Triebbefriedigung sowie der Objektbeziehung gebildet. Ebenso die geistige und seelische Gesundheit des Individuums wird durch die Fürsorge der Mutter bedingt. 2 Die mütterliche Fürsorge ist eine Weiterführung der physiologischen pränatalen Versorgung des Säuglings. Auch stellt diese Fürsorge ein Fortbestehen der Gewebe- Lebendigkeit und der funktionalen Gesundheit dar, durch welche der Säugling eine, für sein Leben wichtige, Stützung des Ichs erlangt. Es besteht so ein Zusammenhang zwischen geistige Erkrankungen, wie Schizophrenie, infantile Psychose oder eine Gefährdung für eine Psychose, zu einem späteren Zeitpunkt im Leben des Individuums und dem Versagen der Fürsorge der Umwelt. Die Auswirkungen dieses Versagens können jedoch auch als eine Ich- Verzerrung oder als Abwehr primitiver Ängste, und so auf das Individuum bezogen, beschrieben werden. 3
Betrachtung einer Einzelheit der mütterlichen Fürsorge:
Der Säugling ist mit seiner Mutter verschmolzen. In dieser Verschmelzung sollte die Mutter die Bedürfnisse ihres Kindes in einem besonders hohen Maße verstehen. Wenn Mutter und Kind vom Standpunkt des Säuglings aus getrennt sind, erwartet dieser nicht mehr, dass all seine Bedürfnisse direkt erfüllt werden. Und auch die Mutter erkennt, dass der Säugling dieser Zustand nicht länger erwartet und sie beginnt ihre Haltung dem Säugling gegenüber zu verändern. Sie scheint von den neuen Fähigkeiten ihres Kindes zu intuitiv zu wissen. Dieses gibt, wenn es Bedürfnisse hat, nun Signale und die Mutter wird so gelenkt und kann diese erfüllen und das Kind versorgen. Würde die Mutter nun weiterhin alle Bedürfnisse ihres Kindes verstehen, könnte so keine Grundlage für eine Objektbeziehung gebildet werden. Am Ende der Verschmelzung von Mutter und Kind ist es daher von großer Bedeutung, dass der Säugling Signale gibt. 4 Bei mehrfachen Mütter, die bereits einige Kinder groß gezogen haben, kann der Fall eintreten, dass diese ihre Kinder zu sehr bemuttern. Sie tun dann alles in den richtigen Momenten und zum korrekten Zeitpunkt. So hat der, sich gerade von der Mutter trennende, Säugling nicht die Möglichkeit Signale zu geben. Da die Mutter alle Bedürfnisse des Säuglings im richtigen Augenblick erfüllt, ist es nicht erforderlich, dass das Kind schreit, protestiert oder andere Zeichen gibt, damit die Mutter jenes tut, wonach er verlangt. Auf diese Weise wird dem Säugling jedoch nichts Gutes getan: Dieser bleibt so entweder dauerhaft in einem Zustand der Regression und mit der Mutter verschmolzen oder er entwickelt eine völlige Ablehnung gegenüber seiner Mutter. Es ist also von besonderer Wichtigkeit, dass Mütter, wenn sie mit Säuglingen umgehen, zu unterscheiden wissen, zwischen einer einfühlenden Art, die die Bedürfnisse des Säuglings versteht und dem Erkennen und dem Bemerken von Anzeichen des Säuglings und Kleinkindes, welche auf
2 Vgl. ebd. S. 63
3 Vgl. ebd. S. 64
4 Vgl. ebd. S. 64-65
deren Bedürfnisse hinweisen. 5
Befriedigende mütterliche Fürsorge wird nicht bemerkt:
Eine geglückte mütterliche Fürsorge wird von dem Säugling nicht bemerkt. Lediglich, wenn bezüglich der mütterlichen Fürsorge etwas nicht stimmt, wird dies vom Säugling erkannt. Er bemerkt jedoch nicht das Versagen der mütterlichen Fürsorge selbst, sondern die Folgen und die Resultate dieses Scheitern. So wird von dem Säugling erkannt, dass er auf eine Störung reagiert. Wenn die mütterliche Fürsorge gut verläuft, baut sich im Säugling eine Kontinuität des Seins auf. Diese stellt die Grundlage der Ich- Stärke dar. Missglückt die mütterliche Fürsorge jedoch, wird, durch die Reaktionen auf die Folgen dieses Versagens, die Kontinuität des Seins unterbrochen, die Folgen dessen sind eine Schwächung der Ich- Schwächung. Die Unterbrechungen der Kontinuität des Seins sind verbunden mit psychischen Schmerzen. Es kann passieren, dass das Kind lediglich auf der Basis der Tradition von Reaktionen auf die Störungen und der Genesung von der Störung besteht. Diese Existenz unterscheidet sich deutlich von der Kontinuität des Seins, welche eine Ich-Stärke darstellt. 6
Die Rolle der Mutter- Kind- Beziehungen in der Entwicklung des Kleinkindes, Rene´A. Spitz
Das Wechselspiel von Aktionen in der Mutter- Kind- Dyade
Zusammenfassung von Linda Gryger
Innerhalb dieses Textes soll das Hauptaugenmerk auf die Wechselbeziehungen zwischen dem Säugling und den, aus der Umwelt stammenden, formenden Kräften der Umwelt, nämlich der Mutter, gerichtet werden. Die Handlungen der Mutter rufen bei dem Säugling Handlungen und Reaktionen hervor. 7 So bietet allein die Existenz der Mutter dem Säugling Anreiz zu Handlungen. Eine noch so geringe Handlung der Mutter wirkt als Reiz auf Reaktionen. Bezüglich der Objektbeziehungen, stellen Tätigkeiten der Mutter, welche bei ihrem Kind Handlungen hervorrufen, lediglich gröbere und leicht zu erkennbare Arten des Austausches von Reizen zwischen Mutter und Kind dar. Erlebnisse und intentionale Handlungen bilden jedoch während der ersten Lebensjahre
5 Vgl. ebd. S. 65-66
6 Vgl. ebd. S. 67
7 Vgl. Spitz 2005, S. 140
Arbeit zitieren:
Lena Müller, 2010, Die Theorie von der Beziehung zwischen Mutter und Kind, München, GRIN Verlag GmbH
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