Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung - 3 -
2. Gegenüberstellung zweier Soleares und ihrer Interpreten - 3 -
2.1 Die Gattung Soleá - 3 -
2.2 Antonio Mairena: „Soleares“ - 4 -
2.3 Ojos de Brujo: „Tiempos de Soleá“ - 5 -
3. Der Flamenco zwischen Kommerzialisierung und Tradition - 6 -
4. Fazit - 7 -
5. Literaturverzeichnis - 9 -
6. Anhang - 10 -
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1. Einleitung
Wenn man Flamenco hört, kommen einem auch als Nicht-Spanier einige Bilder in den Sinn. Man denkt an Gitarren, an schöne Frauen mit wallendem schwarzem Haar, in denen eine Blume steckt, die zu faszinierenden Melodien klatschen und tanzen. Vielleicht denkt man auch an Kastagnetten und aufwendig gestaltete Kostüme. Wir alle haben jedenfalls eine gewisse Vorstellung davon, was Flamenco für uns bedeutet. Wie viel von den Bildern in unserem Kopf ist jedoch wirklich authentisch? Welche Bilder verdanken wir der Kommerzialisierung des Flamencos und welche Bilder entsprechen der Tradition, der ursprünglichen Bedeutung und dem Anliegen des Flamencos?
Diese Hausarbeit geht genau dieser Frage nach Kommerzialisierung und Tradition nach und soll den Diskurs anhand zweier Beispiele, nämlich der Analyse einer traditionellen Wiedergabe einer bestimmten Flamencogattung, der Soleá und einer zeitgenössischen, modernen Experimentierung mit dieser Gattung, aufkommen lassen. Es handelt sich bei den beiden Liedbeispielen um Soleares, gesungen von Antonio Mairena als traditionelles Beispiel und um „Tiempos de Soleá“ der Musikgruppe Ojos de Brujo als modernes Beispiel.
Nach einer Einführung in die Gattung Soleá werden diese Beispiele auf ihre einzelnen Bestandteile und ihre Inszenierung untersucht um diese Analyse anschließend in den größeren Kontext der Frage nach authentischem Flamenco einzubetten.
2. Gegenüberstellung zweier Soleares und ihrer Interpreten
2.1 Die Gattung Soleá
Die Soleá ist neben den Tonás, Seguiriyas und Tangos eine der Grundformen des Flamencos. Die Soleares gehören zur Gruppe des cante hondo, einem tiefsinnigen, dramatischen Grundgesang spanischen Ursprungs mit orientalischem Einfluss. Die rhythmische Begleitung der Soleares ist zwölfschlägig. 1 Der Begriff „Soleá“ ist andalusischer Dialekt für das Wort „Soledad“, also Einsamkeit und so ist sie meist auch Ausdruck von Einsamkeit und Tod. Sie kann aus drei oder vier achtsilbigen Versen bestehen, wobei sich der erste auf den letzten oder bei den vierversigen Liedern der zweite auf den vierten Vers reimt. Ursprünglich diente die Soleá als „cante para bailar“ (Miller, S.30 Z.21), sozusagen als Tanzlied, entwickelte sich
1 Vgl. Cordowinus 2007, S.27 ff.
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jedoch weiter zu einem „cante para cantar“ (Miller, S.30 Z.22), also einem auch vom Tanz unabhängigen Cante, bei dem Gesang und oft auch Gitarre im Vordergrund standen. 2 Es ist ein seriöser, tiefsinniger und klagender Gesang, der jedoch trotzdem noch entspannter und mit weniger Intensität als die Seguiriya vorgetragen wird. González Climent bezeichnet die Soleá als einen gemächlicheren, ruhigeren und weiseren Abstieg der Seguiriya, der ohne Eile über Vergangenes lamentiert. 3
2.2 Antonio Mairena: „Soleares“
Antonio Mairena wurde 1909 als Sohn einer Gitano-Familie geboren und war ein berühmter Flamenco-Sänger, der sich für die Bewahrung des „authentischen Flamencogesangs“ einsetzte, wobei er sich jedoch sehr auf die andalusischen gitano-cantes fixierte, welche in der Gegend um Sevilla entstanden und die er als jene Flamencolieder von echtem Wert ansah. 4
Auch die Soleá ist in seiner “Definición de cantes“: „de puro tronco gitano y uno de los representativos de género” (Gamboa, S.172 Z. 35-36). Zusammen mit dem Dichter Ricardo Molina publizierte er 1963 das Werk Mundo y formas del cante flamenco, als eine Geschichte der Flamenco- und gitano-cantes und deren Entwicklung. 5
Die hier aufgeführten Soleares erschienen 1956. Es sind vier Strophen, welche von dem Dichter Antonio García adaptiert wurden. Die Strophen und Gesangsverse der traditionellen Soleares waren oft zusammengestellt und mussten auch nicht unbedingt einen inhaltlichen Bezug zueinander haben, was auch hier der Fall ist. 6
Antonio Mairena beginnt die Soleares mit der für eine Soleá klassischen lalia, das heißt der Silbenfolge „lerelerele“ als Einleitung. Auch wenn die Strophen inhaltlich nicht vollständig zusammenhängen, so handeln doch die erste als auch die letzte Strophe von der Armut, indem immer wieder vom Brot zum Essen und um das Fleisch und das Leid des lyrischen Ichs die Rede ist. In der zweiten und vierten Strophe spricht es ausserdem eine Person an, vermutlich eine Frau, der es in der letzten Strophe seine Liebe gesteht. Die dritte Strophe ist besonders interessant, da die gitanas erwähnt und mit „allen anderen“ verglichen werden. Es heißt „alle“ seien aus Fleisch, nur die gitanas seien aus Kandiszucker, was sich einerseits auf die Hautfarbe und exotische Herkunft beziehen kann, jedoch auch eine positive Sichtweise dieser Frauen darstellt, da der Vergleich sie als süß und lieblich qualifiziert.
2 Vgl. Miller 1978, S.30
3 Ebd., S.31
4 Vgl. Gamboa 2005, S. 169/170
5 Vgl. Gamboa 2005, S.173
6 Vgl. Cordowinus 2007, S.33
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Arbeit zitieren:
Laura Croes, 2010, Flamenco, München, GRIN Verlag GmbH
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