grausamen Szene wird Jesus wieder umgezogen, um einer noch grausameren Realität Platz zu machen - der so genannte Kreuzweg Jesu beginnt. Auf dem Weg nach Golgatha wird ein Mann namens Simon von Kyrene von den Soldaten gezwungen, das Kreuz für Jesus nach Golgatha zu tragen (Mk 15, 20-22). „Es entspricht jüdischer wie römischer Sitte, Hinrichtungen extra portam […] vorzunehmen.“ 44 Auf Golgatha angekommen, also unmittelbar vor der Kreuzigung, lehnt Jesus jegliche ihm angebotenen Betäubungsmittel ab. Nach der Kreuzigung Jesus zur dritten Stunde verlosen die Soldaten sein Kleid unter sich und erfüllen auf diese Art und Weise die Prophetie aus Psalm 22, 19. Weitere Details bezüglich der Kreuzigung werden nicht geschildert. Auf ein Schild, welches am das Kreuz befestigt wird, steht „Der König der Juden“ geschrieben - dieser Titel wird allein in diesem Kapitel vier Mal genannt. Dieser König hängt am Kreuz zwischen zwei anderen Männern: „Daß Jesus zwischen zwei Verbrechern gekreuzigt wurde, wird zum ältesten Bericht gehören; die Tatsache ist auch sicher historisch.“ 45 Die Menschen, die vorübergehen, lästern über ihn. Die Hohenpriester und Schriftgelehrten verspotten ihn ebenso. Alle werden sie zu Zeugen dieser Kreuzigung. Zur sechsten Stunde bricht eine Finsternis über das Land, die bis zur neunten Stunde anhält. Nachdem Jesus zwei Schreie gen Himmel losgelassen hat, verstirbt er. Im Tempel geschieht in diesem Moment etwas Unfassbares: „Das Zeichen des zerrissenen Tempelvorhangs wird auf die Gemeinde zurückgehen, die in Jesu Tod das Ende alles Tempelkultes gesehen hat.“ 46 Ein Hauptmann erkennt die Sohnschaft Jesu und beginnt unter dem Kreuz an Jesus zu Glauben, denn „im Kreuz wird er als Sohn Gottes erkannt.“ 47 Aus der Ferne wird die Kreuzigung Jesu von den Frauen beobachtet, die ihm gedient hatten und die ihm nach Jerusalem gefolgt waren. Es ist der Freitag vor dem Sabbat, der Rüsttag der Juden vor dem Festtag, weshalb Josef von Arimathäa zu Pilatus kommt und diesen um den Leichnam Jesu bittet. Josef möchte den toten Körper noch vor dem Sabbat abnehmen und begraben. Nachdem sich Pilatus über den schnellen Tod des Gekreuzigten versichert hat, überlässt er Josef den Leichnam (Mk 15,44f). Nach jüdischer Sitte wickelt dieser
43 Gnilka 1999, S. 308
44 Ebd., S. 315
45 Schweizer 1989, S. 191
46 Ebd., S. 193
47 Gnilka 1999, S. 327
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Arbeit zitieren:
Tilman Fuchs, 2007, Die kirchlichen Hauptfeste - historisch und religionspädagogisch, München, GRIN Verlag GmbH
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