1. Einleitung und Begriffserläuterungen
In jeder Lebensphase des Menschen kann es zu Situationen kommen, in denen man auf Hindernisse stößt, die das Weiterkommen im Leben erschweren können. In solchen Situationen fühlen sich die Menschen meist rat- und perspektivlos und sind oft auf die Hilfe professioneller Menschen angewiesen.
Die Hindernisse können unterschiedlichster Art sein, wie zum Beispiel Arbeitslosigkeit, Weiterbildungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen im Beruf, Eheprobleme, Drogenprobleme und noch viele weitere. Strukturiertheit und Orientierung für neue Perspektiven oder Entscheidungen, sollen bei der Bewältigung der Probleme unterstützend helfen. Die Hilfe ist hier in Form der Beratung zu sehen. Eine Beratungsform, nämlich die der Weiterbildungsberatung, die im Folgenden noch näher erörtert werden soll, konnte einen persönlichen Eindruck über eine professionelle Beratungseinrichtung, speziell die des Lernladen Pankows ermöglichen.
Um ein besseres Verständnis über diese Thematik zu erlangen, ist es erst einmal ratsam zu klären, was unter dem Begriff Beratung zu verstehen ist.
„Das Verb raten und das Substantiv ratia leiten sich von den althoch-deutschen Substantiven reda und radia ab, diese standen für Rechenschaft, Vernunft, Verstand, Rede und Antwort, Gespräch, Erzählung sowie Sprache.“ (Pätzold 2004, S. 55)
„Der Begriff Beratung bezeichnet umgangssprachlich ein strukturiertes Gespräch oder eine korrespondierende Kommunikationsform (Brief, E-Mail o. ä.) oder auch eine praktische Anleitung, die zum Ziel hat, eine Aufgabe oder ein Problem zu lösen oder sich der Lösung anzunähern. Meist wird Beratung im Sinne von „jemandem in helfender Absicht Ratschläge erteilen“ verwendet.“ (Wikipedia-Eintrag zu Beratung vom 11. April 2010) „Beratung ist im Kern jene Form einer interventiven und präventiven helfenden Beziehung, in der ein Berater mittels sprachlicher Kommunikation und auf der Grundlage anregender und stützender Methode innerhalb eines vergleichsweise kurzen Zeitraumes versucht, bei einem desorientierten, inadäquat belasteten oder entlasteten Klienten einen auf kognitiv-emotionale Einsicht fundierten aktiven Lernprozess in Gang zu bringen, in dessen Verlauf seine Selbsthilfebereitschaft, seine Selbststeuerungsfähigkeit und seine Handlungskompetenz verbessert werden können.“ (Dietrich zit. nach Krause et. al 2003; 22f) Nach der Definition von Dietrich wird der Ratsuchende als hilflosen, desorientierten Klienten bezeichnet, der seine Selbsthilfebereitschaft und Handlungskompetenz in dem Beratungsgespräch wieder erreichen soll. Betrachtet man sich jüngere Definitionen von Beratung, so ist es zu beobachten, dass die Beartung sich nicht auf die existenten Probleme
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und Defizite belasteter Klienten beschränkt, sondern sie schaut auch danach, welche vorhandenen Ressourcen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Ratsuchende mit sich bringt. Auf der Basis dieser Eigenschaften, soll dem Ratsuchenden seine Selbsthilfebereitschaft und Handlungsfähigkeit für neue Perspektiven oder Entscheidungen erzielt werden. Dieser neue inhaltliche Aspekt ist in der folgenden Definition von Nestmann berücksichtigt und integriert worden.
„Beratung orientiert sich primär an den vorhandenen und entwickelbaren Ressourcen in der Bearbeitung der Anfragen und Probleme und weniger an den Defiziten und Störungen von Personen und Kontexten. Psychosoziale Beratung ist eine professionelle
Unterstützungsleistung, die in einem gemeinsamen Prozess der Orientierung, Planung, Entscheidung und Handlung versucht, biopsychosoziale Ressourcen von Personen und sozialökologische und ökonomische Ressourcen von Umweltsystemen zu entdecken“. (Nestmann zit. Nach Krause et al. 2003; 23f,30)
Beratung nimmt im Zuge des stetig wachsenden Arbeitsmarktes mit ebenso steigenden leistungsorientierten Ansprüchen eine immer größere Rolle ein. Sie ist somit in die spezifischen Probleme ihrer Zeit eingebunden.
Im Laufe dieser Entwicklung ist Beratung als zentrale Hilfe- und Unterstützungsform in psychosozialen, sozialen und gesundheitsberuflichen, psychologischen und pädagogischen Arbeitsfeldern mit geregelten Institutionalisierungs- und Professionalisierungsformen zu sehen.
Ebenso entwickelt sich Beratung immer mehr zu einem kontinuierlich expandierenden Arbeitsbereich sozialer, pädagogischer, psychologischer und medizinischer Fachkräfte und durchzieht als Querschnittsmethode nahezu sämtliche Berufsfelder und alle anderen beruflichen Interventionen, wie Betreuung, Pflege, Einzelfallhilfe, Gruppen- und Gemeinwesenarbeit, Bildungsmaßnahmen, Erziehung und Psychotherapie. Beratung wächst immer mehr in die Gesellschaft hinein. Im Zuge des stetig wachsenden Arbeitsmarktes und einer damit verbundenen großen Inanspruchnahme von Beratungen, hat auch die OECD ihr Augenmerk auf die Bildungs- und Berufsberatung gerichtet. „Bildungs- und Berufsberatung ist ein Dienstleistungsangebot, das darauf ausgerichtet ist, Individuen jeden Alters und zu jedem Zeitpunkt ihres Lebens dabei zu unterstützen, Bildungs-, Ausbildungs- und Berufsentscheidungen auf einer gut vorbereiteten und informierten Basis eigenständig zu treffen und ihr Berufsleben selbst in die Hand zu nehmen. Berufsberatung hilft Menschen, sich über ihre Zielvorstellungen, Interessen, Qualifikationen und Fähigkeiten klar zu werden. Sie hilft ihnen, den Arbeitsmarkt und das
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Bildungssystem zu verstehen und diese Kenntnisse auf das zu beziehen, was sie selbst über sich wissen. Umfassende Berufsberatung erschließt Informationen über den Arbeitsmarkt und über Bildungsmöglichkeiten, indem sie diese organisiert, systematisiert und verfügbar macht, wann und wo Menschen sie benötigen.“ (OECD 2004;19))
Aufgrund der vielen Beratungsangebote sind folgende Beratungsformen zu unterscheiden. Aufzuzählen sind Arbeitsmarktberatung, Berufsberatung, Bildungsberatung, Drogenberatung, Eheberatung, Familienberatung, Klientenzentrierte- oder personenzentrierte Beratung, psychologische Beratung, Studienberatung, Weiterbildungsberatung und noch viele weitere. Diese Fülle an Beratungsangeboten macht deutlich, dass es für verschiedenste Probleme, unterschiedlichste Beratungsformen und Möglichkeiten gibt. Somit unterscheiden sich die Beratungen nicht nur in ihren Interventionen und Inhalten, sondern auch in ihren Beratungsansätzen sowie Beratungsprozessen.
2. Weiterbildungsberatung
Eine Beratungsform soll nun im weiteren Verlauf fundierter betrachtet werden. Es geht hierbei um die Weiterbildungsberatung, die eine spezielle Form der Beratung darstellt und sich von anderen individualpsychologischen Beratungen in ihrem Gegenstand und ihrer Ausrichtung unterscheidet. In ihr kommen aufgrund ihrer spezifischen Ausrichtung andere Interaktions- und Kommunikationsformen zum Tragen, als in der therapieorientierten Beratung. Durch die starke Umstrukturierung des Arbeitsmarktes nimmt die Beratung in Form der Weiterbildung einen integrierten Bestandteil des erwachsenpädagogischen Handelns ein.
Im Zuge der Veränderungen des Arbeitsmarktes aufgrund des weit reichenden gesellschaftlichen Strukturwandels, gewinnt die Weiterbildungsberatung zunehmend an Bedeutung. Das heißt, aus der aktuellen Entwicklung des Arbeitsmarktes, der von immer umfangreicheren Globalisierungstendenzen der Wirtschaft geprägt ist, resultieren gesellschaftliche Strukturveränderungen, die zu einem steigenden Bedarf an Orientierung führen .Somit erlangt die Weiterbildungsberatung ein verändertes Verständnis über ihre Aufgaben und Funktionen bei der Vermittlung von Weiterbildungsangeboten. Die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen, werden den Arbeitnehmern aufgrund der steigenden Lebensarbeitszeiten und der gleichzeitig steigenden Qualifikationsanforderungen immer mehr abverlangt. Diese Forderungen werden durch die rasanten technologischen Entwicklungen
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und die damit verbundenen bestehenden Bedürfnisse des Arbeitsmarktes sowie durch die zunehmend schnellere Alterung von Wissen und Bildung begründet. Hauptsächlich besteht der strukturelle Wandel des Arbeitsmarktes darin, die vorhandenen Arbeitsplätze durch neue Technologien einzusparen. Mit der Anerkennung dieser Arbeitsmarktveränderungen, soll es beim lebenslangen Lernen nur um ein Lernverständnis gehen, das die Erweiterung des Horizonts und die Stärkung der Persönlichkeit des Lernenden mit einschließt. Weiterbildungsangebote begrenzen sich nicht nur auf die Erwerbstätigen, sondern gerade heutzutage, in denen die Zeiten von hoher Arbeitslosigkeit geprägt sind, gewinnt die Weiterbildungsberatung zunehmend an sozialer und politischer Bedeutung. Über dieses Verständnis hinaus übernimmt Bildung eine immer intensivere arbeitsbezogene Funktion, wie zum Beispiel die Einbindung in gesellschaftliche Strukturen oder die Neustrukturierung von Zeiten.
Weiterbildung kann zum einen durch Qualifikationssteigerung die Sicherheit des Arbeitsplatzes erhöhen oder die Chance zur Integration in den Arbeitsmarkt ermöglichen. Ebenso vermag sie durch Zuwachs an persönlichen Kompetenzen und durch Reflexionsprozesse zur gesellschaftlichen Einbindung beitragen. Im Zuge des ständig wandelnden und wachsenden Arbeitsmarktes, der für den Laien kaum zu überschauen ist, sind enorme Aufgaben und Kompetenzen an die Berater gestellt. Dennoch zu beanstanden ist, dass Beratung nicht als ausbildungsbasierte Profession, sondern „nur“ als Qualifikation zu sehen ist.
„Die Mehrdimensionalität von Weiterbildung erfordert eine Mehrdimensionalität von Weiterbildungsberatung und begründet auf diese Weise ihren wachsenden Bedarf. Der skizzierten Vielschichtigkeit der Aufgaben von Fort- und Weiterbildung im gesellschaftlichen, politischen und sozialen Bereich muss in der Weiterbildungsberatung in angemessener Art und Weise Rechnung getragen werden, was bisher noch nicht geschieht. Dies steht im deutlichen Widerspruch zu den bildungspolitischen Forderungen, die an Beratung gestellt werden. Am deutlichsten zeigt sich dies im Fehlen einer eigenständigen, pädagogischen Beratungstheorie und -methodik. Die Problematik von Beratung liegt in der Ambivalenz zwischen dem steigenden Bedarf an zielgruppenorientierter Beratung und der Weitgehenden Vernachlässigung empirischer Forschung und Theoriebildung. Weiterhin trägt die geradezu inflationäre Benutzung des Beratungsbegriffs ohne eindeutige definitorische Beschreibung einzelner Beratungskonstrukte zu diesem Dilemma bei. Der Vielschichtigkeit der Weiterbildungsberatung, die den Beratern/ Beraterinnen weit reichende und komplexe
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Arbeit zitieren:
Ben Herzog, 2010, Weiterbildungsberatung am Beispiel des Lernladens Pankow, München, GRIN Verlag GmbH
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