Inhaltsverzeichnis
1. Sorben und Dänen, zwei Minderheiten innerhalb der BRD 3
2. Zur Entstehung der beiden Minderheiten
2.1. Sorben 4
2.2. Dänen 5
3. Entwicklung bis 1945
3.1. Deutsches Reich 6
3.2. Weimarer Republik 7
4. Entwicklung in den beiden deutschen Staaten
4.1. Sorben 9
4.2. Dänen 11
5. Entwicklung nach der Wende 13
6. Sorben und Dänen heute 15
7. Literaturverzeichnis 17
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1. Sorben und Dänen, zwei Minderheiten innerhalb der BRD
Im Prozess des Zusammenwachsens von Europa spricht man immer wieder von „Staaten“ und geht gemeinhin davon aus, dass zum Beispiel in Frankreich Franzosen, in Irland Iren und in Portugal Portugiesen leben. Dass diese Länder aber tatsächlich von vielen verschiedenen Völkern als Heimat angesehen werden, wird gerne übersehen. Die historisch gewachsenen Staaten dehnen sich oft über die Siedlungsgebiete mehrerer Völker aus, so dass man eigentlich von Vielvölkerstaaten sprechen muss.
In der Bundesrepublik Deutschland leben nicht nur Deutsche, sondern auch Angehörige anderer Nationen. Ein großer Teil dieser „anderen“ Bevölkerung ist ein-gewandert, aber es gibt auch „Nicht-Deutsche“, deren angestammtes Wohngebiet auf dem Territorium der BRD liegt. Dazu gehören die Sorben in Brandenburg und Sachsen, die Dänen und Schleswig-Holstein, die Friesen in Schleswig-Holstein und Niedersachsen, sowie die Sinti und Roma, die kein geschlossenes Siedlungsgebiet haben, sondern über ganz Europa verteilt leben.
Das Zusammenleben vieler Völker in einem Staat, also auch einem politischen System, gestaltet sich oftmals schwierig. Die Interessen aller Gruppen, auch die der ethnischen Minderheiten, gleichberechtigt nebeneinander wahrzunehmen, erfordert viel Toleranz auf allen Seiten. Die Schaffung von Gesetzen, die allen, der Mehrheits-und der Minderheitenbevölkerung gerecht werden, ist ein langwieriger Prozess. Die vorliegende Arbeit soll zeigen, inwieweit dieser Prozess für die sorbische und die dänische Minderheit erfolgreich war. Beide Gruppen legen Wert darauf, als „sorbisch“ bzw. „dänisch“ und eben nicht „deutsch“ angesehen zu werden. Beide leben seit Jahrhunderten im selben Gebiet, beide haben eine andere Sprache und Kultur als die deutsche Mehrheitsbevölkerung. Trotzdem gibt es gewichtige Unterschiede zwischen beiden Minderheiten, die völlig verschiedene Vorraussetzungen für ihre Rechte in der BRD schaffen. Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede sollen in dieser Arbeit näher beleuchtet, die rechtliche Situation der beiden Minderheiten mitein-ander verglichen werden. Dabei soll das Hauptaugenmerk auf der unterschiedlichen historischen Entwicklung beider Gruppen liegen.
Die Literatur zu diesem Thema beschränkt sich meist auf die rein juristische, oder die rein ethnische Seite des Problems. Über die Sorben lässt sich eine breite Anzahl von Büchern, sowohl über ihre Geschichte, als auch ihr Volkstum und ihre
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heutige rechtliche Situation finden, während die dänische Minderheit weniger behandelt wird. In juristischen Belangen stützt sich die Arbeit hauptsächlich auf die Dissertationen von Faisst und Messtorff. 1
2. Zur Entstehung der beiden Minderheiten
2.1. Sorben
Nachdem die Germanen im Zuge der Völkerwanderung im 2. bis 6. Jahrhundert den Raum östlich von Elbe und Saale verlassen hatten, rückten ab 600 n.Chr. slawische Stämme, die Vorfahren der heutigen Sorben, in das ca. 40000 Quadratkilometer 2 große Gebiet zwischen Ostsee und Erzgebirge vor und besiedelten es. Bis ins 9. Jahrhundert lebten diese Stämme in einer relativ „altertümlichen“ 3 Gesellschaftsordnung, in Großfamilien in einer „militärischen Demokratie“ 4 und ohne ein herrschaftliches Gefüge. Damit waren sie Angriffen relativ schutzlos ausgeliefert. Mit der deutschen Ostbewegung wurde das Siedlungsgebiet der slawischen Stämme Teil des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation. Während der ersten Welle wurden die Stämme christianisiert, behielten aber ihre eigene Sprache und konnten ihr Brauchtum und ihre Lebensweise erhalten. Mit der zweiten Welle der Ostkolonisation kamen mehrere 100000 deutsche Bauern in das Gebiet, es wurden Wälder gerodet und deutsche Städte und Dörfer gegründet. Deutsche und Slawen lebten friedlich nebeneinander, aber durch den nun häufigeren Kontakt kam es zu einer allmählichen Verschmelzung beider Völker. Bis zum Ende des Mittelalters waren die Slawen außerhalb der Markgrafentümer Oberlausitz und Niederlausitz weitgehend assimiliert und in der deutschen Bevölkerung aufgegangen. In der Lausitz konnten sich die Slawen behaupten, was unter anderem daran lag, dass sie gegenüber den Deutschen hier immer noch die Mehrheit der Bevölke- 1 Messtorff,Silke: Die Rechtsstellung der ethnischen Minderheiten in der Bundesrepublik Deutschland. Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Juristischen Fakultät der Universität Hamburg, Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt am Main, 1987 und Faisst, Sabine Nora: Minderheitenschutz im Grundgesetz und in den Landesverfassungen. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Juristischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Köhler Druck, Tübingen, 2000
2 Oschlies, Wolf: Die Sorben - slawisches Volk im Osten Deutschlands. Forum Deutsche Einheit. Perspektiven und Argumente Nr. 5, 2. überarbeitete Aufl., Friedrich Ebert Stiftung, 1991, S. 11
3 Stiftung für das sorbische Volk (Hrsg.): Die Sorben in Deutschland, 3. überarbeitete Aufl., 1999, S. 6
4 ebenda
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Arbeit zitieren:
Susanne Opel, 2003, Die Rechte der dänischen und der sorbischen Minderheit in der BRD, München, GRIN Verlag GmbH
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