INHALTSVERZEICHNIS
1 THEMENSTELLUNG UND BEZUGSRAHMEN 3
2 STAND DER FORSCHUNG UND HYPOTHESEN 5
3 METHODEN/DATEN 7
4 ERGEBNISSE 10
5 SCHLUSSFOLGERUNGEN. 23
6 DISKUSSIONSBEITRAG. 24
7 QUELLENVERZEICHNIS. 26
ABBILDUNGSVERZEICHNIS
Abbildung 1 - Entwicklung der Kirchenmitgliedschaft in Westdeutschland seit 1980. 11
Abbildung 2 - Aspekte individueller christlicher Religiosität. 13
Abbildung 3 - Vertrauen in die katholische Kirche nach Altersgruppen 18
Abbildung 4 - Vertrauen in die evangelische Kirche gegliedert nach Altersgruppen 19
Abbildung 5 - Personenanteil mit Konfessionszugehörigkeit nach Alter gegliedert 20
Abbildung 6 - Anteil der Personen, die an Gott glauben 21
Abbildung 7 - Glaube an Zen-Meditation und Astrologie nach Alter gruppiert 22
Abbildung 22
Abbildung 22
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THEMENSTELLUNG UND BEZUGSRAHMEN
Zusammenfassung: Innerhalb der Religionssoziologie steht die Individualisierungs- und Privatisierungsthese Thomas Luckmanns der Säkularisierungstheorie gegenüber. Auf Grundlage dieser beiden Theorien versucht dieser Forschungsbericht einen Überblick über die momentane Situation der Religiosität in Deutschland zu geben. Dabei steht im Vordergrund zu untersuchen, ob der unschwer festzustellende Deinstitutionalisierungsprozess von Religion von einem Prozess der Entstehung synkretistischer, nicht-institutionalisierter Formen von Religiosität begleitet wird. Die empirischen Ergebnisse dieser Untersuchung geben Anhaltspunkte dafür, dass zwar parallel zur Deinstitutionalisierung von Religion außerkirchliche Religiosität entsteht, diese sich allerdings nicht in dem Ausmaß verbreitet, dass sie als Ersatz der institutionalisierten Kirchlichkeit dienen kann.
1 THEMENSTELLUNG UND BEZUGSRAHMEN
Befragt man die großen Denker in der Soziologie oder anderen Geisteswissenschaften, allen voran Auguste Comte, Émile Durkheim, Max Weber, Karl Marx oder Sigmund Freud, wie sich die Rolle der Religion in Zukunft entwickeln wird, erhält man die Antwort, dass sie zukünftig immer weniger Bedeutung für die Menschen haben wird. (Norris & Inglehardt, 2004, S. 3) All diesen Annahmen entspringt auch die These der Säkularisierung der modernen Welt, welche über einen langen Zeitraum als unumstritten galt. „Die Säkularisierungstheorie geht von einem Gegensatzverhältnis zwischen Religion und Moderne aus und behauptet, dass die soziale Relevanz von Religion in dem Maße zurückgehe, wie sich Gesellschaften modernisieren. Als Faktoren der Modernisierung werden dabei Prozesse der Industrialisierung, der Urbanisierung, der geographischen Mobilität, der Wohlstandserhöhung, aber auch Prozesse des kulturellen Wandels, der kulturellen Pluralisierung, der Verwissenschaftlichung des Weltbildes, des Bildungsanstiegs, der Ethisierung der Lebensführung oder der Verrechtlichung von Sozialbeziehungen angenommen“ (Pollack & Pickel, Deinstitutionalisierung des Religiösen und Religiöse Individualisierung in Ost- und Westdeutschland, 2003, S. 448). Somit steht das Mystische und Religiöse im Wettstreit mit der rationalen menschlichen Vernunft. Gerade die Errungenschaften in der Medizin und Technik sowie der materielle Wohlstand, der durch die Industrialisierung für die westliche moderne Welt geschaffen wurde, haben die Idee der Mensch könne die Natur kontrollieren, wiederaufleben lassen. Außerdem haben Trennung von Kirche und Staat sowie die Entstehung von säkular-rational bürokratischen Staaten mit repräsentativen Regierungen dafür gesorgt, dass das Fundament für kirchliche Institutionen und religiöse Führer immer brüchiger wurde (Inglehardt & Norris, 2007). Soweit die Ansicht der Vertreter der Säkularisierungstheorie.
Allerdings hat sich in den letzten Jahrzehnten Widerstand gegen diese allgemeine Akzeptanz entwickelt. Als typisches Beispiel zur Falsifikation dieser Theorie ist zuvorderst natürlich die USA anzuführen. Hierbei sieht man ganz deutlich, dass ein Land trotz gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fortschritts und Modernisierung nicht automatisch säkular wird. Mit Verweis auf die Erhebung von Pippa Norris und Ronald Inglehardt lässt sich feststellen, dass die 3
THEMENSTELLUNG UND BEZUGSRAHMEN
amerikanische Bevölkerung seit 1947 gleich bleibend hohe Zustimmung (circa 94%) auf die Frage „Glauben Sie an Gott?“ liefert (Norris & Inglehardt, 2004, S. 90). Aber auch für Deutschland und Europa lässt sich der Eindruck gewinnen, dass diese Theorie veraltet ist und nicht mehr zutrifft. Schließlich zog der Weltjugendtag der katholischen Kirche 2005 in Deutschland, mehr als 800.000 Jugendliche und Erwachsene an und wurde somit zu einem religiösen Großereignis. Aber auch der Tod von Papst Johannes Paul II. sorgte für eine ähnliche Mobilisierung von Gläubigen in Deutschland und rund um den Globus. Letztlich brachte dann die Ernennung von Karl Kardinal Ratzinger zum Papst Benedikt XVI. innerhalb der Medien in Deutschland den endgültigen Durchbruch sich mit Glaube und Religiosität wieder neu zu befassen. So beschäftigt sich die Zeit in einem Artikel vom 11. August 2005 unter der Überschrift „Wiederkehr der Religion“ mit der Frage, ob Glauben wieder modern ist. Ebenfalls zeugen die Streitigkeiten um Kopftuchverbot oder Kruzifixe im Klassenzimmer davon, dass Religiosität sehr wohl noch ein Thema von hoher Bedeutung ist. Zusätzlich ist die Kirche als Träger wohlfahrtsstaatlicher Angebote, wie z.B. Kinderbetreuung, Altenpflege unverzichtbar für unsere Gesellschaft. Unter Betrachtung dieser Aspekte, stellt sich nun die Frage, ob die großen Denker des 19. und 20. Jahrhunderts in ihren Annahmen falsch lagen oder die von ihnen prognostizierte Entwicklung tatsächlich eintrifft. Thomas Luckmann ist hier sicherlich der bedeutendste soziologische Theoretiker, der sich mit dieser Thematik neu auseinander gesetzt hat. Mit seiner These der Privatisierung von Religion bzw. seinem Werk „Die unsichtbare Religion“, leitete er 1967 eine grundlegende Wende in der Religionssoziologie ein. Nach Ansicht von Luckmann darf man Religion nicht nur in seiner institutionalisierten Form betrachten, sondern muss vielmehr auch die individualisierte Religiosität mit in den Blickwinkel nehmen. Demnach ist der Rückgang der Bedeutung von Kirchen, nicht mit einem Rückgang der Bedeutung von Religion im Allgemeinen gleichzusetzen. Vielmehr ist es so, das Kirchen als Institution ihre Funktion zur gesellschaftlichen Wirklichkeitskonstruktion verlieren und somit nicht mehr für den Menschen sinnstiftend wirken. Es ergibt sich daraus eine Säkularisierung der Sozialstruktur, die allerdings nicht zur Säkularisierung des Individuums führt. Schließlich ist nach Ansicht Luckmanns Religion von zentraler Bedeutung für die Menschwerdung des Menschen und innerhalb jeder Gesellschaft notwendig (Pollack, Individualisierung statt Säkularisierung?, 1996, S. 58). Allerdings ist das Individuum nun viel stärker darauf angewiesen, sich selbst eigene Sinnrelevanzen zu wählen. Dieses individualisierte und privatisierte Glaubenssystem entwickelt sich dann unabhängig von einer allgemein gültigen religiösen Institution unter Einfluss verschiedenster weltanschaulicher und religiöser Ansichten. Der Theorie zufolge, ersetzt die privatisierte und individualisierte Form der Religion den Bedeutungsverlust der institutionalisierten Religionsform.
Die Gründe für den weiterhin hohen Bedarf an Religion sieht Karl Gabriel darin, dass der Prozess der Modernisierung auch ein hohes Potenzial an Unsicherheit, Angst und Ungewissheit erzeugt hat, das allerdings nicht durch die institutionalisierten Religionsformen aufgefangen und bearbeitet werden kann (Pollack, Individualisierung statt Säkularisierung?, 1996, S. 59). Ähnliches stellt Riesebrodt in seinem Aufsatz “Die globale Rückkehr von
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STAND DER FORSCHUNG UND HYPOTHESEN
Religion” fest, indem er sagt, dass Religion schon immer sehr eng mit der Bewältigung von Krisen verbunden gewesen sei. Und „Solange der westliche Modernismus überzeugend den Glauben an seine unablässig wachsende Fähigkeit der Kontrolle der Natur, des menschlichen Körpers und sozialer Ordnung verbreiten konnte, war die Religion auf dem Rückzug“ (Riesebrodt, 2004, S. 359).
Darauf aufbauend, entwickelte sich in der Folgezeit eine Vielzahl empirischer Forschungsprojekte, die Religiosität unter dieser Prämisse betrachteten. Von besonderer Bedeutung ist hier sicherlich Detlef Pollack von der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), der eine Vielzahl empirischer Arbeiten zu dieser Thematik veröffentlicht hat. Innerhalb meiner Arbeit soll deswegen die Frage nach dem momentanen Erscheinungsbild von Religiosität und Glauben in Deutschland gestellt werden. Wie ist das religiöse Selbstbild der Bevölkerung der Bundesrepublik? Welche Bedeutung hat Religion, Glaube oder Gott für die Gestaltung des Alltags? Gibt es Anzeichen, die entweder der Theorie der zunehmenden Säkularisierung oder der Theorie der Privatisierung von Religion zustimmen.
2 STAND DER FORSCHUNG UND HYPOTHESEN
Innerhalb der empirischen Religionssoziologie nimmt Ursula Boos-Nünning mit ihrer Studie „Dimensionen der Religiosität“ aus dem Jahr 1972 eine besondere Bedeutung ein. Sie geht in ihrer Studie davon aus, dass der Prozess des sozialen Wandels zu einer Änderung der Wertvorstellungen in unserer Gesellschaft führt, d.h. alte Wertvorstellungen werden obsolet und neu alternative Wertvorstellungen sind heterogener. Die Zugehörigkeit von Personen zu einer Vielzahl neuer Gruppen, bewirkt dabei eine Auflösung des gesamtkulturellen Wertesystems. Es existiert nach Ansicht der Autorin dann nur noch ein mittleres Normensystem für die gesamte Gesellschaft, in Verbindung mit weit ausgeprägten subkulturellen Sondernormen. Dieser Prozess greift auch auf das religiös-soziale System über, mit Verweis auf die Religionssoziologie von Thomas Luckmann, d.h. das sozial ausgeübte Religiosität an Bedeutung verliert, dafür Religiosität immer stärker individualisiert und privatisiert wird. Durch die Untersuchung versucht sie eine Typologie verhaltensrelevanter Sozialformen von Religion aufzustellen (Boos-Nünning, 1972). Sie kommt abschließend zu dem Ergebnis, dass Religiosität unabhängig von institutionellen kirchlichen Einrichtungen ist allerdings stark durch die christliche und kirchliche Glaubensform geprägt ist. Konkret bedeutet dies, dass Kirche immer noch ein weitgehendes Ritenmonopol besitzt. Die Grundlagen von Religiosität bilden nach Ansicht von Boos-Nünning Gefühle und vage Glaubensvorstellungen. Auch wenn sie der These von Luckmann zustimmt, nimmt kirchlich beeinflusste Religiosität in ihrer Studie eine zentrale Stellung ein. Des Weiteren sind die Untersuchungen von Pollack und Pickel hinsichtlich der Gültigkeit der Individualisierungs- und Privatisierungsthese von Thomas Luckmann in Deutschland von besonderer Bedeutung. In dem Artikel „Deinstitutionalisierung des Religiösen und Religiöse Individualisierung in Ost- und Westdeutschland“ der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie unterscheiden sie zwischen traditioneller Kirchlichkeit, individueller
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STAND DER FORSCHUNG UND HYPOTHESEN
christlicher Religiosität und nicht christlicher bzw. außerkirchlicher Religiosität. Privatisierung des Religiösen bezeichnet innerhalb dieser Studie die Herauslösung der Institutionen aus einem allgemeinen Wertekontext, was dazu führt, dass sie nicht mehr zur Prägung des individuellen Bewusstseins beitragen können. Während dessen die Individualisierung des Religiösen Folge des Freisetzungsprozesses ist, „dass sich das Individuum ein subjektiv sinnvolles System letzter Bedeutungen selbst zusammenstellen muss“ (Pollack & Pickel, Deinstitutionalisierung des Religiösen und Religiöse Individualisierung in Ost- und Westdeutschland, 2003, S. 450). Das Ergebnis der Untersuchungen der beiden Autoren zeigt eine klare Tendenz zur Deinstitutionalisierung von Religion auf sowie die Abnahme der sozialen Relevanz individueller christlicher Religiosität. Sie zeigen aber auch auf, dass außerkirchliche Religiosität nicht an die Stelle von traditioneller Kirchlichkeit tritt. Es existiert zwar die Tendenz zur synkretistischen, nichtchristlichen individualisierten Religiosität, wobei die Autoren aber eher von einem Säkularisierungsprozess mit Individualisierungstendenzen sprechen. Somit sind die beiden großen Theorien der Religionssoziologie nicht unbedingt widersprüchlich, sondern es ist nach allgemeiner Auffassung und Forschung von verschiedenen Soziologen u.a. Detlef Pollack und Gerd Pickel vielmehr ein Trend hin zur Säkularisierung zu beobachten, bei gleichzeitig zunehmender Individualisierung und Privatisierung des Religiösen.
Ausgehend von dem in Kapitel 1 festgelegten theoretischen Grundlagen sowie den Ergebnissen vorausgehender Studien zu dieser Thematik, sind daher folgende Hypothesen von Forschungsinteresse.
1. Da Luckmann und Gabriel in ihren theoretischen und empirischen Arbeiten davon ausgehen, dass die Säkularisierungstheorie wie sie von Peter L. Berger, Steve Bruce oder auch von Max Weber, mit der Entzauberung der Welt durch den okzidentalen Rationalismus und der daraus entstehenden Kluft zwischen Religion und dem rationalem Handeln in der modernen Welt, vertreten wird, keine Gültigkeit mehr besitzt, bezieht sich meine erste Hypothese auf diesen Aspekt.
Demzufolge sollte die traditionelle Kirchlichkeit in Deutschland immer stärker abnehmen und durch alternative Glaubenskonzepte wie z.B. New Age, etc. ersetzt werden. Gleichzeitig müssten Aspekte traditioneller Kirchlichkeit, wie z.B. kirchliche Trauung, Taufe oder kirchliche Beerdigung immer seltener werden bzw. an Bedeutung verlieren. 2. Da man davon ausgehen kann, dass Veränderungen im religiösen Verhalten beziehungsweise in der Einstellung zur Religiosität nicht Ad hoc passieren, sondern einem generationenübergreifenden Wandlungsprozess unterliegen, muss auch innerhalb verschiedener Generationen eine unterschiedliche Vorstellung und Ausprägung von Glaube vorhanden sein bzw. sollten die verschiedenen Altersgruppen hinsichtlich der Affinität zu den verschiedenen Formen von Religiosität verschieden sein. Demzufolge sollte traditionelle Kirchlichkeit in älteren Generationen häufiger auftreten, während dessen Alternative und individualisierte Glaubenskonzepte primär innerhalb jüngerer Generationen Anklang finden.
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METHODEN/DATEN
Die empirische Überprüfung dieser Hypothese beschränkt sich auf Deutschland und wird mit Hilfe von Umfragedaten aus Erhebungen der letzten 30 Jahre durchgeführt. Dieser Zeitraum ist prinzipiell ausreichend, da in dieser Arbeit nicht die Entwicklung über einen längeren Zeitverlauf untersucht werden soll, sondern es viel mehr um die Darstellung der aktuellen Situation geht. Zusätzlichen ist das Phänomen der außerkirchlichen Religiosität noch sehr jung, so dass eine zeitlich ausgedehnte Untersuchung wahrscheinlich keinen erhöhten Erkenntnisgewinn liefern würde.
3 METHODEN/DATEN
Um sich mit der Thematik Religion und Religiosität auf soziologischer Basis auseinander zusetzen, ist es zunächst notwendig sich darüber klar zu werden was unter diesen Begriffen zu verstehen ist. Befragt man dazu Weber, stellt man fest, dass dieser sich in seinem Werk „Wirtschaft und Gesellschaft“ weigert überhaupt eine Definition von Religion abzugeben. Rudolf Kranewitter beschreibt Religion in seinem Buch „Dynamik der Religion“ als eine Lehre, Kult oder Organisation die unabhängig von den Personen ist, die ihr angehören. Sie ist die objektive in einem organisatorischen System, in Kult und Lehre öffentlich in der Gesellschaft auftretende religiöse Idee und stellt eine Raum und Zeit übersteigende, mit absoluter Relevanz ausgestattete Sinnbewahrung menschlicher Organisationen dar. Religiosität hingegen ist der subjektive Aspekt der Religion und umfasst die religiös-moralischen Einstellungen eines Menschen (Kranewitter, 2005, S. 28). Der Autor bezieht sich in der Darstellung und Definition des Begriffs von Religion und Religiosität sehr stark auf Luckmann. Er geht davon aus, dass diese religiöse Orientierung ähnlich wie bei Luckmanns unsichtbarer Religion sehr weitgefächert ist. Sie kann sich durch äußerst vielfältige Elemente und Ausdrucksformen äußern, wie z.B. das Tragen eines Kreuzes, das strenge regelmäßige Gebet oder das studieren von Horoskop als Ausdruck des Glaubens an Schicksalshaftigkeit. Demzufolge ist Religiosität etwas sehr individuelles und wird durch ein breites Spektrum an Auswahlmöglichkeiten beeinflusst, darunter Einflüsse des Mystischen oder asiatischer Religionen genauso wie die traditionelle christliche Religion mit ihren Ritualen. Für Emile Durkheim hingegen ist Religion beispielsweise „ein solidarisches System von Überzeugungen und Praktiken, die sich auf heilige, d.h. abgesonderte und verbotene Dinge, Überzeugungen und Praktiken beziehen, die in ein und derselben moralischen Gemeinschaft, die man Kirche nennt, alle vereinen, die ihr angehören.“ Somit ist für ihn Religiosität eine kollektive stark institutionalisierte Erscheinung.
Betrachtet man demgegenüber den Religionsbegriff von Thomas Luckmann, nach dem die soziale Grundform der Religion alle sinnspendenden Weltansichten umfasst, die als solche eine religiöse Funktion erfüllen, ist es möglich nahezu jede Handlung als religiös einzustufen. Gerade der Religionsbegriff von Luckmann ist immer wieder stark kritisiert wurden, da er zu weit und unbestimmt ist. Tyrell geht sogar davon aus, dass Luckmanns Ablehnung der Säkularisierungstheorie sich schon aus seinem Religionsbegriff ergibt (Tyrell, 1996). Luckmann, Luhmann und Durkheim haben eine sehr funktionalistsche Sichtweise von Religion. Vor allem Luhmann bezeichnet Religion als ein Teilsystem mit der Funktion für das
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Stefan Lippmann, 2008, Religiosität in Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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