Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG. 4
2 DER PROJEKTBEGRIFF. 4
2.1 BEGRIFFSDEFINITION 4
2.1.1 Dewey: Erfahrung, Demokratie, soziale Orientierung 5
2.1.2 Rezeption in Deutschland 7
3 DER PROJEKTGEDANKE IM FREMDSPRACHENUNTERRICHT 9
3.1 PROBLEME UND LÖSUNGSWEGE 9
3.1.1 Erfahrungen im Fremdsprachenunterricht. 10
3.1.2 Lehrgänge und Sprachwissen 11
3.1.3 Soziale Orientierung von Sprache? 12
3.1.4 Projektinitiative. 13
3.1.5 Leistungsbeurteilung 14
4 FAZIT 15
5 LITERATURVERZEICHNIS 18
5.1 INTERNETQUELLEN 19
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1 Einleitung
Fremdsprachenunterricht und Projektarbeit sind immer wieder als "zwei sich schwer versöhnlich gegenüberstehende" (Reisener, 1999, S. 20) Lernkulturen dargestellt worden. Als direkte Folge dieser Haltung ist die Tatsache zu sehen, daß "der Projektgedanke heute in vielen Schulen immer noch auf die Projektwochen beschränkt ist" (Heursen, 1997, S. 199). Somit verläuft der überwiegende Teil des Schulunterrichts lehrerdominiert. Die Gründe dafür, Projekte vom Fachunterricht und speziell vom Fremdsprachenunterricht (vgl. hierzu: Minuth, 1996) auszugrenzen, scheinen vielfältig zu sein, wenn man den Gegnern des Einsatzes von Projekten in diesen Bereichen schulischer Arbeit Glauben schenkt.
Ein Vertreter dieser These ist beispielsweise auch Gudjons, der sich in seinem Buch „Handlungsorientiert lehren und lernen“ (1986) mit zentralen Fragestellungen des Projektunterrichts beschäftigt. Im Rahmen seiner Überlegungen kommt er zur These, daß Projekte sich im Rahmen des Fremdsprachenunterrichts nicht eignen und dort somit keine oder nur begrenzte Anwendung erfahren können. Ob diese These zutrifft, ist im Folgenden zu diskutieren. Dabei wird es zunächst um die Bedeutung und Entstehung des Projektbegriffes gehen. In einem zweiten Teil wird dann auf den spezifischen Zusammenhang zwischen Projekttheorie und Fremdsprachenunterricht einzugehen sein, wobei wiederholt auf Beispiele erfolgreicher Verknüpfung verwiesen wird.
2 Der Projektbegriff
2.1 Begriffsdefinition
Die ursprüngliche Bezeichnung Projekt geht auf das lateinische Wort proicere (vorwerfen, entwerfen) zurück. Heute wird der Begriff im Sinne von Entwurf, Planung oder Vorhaben verwendet und findet in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens Verwendung. In diesem Zusammenhang ist jedoch festzuhalten, daß der Projektbegriff erst zu Beginn des 20 JH seine bis dahin starke Bindung an technische und handwerkliche Hintergründe verlor und immer stärker in andere Felder, unter anderem das der Pädagogik, eindrang. Das gegenwärtige Verständnis des Projektbegriffes im pädagogischen Bereich stützt sich dabei grundlegend auf die Ausführungen Deweys, die dieser innerhalb der ersten Jahrzehnte des 20 JH anstellte. In diesem Zusammenhang ist jedoch anzumerken, daß Dewey nicht der Erste war, der den Projektbegriff mit erzieherischen Fragen in Zusammenhang brachte. So benutzte Charles R. Richards das Wort „project“ ebenfalls bereits zu Beginn des 20 JH im
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pädagogischen Sinn und schon einige Zeit vorher, gegen 1600, wurden Studenten in Italien und Frankreich (vor allem im Bereich Architektur) anhand von Projekten ausgebildet.
Als indirekte Wegbereiter der Projektidee können in diesem Zusammenhang auch Rousseau und Pestalozzi gelten. Vor allem Pestalozzis Grundthese vom Lernen mit "Kopf, Herz und Hand" weist nämlich inhaltliche Parallelen zum handlungsorientierten Projektunterricht auf.
2.1.1 Dewey: Erfahrung, Demokratie, soziale Orientierung
Deweys Projektidee entwickelte sich als Reaktion auf sich rasch verändernde gesellschaftliche Verhältnisse im Zuge industrieller und gesellschaftlicher Revolutionen zu Beginn des 20 JH. Während dieser Zeit veränderten sich beispielsweise die Arbeitsbedingungen der Bevölkerung grundlegend und es entstanden neue soziale Klassen. Diese Entwicklungen trugen dazu bei, daß die Lebenswelt sich immer weiter verkomplizierte und es zunehmend schwerer wurde, sich in ihr zurechtzufinden.
Da Dewey von dem Gedanken ausging, daß der Einzelne durch seine soziale Umgebung geformt wird, kam der Schule die Aufgabe zu, eine vereinfachte geordnete Umwelt bereitzustellen, die den Fähigkeiten der Heranwachsenden entsprach. In einer derart gestalteten Schule sollte der einzelne einen Unterricht erleben, der am Leben orientiert war. Erziehung wurde also nicht mehr als Vorbereitung auf die Welt verstanden sondern sollte Teil des wirklichen Lebens werden. Das bedeutete konkret, daß die Schüler anhand des realen Lebens Dinge lernen sollten, die im Leben hilfreich waren. Insofern ist Deweys methodischer Ansatz als Abwendung vom theoriegeleiteten Unterricht zu sehen. Ganz in diesem Sinne formulierte er das Credo seiner Erziehungstheorie: „Ein Gramm Erfahrung 1 ist besser als eine Tonne Theorie, einfach deswegen, weil jede Theorie nur in der Erfahrung lebendige und der Nachprüfung zugängliche Bedeutung hat“ (Dewey, 2000, S. 193). Diese These läßt Deweys deutliche Verankerung im Pragmatismus erkennen. Der Pragmatismus (etwa: planvolles Handeln zur Selbstverwirklichung in der Gesellschaft) definiert das Handeln als Ursprung aller Dinge und die Nützlichkeit als Maß der Wahrheit. Theorien besitzen hingegen nur
1 Dewey geht von der Vorstellung einer wechselseitigen Beziehung zwischen Mensch und Welt aus und meint damit auch die Wechselwirkung von Geist und Körper, Erkennen und Tun, Bewußtsein und Handeln. Aus diesem wechselseitigen Wirkungsverhältnis erhält der Mensch Erfahrungen, die nach Dewey eine aktive und passive Seite haben. „Durch Erfahrung lernen heißt das, was wir den Dingen tun, und das, was wir von ihnen erleiden, nach rückwärts oder vorwärts miteinander in Verbindung bringen“ (Dewey 1916, S.112). Für Dewey hat diese Erfahrung pädagogische und politische Bedeutung, da sie einerseits die Höherentwicklung des Individuums, andererseits die Höherentwicklung der sozialen Umwelt, in der das Individuum lebt, bewirkt. Die Anstrengung der Pädagogen muß daher immer eine pädagogische und eine politische sein, wenn Erziehung gelingen soll.
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instrumentellen Charakter. Im Zentrum stehen das menschliche Handeln und die Bedeutung von Handlungsprozessen für die Erkenntnisfindung. Der Wert einer Erkenntnis wird im Pragmatismus gemessen am Nutzen, den diese für das Handeln des Menschen und für die Praxis des Lebens besitzt.
Dewey zufolge bestand eine der Hauptaufgaben von Projekten darin, gesellschaftliche Praxisrelevanz zu besitzen und Lernerfolge zu liefern, die transferierbar sind. Lehr- und Lernprozesse dürfen nach diesem Verständnis nicht nur auf eine „Diät aus vorverdauten Stoffen“ (Dewey 1963, S. 58) beschränkt werden. Statt dessen müssen Erfahrungen vermittelt werden, die wiederum neue Erfahrungen ermöglichen (ebd., S. 40). Die Kunst des Unterrichtens besteht gemäß dieses Ansatzes darin, im Rahmen des permanenten situations-und handlungsbezogenen Prozesses der Vermittlung „denkender Erfahrung“ Anregung und Unterstützung zu geben. Dabei sind die neuen Problemstellungen ausreichend groß zu gestalten, so daß sie das Denken anregen 2 . Gleichzeitig aber müssen sie so klein sein, daß sie die Lernenden nicht überfordern (Dewey, 2000, S. 209f). Ein in diesem Sinne gestalteter Unterricht soll den Schüler befähigen, das Lernen zu lernen. Dies galt für Dewey vor allem vor dem Hintergrund, daß es seiner Meinung nach kein absolutes Wissen gab sondern Wissen immer in Erfahrungszusammenhängen modifiziert werden mußte. Der Konzept reflective experience, das durch Projekte vermittelt werden sollte, trägt diesem Zusammenhang Rechnung.
Ein weiterer Gesichtspunkt der Theorie Deweys war die Einbettung des Projektbegriffs in ein grundlegendes Verständnis von Demokratie. Demokratische Erfahrungen galten dabei sowohl als Weg als auch als Ziel wobei Schüler durch Projektunterricht zu mündigen und sozial kompetenten Bürgern erzogen werden sollten. Ohne dieses Moment verkam der Projektunterricht, nach Sicht Deweys, zu einer bloßen Methode.
Der inhaltlichen Offenheit, die oft als Beliebigkeit mißverstanden wurde, setzte Dewey das Auswahlkriterium entgegen, „das Leben der Gemeinschaft, der wir angehören so zu beeinflussen, daß die Zukunft besser wird, als die Vergangenheit war“ (Dewey, 1916, S. 255). Insofern ist Projektunterricht nach Deweys Definition immer gesellschaftlich-sozial orientiert. Der Handlungsaspekt spielt demzufolge nicht nur als Tätigkeit sondern als Eingriff in die soziale Wirklichkeit eine Rolle.
2 Vgl. den Begriff der kognitiven Dissonanz bei Jörger (1975).
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Arbeit zitieren:
Hanno Frey, 2003, Projekte im Fremdsprachenunterricht - ein Ding der Unmöglichkeit?, München, GRIN Verlag GmbH
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