2
A) Der Weg in die Wissenschaftsgesellschaft - Umbruch der traditionellen Lehr- und Lernkultur……………………………………………………………………………… S. 3
B) Virtuelle Seminare - Gestaltung, Merkmale, Besonderheiten…………………….. S. 4
1. Merkmale und Besonderheiten virtueller Seminare im Vergleich zu traditionellen Seminaren…..……………………………………………………………………....S. 4 1.1. Kommunikation und Interaktion…………………………………………………….S.4 1.2. Moderation………………………………………………………………………….S. 6 1.3. Kooperation, Koordination, Kollaboration………………………………………...S. 8
2. Gestaltungsphasen virtueller Seminare……………………………………… ...S. 11 2.1. Konzeption festlegen………………………………………………………………S. 12 2.2. Seminar vorbereiten……………………………………………………………….S. 14 2.3. Seminar durchführen……………………………………………………………...S. 15 2.4. Seminar evaluieren/Transfererfolg………………………………………………..S. 16
C) Darstellungsweise und methodisches Vorgehen beim Referat………………….….S. 18
D) Entwicklungstendenzen und Zukunftsaussichten virtueller Seminare……………S. 19
Literaturverzeichnis……………………………………………………………………...S. 21
Abbildungsverzeichnis……………………………………………………………………S. 22
3
A) Der Weg in die Informations- und Wissensgesellschaft - Umbruch der traditionellen Lehr- und Lernkultur
E-Learning - das Lernen mit neuen Medien - ist das neue Zauberwort unserer Tage. Der Bedarf an Wissen unserer Informations- und Wissensgesellschaft nimmt permanent zu und gewinnt für den Einzelnen immer größere Bedeutung. Die traditionelle Lehr- und Lernkultur und die herkömmlichen Methoden der Aus- und Weiterbildung können den neuen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. Den traditionellen Methoden mangelt es vor allem an Aktualität, Effizienz und Motivation sowie an räumlichen und finanziellen Kapazitäten. 1 Heute ist der Einsatz von Multimedia im Bildungsbereich im Vormarsch und nicht mehr zu stoppen. Das Internet ist dabei nicht mehr nur Mittel der Informationsverarbeitung, sondern ein Instrument, das Lehr-Lernvorgänge unterstützt. Seine Potentiale als Distributions- und Interaktionsmedium ermöglichen den freien Zugriff auf Lernmaterialien und unterschiedliche Interaktionsformen wie E-Mail, Chat oder Diskussionsforen. Durch den Einsatz von neuen Medien und der Nutzung des Internets für Lehr- und Lernprozesse wurden traditionelle Bildungsstrukturen erweitert und eine Basis für lebenslanges und selbstgesteuertes Lernen geschaffen. Ein zentraler Vorteil der Verwendung multimedialer Lerninhalte wird in der flexiblen, individuellen und nachfrageorientierten Form der Bildung gesehen. Der Lernende kann den Lernprozess selbst steuern: Er lernt, sich selbstständig und eigenverantwortlich mit dem Stoff auseinander zu setzen. Die örtliche und zeitliche Unabhängigkeit sowie die „[…] Möglichkeiten der anschaulichen Präsentation von Lerninhalten durch Integration von Film, Standbild, Animation, Ton und Text in einem einzigen Medium“ 2 sind ein weiterer Vorzug des virtuellen Lernens. Immer häufiger werden deshalb die neuen Möglichkeiten, die das netzbasierte Lernen mit sich bringt, an Hochschulen sowie im betrieblichen Bereich eingesetzt. Mit der Nutzung der neuen Medien entwickelt der User unabhängig von Lerninhalten fächerübergreifende Kompetenzen: „Zu diesen gehören Selbstständigkeit, Teamfähigkeit und ein demokratisches Bewusstsein ebenso wie Auswahl-, Unterscheidungs-und Konzentrationsvermögen und die Fähigkeit zur Bewertung und Beurteilung nach Bedeutungs- und Sinnkriterien […].“ 3
1 Vgl. Kremer, H.-Hugo; Sloane, Peter F.E.; Virtuelle Seminare gestalten, in: Reader der Vorlesung: Grundlagen für die Gestaltung medienbasierter Lernumgebungen, vom Wintersemester 2002/2003 im Studienfach Medienpädagogik an der Universität Augsburg, S. 2.
2 Euler, Dieter: Selbstgesteuertes Lernen mit Multimedia und Telekommunikation gestalten, in: Reader der Vorlesung: Grundlagen für die Gestaltung medienbasierter Lernumgebungen, vom Wintersemester 2002/2003 im Studienfach Medienpädagogik an der Universität Augsburg: S. 13.
3 Reinmann-Rothmeier, Gabi; Mandl, Heinz: Virtuelle Seminare in Hochschule und Weiterbildung, 1. Auflage
2001, Verlag Hans Huber, Bern 2001, S. 12.
4
Traditionelle Methoden des Lehrens und des Lernens werden durch den Einsatz der „neuen Medien“ ergänzt - nicht ersetzt: So sind „virtuelle Seminare […] nicht etwas grundsätzlich Neues, sondern es wird versucht, neue Werkzeuge in den Dienst bereits bestehender didaktischer Konzepte zu stellen.“ 4 Ziel ist es, die neuen Technologien zu nutzen, um die Verwirklichung didaktischer Aufgaben durch multimedia-gerechte Aufbereitung der Lerninhalte zu erleichtern. Wie in traditionellen, soll auch in virtuellen Lernumgebungen der Lernende im Mittelpunkt des Lernprozesses stehen und die Seminargestaltung an diesen angepasst werden. 5 In Anbetracht des zunehmenden Enthusiasmus in Sachen E-Learning, sind der technische und konzeptionelle Gestaltungssaufwand virtueller Seminare und die damit einhergehende Zeit- und Kostenintensität nicht außer Acht zu lassen. Ziel dieser Arbeit ist die ausführliche Darstellung einer virtuellen Seminargestaltung. Neben Merkmalen und Besonderheiten werden die verschiedenen Gestaltungsphasen virtueller Seminare herausgearbeitet. Dem Leser soll eine Vorstellung vermittelt werden, welche Kriterien einen erfolgreichen Abschluss eines virtuellen Seminars hinsichtlich Lernerfolg, Effizienz und Akzeptanz der Lernenden erhöhen. Abschließend soll ein Ausblick über die Weiterentwicklung und die Zukunft virtueller Seminare in Beruf und Bildung gegeben werden.
B) Virtuelle Seminare - Gestaltung, Merkmale und Besonderheiten
1. Merkmale und Besonderheiten virtueller Seminare im Vergleich zu traditionellen Seminaren
1.1. Kommunikation und Interaktion
In traditionellen Lernumgebungen findet die Kommunikation zwischen den Lernenden gemeinsam in einem Raum statt: „Die verbale aber auch nonverbale Kommunikation […] läuft synchron Face-to-Face (FtF) ab.“ 6 Im Gegensatz dazu ist die Verständigung der Teilnehmer eines virtuellen Seminars durch Orts- und Zeitunabhängigkeit gekennzeichnet. Durch die flexible und hoch individualisierte Zeitnutzung wird ein fortlaufender Kommunikations- und Diskussionsprozess gewährleistet. Die medienbasierte Kommunikation
4 Kremer, H.-Hugo; Sloane Peter F.E.: a.a.O., S. 5.
5 Vgl. Kremer, H.-Hugo; Sloane Peter F.E.: a.a.O., S. 15.
6 Hesse, Friedrich W.; Friedrich, Helmut F.: Partizipation und Interaktion im virtuellen Seminar, Waxmann Verlag, Münster 2001, S.16.
5
der in der Regel räumlich getrennten Lernenden, findet synchron (zeitgleich) oder asynchron (zeitversetzt) statt. Mit Audio- und Videokonferenzen sowie Chats können sich die Seminarteilnehmer synchron verständigen, das Versenden von textbasierten Nachrichten wie E-Mails ist asynchron. Somit „[…] lassen sich überraschend viele Varianten der Kommunikation und Interaktion, die wir von Angesicht zu Angesicht (face-to-face) gewohnt sind, über Telemedien umsetzen.“ 7 In virtuellen Seminaren haben die Teilnehmer und Tutoren die Möglichkeit, permanent Zwischenergebnisse und Beiträge ins Internet zu stellen und dadurch Diskussionen anzuregen. „Die[se] zeitnahe Bereitstellung von Lerninhalten über das Netz erlaubt [nicht nur] eine höhere Aktualität der Lerninhalte [Hervorhebung im Original]“ 8 , sondern die Seminarleiter erhalten so zudem Einsicht in die Arbeitsprozesse und die Seminarentwicklung. 9
Trotz des innovativen Charakters virtueller Seminare - besonders im Hinblick auf die computervermittelte Kommunikation (CvK) - zeichnen sich auch Nachteile der virtuellen Verständigung ab. Dazu gehören die verkürzten Kommunikationskanäle, d.h. es sind keine sozialen Hinweisreize vorhanden. 10 Im Vergleich zur Face-to-Face Kommunikation fehlen bei der textbasierten Kommunikation die für „[…] den emotionalen Ausdruck wesentlichen nonverbalen und paralingualen Informationen […].“ 11 Gefühlsgeleitete Reaktionen und Gesten werden beim virtuellen Lernen eher selten erkannt und daher nicht berücksichtigt: Genau definierte Sprechregeln sind nicht vorhanden. So können ironisch gemeinte Anspielungen falsch interpretiert und damit die Intention des Autors missverstanden werden. Um dies vermeiden, kann man sogenannte „Emoticons“ am Ende der Nachricht hinzufügen [z.B.: :-) für lachen, ;-) für blinzeln, ironisch, :- # für vertrauliche Nachricht]. Neben der Kommunikation ist die Interaktion ein ausschlaggebendes Kriterium für virtuelle Seminare. Zu beachten ist, dass es in virtuellen Räumen mehrere Interaktionsformen gibt: Man unterscheidet ein technikorientiertes und ein sozialwissenschaftlich orientiertes Begriffsverständnis. Ersteres bezeichnet die vielfältigen Möglichkeiten des Zugriffs auf Informationen - zum Beispiel durch Nutzung des Internets - und deren Verbreitung beziehungsweise Darstellung. 12 Das technische Begriffsverständnis „[…] beschreibt keine Qualität [Hervorhebung im Original] des wechselseitigen („emphatischen“) Agierens und
7 Hesse, Friedrich W.; Friedrich, Helmut F.: a.a.O., S. 257.
8 Kremer, H.-Hugo; Sloane, Peter F.E.: a.a.O., S. 14.
9 Vgl. Issing, Ludwig I.; Klimsa, Paul: Information und Lernen mit Multimedia und Internet - Lehrbuch für Studium und Praxis, 1. Auflage 1995, Verlagsgruppe Beltz, Weinheim 2002, S. 353.
10 Vgl. Kremer, H.-Hugo; Sloane, Peter F.E.: a.a.O., S. 10.
11 Hesse, Friedrich W.; Friedrich, Helmut F.: a.a.O., S 17.
12 Vgl. Kremer, H.-Hugo; Sloane, Peter F.E.: a.a.O., S. 2.
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Alexander Mendle, Katrin Fischer, 2003, Virtuelle Seminare - Gestaltung. Merkmale, Besonderheiten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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