Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Die Entstehung von Künstlerkolonien im 19. Jahrhundert 4
3. Die Künstlerkolonie Ahrenshoop. 5
3.1 Paul Müller-Kaempff - Begründer der Künstlerkolonie. 6
3.2 Das Wirken und Schaffen Anna Gerresheims in der Künstlerkolonie. 8
3.3 Der Künstler Friedrich Wachenhusen. 9
3.4 Die Malerin Elisabeth von Eicken. 10
3.5 Friedrich Grebe in Ahrenshoop 12
4. Schluss: Die Entwicklung der Künstlerkolonie bis zum Ersten Weltkrieg 13
Anhang 14
Literaturverzeichnis. 20
Abbildungsverzeichnis 21
2
1. Einleitung
Mit der vorliegenden Hausarbeit über die Künstlerkolonie Ahrenshoop, möchte ich eine kleine Entwicklungsgeschichte der Kolonie aufzeigen anhand ausgewählter Künstler der ersten Generation. Im Ersten Teil der Arbeit gehe ich kurz auf die Entstehung und Entwicklung von Künstlerkolonien im 19. Jahrhundert ein und zeige anhand der Schule von Barbizon, kurz die Entwicklung der Freiluftmalerei. Im nächsten Teil beschäftige ich mit den Künstlern Paul Müller-Kaempff, Anna Gerresheim, Friedrich Wachenhusen, Elisabeth von Eicken und Friedrich Grebe. Neben biografischen Angaben werde ich auch auf einige Werke der Künstler eingehen und anhand derer versuchen mögliche Entwicklungen des Künstlers durch das Leben in der Kolonie aufzuzeigen. Denn gerade in Ahrenshoop, durch die vielfältige Landschaft und die reizvolle Natur, veränderten viele Künstler zum Beispiel ihre Farbpalette oder ihre Motivwahl. Im letzten Teil der Arbeit zeige ich die Entwicklung der Kolonie bis zum Anfang des Ersten Weltkrieges auf. Die Literatur zu diesem Thema ist in den letzten Jahren gewachsen und zeigt ein reges Interesse an dem Thema, jedoch sind einzelne Monografien über die Künstler immer noch spärlich vorhanden. Besonders das Werk von Ruth Negendanck „Künstlerkolonie Ahrenshoop. Eine Landschaft für Künstler“ 1 möchte ich hier erwähnen. Dieses Buch gibt einen sehr guten Überblick über die Geschichte der Kolonie in Ahrenshoop mit vielen Abbildungen und Künstlerbiografien. Auch das Werk der Autorin Melanie Ehler 2 , sowie von den Autoren Barbara Bohn, Vera Bombor und Wolf Karge 3 dienen als Grundlage für diese Arbeit.
1 Negendanck, Ruth: Künstlerkolonie Ahrenshoop. Eine Landschaft für Künstler, Fischerhude 2001
2 Ehler, Melanie: Rückzug ins Paradies. Die Künstlerkolonien Worpswede-Ahrenshoop-Schwaan, Berlin 2001
3 Bohn, Barbara; Bomber, Vera; Karge, Wolf: Ahrenshoop. Eine Künstlerkolonie an der Ostsee, Fischerhude 1990
3
2. Die Entstehung von Künstlerkolonien im 19. Jahrhundert
Mit dem Werk Gerhard Wieteks „Deutsche Künstlerkolonien und Künstlerorte“ aus dem Jahr 1976, wird der Begriff der „Künstlerkolonien“ in der Kunstgeschichte geprägt 4 . Die Entstehung dieser Orte ist eng an historisch-soziale Prozesse der Gesellschaft gebunden. Besonders die rasche technische Entwicklung und Globalisierung und das stetige Wachsen der Städte, rief bei vielen Künstlern Ablehnung und Unmut hervor. Gerade die Natursehnsucht und die Rückbesinnung zu einem einfachen Leben bestärkte die Künstler sich von den tradierten Formen der Akademien abzuwenden, hin zu einem einfachen Leben mit und in der Natur. Jean-Jaques Rousseaus viel zitierter Satz „Zurück zur Natur“ aus seinem Werk „Emile ou de l’Éducation“ von 1762, wurde vor allem von den Landschaftsmalern in Frankreich verstanden. 5 In Deutschland darf Philipp Otto Runge (1777-1810) als Wegbereiter der frühen Landschaftsmalerei gesehen werden.
Die Anfänge der Freiluftmalerei („plain air“) reichen bis zur Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert, als William Turner (1775-1851) in den 1790er Jahren im schottischen Hochland romantische Stimmungsbilder malte und sich mit einer atmosphärischen, bewegten Natur auseinandersetzte. Mit der Entdeckung des Waldes von Fontainebleau in den 1830er Jahren, sechzig Kilometer von Paris entfernt, begannen nun auch Pariser Künstler der Stadt den Rücken zu kehren und sie ließen sich im kleinen Straßendorf Barbizon nieder, wo sie nachhaltig die europäische Freiluftmalerei beeinflussten. Fontainebleau war kein unbekannter Ort, schon im 16. Jahrhundert ließ sich Franz der I. hier sein Jagdschloss errichten. Doch mit der Zeit verwilderte der Wald immer mehr, so fanden dann die Künstler der ersten Generation von Barbizon ein urtümliches, wild romantisches Wäldchen vor. Zu den Künstlern gehörten unter anderem Théodore Rousseau (1812-67), Charles-François Daubigny (1817-78), Jules Dupré (1811-89) und Jean-Baptiste Camille Corot (1796-1875). Mit der Ablehnung der klassizistischen Malereien der Akademien und das seichte Kulturleben der 1830er Jahre, malten die Barbizoner Künstler Landschaftsmotive des ländlichen Raumes im Freien, dennoch wurden die Werke im Atelier vollendet. 6 Es sind vor allem Ausschnitte der Landschaft, Waldlichtungen oder ein Graben, oder der Ausschnitt eines Ackers, die als besondere Leistungen dieser Zeit gelten („paysage intime“). Die Farbpalette der Künstler begann sich aufzuhellen und die Wahrnehmung eines farbigen Schattens bildete die Basis für den kommenden Impressionismus. Auch durch spezifische Entwicklungen der künstlerischen
4 Wietek, Gerhard: Deutsche Künstlerkolonien und Künstlerorte, München 1976
5 Negendanck, Ruth: Künstlerkolonie Ahrenshoop. Eine Landschaft für Künstler, Fischerhude 2001, S.16
6 Ehler, Melanie: Rückzug ins Paradies. Die Künstlerkolonien Worpswede-Ahrenshoop-Schwaan, Berlin 2001, S.16
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Arbeitsmittel, wie zum Beispiel die Erfindung der Maltube von John Rand 1841, ist es den Künstlern endlich möglich ihre Bilder vor der Natur anzufertigen und zu vollenden. Dabei gehen sie besonders auf die Lichtverhältnisse zu den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten ein. Ab 1870 kam es in ganz Europa vermehrt zur Entstehung von Künstlerkolonien, beispielsweise in Frankreich (Pont-Aven, Concerneau), in England (St. Ives), in den Niederlanden (Katwijk) oder an der kurischen Nehrung in Nidden. Die wichtigste Gemeinsamkeit der Kolonien und auch der Künstler innerhalb der Kolonien war, die Ablehnung der traditionell überlieferten Formen der akademischen Malschulen und das Bestreben in der Natur gemeinschaftlich zu malen. Das Gemeinschaftsleben spielte in jeder Kolonie eine wichtige Rolle. Es diente vor allem der „Theorienbildung“ und auch der Gedankenfindung, man traf sich zum Picknick, oder in der Herberge zum abendlichen Gespräch oder in der Natur, wo man gemeinsam Bilder anfertigte. Zu dieser Zeit bildeten sich auch in Deutschland eine Vielzahl von Künstlerkolonien, welche zwar antiakademisch ausgerichtet waren, jedoch im Zusammenspiel mit einzelnen Akademien entstanden, so zum Beispiel in Willingshausen bei Düsseldorf oder in Worpswede bei Bremen. Dabei bildete die Kolonie in Worpswede eine stilbildende Schule, wo hingegen die anderen Kolonien ohne Manifest oder Programm zusammenlebten. Eher zufällig wurden die Orte dabei von den Künstlern entdeckt, so auch Ahrenshoop und viele weitere Orte an der Ostsee. Die vielen verschiedenen, individuellen Künstlerpersönlichkeiten prägten die Kolonien, doch in manch abgeschiedenen Orten stagnierte ihre Entwicklung, denn Strömungen der zeitgenössischen Kunst gingen oftmals an ihnen vorbei. Mit dem Ersten Weltkrieg kam es dann zu einer Zäsur in den Künstlerkolonien.
3. Die Künstlerkolonie Ahrenshoop
Das kleine Dorf Ahrenshoop, zwischen Ostsee und dem Saaler Bodden, befindet sich auf der Halbinsel Fischland-Darß und wurde vor allem durch die Fischerei geprägt. Im 18. Jahrhundert gewann Ahrenshoop, unter schwedischer Herrschaft, an Bedeutung für die Fischländer Schiffer, denen dort wirtschaftliche Vergünstigungen erwarteten. Um 1830 sollen etwa 30 Schifferfamilien ansässig gewesen sein, die östlich der Dorfstraße ihre Häuser bauten. Im Allgemeinen waren es Kapitäne und Steuerleute, die sich in soliden Fachwerkbauten niederließen und es zu einem gewissen Wohlstand brachten. Neben der „Wadenfischerei“, bei der es um den Heringsfang geht, war der einzige Bauernhof in Ahrenshoop eine Einnahmequelle für die ärmlicheren Dorfbewohner, die sich durch
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Naturalienverdienst einen Wintervorrat anlegen konnten 7 . Parallel zum Niedergang der Segelschifffahrt entdeckten Maler und Badegäste Ahrenshoop, sodass die Dorfbewohner nun ihre nötigen Einnahmen mit dem aufkommenden Tourismus sichern konnten. Als erster nachgewiesener Künstler, der sich in Ahrenshoop aufhielt, aber dort nie ansässig wurde, gilt Carl Malchin (1838-1923). Er fand ein kleines Dorf mit einer nahezu unberührten Natur vor, einem hohen Ufer und einer witterungsbedingten Vegetation. Ab 1882 hielt sich Malchin in Ahrenshoop auf, dies kann durch zwei Skizzen belegt werden („Vier Kinder in den Dünen von Ahrenshoop“, vom 9. September 1882 (Abb.1) und „Zwei halbwüchsige Kinder Wilhelm Hallier und Hans Hinze“, vom 9. September 1882 (Abb.2)). Carl Malchin gehörte eigentlich zu der Schwaaner Künstlerkolonie und lernte beim Landschaftsmaler Theodor Hagen in Weimar. Die Werke Malchins zu der Zeit waren Studien und Skizzen, die er in der Natur machte, jedoch das fertige Bild wurde im Atelier vollendet. Die Heimatschriftstellerin Käthe Miehte allerdings berichtet: „Als Entdecker und gleichsam Kolonisatoren Ahrenshoop werden in erster Linie immer Paul Müller-Kaempff und Fritz Wachenhusen genannt. Doch wenn man sich bei den alten Ahrenshoopern ein wenig umhört, kommt heraus, daß diese beiden Maler bereits eine Vorgängerin gehabt haben, die Malerin Eva Stort, die damals eine Sensation für die Ahrenshooper gewesen sein muß. (…)“ 8 . Da es von Eva Stort keinen künstlerischen Nachlass gibt, kann ihr Aufenthalt in Ahrenshoop nicht belegt werden.
3.1 Paul Müller-Kaempff - Begründer der Künstlerkolonie
Der Maler Paul Müller-Kaempff, am 16.10.1861 in Oldenburg geboren und dort aufgewachsen, gilt als der Begründer der Ahrenshooper Künstlerkolonie. Er besuchte für kurze Zeit die Düsseldorfer Kunstakademie mit dem Ziel sich als Landschaftsmaler zu etablieren. Ab 1883 wechselte Müller-Kaempff an die Karlsruher Akademie und studierte dort beim Landschaftsmaler Gustav Schönleber (1851-1917), der durch seine „moderne“ Auffassung von Landschaftsmalerei großen Zuspruch von seinen Schülern bekam. Im Jahr 1886 befand sich Paul Müller-Kaempff als Meisterschüler unter dem norwegischen Landschaftslehrer Hans Frederik Gude an der Berliner Akademie. Nach seiner Akademiezeit verbrachte Müller-Kaempff zwei Jahre in Berlin, jedoch war er auf der Suche nach einer Landschaft, aus der er für seine Malerei Motive schöpfen konnte. Als er sich im Jahre 1889 mit seinem Freund dem Tiermaler Oskar Frenzel (1855-1915) in Wustrow niederließ, kam es, dass die beiden auf einer Wanderung Ahrenshoop entdeckten: „[…] Im Spätsommer 1889
7 Bohn, Barbara; Bomber, Vera; Karge, Wolf: Ahrenshoop. Eine Künstlerkolonie an der Ostsee, Fischerhude 1990, S. 19
8 Bohn, Barbara; Bomber, Vera; Karge, Wolf: Ahrenshoop. Eine Künstlerkolonie an der Ostsee, Fischerhude 1990, S. 37
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Arbeit zitieren:
Christina Wagner, 2010, Die Künstlerkolonie in Ahrenshoop, München, GRIN Verlag GmbH
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