Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Theoretische Überlegungen 2
3 Einschub: Hintergrund und Chronologie der Finanzkrise 5
4 Fallauswahl und Hypothesenbildung 7
4.1 Deutschland 7
4.2 Spanien 9
5 Methodisches Vorgehen 11
5.1 Auswahl des Untersuchungsmaterials 12
5.2 Operationalisierung 13
5.3 Codierung, Reliabilität und Validität 14
6 Analysen und Ergebnisse 15
6.1 Positive und negative Darstellung der Krise 15
6.2 Analyse der verwendeten Begriffe 18
6.3 Kritik an Regierung und Kapitalismus 21
7 Fazit und Ausblick 22
1 Einleitung
Die Einschätzung der wirtschaftlichen Situation eines Landes kann weitreichen-
de Konsequenzen sowohl für die Volkswirtschaft auch als für die gesamte Ge-
sellschaft haben. Individuen treffen Konsum- und Investitionsentscheidungen
schlie ßlich vor dem Hintergrund wahrgenommener ökonomischer Perspektiven
und Risiken. Daneben bildet die Wahrnehmung der wirtschaftlichen Entwick-
lung auch eine wichtige Grundlage zur Beurteilung der Regierungsleistung in
einem Land. Die Berichterstattung zur wirtschaftlichen Lage durch die Medien
spielt hierbei eine zentrale Rolle. Dies ist angesichts der aktuellen Finanzkrise
von besonderer Brisanz. Seit dem Zusammenbruch der „Lehman Brothers“, ei-
ner der größten und ältesten Investment-Banken mit Hauptsitz in New York,
im September vergangenen Jahres, wird in den Medien weltweit verstärkt über
die Finanzkrise und ihre etwaigen Folgen berichtet.
Auf dieser Berichterstattung liegt der Fokus der vorliegenden Arbeit. Ziel
ist, zu untersuchen, wie diese Krise in den Medien dargestellt wird. Dabei geht
es sowohl um die Frage, welche Inhalte vermittelt werden, als auch um die
Frage , wie diese Inhalte gerahmt werden. In einer komparativen Analyse wird die
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Berichterstattung der Tagespresse zur Finanzkrise in Deutschland und Spanien untersucht. Dafür wurden zwei eher konservativ ausgerichtete Tageszeitungen gewählt: „Die Welt“ (Deutschland) und „El Mundo“ (Spanien). Mittels einer sowohl qualitativ als auch quantitativ ausgerichteten Inhaltsanalyse werden zwei Zeiträume - die Woche des Zusammenbruchs der US-Investmentbank „Lehman Brothers“ sowie eine Woche ein halbes Jahr nach diesem Zusammenbruch - näher betrachtet und dahin gehend untersucht, ob die Berichterstattung (1) überwiegend mittels positiv oder negativ konnotierter Begriffe erfolgte, (2) ob und inwiefern in der Berichterstattung eine Kritik an der jeweils herrschenden Regierung und (3) am Kapitalismus bzw. der kapitalistischen Kultur geübt wurde sowie (4) ob und inwiefern sich die Berichterstattung in den beiden Ländern unterscheidet.
Die Arbeit gliedert sich in sieben Teile. Nach Vorstellung des theoretischen Hintergrundes der Arbeit erfolgt ein kurzer Einschub über die Hintergründe und den Verlauf der aktuellen Finanzkrise. Anschließend erfolgt die Begründung der Auswahl der beiden Länder Spanien und Deutschland. Darauf aufbauend werden Arbeitshypothesen zur Orientierung der empirischen Analyse formuliert. Im nächsten Schritt wird das methodische Vorgehen erläutert und schließlich die Ergebnisse der Inhaltsanalyse präsentiert. Den Abschluss bilden ein Fazit über die Untersuchung und die erhaltenen Ergebnisse sowie ein Ausblick auf mögliche weitere Forschung zu diesem Thema.
2 Theoretische Überlegungen
Die Printmedien besitzen für die Meinungsbildung und Förderung von Meinungspluralität einen besonderen Stellenwert. Wie kein anderes Medium ermöglicht und fördert das geschriebene Wort dem Rezipienten (dem Leser) eine intensive und kritische Auseinandersetzung mit komplexen Inhalten sowie deren Verständnis. Im Unterschied zu anderen Medien wie Hör- oder Fernsehfunk ist es dem Konsumenten von Printmedien in besonders hohem Maße möglich, darüber zu bestimmen, wann, wie oft, an welchem Ort und in welchem Tempo er die vermittelten Inhalte konsumiert (vgl. Rechmann 2008, S. 44). Auch genießt das Printmedium Zeitung neben dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen die höchste Akzeptanz der Medienkonsumenten in Bezug auf Glaubwürdigkeit
(ZMG Zeitungs Marketing Gesellschaft mbh & Co. KG 2009) 1 . Insofern tragen die Produzenten von Printmedien eine besondere Verantwortung in Bezug auf die Auswahl und Darstellung der von ihnen aufgegriffenen Themen. Diesen
1 Wie an späterer Stelle näher beleuchtet, trifft dieser Umstand in erster Linie auf Deutsch-land, nicht jedoch auf Spanien zu, wo insbesondere dem Fernsehrundfunk eine hohe Bedeutung
zukommt.
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Standpunkt vertritt auch Habermas in seiner Kommunikations- und Demokra-tietheorie, welcher von Rechmann sehr treffend zusammengefasst wird: „Durch ihre ordnende Funktion trägt die Presse zum Verständnis komplexer Sachverhalte bei und ermöglicht gesamtgesellschaftliche Kommunikation. Sie fördert gesellschaftlichen Diskurs und Meinungsbildungsprozesse der Öffentlichkeit“ (Rechmann 2008, S. 44). Die Untersuchung der Darstellung einer Krisensituation in den Printmedien erscheint vor diesem Hintergrund besonders interessant. Die Berichterstattung, Darstellung und Analyse einer solchen Krise stellt besonders hohe Anforderungen an die berichtende Presse. Nicht nur muss sie sich mit komplexen Sachverhalten auseinandersetzen, sondern sie wird auch stets mit einer Vielzahl unterschiedlicher und kontroverser Meinungen und Thesen zu einer solchen Krise konfrontiert, hinter denen sich oft Motive bestimmter Interessengruppen verbergen, die es zu erkennen gilt. Einen besonderen Einfluss auf die gesamtgesellschaftliche Kommunikation sowie die Meinungsbildung innerhalb der Gesellschaft haben dabei die so genannten überregionalen „Qualitätszeitungen“, denen ein besonders hohes Maß an Glaubwürdigkeit sowie kritischer und realitätsnaher Berichterstattung zugesprochen wird (vgl. Rechmann 2008). Daher will sich die vorliegende Arbeit mit der Krisendarstellung in einer solchen Qualitätszeitung, insbesondere im Vergleich zu der eines anderen Staates, befassen. In einem theoretischen Ausgangsmodell werden zunächst Aufbau und Struktur des Kommunikationsprozesses zwischen Produzent und Konsument von Presseberichten geklärt. Auf dem Weg vom Sender zum Empfänger durchläuft der kommunizierte Inhalt einer Mitteilung einen zweifachen Kodierungsprozess. Die erste Kodierung erfolgt durch den Sender der Mitteilung, der den Inhalt dieser in Zeichen übersetzt. Die zweite Kodierung erfolgt durch den Empfänger der Mitteilung, der wiederum durch Dekodierung die Bedeutung dieser Zeichen erfasst (vgl. Diekmann 2002, S. 484).
Quelle: Diekmann 2002: 484, eigene Bearbeitungen
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Wählt der Sender der Mitteilung zur Kodierung des Inhaltes dieser in erster Linie negative Zeichen, d. h., rahmt er den Inhalt negativ (Medien-Rahmen), ist es wahrscheinlich, dass der Empfänger diese Mitteilung ebenfalls negativ rahmt (Audienz-Rahmen), unabhängig vom konkreten Inhalt der Mitteilung (vgl. Scheufele 1999). Die allgemeine Nutzung bzw. Bildung eines sogenannten Medien-Rahmens liegt laut Scheufele vor allem in Ideologien, Einstellungen und Normvorstellungen des Journalisten (bzw. der Zeitschrift, für die er tätig ist), in organisationalen Einschränkungen, journalistischen Routinen sowie in durch Eliten und/oder Interessen-Gruppen ausgeübten Druck begründet (ebd., S. 109). Die Entscheidung für einen konkreten Rahmen hat wiederum die Fähigkeit, die politische Diskussion, wie auch die öffentliche Meinung zu beeinflussen (ebd., S. 111). Durch den gebildeten Medien-Rahmen der Presse bzw. der Journalisten wird für die Rezipienten ein sogenannter Audienz-Rahmen gesetzt, welcher dazu führt, dass bestimmte Meinungen und Einstellungen beim Rezipienten stärker aktiviert werden, als es bei der Wahl eines anderen Rahmens der Fall gewesen wäre. Dies führt auf individueller Ebene dazu, dass der Rezipient bestimmte Einstellungen/Meinungen zum thematischen Inhalt der Mitteilung, bestimmte Verhaltensweisen oder auch eine bestimmte Zuschreibung von Ver-antwortung entwickelt (ebd., S. 115ff.), welche aggregiert in einer öffentlichen Meinung münden, die wiederum den Ausgangspunkt für die Berichterstattung der Presse bzw. Journalisten darstellt. In Abbildung 2 auf Seite 4 ist dieser Prozess grafisch dargestellt.
Quelle: Scheufele 1999: 115
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Vor diesem Hintergrund wurde schließlich die zentrale Fragestellung dieser Untersuchung entwickelt: Erfolgt die Berichterstattung zur Finanzkrise in erster Linie mittels positiv oder aber mittels negativ konnotierter Begriffe und inwiefern unterscheidet sich dies in verschiedenen Ländern? Ein konkretes Beispiel für einen solchen Framing-Effekt, wenn auch in einem anderen Zusammenhang, zeigten Tversky und Kahneman (1981). Mittels eines Experimentes demonstrierten sie erstmals den Effekt der Beschreibung von Entscheidungskonsequenzen auf die tatsächliche Entscheidung, bekannt ge-worden als „Asian disease problem“. Dieser Effekt wurde von Stocké (1998) in erweiterten Experimenten bestätigt.
In Bezug auf Wirtschaftsnachrichten existiert eine interessante Arbeit, welche die konkreten Auswirkungen der Berichterstattung in den Massenmedien auf die Bewertung der Wirtschaftslage in der Bevölkerung untersucht (Bachl 2008). Hier konnte mittels zeitreihenanalytischer Verfahren gezeigt werden, dass diese Beeinflussung auf zwei Wegen erfolgt: zum einem mittels der Veröffentlichung von amtlichen Konjunkturstatistiken und zum anderen mittels der Darstellung der Wirtschaftslage durch die Journalisten. Auch die konkrete Beeinflussung ist zweierlei: Auf der einen Seite können Massenmedien anhand der Berichterstattung in den Wirtschaftsnachrichten das Konsumverhalten der Bevölkerung, auf der anderen Seite ihr politisches Urteil, sprich ihre Zustimmung oder Ablehnung zur Regierung, beeinflussen. Letzteres wäre insbesondere im Hinblick auf die gerade stattgefundenen Bundestagswahlen interessant und ein möglicher Ausgangspunkt für eine weiterführende Arbeit.
Der Fokus der vorliegenden Arbeit liegt, wie bereits eingangs erwähnt, auf der Art und Weise der Berichterstattung vor dem Hintergrund der Medienrahmung.
3 Einschub: Hintergrund und Chronologie der Finanzkrise
Zum besseren Verständnis der Hintergründe der Finanzkrise und den konkreten Themen in der Berichterstattung werden an dieser Stelle kurz die Hintergründe der Finanzkrise sowie deren bisheriger Verlauf beschrieben. Der Ursprung der Finanzkrise ist in den Vereinigten Staaten zu suchen. Nach dem Ende des „New-Economy-Booms“ und der damit verbundenen wirtschaftlichen Ernüchterung versuchte man die Wirtschaft anzukurbeln, indem man Gesetze und Regelungen erließ, die den Erwerb von Immobilien für Privatpersonen mit sehr geringer Bonität oder gar ohne Eigenkapital ermöglichten (vgl. Stroisch et al. 2009). Dies funktionierte zunächst recht gut: Die Werte für Immobilien in wirt-
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schaftlich starken Regionen stiegen und die Immobilienbesitzer konnten immer neue Kredite zur Erfüllung von immer mehr Konsumwünschen aufnehmen. In Folge dessen blühte dieser so genannte „Subprime“-Markt und die Gewinne der US-Hypothekenfinanzierer stiegen stetig an (ebd.). Auch andere Banken in der Welt wollten von dieser Entwicklung profitieren und kauften (in der Regel indirekt) Pfandbriefe von Investmentbanken des „Subprime“-Sektors. Sieben Jahre später, im Frühjahr 2007, zeigten sich erste Schwierigkeiten: Immer mehr Kreditnehmer kamen in Zahlungsschwierigkeiten, konnten ihre Kredite nicht mehr bedienen und schließlich gingen erste Hypothekenfinanzierer der USA pleite. Damit begann die „Subprime“-Krise (ebd.). Zunächst ging man noch davon aus, dass sich diese Krise auf den „Subprime“-Markt beschränken würde. Bald jedoch vermeldeten auch erste europäische Kreditinstitute Verluste aus ihren Hypothekengeschäften in den USA. Erstes deutsches Opfer der Krise wurde im Juni 2007 die IKB (Deutsche Industriebank), daraufhin folgte drei Monate später die SachsenLB. Schließlich entschied die EZB (Europäische Zentralbank) Mitte August 2007 einzugreifen, und pumpte 95 Milliarden Euro in den Geldkreislauf. Trotz allem vermeldeten mehr und mehr Banken weltweit Gewinneinbrüche aufgrund der hohen Verluste aus Abschreibungen, was zu Beginn 2008 zu dramatischen Kurseinbrüchen an den Börsen führte (ebd.). In Deutschland gerieten die WestLB sowie die BayernLB in finanzielle Schwierigkeiten. Im März 2008 bracht die fünftgrößte Investmentbank der USA, Bear Stearns, zusammen, wurde jedoch von der US-Regierung gerettet. Einen Monat später meldete die Deutsche Bank erstmals rote Zahlen (ebd.). Im Juli 2008 ging eine weitere US-Investmentbank bankrott, viele weitere forderten finanzielle Unterstützung vom Staat an. Anfang September 2008 drohte den beiden größten Baufinanzierern der USA - Fannie Mae und Freddie Mac - die Zahlungsunfähigkeit, erneut sprang der Staat helfend ein. Wenige Tage später, am 15. September 2008, folgte der „Schwarze Tag“ der Finanzkrise: die älteste Investmentbank der Wall Street„Lehman Brothers“ - meldete Insolvenz an (ebd.). An den darauffolgenden Tagen überschlugen sich die Medien mit regelrechten Horrormeldungen und die Finanzkrise mit ihren weltweiten Auswirkungen wurde zu einem, die Berichterstattung und das Tagesgeschehen dominierenden Thema. Aus diesem Grund bildet der 15. September 2008 den Ausgangspunkt der vorliegenden Untersuchung. Die Entwicklungen nach dem 15. September 2008 werden im folgenden Abschnitt separat für Deutschland und Spanien aufgezeigt.
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Arbeit zitieren:
Nora Müller, 2009, Die Berichterstattung über die Finanzkrise, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
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