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Ernst Probst / Josef Eimannsberger
Drei Königinnen
der Lüfte
in Bayern
Thea Knorr
Christl-Marie Schultes
Lisl Schwab
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Den bayerischen Fliegerinnen
Thea Knorr, Christl-Marie Schultes und Lisl Schwab
gewidmet
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Inhalt
Vorwort
Drei Königinnen
der Lüfte in Bayern
Seite 7
Dank
Seite 9
Thea Knorr
Eine der ersten
Münchener Fliegerinnen
Seite 11
Christl-Marie Schultes
Die erste Fliegerin
in Bayern
Seite 23
Lisl Schwab
Bayerns erste
Kunstfliegerin
Seite 51
Daten und Fakten
Seite 65
Der Autor Ernst Probst
Seite 69
Der Historiker
Josef Eimannsberger
Seite 71
Aufgaben und Ziele
der ,,Bayerische
Luftfahrt-Historiker
e. V."
Seite 73
Literatur
Seite 75
Bildquellen
Seite 77
E-Books über
,,Königinnen der Lüfte"
Seite 79
Bücher von Ernst Probst
Seite 83
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VORWORT
Drei Königinnen der Lüfte
in Bayern
D
ie Fliegerinnen Thea Knorr, Christl-Marie Schul-
tes und Lisl Schwab stehen im Mittelpunkt des
kleinen Taschenbuches ,,Drei Königinnen der Lüfte in
Bayern". Diese drei Frauen sorgten vor allem in den
1930-er Jahren als Luftfahrt-Pionierinnen für Aufsehen
in der Öffentlichkeit. Thea Knorr (19031989) galt als
eine der ersten Fliegerinnen aus München. Christl-Marie
Schultes (19041976) aus Oberenzenau bei Bad
Heilbrunn war die erste Bayerin mit Pilotenschein. Und
Lisl Schwab (19001967) aus Ingolstadt tat sich als
Kunstfliegerin hervor. Autoren des Taschenbuches
,,Drei Königinnen der Lüfte in Bayern" sind der
Wiesbadener Journalist Ernst Probst und der Mün-
chener Flugzeug-Historiker Josef Eimannsberger.
Probst und Eimannsberger hatten sich bei den
Recherchen über Thea Knorr für das Taschenbuch
,,Königinnen der Lüfte von A bis Z" kennen gelernt,
das Biografien berühmter Fliegerinnen, Ballon-
fahrerinnen, Luftschifferinnen, Fallschirmspringerin-
nen, Astronautinnen und Kosmonautinnen aus aller
Welt in Wort und Bild präsentiert.
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Dank
Für wertvolle Hilfe bei der Entstehung
dieses Taschenbuches danken die beiden Autoren:
Diplom-Kaufmann Günter Lang, München
Theo Lederer, Bad Heilbrunn
Doris Probst, Mainz-Kostheim
Stefan Probst, Mainz-Kostheim
Stadt Ingolstadt
Elisabeth Zintl, München
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E
ine bekannte deutsche Pilotin aus den 1930-er
Jahren war Thea Knorr (19031989), geborene
Theresia Rainer. Sie wird in der Literatur als Afrika-
fliegerin, erste Schleißheimer Fliegerin oder Feld-
Wald-Wiesen-Fliegerin bezeichnet. Die Angaben über
diese tüchtige Fliegerin aus München in der Lite-
ratur sind lückenhaft, weswegen dort oft ihr Ge-
burts- und Todesdatum sowie andere Angaben feh-
len.
Theresia (Thea) Rainer kam am 14. November 1903 in
Wasentegernbach (Kreis Erding) in Bayern als Tochter
eines Müllers zur Welt. Dies fand der Münchener
Historiker Josef Eimannsberger, Mitglied der Baye-
rischen Flugzeug-Historiker e.V. aus Oberschleißheim,
nach arbeits- und zeitaufwändigen Recherchen heraus.
Dabei bekam er Kontakt mit dem Diplom-Kaufmann
Günter Lang aus München, der den Nachlass von Thea
Knorr verwaltet und weitere interessante Details über
das Leben der Fliegerin mitteilte.
Thea Knorr
Eine der ersten
Münchener Fliegerinnen
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Im Alter von 23 Jahren heiratete Thea Rainer am 18.
August 1927 den aus Hof in Oberfranken stammenden
44-jährigen Arzt Dr. med Emil Wilhelm Wolfgang
Knorr (18841968) in München, der als ärztlicher
Betreuer auf der Flugwerft Oberschleißheim arbeitete.
Ein Freund ihres Ehemannes war Eduard Ritter von
Schleich (18881947), der wie der Gatte von Thea den
bayerischen Militär-Max-Joseph-Orden erhalten hatte.
Schleich war einer der erfolgreichsten deutschen
Jagdflieger im Ersten Weltkrieg (19141918), errang 35
Luftsiege und wurde weil er seine Flugzeuge ab 1917
schwarz anstrich als ,,Schwarzer Ritter" bekannt. Die
Familien Knorr und Schleich besuchten sich gegenseitig
und oft kam die Rede auf die Fliegerei, da sich Ritter
von Schleich zeitweise als Fluglehrer betätigte. Thea
hörte dabei aufmerksam zu.
Das Interesse der 1,65 Meter großen Thea Knorr an
der Fliegerei wurde indirekt durch ihren Dackel
,,Waldimännchen" geweckt. Bei einem Besuch in
Oberschleißheim setzte sie sich an den Rand des
Flugplatzes und beobachtete die Maschinen. Als
plötzlich ein Flugzeugmotor in der Nähe ansprang,
stürmte der Hund bellend auf die Maschine zu. Thea
rannte hinterher und rettete den Dackel vor den
rotierenden Propellern des Flugzeuges.
Bei diesem Zwischenfall erblickte Thea Knorr plötzlich
den ihr wohlbekannten Ritter von Schleich, der gerade
Flugschüler ausbildete. Weil sie von der Atmosphäre
auf dem Flugplatz fasziniert war, fragte sie den
Fluglehrer, ob sie bei ihm das Fliegen lernen könne. Zu
ihrer großen Freude wurde ihre Frage bejaht und nun
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musste sie nur noch ihren Mann für ihr Vorhaben
gewinnen. Mit Herzklopfen fuhr sie nach Hause und
teilte ihrem Ehemann ihren Wunsch mit, das Fliegen
lernen zu wollen. Zu ihrer großen Erleichterung hatte
ihr Gatte keine Einwände und fand ihre Idee sogar sehr
gut.
Als nächstes benötigte Thea Knorr eine ärztliche
Bestätigung ihrer Flugtauglichkeit. Die dafür
erforderliche Untersuchung durften damals in München
nur zwei Ärzte machen. Thea suchte einen dieser
Mediziner auf und erklärte ihm, was sie wollte.
Daraufhin runzelte der Arzt seine Stirn und betrachtete
sie ganz entsetzt. Als er noch erfuhr, dass der Ehemann
der Patientin ein Kollege sei, sagte er zu ihr, sie solle am
Nachmittag wieder vorbeikommen, weil er sich das alles
in Ruhe überlegen müsse, bevor er eine so große
Verantwortung übernehme. Vielleicht hatte er sich
wegen dieser Angelegenheit mit ihrem Mann in
Verbindung setzen wollen.
Eine Stunde später sagte Thea Knorr ihren Termin ab
und konsultierte den zweiten Arzt in München wegen
ihrer Flugtauglichkeit. Dieser war Ballonfahrer,
gratulierte Thea zu ihrer ausgezeichneten Gesundheit
und freute sich auf eine ,,fliegende Münchnerin".
1931 begann Thea Knorr beim ,,Leichtflugzeugklub
München" ihre Flugausbildung. Dieser Klub hatte
seinen Sitz auf dem Oberwiesenfeld, nahm aber
Schulungen in Schleißheim vor. Erster Fluglehrer von
Thea war Ritter von Schleich, der jedoch bald seine
Fluglehrertätigkeit beendete und bei den National-
sozialisten eine Karriere machte. Einer der bekanntesten
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Flugschüler von Schleich war von Januar bis März 1931
der deutsche Schauspieler Heinz Rühmann (19021994)
gewesen, mit dem Thea den selben Kurs absolvierte.
Zweiter Fluglehrer von Thea wurde Fluglehrer Greif,
der ganz andere Töne als der beliebte Ritter von Schleich
anschlug.
Einmal kamen Thea Knorr und ein Mitschüler in weißen
Overalls, auf die sie ,,mächtig stolz waren", zum
Flugunterricht. Darauf reagierte Fluglehrer Greif mit
der sarkastischen Bemerkung: ,,Was habt ihr denn da
an? Da könnt ihr ja gleich im Schlafanzug kommen!"
Während eines Fluges schrie Greif einmal Thea an: ,,Wie
halten Sie denn den Steuerknüppel? Rühren können Sie
daheim mit dem Kochlöffel, aber nicht hier!" Thea nahm
den rauen Ton ihres Fluglehrers nicht so tragisch. Dieser
musste sich offenbar noch daran gewöhnen, dass er
erstmals einen weiblichen Flugschüler hatte.
Der erste Alleinflug, der für jeden Flieger zu den
schönsten Erinnerungen gehört, verlief bei Thea
Knorr unglücklich. Sie landete mit überhöhter Ge-
schwindigkeit und konnte das Flugzeug nicht mehr
rechtzeitig abfangen. Die beiden Räder der Maschi-
ne brachen ab und rollten davon. Das Flugzeug rutsch-
te auf dem Bauch hinterher und Thea stieg total
deprimiert aus der Maschine. Als sie ihren Fluglehrer
fragte, ob sie das Landekreuz noch benötigten, schrie
dieser sie an: ,,Reden Sie doch nicht so saudumm da-
her! Schauen Sie lieber, dass sie die Räder einholen!"
Danach rannte sie den Rädern hinterher, die immer
weiter rollten, bis sie sie endlich erreichte. Mit den bei-
den Rädern unter den Armen trat sie völlig
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Heinz Rühmann (19021994)
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eingeschüchtert wieder dem Fluglehrer vor die Augen.
Sie hatte aber im Nachhinein großes Verständnis für
den Fluglehrer, der eine große Verantwortung und
innerliche Belastung hatte, wenn er einen Flugschüler
zum ersten Alleinflug schickte.
Fluglehrer Greif war letztlich aber sehr stolz, dass Thea
Knorr ihren ersten Alleinflug absolviert hatte und auch
die Starts, Flüge und Landungen in der Folgezeit sehr
gut verliefen. Er gratulierte seinem ersten weiblichen
Flugschüler mit ein paar selbst gepflückten Feldblumen.
1931 nahm Thea Knorr stolz ihren Pilotenschein
entgegen. Ihr verständnisvoller Ehemann schenkte ihr
danach ein Flugzeug des Typs ,,Klemm" mit Siemens-
Motor ,,Sh 13 a". Ihre ersten Flüge mit ihrer eigenen
Maschine waren noch ,,richtige Abenteuerflüge".
Damals war man völlig auf sich allein gestellt, hatte
keinerlei Funkverbindung und flog auf Sicht. Thea hatte
bei ihren Flügen keinen Fallschirm dabei, ein solcher
wäre nach ihrer Ansicht für ihr Leichtflugzeug zu
schwer gewesen.
Mit ihrer Klemm-Maschine beteiligte sich Thea Knorr
an Flugtagen, setzte Fallschirmspringer ab, flog Reklame
zum Beispiel für ,,Blaupunkt-Radio" , schleppte
Segelflugzeuge und unternahm Langstreckenflüge auf
den Balkan und sogar nach Afrika, was ihr die
Bezeichnung ,,Afrikafliegerin" einbrachte. Bei ,,Papa
Kohnke" ließ sie sich erfolgreich zur Fall-
schirmspringerin ausbilden. Nach eigener Aussage
waren Lisl Schwab (19001967) und sie damals die
einzigen Fliegerinnen, die zugleich Fallschirm-
springerinnen gewesen sind.
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Bordbuch von Thea Knorr
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