INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG 3
2 DIE EINSTELLUNG ZU ARBEIT UND BERUF IN DER GRIECHISCH-RÖMISCHEN ANTIKE
UND DEM FRÜHEN CHRISTENTUM 4
3 DIE BESONDERHEITEN DES KAPITALISMUS NACH WEBER 6
4 DIE RELEVANTEN MERKMALE DES PROTESTANTISMUS FÜR DIE ENTWICKLUNG DES
KAPITALISMUS NACH WEBER 8
5 EINFLUSS DES ASKETISCHEN PROTESTANTISMUS AUF DIE ENTWICKLUNG DES
MODERNEN BÜRGERLICHEN BETRIEBSKAPITALISMUS 11
6 LITERATURVERZEICHNIS. 14
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1 EINLEITUNG
Die Frage nach der Ursache für die Entstehung unseres heutigen modernen Kapitalismus und den damit verbundenen Grundsätzen, hat viele Theoretiker verschiedener wissenschaftlicher Fachrichtungen und Generationen beschäftigt und beschäftigt sie noch heute. Welche Rahmenbedingungen, Ereignisse oder Vorrausetzungen waren notwendig, damit sich der okzidentale Kapitalismus entwickeln konnte. Einer der bekanntesten Vertreter in der Soziologie der sich damit befasst hat, ist Max Weber. Er hat mit seinem Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“ einen bis heute sehr populären Beitrag dafür geliefert, wie Ideen, in Form des Protestantismus, die Interessen und das Handeln von Menschen beeinflussen können. Weber wollte damit aufzeigen, dass Handlungen von Menschen verschiedener Gesellschaften nur im Rahmen ihrer allgemeinen Lebensauffassung erfassbar sind und das zum Beispiel religiöse Dogmen und ihre Interpretation, integrierende Bestandteile dieser Weltanschauung sind (Aron, 1971 S. 203). Er bildet damit einen Gegenpol zu der marxistischen Herangehensweise auf Grundlage des historischen Materialismus, da er behauptet, nicht die Ökonomie bestimmt die Religion, sondern die Religion bestimmt die Ökonomie. Marx sieht die Notwendigkeit von Religion und der damit verbundenen Orientierung am Jenseits, in den schlechten Lebensbedingungen des Diesseits begründet.
Ausgangspunkt der weberischen Untersuchung war die Feststellungen seines Schülers Offenbacher, von einer überproportionalen „Beteiligung von Protestanten bei Kapitalbesitzern, Unternehmern und den höher qualifizierten technischen oder kaufmännischen Personal moderner Wirtschaftsunternehmen.“ (Kässler, 1995 S. 101). Innerhalb dieser Hausarbeit soll die Weichenstellung der protestantischen Ethik für die Entfaltung des bürgerlichen Betriebskapitalismus rekonstruiert werden. Dafür ist es zunächst einmal notwendig, sich die Einstellung zu Arbeit und Beruf vor dem Aufkommen, des, für Weber und andere Wissenschaftler, so zentralen Protestantismus genauer zu betrachten. Anschließend werden auf Grundlage von Webers Werk „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, die relevanten Spezifika des Kapitalismus und des Protestantismus herausgearbeitet, um im Anschluss deren Folgen für die Entwicklung des modernen Betriebskapitalismus zu diskutieren. Abschließend soll dann noch eine kritische Auseinandersetzung mit der These Webers erfolgen.
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2 DIE EINSTELLUNG ZU ARBEIT UND BERUF IN DER GRIECHISCH-RÖMISCHEN ANTIKE UND DEM FRÜHEN CHRISTENTUM
Um die fundamentalen Änderungen die durch die Prinzipien des Protestantismus aufgekommen sind, verstehen zu können, ist es zunächst einmal notwendig die Einstellung zu Arbeit und Beruf in früheren Gesellschaften zu analysieren.
Betrachtet man die Aussagen von Platon und Aristoteles zur Erwerbsarbeit in der Antike, wird ein, im Vergleich zu heute, völlig anderes Selbstverständnis von einem guten und tugendhaften Leben offenbar. Demnach sind Handwerker, Kaufleute oder Bauern durch die Übernahme von „banausischen“ Tätigkeiten, nicht nur unfähig für den Kriegsdienst, sondern vielmehr auch unfähig für anspruchsvolle geistliche Tätigkeiten, soziale Beziehungen und die Mitgestaltung zur idealen Polis (Nippel, 2000 S. 55). Dies liegt darin begründet, dass Personen die auf die Erwerbsarbeit angewiesen sind, nach damaliger Ansicht, nicht genügend Muße für die Erkenntnis von Wahrheit, Schönheit oder dem Guten haben. Gerade Aristoteles bewertet Arbeit oder auch arbeitende Menschen sehr negativ, da er, wie alle Bürger Griechenlands in dieser Zeit, weder Arbeiten noch Herstellen als eine Lebensweise betrachtete, die eines freien Mannes würdig sei (Arendt, 1958/1994 S. 19). Für ihn steht die politische Natur des Menschen im Vordergrund und entsprechend verhält er sich mit aristokratischer Verachtung gegenüber der produktiven Arbeit (Gurjewitsch, 1997 S. 248). So war es neben Griechenland, auch im alten Rom undenkbar, dass jemand der auf Erwerbstätigkeit zur Sicherung seines Lebensunterhaltes angewiesen war, den Bürgerstatus erhalten konnte. Dies ging so weit, dass sich die ökonomischen Theorien der Antike mit der Frage beschäftigten, welche Eigentumsart wohl die besten Bürger hervorbringen würde (Gurjewitsch, 1997 S. 248). Dahinter steht der Gedanke, dass die Abhängigkeit von Erwerbsarbeit, den freien Mann in eine sklavenähnliche Position bringt. Somit wurde Lohnarbeit und Sklavenarbeit auf eine Stufe gestellt. Es galt dementsprechend die Maxime, dass „das Frei-Sein von körperlicher Arbeit die höchste Form des Lebens sei, weil nur dieses Frei-Sein die Möglichkeit, zu politischer Tätigkeit und zu einem ethisch vollkommenen Leben eröffne“ (Oexle, 2000 S. 70). Beispielsweise galt für Sparta das Gebot, das Vollbürger keinerlei gewerbliche Tätigkeiten ausüben durften. In Rom ging dies sogar soweit, dass selbst die Tätigkeiten eines Architekten, Arztes, Lehrer oder Rechtsanwaltes als Freundschaftsdienste angeboten werden mussten (Nippel, 2000 S. 61). Jedoch war die edle Tugendhaftigkeit der Untätigkeit oder die Geringschätzung körperliche Arbeit nicht gleichzeitig ein Freifahrtsschein für Faulheit und Nichtstun. Vielmehr sollte die Zeit für Gelehrsamkeit und wissenschaftliche Gespräche genutzt werden (Gurjewitsch, 1997 S. 248).
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Max Weber hat hierzu, in Bezug auf die Entstehung des Kapitalismus, festgestellt, dass in der Antike jede Verklärung der Erwerbsarbeit fehlte und es dem antiken Wirtschaftsmenschen somit an einer wichtigen Stütze für die Rationalisierung und Ökonomisierung des Lebens mangelte (Nippel, 2000 S. 65). Möglich war diese Einstellung zur Arbeit allerdings nur, da alle für den Fortbestand der Polis notwendigen Tätigkeiten durch Sklaven oder Personen die nicht den Bürgerstatus innehatten, erledigt wurden und die Ordnung der Polis das grundsätzliche Ziel hatte, die Lebensweise der Philosophen zu ermöglichen.
Mit dem Aufkommen des Christentums vollzog sich dann aber eine Veränderung, die schon allein dadurch bedingt war, dass die zentralen Personen im Neuen Testament Angehörige alltäglicher Berufe waren (Oexle, 2000 S. 69). So war nicht nur Jesus von Nazareth ein Handwerker, sondern auch seine Jünger Mitglieder alltäglicher handwerklicher Berufe. Des Weiteren wäre es für eine Religion, die ihre Anhänger zu Beginn hauptsächlich aus den unteren Gesellschaftsschichten bezogen hat, undenkbar gewesen, die Denktradition der Antike fortzuführen. Es waren plötzlich Menschen für die Prägung gesellschaftlicher Werte und Normen verantwortlich, die in der Antike sozial deklassiert und diffamiert worden wären. Weiterhin trug sicherlich die alttestamentliche Tradition dazu bei, die Einstellung zur Erwerbsarbeit zu verändern. Denn demnach ist Arbeit ein Gebot Gottes, welches schon im Paradies durch die Bebauung der Gärten durch den Menschen umgesetzt wurde (Nippel, 2000 S. 65). Es ist deswegen eine logische Konsequenz, Arbeit einen hohen Stellenwert zuzuweisen.
Otto Gerhard Oexle weist in seinem Artikel „Arbeit, Armut, ›Stand‹ im Mittelalter“ zusätzlich noch daraufhin, dass das Christentum ebenfalls Lebensnormen und Lebensformen des älteren Judentums übernommen hätte und vertreten würde (Oexle, 2000 S. 69). Schließlich gilt die Arbeit im Judentum seit der Vertreibung aus dem Paradies, als eine göttliche oder geheiligte Pflicht und dient als Möglichkeit zur eigenen Mäßigung (Dormeyer, et al., 2006 S. 82). So steht in den 10 Geboten geschrieben „Sechs Tage darfst du schaffen und jede Arbeit tun.“ (Exodus 20,9).
Somit ist also schon während der Entstehung des Christentums, die Grundlage dafür geschaffen wurden, das sich in der Folgezeit eine, von den antiken Gesellschaften Roms und Griechenlands stark zu unterscheidende Einstellung zur Arbeit herausbilden konnte. Es galt nun nicht mehr das Gebot der Vita Contemplativa , sondern es war nach Ansicht von Hannah Arendt der Grundstein für die Entwicklung der Vita Activa gelegt. Verdeutlicht wird dies sehr
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Arbeit zitieren:
Stefan Lippmann, 2008, Die Weichenstellung der protestantischen Ethik für die Entstehung des bürgerlichen Betriebskapitalismus, München, GRIN Verlag GmbH
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