Inhaltsverzeichnis
Einleitung 2
1 Die Notwendigkeit einer männerspezifischen Beratung 3
1.1 Das Männerbild in der Gesellschaft 3
1.2 Gesellschaftsstrukturelle Gründe 5
1.3 Männerfreundschaften und Kommunikationsverhalten 6
1.4 Erziehung. 7
2 Konsequenzen und Anforderungen an die Beratungspraxis 8
2.1 Anforderungen an die Beraterkompetenz 8
2.2 Anforderungen an die Rahmenbedingungen der Beratung. 9
2.2.1 Berücksichtigung von Schwellenangst durch Niedrigschwelligkeit. 8
2.2.2 Aufsuchende und bereitstellende Angebote. 11
3 Stellungnahme und Ausblick 16
Literatur 17
1
Einleitung
In der Beratungslandschaft gibt es sehr viele Hilfeangebote für Frauen. Zwar gibt es auch Beratungseinrichtungen für Männer, die aber zum einen nicht so zahlreich und zum anderen in der Gesellschaft weniger akzeptiert sind. Ich schreibe diese Arbeit deshalb, weil ich der Meinung bin, dass viele Themen der Frauenberatung auch Männer betreffen können, z.B. Kindererziehung oder veränderte Geschlechterrollen. Interessant ist hierbei die Frage, wie wichtig eine geschlechtsspezifische Beratung auch für Männer sein kann und ob sie diese überhaupt benötigen. Wird die Notwendigkeit einer speziellen Männerberatung angenommen, stellt sich die Frage, welche Folgen diese Begründungen für die Beratungspraxis von Männern haben kann. Um das Thema einzugrenzen, beschränke ich mich hauptsächlich auf diesen Aspekt und gehe nicht ausführlicher auf Vergleiche zur Frauenberatung ein.
In dieser Arbeit gehe ich also zunächst der Frage nach, welche Gründe es für eine männerspezifische Beratung gibt bzw. warum Männer einer für sie zugeschnittenen Beratung bedürfen. Diese Gründe werden im ersten Kapitel zusammengetragen. Hierbei wird auch darauf eingegangen, welche Ursachen diese Gründe haben können.
Außerdem beschäftigt sich diese Arbeit mit den daraus folgenden Konsequenzen für die Beratungspraxis und versucht entsprechende Anforderungen zu formulieren. Diese Konsequenzen werden in Kapitel zwei dargestellt. Das dritte Kapitel beinhaltet eine eigene Stellungnahme, wie plausibel mir diese Beratungsgründe erscheinen und wie ich die Notwendigkeit von Männerberatung im Anschluss bewerte. Außerdem werden das in Kapitel zwei dargestellte Anforderungsprofil und die Konsequenzen für die Beratungspraxis reflektiert. Abschließend wird ein Ausblick auf mögliche weitere Fragestellungen gegeben.
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1 Die Notwendigkeit einer männerspezifischen Beratung
In diesem Kapitel geht es um die Frage, welche Gründe es für eine spezielle Männerberatung geben kann. Diese Gründe werden in den nachstehenden Unterkapiteln näher erläutert. Kapitel 1.1 beschäftigt sich mit dem Männerbild in der Gesellschaft und daraus folgenden Gründen für Männerberatung. In Kapitel 1.2 werden Argumente dargestellt, die auf gesellschaftliche Strukturen zurückgehen. In Kapitel 1.3 werden Aspekte aus den Bereichen Kommunikationsverhalten und Männerfreundschaften reflektiert. Im letzten Kapitel geht es um Gründe, die sich auf sozialisationstheoretische Argumente beziehen.
1.1 Das Männerbild in der Gesellschaft
Durch die feministische Forschung wurden viele Erkenntnisse über die Geschlechterdifferenz gewonnen. Dieser Forschungsansatz kritisierte traditionelle Geschlechterkonzepte, da diese nicht ausreichend auf weibliche Problemstellungen eingingen. Hingegen blieben in feministischen Entwürfen die männlichen Interessen ebenso unberücksichtigt wie die weiblichen Problemstellungen in den traditionellen Konzepten. Dieses Defizit an ausreichender Berücksichtigung der männlichen Seite mit ihren Problemen stellen Brandes und Bullinger in ihrem Werk „Handbuch Männerarbeit“ fest . (vgl. Brandes u. Bullinger 1996, S.7). Dementsprechend weniger richtet sich auch die Aufmerksamkeit von Beratungseinrichtungen auf männerspezifische Probleme. Zum einen sind die Angebote mehr frauenspezifisch. Zum anderen gibt es Ausschreibungen, die zwar neutral formuliert sind, aber eher nur Frauen ansprechen. So bezeichnet sich z.B. „Pro Familia“ als Ansprechpartner für beide Geschlechter, bietet aber nur wenige Themen auch für beide oder explizit nur für Männer an (vgl. Trio Virilent 1 1996, S.266). Diese „neutralen“ Angebote bergen nach Brandes und Bullinger eine Schwierigkeit in sich: Nach Ansicht der Autoren gibt es keine Geschlechtsneutralität in Beratung. Zudem müssten Stereotype, die sich dahinter verbergen, hinterfragt werden (vgl. Brandes u. Bullinger 1996, S.7). Brandes und Bullinger stellen in ihrem Werk fest, dass im Feminismus das Männerbild der hegemonialen Männlichkeit vorherrschend ist. Hierbei müsse
man aber berücksichtigen, dass es neben dieser Form noch viele Unterformen von Männlichkeit gäbe. Männer seien - wie Frauen auch - einmalige Individuen, die individuellen Beratungsbedarf hätten (vgl. Brandes u. Bullinger 1996, S.8). Die Autoren weisen auf die Problematik hin, Männlichkeit mit Herrschaft gleichzusetzen, da hier „das Leiden an und in der patriarchal geprägten Gesellschaft unterschlagen wird.“ Männer litten auch an dieser Gesellschaftsform, da ihnen das von Männern definierte System zum Verhängnis werde. Die Trennung von Arbeit und Leben sowie der Leistungs- und Konkurrenzdruck stelle eine große Belastung für den Mann dar (vgl. Brandes u. Bullinger 1996, S.10 ). All diese Gründe weisen auf Lebenssituationen und Problemstellungen hin, die eine männerspezifische Beratung notwendig machen.
Das seit dem Feminismus sich allmählich veränderte Geschlechterverhältnis betrifft nicht nur die Frauenrolle, sondern ebenso die Männerrolle. Diesem Sachverhalt werde zu wenig Bedeutung beigemessen (vgl. Brandes u. Bullinger 1996, S.3). Männer leiden nicht nur an der männerdominierten Gesellschaft, sie sind auch unzufrieden mit den vorgegebenen Lebenslagen (vgl. Brandes u. Bullinger 1996, S.4). Durch diese Umbruchsituation sind sie durch das Verhalten von Frauen irritiert. Männer sind unsicher in ihrer Rollendefinition und somit auch in ihrem Selbstbild. Zudem sei „das Zusammenleben zwischen traditionell sozialisierten Männern und selbstbewusster gewordenen Frauen“ schwieriger geworden (Doerry 1998, S.123). Hierbei müsse nicht nur die sexuelle Identität neu definiert, sondern auch die Frage nach männlichen Beziehungsqualitäten neu aufgerollt werden (vgl. Brandes u. Bullinger 1996, S.13/14). Eine solche Umbruchsituation stellt nach Doerry eine Lernchance für beide Geschlechter dar. Um diese Chance optimal zu nutzen, bedarf es der Unterstützung (vgl. Doerry 1998, S.124). Somit besteht also auch bei Männern eine Disposition für Beratungsbedarf.
Weitere Gründe für eine spezifische Männerberatung ist das immer noch vorherrschende Männerbild der Gesellschaft: Männer werden als „Macher“ gesehen. Das Bild des „Machers“ impliziert auch, dass Männer keine Probleme haben, sondern sie lösen. Das Eingestehen von Schwierigkeiten - vor allem auf dem Gebiet der Sexualität - wird als Versagen gewertet. Folglich bedeutet schon das Reden über sexuelle Probleme ein „Outing“ als Versager (vgl. Trio Virilent 1996, S.252). Nach Trio Virilent lässt sich hier eine erhöhte Schwellen-
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Arbeit zitieren:
Hella Ludwig, 2002, Männerberatung - Gründe für eine männerspezifische Beratung und Konsequenzen für die Beratungspraxis, München, GRIN Verlag GmbH
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