Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung. 5
2 Familie heute 7
2.1 Was zeichnet Familie heute aus? 8
2.1.1 Wandel der Familienformen 8
2.1.2 Pluralität von Familienformen 9
2.1.3 Veränderte Familienzyklen 10
2.1.4 Veränderte Familiengrößen 11
2.2 Wandel der Funktionen von Familie 12
2.3 Eltern heute 12
2.3.1 Arbeitsteilung und Rollendifferenzierung 13
2.3.2 Erwerbstätigkeit von Müttern 13
2.3.3 Doppelbelastung. 14
2.3.4 Hohe Sinnzuschreibung Familie 15
2.3.5 Kindzentrierung 16
2.3.6 Pädagogisierung 17
2.3.7 Einfluss der Medien 17
2.4 Leistung und Leistungsdruck in der Familie 18
2.4.1 Was leisten Familien? 18
2.4.2 Zunehmende Anforderungen 20
2.4.2.1 Mobilitäts- und Flexibilitätsansprüche 20
2.4.2.2 Anstieg des Betreuungsaufwandes pro Kind durch den Rückgang
der Geburten 21
2.4.2.3 Demokratisierung von Familienbeziehungen 21
2.4.2.4 Pädagogisierung und Informationsarbeit 21
2.4.2.5 Finanzielle Mehrbelastung 22
2.4.3 Gefahr der Überforderung 22
2.4.4 Leistungsdruck und Familienstress 23
2.4.5 Auswirkungen auf die Kinder 26
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2.5 Zwischenfazit 27
3 Beratungs- und Schulungsmöglichkeiten für Eltern 28
3.1 Rechtliche Rahmenbedingungen 29
3.2 Erziehung als Aufgabe der Eltern 29
3.3 Was sollen Eltern lernen? 30
3.4 Zentrale Grundbegriffe 30
3.5 Elternschulungen 32
3.5.1 Übersicht und Daten zu aktuellen Elternschulungen 33
3.5.1.1 Anbieter 33
3.5.1.2 Themenbereich 34
3.5.1.3 Konzepte 35
3.5.1.4 Verwendete Methoden 36
3.5.1.5 Qualifikation der Kursleiter 37
3.5.1.6 Ort und Dauer der Maßnahmen 38
3.5.1.7 Zu den Teilnehmern: 38
3.5.2 Wirksamkeit der Maßnahme. 38
3.6 Elternberatung 40
3.6.1 Beratungsanlässe 42
3.6.2 Elterliche Erwartungen und Zufriedenheit 42
3.7 Zwischenfazit 43
4 Zur Notwendigkeit neuer Beratungs- und Schulungskonzepte 45
4.1 Erfassung von Umfang und Qualität des aktuellen Angebots 45
4.1.1 Qualität von Elternbildungsmaßnahmen. 46
4.1.2 Was sind Probleme und Defizite des aktuellen Angebots? 47
4.2 Bedarf an Elternschulung 49
4.3 Welche Ansatzpunkte ergeben sich daraus für neue Konzepte? 52
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4.4 Zwischenfazit 60
5 Resümee 61
6 Ausblick 63
7 Anhang. 64
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1 Einleitung
Kinder werden in erster Linie im Elternhaus sozialisiert und erhalten hier ihre erste Bildung: Eltern übertragen ihnen ihr kulturell und gesellschaftlich geprägtes Bild der Umwelt. Welche Inhalte wichtig sind und wie Bildung vermittelt wird, darüber diskutiert die Wissenschaft schon seit langem. Neben der Erziehung der Kinder wurden Fragen zur Selbsterziehung der Eltern gestellt und Klassiker der Pädagogik, wie z. B. Comenius, Rousseau oder Pestalozzi beschäftigten sich mit Elternbildung. Inzwischen wird zu diesem Thema sehr umfangreich veröffentlicht und wissenschaftlich untersucht. Eltern werden fast überhäuft mit einer Flut von Ratgebern, Schulungs- oder Vortragsmöglichkeiten, empirischen Daten, thematisch aufbereiteten Beiträgen aus den Medien und wohl gemeinten Erziehungsratschlägen. Dieses Ausmaß an Informationen verstärkt einerseits die Problematik der Entscheidungen in Erziehungsfragen, andererseits benötigen Eltern Informationen und Anweisungen für ihre Elternrolle. Der schnelle gesellschaftliche Wandel unserer Zeit und die Aufweichung von Normen und Werten führen dazu, dass Handlungsmuster der vorherigen Generation nicht unhinterfragt übernommen werden, sondern vielfach erst diskutiert und neu aufgebaut werden müssen.
Anlass für meine erste These „Leistungsdruck in der Familie - zunehmende Anforderungen an Eltern“ war eine Frage, die Nave-Herz im Ausblick ihres Buches „Familie heute“ (2007, S. 129) gestellt hat. Dabei überlegt sie, ob die Leistungsanforderungen, die Eltern durch Veränderungen in der Familie und der sie umgebenden Gesellschaft heute erfahren, nicht derart gestiegen sind, dass die Gefahr der Überforderung und damit bedingenden negativen Auswirkungen auf den Sozialisationsprozess der Kinder, besteht. Im ersten Teil dieser Arbeit wird deshalb die Lage der Familie heute beschrieben, welche Eigenschaften und Funktionen sich geändert haben und wie momentan Familie definiert wird. Speziell beleuchtet werden danach Charakteristika von Eltern und Einflussfaktoren auf ihre Rollen. Eine Darstellung von Leistung, die in Familien erbracht wird, folgt vor der Auflistung der Anforderungen, die aus der eingangs beschriebenen Familiensituation resultieren. Aus verschiedenen Literaturquellen konnte abgeleitet werden, dass diese Anforderungen zunehmen und zu einer Überforderung führen können. Ein dadurch entstehender Leistungsdruck wird innerhalb der Familie als Stress empfunden und wirkt sich auf die Kinder aus. Kapitel drei soll einen Überblick über Voraussetzungen, Grundlagen und Stand von Beratung und Schulung in Deutschland schaffen. Erziehung als Aufgabe der Eltern ist gesetzlich festgelegt, ebenso wie die Grundlagen zur Unterstützung in Form von Elternschulungen und
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Elternberatung. Nach einer Darstellung dieser Rahmenbedingungen, wird die, in der Bildungsgeschichte umfangreich diskutierte Frage kurz aufgegriffen, was Eltern lernen sollen. Dabei interessierte eine aktuelle, mehrheitliche Meinung der Experten dazu. Zentrale Grundbegriffe werden geklärt, bevor die Elternbildungs- und beratungslandschaft in Deutschland grob abgebildet werden.
Mit dem Hintergrund dieser Erkenntnisse werde ich im vierten Kapitel den zweiten Teil meines Themas ausarbeiten: Notwendigkeit neuer Beratungs- bzw. Schulungskonzepte. Eine Bearbeitung aus bildungswissenschaftlicher Sicht erfolgt mit den Schritten der Erfassung des aktuellen Angebots und der Frage nach dessen Qualität, Defiziten und Problemen. Ergebnisse aus Untersuchungen zum Bedarf an Elternbildung ermöglichen die Ableitung von Ansatzpunkten für die Weiterentwicklung oder Neukonzeption von Elternbildungsmaßnahmen. Eine Notwendigkeit zur Umsetzung dieser Ansatzpunkte wird im Resümee als Ergebnis der Erkenntnisse über Leistungsdruck in den heutigen Familien und einen festgestellten Bedarf an Schulung und Beratung begründet. Mit dem Wandel der Gesellschaft geht eine notwendige Angleichung der Bildungslandschaft einher, wie dies zusammenfassend für die Elternbildung herausgestellt werden soll.
Der Fokus dieser Arbeit soll der Tatsache Rechnung tragen, dass das elterliche Erziehungsverhalten und das Familienklima wichtige Risiko- oder Schutzfaktoren für die kindliche Entwicklung sind und deshalb gefördert und bestmöglich unterstützt werden sollten.
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2 Familie heute
In den letzten Jahren wird über die Familie stark diskutiert und sie scheint mehr Gewichtung und Popularität zu erfahren. Themen wie z.B. der Vaterschaftsurlaub, Kindertagesstätten und Ganztagesbetreuungen, Kindergelderhöhung, Geburtenrückgang, Alleinerziehende oder Armut in Familien tauchen in der Öffentlichkeit auf und beschäftigen Politiker. In den Medien finden Familienthemen in allen Sparten großen Zuspruch: Zeitschriften, Bücher, Internetseiten und Fernsehproduktionen greifen das Thema Familie von verschiedenen Seiten auf. Dabei reicht die Bandbreite von wissenschaftlichen Veröffentlichungen über Trivialliteratur zu Ratgebern und „Realityshows“ in vielfältigen Variationen. „Nach dem Mikrozensus des Jahres 2007 lebten in Deutschland 12,3 Millionen Familien, wobei zu den
Familien alle Lebensformen von Erwachsenen mit Kindern in einem Haushalt gezählt wurden. In 8,6
Millionen Familien war das jüngste Kind unter 18 Jahre und in 3,7 Millionen Familien mindestens 18
Jahre alt. Betrachtet man nur die Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind, setzen diese
sich aus 6,3 Millionen Ehepaaren, 675 Tausend Lebensgemeinschaften und 1,6 Millionen Alleinerziehenden zusammen“, wie das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (2009) ermittelte.
Definitionsversuche aus der Literatur machen deutlich, wie kompliziert es wird, sich auf einen einheitlichen Begriff von Familie zu verständigen. Klaus A. Schneewind (1994) diskutiert verschiedene Abgrenzungen zum Begriff „Familie“ und kommt dann zu einer Definition, die sich gerade für Bereiche der psychologischen Erziehungsforschung anbietet und „Familien als Varianten intimer Beziehungssysteme begreift, wobei diese sowohl intra- wie auch intergenerationale Personenkonstellationen umfassen können“ (S. 439). Grundmann und Hoffmeister (2009) erwähnen außerdem die „Tatsache, dass Familie einem laufendem Transformationsprozess ausgesetzt ist, ihre Struktur also permanent verändert und immer häufiger sogar eine Veränderung der Veränderung erfährt; [diese] erschwert ihre wissenschaftliche Analyse als kohärentes soziales System und stabiles Interaktions- und Beziehungsgeflecht“ (S. 195). In dieser Aussage wird auf den historischen und kulturellen Wandel hingewiesen, der eine Vielfalt von Familienformen hervorgebracht hat und weitere Entwicklungen bedingen wird. Typisch für die heutige Gesellschaft sind Konzepte, die sowohl Tschöpe- Scheffler (2005) wie auch Fuhrer (2007) benennen und im Zusammenhang mit gestiegenen Herausforderungen für Familien bringen:
- Rascher gesellschaftlicher Wandel:
- Individualisierung:
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- Pluralisierung:
- Enttraditionalisierung:
Fuhrer (2007) fasst das so zusammen, dass mit dem Gewinn an Handlungsspielräumen und -optionen gleichzeitig ein tendenzieller Verlust an Sicherheit und Handlungswissen durch garantierte soziale Regeln und Normen einhergeht (S. 21 - 23).
Um ein weiteres Merkmal der Familie in der heutigen Gesellschaft hervorzuheben, soll eine Beschreibung von Thomas Meyer hinzugezogen werden, die im Vergleich zu früheren historischen Phasen eine charakteristische Bedeutungszunahme von Emotionalität, Liebe und affektiver Solidarität in der modernen Kleinfamilie aufzeigt. Versachlichung und Durchrationalisierung würden dieser Familie in anderen Funktionsbereichen gegenüberstehen, was ihre Aufgabe bedingt, das Bedürfnis nach Sicherheit, Intimität und Geborgenheit zu befriedigen (Meyer 2006, S. 331).
Für diese Arbeit, die sich im Weiteren mit der Erziehung innerhalb der Familie beschäftigt, wird der Begriff „Familie“ für eine Gemeinschaft von Eltern (oder einem erziehungsberechtigten Elternteil) mit ihren Kindern verwendet.
2.1 Was zeichnet Familie heute aus?
Nachfolgend werden einige Charakteristika für die Familie von heute benannt, die sich aus den oben erwähnten Konzepten für unsere Gesellschaft ergeben und Erziehungsarbeit beeinflussen und, wie später noch diskutiert wird, Anforderungen an die Eltern erhöht.
2.1.1 Wandel der Familienformen
Ausgehend von einem Familienmodell, das das „ganze Haus“ umfasste, in dem Arbeit- und Wohnstätte verbunden waren, so bildete sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mit gesellschaftlichen Umschichtungen und der Industrialisierung der Typus der bürgerlichen Kleinfamilie heraus, die aus einem Ehepaar mit oder ohne Kindern besteht. Dieser breitete sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts über alle gesellschaftliche Schichten aus. Mit der Verbesserung des Einkommens, dem Besitz langlebiger Konsumgüter und dem Ausbau
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der sozialen Sicherungssysteme kam es zur Etablierung des kollektiv einheitlichen, bürgerlich eingefärbten Familientyps im Verlauf des 20. Jahrhunderts, wie Meyer (2006, S. 332) ausführt.
2.1.2 Pluralität von Familienformen
Wenn auch der Familientyp der „normalen Kleinfamilie“ heute noch vorherrscht (siehe Abb. 1), so lassen sich innerhalb dieser Form verschiedene Entwicklungen beobachten: Anstieg von selbstständigen Haushaltstypen, die zuvor in andere Lebensformen eingebettet waren (Alleinerziehende, unverheiratet zusammenlebende Paare, Verwitwete) Verschiebung der quantitativen Gewichte der verschiedenen Lebensformen Anstieg von weiblichen Haushaltsvorständen (Mutter- Kindfamilien, alleinwohnende Frauen) Häufiger Wechsel zwischen verschiedenen Haushaltstypen im Verlauf der Gesamtbiographie
(Statistisches Bundesamt 2006)
Zusammenfassend ist weiterhin die Elternfamilie die statistisch dominante Familienform, wobei sie in Bezug auf alle Haushalte in der Bundesrepublik abgenommen hat. Einen Grund dafür sieht Nave- Herz (2007, S. 25) vor allem in den zeitlichen Veränderungen der Zyklen im Lebenslauf des Einzelnen.
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2.1.3 Veränderte Familienzyklen
In der zeitlichen Strukturierung des individuellen Lebensverlaufs können in den westlichen Industriestaaten übergreifende Grundtendenzen beobachtet werden. Laufend neu untersucht werden die Lebenserwartungen, wobei die Verlängerung des Lebensalters eine Ausdehnung der nachelterlichen Phase mit sich bringt. Somit wird die große Anzahl an Ehepaaren, die die goldene Hochzeit feiern oder die vielen Urgroßeltern, die ihre Urenkel erleben zu historisch neuen Phänomenen.
Ebenso hat die vorelterliche Phase eine Ausdehnung erfahren, da das Alter der Mütter bei der Geburt des ersten Kindes gestiegen ist. Des weiterer ist ein Rückgang der Kinderanzahl pro Familie festzustellen, die nach Meyer (2006, S. 334) seit mehreren Jahren in Deutsch-land stabil bei ca. 1,4 Kindern pro Familie liegt.
Abb.2: Lebensphasen
(Nave-Herz 2007, S. 26)
Werden diese Phasen verknüpft, so erkennt man eine Entwicklung, bei der sich die eigentliche Familienphase, d.h. die Zeit der Pflege und Versorgung der Kinder, noch auf ca. ein Viertel der gesamten Lebenszeit ausdehnt und somit zu einer vorübergehenden Lebenspha-
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se wird. Dies bringt vor allem eine Veränderung in das Leben der Frauen, die neben ihrer Mutter- Rolle nun für längere Lebensphasen ohne die Festzuschreibung auf diese Rolle verbringen.
2.1.4 Veränderte Familiengrößen
Zwei Entwicklungen lassen die Familiengröße in Deutschland schrumpfen: Dies ist zum einen der oben beschriebene Anstieg von selbstständigen Haushalten, die früher in die Großfamilie integriert waren (Großeltern, Alleinstehende, Witwen). Daneben wächst die Mehrzahl der Kinder heutzutage in Deutschland in Ein- oder Zwei-Kinder-Familien auf, die Zahl der Drei- und Mehr-Kinder-Familien ist sehr stark gesunken.
Abb.3: Haushalte nach Haushaltsgröße
(Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung 2009)
Nave- Herz (2007) weist auf darauf hin, dass diese quantitativen Veränderungen ebenfalls qualitative Auswirkungen auf die innerfamilialen Interaktionsbeziehungen haben, da gruppendynamische Prozesse auch durch die Gruppengröße bestimmt werden (S. 29). Auf spezifische Interaktionsstile und -formen zwischen Eltern und Kindern und einer Zunahme von bestimmten Erwartungshaltungen und Leistungsanforderungen der Eltern an sich selbst soll später noch eingegangen werden.
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2.2 Wandel der Funktionen von Familie
Im Zuge der zunehmenden Trennung von Produktion und Reproduktion, von Arbeitsstätte und Wohnstätte, wurde die Familie allmählich zum Ort der Privatheit und Intimität. Davor war Familie eine Wirtschaftsgemeinschaft mit ökonomischen Erfordernissen und eine Verbindung wurde vor allem als Zweckehe eingegangen. Mit der Individualisierung besteht die Möglichkeit eine Verbindung gekoppelt mit Gefühlen und Liebe einzugehen, womit der Familie auch die Aufgabe zugeschrieben wird, emotionale Bedürfnisse zu befriedigen. Meyer sieht diese Aufgabe der Bedürfnisbefriedigung der modernen Familie ebenso und ordnet ihr zusätzlich soziale, biologische und Reproduktionsfunktionen zu.
„Sie hat für die Regeneration und Stabilisierung ihrer Mitglieder und für die Zeugung und Pflege des Nachwuch-
ses zu sorgen und diese in Sprache, Rollen, Normen und Werte der Gesellschaft einzuführen (Sozialisationsfunk-
tion). Schließlich spielt die Familie eine entscheidende Rolle für den Prozess, durch den eine Person an bestimm-te gesellschaftliche Positionen vermittelt wird (Platzierungsfunktion), “ wie Meyer weiter ausführt (2006, S. 331).
Im Zuge der umfangreichen Forschungen zu Kindheit, Jugend und vorgeburtlichen Einflüssen, wurden Eltern vermehrt auf ihre Verantwortung für ihre Kinder hingewiesen. Schneewind (1999) legt hier nahe, dem individuellen Entwicklungsprozess im Kontext der Familie besondere Beachtung zu schenken. Durch früh einsetzende, lang andauernde, vielfältige und intensive Einflüsse, denen die nachwachsende Generation zuerst und in aller Regel innerhalb der Familie ausgesetzt sind, werden wichtige Lernerfahrungen in Gang gesetzt, die das Fundament für spätere Entwicklungen darstellen (S. 120).
Das Wissen über jene Möglichkeiten wie Kinder bestmöglich gefördert werden können, stellt umfangreiche Hilfestellungen zur Verfügung, übergibt aber den Eltern die große Verantwortung und der Familie die Funktion, Kinder mit Kulturtechniken, den notwendigen psychosozialen Profilen und den Kompetenzen auszustatten, die es ihnen ermöglichen, in unserer Welt bestmöglich zu (über-)leben.
2.3 Eltern heute
Eltern sammeln heute bestimmt immer noch einige ähnliche Erfahrungen wie Generationen von Eltern vor ihnen, wenn sie sich mit dem Übergang in die Elternschaft auf den Lebensrhythmus der Kinder einstellen müssen. Allerdings verlangt unsere schnelllebige, komplexe Welt angepasste Interaktionsmuster. Aus einem Erziehungsverhältnis wird weitgehend ein Beziehungsverhältnis, das bestimmt wird vom Verhandeln, Aushandeln und Abstimmen von Regeln innerhalb der Familie.
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Im Folgenden werden einige Merkmale von Elternschaft in unserer Gesellschaft belichtet, die im Zusammenhang mit dem Thema dieser Arbeit relevant erscheinen.
2.3.1 Arbeitsteilung und Rollendifferenzierung
Nave-Herz (2007) erklärt, dass durch die sozialen Rollen „Mutter“ und „Vater“, einem zunächst biologischen Tatbestand, die Gesellschaft eine soziale Differenzierung erfährt, die normativ abgesichert sei (S. 38). „Die biologischen Unterschiede werden zum Anlass der Rechtfertigung dieser sozialen Differenzierung durch die Zuschreibung von Eigenschaften und Fähigkeiten ja nach Geschlecht und damit zur Legitimation der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung,“ wie sie weiter ausführt (ebs. S. 38). Diese Arbeitsteilung weist traditionell den Frauen Hausarbeit und Kindererziehung zu, was die in den letzten Jahren entstandenen Untersuchungen weiterhin belegen. Exemplarisch zeigt ein Ergebnis von Meyer (2006), dass es einen Kern von typisch weiblichen Aufgaben (Waschen, Bügeln, Kochen, Putzen) gibt, die weiterhin in 75 - 90 % der Familien von den Frauen erledigt werden (S. 318). Meyer und Nave-Herz berichten allerdings auch von einer Entwicklung der neuen Vaterrolle, in der sich eine zunehmende Orientierung und Mithilfe der Väter an der Betreuung der Kinder zeigt. Unterstützt wird diese Tendenz von der Politik, z. B. durch die neue Regelung des Elterngeldes. Im 3. Quartal 2009 lag der Anteil der Väter, die das Elterngeld nutzten bei 20,7 Prozent. Normativ bleibt jedoch die Zuordnung der Funktionen zu Vater- oder Mutterrolle weiterhin stark abgesichert.
2.3.2 Erwerbstätigkeit von Müttern
Die meisten Mütter wollen heute erwerbstätig sein und zum Familieneinkommen beitragen. Dieser Wunsch entsteht sicher nicht nur um „sich selbst zu verwirklichen“, sondern viele benötigen dieses zusätzliche, bzw. bei Alleinerziehenden das einzige, Einkommen. Sie haben meist in gute Ausbildungen investiert und möchten dies auch während der Familienzeit nutzen.
Der Anteil der erwerbstätigen Mütter ist in den letzten Jahren stetig gestiegen. Eine aktuelle Beteiligung von 2008 zeigt untenstehende Grafik:
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Abb.4: Anteil erwerbstätiger Mütter 2008
(Statistisches Bundesamt Deutschland. STATmagazin. Arbeitsmarkt. 04.03.2010)
Diese Daten zeigen, dass inzwischen gut 2/3 aller Mütter mit Kindern zwischen 10 und 14 Jahren erwerbstätig sind. Daten über Frauen die in Privathaushalten Schwarzarbeit leisten und Arbeitsuchende sind dabei nicht erfasst. Nach Schuster (1990) sind Mütter von bestimmten Berufs-und Karrierewegen ausgeschlossen und arbeiten oft unterhalb oder außerhalb von Normalarbeitsverhältnissen (S. 51). Nach einer Bilanz der Bundesregierung verdienen Frauen im Durchschnitt heute je Arbeitsstunde 22 % weniger als Männer (Bundesregierung, 2008).
Diese Doppelorientierung zwischen Familie und Beruf als Bestandteil des Lebensentwurfes der Frauen führt zu einer besonderen Problematik: beides zu vereinigen ist zu viel, die Reduktion auf einen Bereich zu wenig.
2.3.3 Doppelbelastung
Durch den Eintritt in die Erwerbstätigkeit zahlen viele Frauen den Preis einer Mehrfachbelastung in sozialer, psychischer und oftmals physischer Art durch Beruf, Erziehung und Haushalt. Männer zögern immer noch, Aufgabenbereiche im Haushalt oder entstandene Lücken in der Familienarbeit aufzufüllen (vgl. Hurrelmann& Bründel, 2003, S. 99). Auch wenn die Politik versucht, Betriebe für eine familienfreundliche Personalpolitik zu gewinnen, so können die Frauen in der Praxis noch kaum auf ausreichende Unterstützung in der Kinderbetreuung oder familienfreundliche Arbeitszeiten hoffen, die die Koordination von Familie und Beruf erleichtern.
Positiv beschreibt Nave-Herz (2007) zahlreiche, neuere Forschungsergebnisse, die von der eindimensionalen Betrachtungsweise abkommen, die eine Erwerbstätigkeit der Mutter ablehnt um das Zustandekommen der Bindung in der frühen Kindheit nicht zu gefährden. Rele-
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vant erscheinen inzwischen viele Einflussfaktoren im komplexen Sozialisationsprozess der Kinder: Grund der Erwerbstätigkeit der Mutter, Einstellung des Vaters dazu, Qualität der Ersatzbetreuung, mütterliche Zufriedenheit und ökonomische Situation (S. 45). Berufstätigkeit für Mütter bedeutet jedoch weiterhin eine große Belastung, die sich in ihrer mehr oder weniger positiven Bearbeitung auf die Familie und den Entwicklungsprozess der Kinder auswirkt.
2.3.4 Hohe Sinnzuschreibung Familie
Trotz gestiegener Ehescheidungszahlen weist die Forschung darauf hin, dass Partnerschaft und Elternschaft nach wie vor in der heutigen Generation sehr hohe Wertschätzung erfahren. „Familie als Lebensziel scheint an Bedeutung nicht zu verlieren“, wie Vaskovics feststellt (1997, S. 26) und aus den nachstehenden Daten aus dem Jahr 2004 abzulesen ist.
Abb.5: Wichtigkeit von glücklicher Ehe, Partnerschaft und Kindern
(Statistisches Bundesamt 2006)
Für über 90 % der Befragten ist eine glückliche Ehe oder Partnerschaft sehr wichtig oder wichtig, Kinder zu haben finden 78 % sehr wichtig oder wichtig. Werden nun die Gründe hinterfragt für diese Einstufung, so wird mit Familie und Kindern die Erwartung verbunden, dass
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Arbeit zitieren:
Elke Grath, 2010, Elternbildung - Leistungsdruck in der Familie, München, GRIN Verlag GmbH
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