Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Geschichte und Beginn der deutschen Kolonialbewegung 5
2.1 Bismarcks Haltung zur Kolonialfrage 5
2.2 Die Kolonien 7
3. Theorien zum Erwerb der Kolonien 8
3.1 Der Druck der Kolonialbewegung 8
3.2 Annäherung an den westlichen Nachbarn und antienglische 8
Politik
3.3 „Sozialimperialismus“ und ökonomische Motive 11
3.4 „Warten auf den richtigen Moment“ 12
4. Schlussbetrachtung 13
Literaturverzeichnis 14
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1. Einleitung
Die Motive für Otto von Bismarcks Eintritt in die Kolonialpolitik scheinen bis heute nicht eindeutig zu sein, obwohl die deutsche Kolonialgeschichte vor mehr als 120 Jahren begann. „Solange ich Reichskanzler bin, treiben wir keine Kolonialpolitik (…)“ (Baumgart 1992, S. 142) hieß es seitens Bismarcks noch 1881. Erstaunlich also, dass der Reichskanzler sich nur drei Jahre später recht plötzlich doch unter die Kolonialmächte drängte. Welche Beweggründe Bismarck gehabt haben könnte, von der Ablehnung deutscher Kolonien hin zu einer aktiven Überseepolitik, soll in dieser Arbeit näher betrachtet werden. Otto von Bismarck (1815 bis 1898) wurde am 08. Oktober 1862 zum preußischen Ministerpräsidenten und Minister des Auswärtigen ernannt und 1871 zum ersten Reichskanzler des neu gegründeten Deutschen Reichs. Seine Funktion als Reichskanzler übte er bis 1890 aus.
Viele Autoren haben sich mit der Änderung von Bismarcks Haltung bei der Frage der deutschen Kolonien beschäftigt, einige wichtige Richtungen und Erklärungsansätze innerhalb der Forschung werden in den folgenden Kapiteln erläutert. Zunächst wird in Kapitel 2 ein Überblick über die Geschichte und den Beginn der deutschen Kolonialbewegung gegeben. Dabei wird deutlich, dass bereits im 16. und 17. Jahrhundert Interesse an Kolonialbesitz bestand, deutsche Missionare sich jedoch nicht durchsetzen konnten. Erst Ende der 1870er Jahre begann die organisierte Kolonialbewegung. Anschließend wird Bismarcks Haltung zur Kolonialfrage erörtert. In diesem Unterkapitel wird zunächst die Ablehnung von deutschen Kolonien in verschiedenen Äußerungen und schriftlichen Dokumenten aufgezeigt, um dann auf die plötzliche Wendung seiner Meinung einzugehen. Kapitel 2.2 gibt einen kurzen Überblick über die deutschen Kolonien, die im Jahre 1884 und später in Besitz genommen wurden. Wo sie entstanden, welchen Ertrag sie erbringen sollten oder zu welchem Zweck die verschiedenen deutschen Kolonien verwendet wurden, ist hier nachzuvollziehen. Das Kapitel 3 beschäftigt sich in der Folge mit unterschiedlichen Theorien des Wandels Otto von Bismarck vom Kolonialbesitzgegner zum aktiven Kolonialpolitiker ab 1884. In den Unterkapiteln werden Motive wie der Druck der Kolonialbewegung, der Versuch durch die Kolonialpolitik Frankreich an sich zu binden und England auszuspie-
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len, ökonomische Beweggründe, die „Sozialimperialismus“-Theorie und das „Warten auf den richtigen Moment“ für die Inbesitznahme deutscher Kolonien untersucht. Die Schlussbetrachtung schließt diese Arbeit mit einer kurzen Beurteilung der Theorien ab.
Als Basis der Hausarbeit dient vor allem Horst Gründers „Geschichte der deutschen Kolonien“, Winfried Baumgarts Aufsatz „Bismarcks Kolonialpolitik“ und die Dissertation von Axel Riehl „Tanz um den Äquator“.
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2. Geschichte und Beginn der deutschen Kolonialbewegung
Bereits im 16. Und 17. Jahrhundert gab es Bemühungen um deutsche Kolonialgebiete. Die „(…) Entdecker, Wissenschaftler, Forscher, Missionare, Händler und Handelshäuser (…)“ (Gründer 2004, S. 15) scheiterten fast ausnahmslos in ihren Bemühungen, deutsche Kolonialgebiete einzunehmen. Friedrich I. und II. schienen weniger an kolonialen Plänen interessiert. Ab 1840 verschärfte sich jedoch schließlich der Kolonialgedanke. Es war das Handelsinteresse, aber auch die Angst, dass andere Länder anfingen, die Welt unter sich aufzuteilen. Die zunehmende Industrialisierung und die ansteigende Bevölkerung führten ebenfalls zu einer stärkeren Bejahung der Kolonialisierung in Deutschland. 1870/ 71 bestärkte der deutsch-französische Krieg wiederum diesen Gedanken. Als Kriegsentschädigung war französischer Kolonialbesitz im Gespräch (Vgl.: Gründer 2004, S. 15ff.).
Die organisierte Kolonialbewegung ist gegen Ende der 1870er Jahre zu verorten. Am 09. Oktober 1878 wird in Berlin auf Initiative des Nationalökonomen Robert Jannosch eine der ersten kolonialen Vereinigungen im Deutschland der Kaiserzeit gegründet: Der „Centralverein für Handelsgeographie und Förderung deutscher Interessen im Ausland“. Der Verein sollte die Interessen der exportinteressierten Fertigwarenindustrie aus verschiedenen Landesteilen Deutschlands vertreten sowie Reedereien in Norddeutschland. Ein Jahr später entstand der „Westdeutsche Verein für Kolonisation und Export“. Hier waren zumeist Vertreter der Großindustrie und des Großhandels Mitglieder. Auch viele Publizisten interessieren sich für Kolonisationsprojekte. So gilt Friedrich Fabri, der 1879 das berühmte Buch „Bedarf Deutschland der Colonien?“ veröffentlichte, als der „Vater der deutschen Koloniebewegung“ (Gründer 2004, S. 34). 1882 wird schließlich der „Deutsche Kolonialverein“ gegründet. Dem Verein ging es um „(…) die Belebung des kolonialen Gedankens (…)“ (Gründer 2004, S. 41/ 42).
2.1 Bismarcks Haltung zur Kolonialfrage
In den 1860er Jahren gestand der Reichskanzler dem Schutz und der Förderung von deutschem Handel finanzielle Unterstützung ein. So beispielsweise in ostasiatischen Gewässern oder im Golf von Mexiko (Vgl.: Riehl 1993, S. 21 ff.). Vor 1884, in dem Jahr als schließlich unerwartet deutsche Kolonien in Besitz genommen wurden, lehnte
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Arbeit zitieren:
Elisa Minossi, 2009, Bismarck und die Frage nach den deutschen Kolonien – Welche Motive standen hinter dem Einstieg in die Kolonialpolitik?, München, GRIN Verlag GmbH
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