dass selbst diejenigen meiner Anhänger mich nicht verleugnen können, die sich Aussehen und Ansehen eines Weisen verschafft haben, dennoch aber eher Affen gleichen, die in Purpur gewickelt sind,
ein Paar Eselsohren werden stets sichtbar bleiben und den Midas verraten.
Vorwort
Im Rahmen meines Studiums ist es zwingend notwendig eine Bachelorarbeit zu verfassen. Dabei hatte ich das große Glück, dass für mich von Beginn an feststand, mich mit dem Phänomen der Multinationalen Unternehmung auseinander zusetzen. Kaum ein anderes Themenfeld hat während meines Studiums so viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. In Zeiten der Globalisierung stehen Multinationale Unternehmungen immer häufiger im Mittelpunkt einer Reihe öffentlicher Diskussionen. Sie werden gepriesen oder verteufelt. Aber welche theoretischen Erklärungsansätze gibt es? Was können diese leisten und inwieweit wird dieses Phänomen hinreichend erklärt? Diesem spannenden Themenfeld konnte ich mich im Rahmen dieser Arbeit widmen. Ich hoffe so, dem ähnlich Interessierten Beobachter der Multinationalen Unternehmungen eine Grundlage zu den klassischen Theorien, ihren Stärken und Schwächen und deren praktischem Nutzen anbieten zu können.
Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei der Universität Flensburg für die hervorragenden Lehrbedingungen und bei den Professoren des Instituts für internationales Management für ihr persönliches Engagement und die ausgezeichnete Methodik bedanken.
Mein ganz besonderer Dank gilt dabei Herrn Prof. Dr. Stephan Panther, der sehr früh mein Interesse für die volkswirtschaftlichen und internationalökonomischen Fragestellungen geweckt hat und meine Euphorie dafür stets teilte.
Er hat es immer verstanden, mich über den sprichwörtlichen Tellerrand hinaus gucken zu lassen und mir so einen aufregend neuen Blick auf die Welt der internationalen Ökonomik gewährt.
Ein besonderer Dank gilt auch meinem Freund und MBA Oliver Dannenberg, der mich stets durch konstruktive und hilfreiche Fachgespräche durch mein bisheriges Studium begleitet hat und mir, wie auch Torben Böhm, mit seiner scharfsinnigen Kritik bei dieser Arbeit hilfreich zur Seite stand. Auch meiner Lektorin und gebührt an dieser Stelle ein besonderer Dank.
III
Inhaltsverzeichnis
Seite
Vorwort. III
Abbildungsverzeichnis VI
Tabellenverzeichnis VII
Abk ürzungsverzeichnis VIII
1.Einleitung 1
2.Theorie des monopolistischen Vorteils nach Hymer/Kindelberger 6
2.1 Theorie 6
2.2 Kritik 10
2.3 Abschließende Bewertung 17
3. Internalisierungstheorie nach Buckley/Casson 20
3.1 Theorie 20
3.2 Kritik 22
3.3 Abschließende Bewertung 27
4. Theorie der MNU nach Hennart 34
4.1 Theorie 34
4.2 Kritik 40
4.3 Abschließende Bewertung 41
5. Internationale Standorttheorie. 43
5.1 Theorie 43
5.2 Kritik 50
5.3 Abschließende Bewertung 57
IV
6. Eklektische Theorie nach Dunning 59
6.1 Theorie 59
6.2 Kritik 65
6.3 Abschließende Bewertung 69
7. Fazit 71
8. Abstract 78
9. Anhang 80
9.1 Abbildungen 81
9.2 Tabellen 83
9.3 Mathematische Erläuterungen zur Gleichgewichtstheorie 91
10. Literaturverzeichnis 95
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Gleichgewichtsthese der Internalisierungstheorie 29
Abbildung 4: Entwicklung MNU von 1914-1974 81
VI
Tabellenverzeichnis
Tabelle 10: Zusammenfassung Bains über Wettbewerbsvorteile
VII
Abkürzungsverzeichnis
UNCTAD = United Nations Conference on Trade and Development
TNC = Transnational Corporation, entspricht Multinationaler Unternehmung
MNE = Multinational Enterprise, entspricht Multinationaler Unternehmung
MNU = Multinationale Unternehmung(en)
OLI = Ownership-Location-Internalization Theory nach Dunning
POS = Point of Sale, entspricht der Verkaufsstelle eines Gutes
bzw. = beziehungsweise
c.p. = cetris paribus d.h. = das heißt dt. = deutsch etc. = et cetera i.d.R. = in der Regel o.ä. = oder ähnliche(s) u.a. = unter anderem u.ä. = und ähnliche(s) usw. = und so weiter z.B. = zum Beispiel z. T. = zum Teil
VIII
1. Einleitung
Ich bin der Auffassung, dass die in dieser Arbeit dargestellten Theorien zur Erklärung MNU nur dann richtig bewertet werden können, wenn man den Entwicklungsstand der MNU zum jeweiligen Entstehungszeitpunkt der Theorie betrachtet. Aus diesem Grund möchte ich an dieser Stelle einen kurzen Abriss zu dem geschichtlichen Verlauf des Phänomens der MNU und deren heutige Bedeutung im internationalen Handel anbieten, um dann in einem nächsten Schritt mein weiteres Vorgehen und die Auswahl der betrachteten Theorien zu erläutern.
Obwohl es schon seit Jahrhunderten Handel zwischen Nationen gibt, gilt das Phänomen der MNU als ein relativ neues. 1 Häufig werden als Beispiele für das frühe Auslandsengagement von Unternehmungen die amerikanischen Konzerne Colt und Singer und deren Tochterunternehmen in Großbritannien angeführt. Dieses Engagement fand schon Mitte des 19. Jahrhunderts statt. 2 Die meisten Forscher betrachten MNU aber wissenschaftlich erst ab 1914 3 und vertreten zudem die Auffassung, dass diesen erst in der Nachkriegszeit eine signifikante Bedeutung für den internationalen Handel beigemessen werden kann. 4 Zu diesem Zeitpunkt haben ausschließlich amerikanische Unternehmungen ausländischer Direktinvestitionen in weniger entwickelten Regionen, wozu zu dem damaligen Zeitpunkt auch Europa zählte, getätigt. 5 Dies erklärt zugleich den immer noch dominanten Forschungsstandort USA. 6 1958 untersuchte erstmals John Dunning das Engagement amerikanischer Firmen in Großbritannien. Dazu führte er eine Vollerhebung innerhalb der amerikanischen Tochterunternehmungen durch, mit dem Ziel diese zu charakterisieren und den Technologietransfer zwischen der amerikanischen Muttergesellschaft und dem Tochterunternehmen zu bemessen. Er betrachtete dazu die geografische Lage der Unternehmung, deren Größe sowie die finanzielle, administrative und organisatorische Struktur. 7 Trotz dieser Fokussierung auf die Unternehmung selbst stellte erst die1976 veröffentlichte,
1 Vgl. Rugman (1999), S. 53
2 Vgl. Rugman (1999), S. 53
3 Vgl. Hymer (1976), S.3, Hennart (1982), S.72
4 Vgl. Hennart (1982), S., 63-77
5 Vgl. Rugman (1999), S. 55
6 Vgl. Rugman (1999), S. 56
7 Vgl. Dunning (1958) und Rugman (1999), S. 52
1
aber schon 1960 verfasste 8 Arbeit Stephen Hymers den Durchbruch der MNU Forschung dar. Seine Arbeit stütze sich unter anderem auch auf die Vollerhebung von Dunning. 9 Hymer gilt seither als Mitbegründer des industrial organization 10 Ansatzes. Seine Arbeit gilt gleichzeitig als Ursprung des MNU Forschungszweiges. 11
Mitte der 50er Jahre konnte man ein erstes Engagement europäischer und japanischer Unternehmungen im Ausland feststellen. 1960 verfügten die amerikanischen MNU aber immer noch über 80 % der Bestände an den weltweiten ausländischen Direktinvestitionen 12 , sodass die Bedeutung nicht amerikanischer MNU als gering bezeichnet werden kann. Erst um 1974 fand man ein ausgewogeneres Bild zwischen amerikanischen und nicht amerikanischen MNU vor. 13 Zu diesem Zeitpunkt entstand die Internalisierungstheorie von Casson und Buckley, die die MNU unter transaktionskostenökonomischen Gesichtspunkten betrachtete. Auch die 1982 von Jean-Francois Hennart veröffentlichte Theorie der MNU folgte dieser Betrachtungsweise. Dieser Erklärungsansatz stellt eine interessante Erweiterung des Internalisierungsansatzes durch seine sehr viel umfassendere und präziser Analyse der MNU dar. In den Erklärungsmodellen der Internalisierungstheorie rückten die Standorte einer MNU in das Interesse der Forschung. Die Vertreter der Internalisierungstheorie griffen deshalb immer wieder auf die klassische, deskriptive und vor allem betriebswirtschaftlich geprägte Standortbestimmungslehre zurück. Diese lieferte nach eigenen Aussagen aber keine zufrieden stellenden Erklärungen 14 , da diese Ansätze zumeist auf einer nationalen Betrachtung der kritischen Standortfaktoren beruhten und lediglich um internationale Faktoren erweitert wurden. Sie wurden aber in dieser erweiterten Form nie den MNU gerecht und führten wegen ihrer Defizite hinsichtlich der Aussagekraft lediglich ein Schattendasein innerhalb der einzelnen Internalisierungstheorien. 15 Dies veranlasste Peter Tesch dazu, 1980 eine über die klassische, deskriptive Standortbestimmungslehre der Betriebswirtschaft hinausgehende internationale Standorttheorie zu
8 Kindelberger schreibt dazu in dem Vorwort der Arbeit, dass die Ideen von Hymer dem MIT damals als zu simpel erschienen, als das diese eine Veröffentlichung rechtfertigen würden. Vgl. dazu das Vorwort Kindelbergers in Hymer (1976)
9 Vgl. Rugman (1999), S. 53, Braun (1988), S.1-6
10 Gegenstand der Industrial Organization ist die der mikroökonomischen Preispolitik
entspringende Frage nach der optimalen Ressourcenallokation, die durch einen funktionsfähigen Wettbewerb realisiert wird.
(vgl. dazu http://de.wikipedia.org/wiki/Industrial_Organization)
11 Vgl. Dunning (1976) und Rugman (1999), S.58
12 Vgl. Rugman (1999), S. 63
13 Vgl. dazu Abbildung 4 im Anhang
14 Vgl. Buckley (1981), S.80, Dunning (1973), S.308
15 Vgl. Braun (1988), S. 282-283
2
konzipieren. 16 John Dunning versuchte in seiner 1988 veröffentlichen eklektischen Theorie, die einzelnen miteinander konkurrierenden Forschungsstränge zu vereinen und dadurch zu einem ganzheitlichen Modell zu gelangen.
Über die Bedeutung MNU wird heftig gestritten. Während die Einen MNU keine große Bedeutung beimessen, da sie der Auffassung sind, dass die meisten wirtschaftlichen Aktivitäten einer MNU auch zwischen einzelnen Unternehmungen die in verschiedenen Nationen ansässig sind, vorgenommen werden könnten 17 , loben 18 oder kritisieren 19 die Anderen den möglichen Einfluss MNU an der Einkommens- und Wohlfahrtsverteilung sowie dem Technologietransfer. Fest steht, dass es nach einer aktuellen Schätzung der Vereinten Nationen zurzeit weltweit mindestens 61.000 MNU mit 900.000 ausländischen angeschlossenen Unternehmen gibt, die einen Bestand von 7 Billionen US$ an ausländischen Direktinvestitionen halten. 20 Nach einer Schätzung der Vereinten Nationen von 1997, entfielen zu diesem Zeitpunkt 80% der weltweiten Bestände ausländischer Direktinvestitionen auf die 500 größten MNU, die ausschließlich aus den USA, Europa und Japan stammen. 21 Der Trend steigender ausländischer Direktinvestitionen wird laut der UNCTAD nach einem Rückgang in den letzen Jahren wieder zunehmen. Durch die Verbesserung der Rahmenbedingungen für ausländische Direktinvestitionen der Staatengemeinschaft erwartet die UNCTAD einen positiven Impuls für die Wirtschaftsregionen China, Indien, Asien sowie Osteuropa. 22 Laut den Vereinten Nationen wird in Entwicklungsländern vornehmlich eine Tochtergesellschaft gegründet und in den entwickelten Ländern durch Fusionen oder Übernahmen eine ausländische Direktinvestition getätigt. Der Anteil der reziproken ausländischen Direktinvestition zwischen entwickelten Ländern macht dabei immer noch den Hauptteil der Investitionen aus. 23 Insgesamt lässt sich aber eine Verschiebung zugunsten des Dienstleistungssektors feststellen, was nach der UNCTAD die Entwicklung der allgemeinen weltwirtschaftlichen Situation widerspiegelt. Zum anderen ist dies darin begründet, dass es immer einfacher möglich ist Dienstleistungen international zu handeln. So ist es z.B.
16 Vgl. Tesch (1980), S. 347
17 Vgl. Krugman und Obstfeld (2003), S.239
18 Vgl. UNCTAD (2004), S. 100-109
19 Vgl. George (2002) sowie Copur und Schneider (2004)
20 Vgl. UNCTAD (2004), S. 91,
21 Vgl. UNCTAD (1997) vgl. dazu auch Tabelle 6 im Anhang
22 Vgl. UNCTAD (2004), S. 90 vgl. dazu auch die Tabellen 3, 4 und 5 im Anhang
23 Vgl. UNCTAD (2004), S. 91-93
3
möglich geworden Datamining, Call-Center oder die Programmierung von Software aus dem Ausland heraus zu betreiben und international zu handeln. Dies erlaubt es Unternehmungen als international operierender Anbieter von Dienstleistungen zu agieren. 24
Es ist unbestritten, dass der Anteil MNU am Welthandel über die Zeit sowohl immer mehr an Volumen als an Wert und daher an Bedeutungen gewonnen hat und dieser Trend voraussichtlich anhalten wird. Umso wichtiger erscheint es mir, die einzelnen Theorien auf ihren Erklärungsgehalt und ihre Aktualität in der Forschung hin zu überprüfen, wozu es meiner Auffassung nach zwei Dimensionen bedarf. Während die theoretischen Komponenten eines Bewertungsrasters das Modell als solches erfassen und abbilden sollen, müssen praktische Komponenten den Nutzen einer Theorie MNU adäquat darstellen.
Deshalb soll in der theoretischen Betrachtung neben dem Jahr der Entstehung, der Ganzheitlichkeit, der Dynamik und dem Erklärungshorizont der jeweiligen Theorie noch einmal abschließend und zusammenfassend dargestellt werden, welches die kritischen Erfolgsfaktoren einer MNU und deren Hauptkritikpunkte sind, um die Grenzen des Ansatzes zu definieren und zu verdeutlichen. Die praktische Komponente soll dagegen die Aktualität damals und heute, die Anwendbarkeit, die Übertragbarkeit auf die Realität und somit insgesamt den praktischen Nutzen einer Theorie abbilden, um mit den theoretischen Kriterien zusammen eine adäquate, nachvollziehbare und abschließende Bewertung durch den Autor zu erlauben.
Um diesen Anspruch gerecht zu werden, möchte ich in dieser Arbeit wie folgt vorgehen. Zunächst wird eine Theorie, gemäß des Verfassers, verdichtet dargestellt. In einem zweiten Schritt sollen mittels einer kritischen Betrachtung die Einschränkungen und Defizite einer Theorie herausgearbeitet werden. Zu diesem Zweck werden möglichst konträre Betrachtungsweisen verschiedener Autoren sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Materie durch den Verfasser dieser Arbeit miteinander verglichen und abgebildet. Abschließend wird anhand des zuvor dargestellten Kriterienkatalogs eine abschließende Bewertung durch den Autor vorgenommen.
24 Vgl. UNCTAD (2004), S.100-102 sowie 114-118,
Vgl. dazu auch die Tabellen 7, 8 und 9 im Anhang sowie Abbildung 5 im Anhang
4
Jede der hier behandelten Theorien stellt, mit Ausnahme der Theorie der MNU nach Hennart 25 , ein Standardwerk des jeweiligen Forschungsstranges dar. So hat Hymers Arbeit erst die Betrachtung der MNU in den Mittelpunkt der Forschung gerückt. Zuvor wurden in der klassischen Forschung zu ausländischen Direktinvestitionen lediglich Nationen betrachtet. Buckley und Casson betrachteten das erste Mal ausführlich das Phänomen der MNU unter transaktionsökonomischen Gesichtpunkten und gelten deshalb als Begründer der Internalisierungstheorie. 26 Peter Tesch ist es gelungen eine vollständige, umfassende, internationale und vornehmlich standortorientierte Theorie zu konzipieren, die zum Verständnis der MNU insgesamt beiträgt und so die Argumentation der Internalisierungstheoretiker entscheidend schärft. Den modernsten Ansatz hat John Dunning mit seiner eklektischen Theorie angeboten und somit, meiner Meinung nach, ein Gegengewicht zu der bis dato vorherrschenden Internalisierungstheorie geschaffen, in dem er versucht ein ganzheitliches Erklärungsmodel durch eine Synthese der vorhandenen Theorie zu schaffen.
25 Diese stellt, wie zuvor beschrieben, eine Erweiterung des klassischen
Internalisierungsansatzes dar.
26 Der Ansatz einer transaktionskostentheoretischen Betrachtung war zu diesem Zeitpunkt nicht unbekannt. So wurde dieser von McManus bereits 1972 in einem Aufsatz in seiner Grundform formuliert. Die Betrachtungsweise McManus wurde aber durch den Mangel an Präzision und Ganzheitlichkeit dem Phänomen der MNU nicht gerecht, sodass der von Buckley und Casson vorgestellte Ansatz den ersten vollständigen Modellrahmen der Zeit bildete und sich deshalb letztendlich durchsetzten konnte.
Vgl. dazu McManus (1972) und insbesondere Kapitel 1 von Hennart (1982)
5
2. Monopolistische Vorteilstheorie von Hymer und
Kindelberger
2.1 Theorie 27 :
Den Ausgangspunkt der 1960 von Hymer entwickelten monopolitischen Vorteilstheorie bildet die Theorie der grenzüberschreitenden Direktinvestitionen. Dabei unterscheidet Hymer dieser folgend zunächst zwischen Portfolio- und Direktinvestitionen. Die Art der getätigten Investition wird nach Hymer von dem erlangten Grad der Kontrolle 28 determiniert.
Sobald das Motiv für die Vornahme einer Investition auf der Erlangung von Kontrolle über das Investitionsobjekt durch den Investor liegt, so handelt es sich nach Hymer um eine Direktinvestition. Wenn der Investor hauptsächlich von dem Motiv der Risikostreuung seines Portfolios getrieben wird, so wird dieser nach Hymer ein Portfolioinvestment tätigen. Bei der einfachen klassischen Theorie des Portfolioinvestment im internationalen Kontext steht der Zinssatz im Mittelpunkt. Ein Investor wird demnach dort investieren, wo ihm die höchsten Zinssätze angeboten werden. In dieser einfachen Form der Theorie gibt es weder Risiko, Ungewissheit oder Kapitalflussrestriktionen. Demnach würde solange Kapital aus Niedrigzins- in Hochzinsländer fließen, bis ein Gleichgewicht mit einem einheitlichen Zinssatz erreicht ist. Diese Theorie lässt also nur einen einseitigen Kapitalfluss zu und ist deshalb für Hymer unzureichend. Er kritisiert zudem, dass die Theorie unter Berücksichtigung von Risiko, Ungewissheit und Kapitalflussrestriktionen nur mit unverhältnismäßig hohem empirischen Aufwand eine Vorhersagbarkeit über die Höhe und die Richtung von Direktinvestitionen ermöglicht. Aus diesem Grund erweitert Hymer zunächst das Ausgangsmodell des Portfolioinvestments, um die Komponente „Risiko“ und lässt mögliche Ungewissheiten sowie mögliche Kapitalflussrestriktionen weiterhin unberücksichtigt. Nach Hymer wird das Risiko eines einzelnen Investitionsprojektes in dessen Zinssatz internalisiert. So kommt es zu einer Verteilung von möglichen Investitionsprojekten zwischen
27 Die Theorie basiert, wenn nicht anders gekennzeichnet, auf Hymer (1960) S.23 ff.
28 Kontrolle: Fest in den betrieblichen Arbeitsablauf eingebaute Überwachung durch Vergleich eines Istobjektes mit einem Vergleichsobjekt. Der Vergleich kann in einer Abstimmung, Gegenrechnung oder Vollständigkeitsfeststellung bestehen. […] Es ist zwischen Dispositions- und Objektkontrollen zu unterscheiden. Für Objektkontrollen sind interne Kontrollsysteme entwickelt worden, deren Aufgabe es ist, die Zuverlässigkeit und Wirtschaftlichkeit des Betriebsablaufes zu erhöhen und Fehler möglichst bei der Erstellung der Istobjekte aufzudecken oder zu verhüten. Außerdem unterstützt die Objektkontrolle die Geschäftsleitung bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben, indem sie die Einhaltung genereller Regelungen sichert. […] Vahlens Großes Wirtschaftslexikon (1987 a), S. 1061
6
Hoch- und Niedrigzinsländern. So können Investitionsprojekte, die durch ein relativ hohes Risiko gekennzeichnet, aber in einem Niedrigzinsland angesiedelt sind, dennoch für einen Investor attraktiv erscheinen, da dieses einen relativ hohen Zinssatz aufgrund der Internalisierung des Risikos aufweist. Somit rücken der Investor und die spezifische Ausprägung seiner Risikoaffinität in den Mittelpunkt der Betrachtung. Wenn man in einem weiteren Schritt c.p. Ungewissheit über die Entwicklung von Märkten zulässt, so kommt es nach der Auffassung von Hymer ebenfalls zu reziproken Kapitalflüssen, da hier dann die Unterschiede der internen Evaluation des Marktes durch einen möglichen Investor in den Vordergrund gerückt werden. Da Hymer den nächsten Schritt der Erweiterung des Modells um die Berücksichtigung möglicher Kapitalflussrestriktionen unterlässt, impliziert dies, dass er generalistische Aussagen über die Verteilung möglicher Investitionen für nicht mehr möglich hält. Hymer kritisiert an dem Modell der Portfolioinvestments die ausschließliche Fokussierung auf exogene Zinssätze. Er ist der Meinung, dass die Erlangung von Kontrolle des Investors über das ausländische Investitionsprojekt die Entscheidung hauptsächlich determiniert. Er unterscheidet dabei zwischen zwei verschiedenen Leitmotiven.
Um die Sicherheit, die Verwendung und somit den Rückfluss seiner Investition zu gewährleisten, ist der Investor versucht, möglichst viel Kontrolle über das Investitionsprojekt zu erlangen. Dies ist nach Hymer besonders bei direkten Auslandsinvestitionen aufgrund einer möglichen divergierenden Auffassung über die Verwendung des Kapitals und möglicher interkultureller Differenzen der Fall. Diese Form einer ausländischen Direktinvestition hat der Vornahme eines Portfolioinvestments gemein, dass in beiden Fällen der Kapitalrückfluss ein mögliches Investment determiniert. Es gibt nach Hymer darüber hinaus einen weiteren Typ von ausländischen Direktinvestitionen, der nicht primär von den Kapitalrückflüssen oder der adäquaten Verwendung des getätigten Investments determiniert wird, sondern von der Tatsache, dass eine Unternehmung den Entscheidungsprozess einer anderen ausländischen Unternehmung kontrollieren will 29 . Hymer nennt diesen Typ „international operations“ 30 . Ziel eines solchen Investments ist nach Hymer die Entfernung der Konkurrenz zwischen zwei Unternehmungen oder der Export und die Kapitalisierung eines spezifischen strategischen Vorteils.
Wenn eine Unternehmung über eine im Ausland ansässige Unternehmung mittels einer ausländischen Direktinvestition die Kontrolle erlangt, so ist es
29 Vgl. Hymer (1976), S. 32
30 Vgl. Hymer (1976), S. 32
7
dieser möglich, innerhalb einer gemeinsamen Organisationsstruktur, in einem unvollkommenen Markt, die Konkurrenz zwischen der bestehenden und der erworbenen Unternehmung zu entfernen und so den Profit zu maximieren. Dies impliziert, dass beide Unternehmungen auf demselben oder einem sehr ähnlichen Geschäftsfeld tätig sind. Wenn eine Unternehmung über einen spezifischen strategischen Vorteil in einer Branche verfügt, kann es für das Unternehmen profitabel erscheinen, diesen im Ausland zu kapitalisieren z.B. mittels einer ausländischen Direktinvestition. Die konkrete Ausprägung des spezifischen strategischen Vorteils ist dabei nur von untergeordneter Bedeutung. Elementar ist dagegen der spezifische Charakter des Vorteils, denn nur ein hoher Grad an Spezifität erlaubt nach Hymer eine erfolgreiche Kapitalisierung. Ein solcher Vorteil führt aber nicht zwangsläufig zu einer ausländischen Direktinvestition. Als Alternativen führt Hymer den Export oder die Lizenzierung an. Er ist der Auffassung, dass die Entscheidung des Investors für die jeweilige Form der Marktbearbeitung von dem Grad der Marktunvollkommenheit für seinen spezifischen Vorteil abhängt. Wenn der Markt in einem hohen Maße unvollkommen ist, ist es für die Unternehmung profitabler, den Vorteil selbst zu kapitalisieren, um den höchstmöglichen Profit zu generieren. So könnte z.B. die Lizenzierung in einem unvollkommenen Markt zu einem bilateralen Monopol und somit zu einem ungewollten Gleichgewicht der Unternehmungen führen. Hymer führt zudem das Problem des ungewollten Technologietransfers als Argument gegen eine Lizenzierung an. So müsste gewährleistet werden, dass der Lizenznehmer das erworbene Wissen z.B. nicht Dritten verfügbar macht, keine weiteren Märkte über Exporte bedient oder aber durch Veränderungen sowie Verbesserung dem Lizenzgeber Konkurrenz macht. 31 Zudem kann eine Unternehmung durch eine direkte Auslandsinvestition seine Verfügungsrechte wahren. 32 Das Hauptargument Hymers ist aber, dass eine Unternehmung eine ausländische Direktinvestition aus machtpolitischen Gründen dem Export oder der Lizenzierung vorziehen wird.
Es gibt also 2 Haupt- und ein Nebenmotiv für MNU nach Hymer. Es ist manchmal profitabel in verschiedenen Ländern ansässige Unternehmungen zu kontrollieren, um die zwischen diesen herrschende Konkurrenz zu entfernen und somit den Profit insgesamt zu steigern.
31 Diesem Problem wurde häufig mit „grant-back“ Klauseln in Lizenzvereinbarungen begegnet. Diese verpflichteten den Lizenznehmer dazu, mögliche Optimierungen an den Lizenzgeber kostenlos abzutreten und wurden deshalb häufig von Gerichten als unzulässig eingestuft. Vgl. dazu auch Braun (1988), S. 181
32 Vgl. Hymer (1976), S. 43-50
8
Außerdem haben nach Hymer bestimmte Unternehmungen spezifische strategische Vorteile in einem speziellen Unternehmensbereich. Diese Unternehmung könnte der Ansicht sein, dass es sich lohnt, diese spezifischen Vorteile zu kapitalisieren, in dem eine ausländische Direktinvestition getätigt wird.
Das Nebenmotiv der Diversifikation ist nach Hymer kein hinreichendes Argument für das Vorhandensein von MNU, da hier nicht die Erlangung von Kontrolle im Vordergrund steht, sondern die Entscheidung von der Risikostreuung determiniert wird. Deshalb wird eine solch motivierte Investition nicht notwendigerweise eine ausländische Direktinvestition darstellen, da eine Portfolioinvestition ebenfalls die geforderten Merkmale aufweist. Hymer erweitert die Thesen Bains, dass etablierte Unternehmungen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber neuen Unternehmungen auf einem bestimmten Markt haben 33 , um eine internationale Komponente. Danach hat eine MNU gegenüber den nationalen Unternehmungen entscheidende Wettbewerbsnachteile, die aus der Unkenntnis des Marktes resultiert. So ist eine nationale Unternehmung besser informiert über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die Gesetzgebung, die politische Situation und die kulturellen Eigenheiten des Landes. Eine MNU muss zudem Aufwendungen für die Koordination und Kommunikation zwischen der Mutter- und der Tochterunternehmungen sowie Kontrollkosten aufbringen, die in einer nationalen Unternehmung entweder ganz entfallen oder aber geringer sein werden. Diese Markteintrittsbarrieren stellen für Hymer lediglich Fixkosten dar, da diese einmalig überwunden werden müssen. Dagegen stellen die mögliche Diskriminierung der Regierung, der Konsumenten und der Zulieferer und die daraus resultierende Ungewissheit ein bedeutend größeres und vor allem dynamisches Problem für MNU dar. Darüber hinaus trägt eine MNU gegenüber einer nationalen Unternehmung ein Wechselkursrisiko. Eine MNU kann zudem betroffen sein von den Entscheidungen der eigenen Regierung, die das Verhältnis zum „Gastland“ beeinflusst. Somit verfügen Inlandsunternehmungen gegenüber ausländischen Tochterunternehmungen MNU über weit reichende Wettbewerbsvorteile. Nach Hymer kommt es nur dann zu einer ausländischen Direktinvestition, wenn die spezifischen monopolitischen Vorteile einer MNU in einem unvollkommenen Markt die bestehenden Wettbewerbsachteile aufwiegen.
33 Vgl. Bain (1956), S. 30, die vollständige Tabelle 10 befindet sich im Anhang
9
2.2. Kritik:
Hymer setzt voraus, dass eine Unternehmung entweder bestrebt ist eine marktbeherrschende Machtstellung zu etablieren oder schon über eine solche verfügt , dabei übersieht er nach Graham die ausgleichende Macht des Marktes und der Rivalen, die nach dessen Hauptkritik in der Lage sind der Marktmacht und dem Wachstum einer Unternehmung entgegenzuwirken. 34 Ich stimme dieser Kritik nur teilweise zu, da ich dieses von den Eintrittsbarrieren in den Markt abhängig machen würde. Sobald ein Markteintritt günstig und schnell erfolgen kann wird eine höhere Anzahl von Akteuren auf dem Markt anzutreffen sein als wenn hohe Aufwendungen benötigt würden. So sind spezifische Investitionen im Einzelhandel relativ günstig im Vergleich zur ölfördernden und verarbeitenden Industrie, sodass diese Branche auch durch eine erhöhte Anzahl von Akteuren gekennzeichnet ist. Hymer und Rowthron vermuteten, dass die Welt immer stärker von einer immer geringer werdenden Anzahl von MNU, die immer stärker und immer mehr monopolistische Macht auf sich vereinen werden würden, dominiert würde, während der Staat als solcher immer weiter an Souveränität verlieren würde 35 . Nach Graham weist eine Vielzahl von Märkten trotz einer Vielzahl MNU als Akteure ein hohes Maß an Konkurrenz auf, sodass er mit Blick auf die gegenwärtige Situation diese Aussage zurückweist. 36 Ich bin zudem der Meinung, dass es eine kritische Größe für MNU geben wird. Diese wird meiner Meinung nach durch die Aufwendungen für die Organisation, Koordination und Kontrolle eines solchen Megamonopols determiniert. Sollten diese Kosten die Vorteile des Auslandsengagements übersteigen, würde sich ein solches Megamonopol betriebswirtschaftlich nicht mehr rechnen. Natürlich könnte man ein solches immer noch mit wettbewerbsstrategischen Argumenten rechtfertigen 37 . Zudem vermute ich, dass Branchen, die entweder durch niedrige Eintrittsbarrieren oder aber durch eine hohe Innovationskraft gekennzeichnet sind immer eine ausreichende Anzahl von Konkurrenten hervorbringen werden, um eine marktbeherrschende Macht einzelner weniger Unternehmungen zu
34 Vgl. Graham (2002) S. 30-32
35 Vgl. Hymer und Rowthron (1970)
36 Vgl. Graham (2002), S. 30
37 Nach meiner Auffassung bestätigen die Entwicklungen MNU diese Vermutung. So konzentrieren sich immer mehr Unternehmungen auf ihre Kernkompetenzen und veräußern Unternehmnesteile, die diesem Anspruch nicht gerecht werden. Hier werden also die Organisations- und Koordinationskosten gesenkt. So trifft man immer seltener die noch in den 80er Jahren dominante Organisationsstruktur eines möglichst diversifizierten Mischkonzerns an. Hinzu kommt der Trend der Unternehmungen, Geschäftsbereiche outzusourcen. Auch hier wird angenommen, dass die Organisation eines Geschäftsbereiches außerhalb der Kernunternehmung effizienter gestaltet werden kann als innerhalb der Unternehmung.
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verhindern. Hinzu kommen lokale Anbieter, die dichter am Markt sein können als MNU und so vermutlich durch ihre Flexibilität und Marktnähe schneller auf lokale Entwicklungen eingehen können. Dadurch könnten sie eine Konkurrenz für MNU darstellen. Mir erscheint deshalb die Aussage Hymers und Rowthron zu generalistisch. Die meisten Staaten weisen ein hohes Maß an Souveränität auf, sodass auch die zweite Vermutung von Hymer und Rowthron, meiner Meinung nach, in der heutigen Zeit nicht überwiegend anzutreffen ist. Auch die Vermutung, dass die meisten Branchen durch dominante Monopolisten beherrscht werden, scheint mir insgesamt nicht gerechtfertigt zu sein, da bestimmte Branchen (z.B. Einzelhandel, Autovermietungen, Fastfood Ketten) durch starken Wettbewerb geprägt sind und trotzdem neben einigen MNU lokale Anbieter als Akteure auf diesen Märkten agieren. Dies stütz meine Vermutung, dass diese lokalen Akteure durch die Nähe zum Markt und ihre erhöhte Flexibilität neben MNU bestehen können. Ich folge deshalb dem Argument Hennarts, dass es Hymer nicht gelingt, das Vorhandensein MNU in stark umkämpften Märkten zu erklären. 38 Graham kritisiert des Weiteren Hymer für die, seiner Auffassung nach, nicht ausreichende Betrachtung möglicher Absprachen zwischen Unternehmungen. Hier mangelt es Hymer an der nötigen Präzision. Er stellt nicht explizit dar, welche Umstände zu Absprachen führen und welche Ausprägungen diese aufweisen könnten. Graham verweist an dieser Stelle auf die Spieltheorie. 39 Ich bin der Auffassung, dass Graham damit Recht hat, dass die Ausführungen Hymers die Möglichkeit der Absprachen und deren Ausprägungen nicht ausreichend betrachteten, möchte aber zu bedenken geben, dass auch die Spieltheorie einen neuen Forschungszweig in der Volkswirtschaftslehre darstellt, sodass Hymer auf keinerlei Standardtheorien oder Werke zurückgreifen konnte. Dies erklärt, meiner Auffassung nach, den ungenügenden Charakter seiner Formulierungen.
Hennart kritisiert Hymer dafür, die Möglichkeit der Internalisierung geldwerter Externalitäten alleinig durch die Entstehung einer MNU zu erklären. Er führt als Alternativen Kartelle, taktische Absprachen oder räumliche Aufteilungen an. 40 Hier stimme ich Hennart grundsätzlich zu, möchte aber an dieser Stelle auf das Kartellrecht und die internationalen Bestrebungen zur Wettbewerbsförderung hinweisen, die die von Hennart genannten Alternativen probieren weitestgehend zu verhindern. Ich möchte zudem anmerken, dass diese Alternativen nicht zu
38 Vgl. Hennart (2003) S.131
39 Vgl. Graham (2002), S. 30
40 Vgl. Hennart (2003) S. 131
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einer besseren Verteilung der Wohlfahrt innerhalb einer Volkswirtschaft führen. Es ist zu erwarten, dass lediglich die Produzentenrente steigt und eventuell der Staat über Steuern auf Kosten der Konsumenten partizipieren kann, sodass ich in Frage stelle, ob diese wirklich als wünschenswerte Alternative betrachtet werden sollten. Graham kritisiert zudem, wie auch Hennart, dass die Herkunft des monopolistischen Vorteils und die alternative Bearbeitung des Marktes durch Exporte oder Lizenzen nicht hinreichend erklärt wird. 41 Hier stimme ich den beiden Autoren zu, denn gerade die Möglichkeit, einen spezifischen Vorteil über den Export zu kapitalisieren, erscheint mir als schlüssig. Die Erklärung Hymers, dass diese Form der Marktbearbeitung aus machtpolitischen Gründen nicht erfolgt, erscheint mir als ungenügend. Nach Yamin resultieren zudem bestimmte spezifische Vorteile auf nicht handelbaren Faktoren. So kann der Wettbewerbsvorteil einer Unternehmung auf standortbedingten Faktoren basieren, die damit nicht mittels einer MNU im Ausland kapitalisiert werden können 42 . Mir liefert deshalb die Theorie Hymers an dieser Stelle keinen erschöpfenden Erklärungsansatz für eine MNU, da es mir insgesamt nicht ersichtlich ist, warum die Produktion eines Gutes im Ausland zwingend profitabler sein sollte als die Bedienung des Marktes über Exporte, gerade dann, wenn der strategische Vorteil der Unternehmung durch den Standort im Inland determiniert wird.
Nach Yamin müssen zudem monopolistische Vorteile, die auf dem immateriellen Vermögenswerten einer Unternehmung (wie z.B. dem Image einer Marke) beruhen, berücksichtigt werden. Diese Vorteile kann man nicht oder nur mit sehr hohem Aufwand im Ausland kapitalisieren, da diese Erfolgsfaktoren schwer oder kaum zu kodifizieren sind (z.B. in Form eines Patents) und somit der Austausch mit einer (Tochter-) Unternehmung schwer zu gestalten ist. Yamin wirft Hymer vor, dies nicht beachtet und somit nicht in sein Modell integriert zu haben. Er ist zudem der Auffassung, dass nur die sinnvolle Kombination von handelbaren und nicht handelbaren Vorteilen die hohen Investitionskosten einer MNU aufwiegen können 43 und beruft sich dabei auf Analysen von Cantwell und Davies. 44
Er kritisiert außerdem, dass Hymers These impliziert, dass der Vorteil den Charakter eines öffentlichen Gutes aufweist, da er voraussetzt, dass der Transfer eines monopolistischen Vorteils kostenlos vorgenommen werden kann.
41 Vgl. Graham (2002) S. 33 Hennart (2003) S.130
42 Denkbar wären an dieser Stelle standortbedingte Vorteile wie z.B. die Nähe zu Märkten, eine gute Infrastruktur, oder gutes Bildungswesen.
43 Vgl. Yamin (2000) S. 60-61
44 Vgl. Cantwell (1995) und Davies (1977)
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Dies ist nach Yamin nur bei einem öffentlichen Gut der Fall. Er verweist gleichzeitig auf eine Untersuchung von Teece. 45 Die besagt, dass einer der Hauptvorteile von MNU (die Technologie) nicht den Charakter eines öffentlichen Gutes aufweist, sondern der Technologietransfer mit erheblichen Kosten verbunden ist und macht somit einen logischen Fehler Hymers aus, da nach seiner Meinung durch diese Kosten der monopolistische Vorteil aufgewogen werden kann. 46 Nach Teece entstehen diese Kosten hauptsächlich durch Schwierigkeiten bei der Übermittlung und der Beschaffung des benötigten Wissens zur Nutzung der Technologie zwischen Organisationen. 47 Ich bin der Meinung, dass in solch einem Fall die Entstehung einer MNU von den zu erwartenden Kosten für einen Transfer des Vorteils abhängen wird und somit nicht per se gegen eine MNU spricht. Wenn die Transferkosten geringer sind als die zu erwartenden Profite aus der Kapitalisierung des monopolistischen Vorteils, so erklärt dies immer noch die Entstehung einer MNU. Dieser Umstand schwächt lediglich den Anreiz zur Schaffung einer MNU unter bestimmten Gegebenheiten ab. Wenn nach Yamin ein spezifischer Vorteil untrennbar mit der Organisationsstruktur verbunden ist, so kann dieser nur mittels einer MNU ins Ausland transferiert werden, da lediglich die Reproduktion dieser Organisationsstruktur im Ausland den Transfer des Vorteils gewährleistet. Dies bedeutet, dass die Kontrolle der ausländischen Tochterunternehmung die Vorraussetzung für die Kapitalisierung des monopolistischen Vorteils darstellt und nicht, wie von Hymer behauptet, der Wunsch nach Kontrolle die Kapitalisierung determiniert. 48
Nach Yamin findet der Transfer zwar innerhalb einer Unternehmung statt, wonach keinerlei Kosten zum Schutz der Verfügungsrechte aufgewendet werden müssen, kostenneutral ist dieser aber dennoch nicht. Dies wurde nach Yamin ebenfalls von Hymer nicht berücksichtigt. 49 Aber auch hier gilt meiner Meinung nach die Regel, dass bei Transferkosten, die geringer sind als der zu erwartende Gewinn, dies noch immer eine MNU rechtfertigt. Hymer vernachlässigt aber die Bedeutung der Transaktionskosten. Hier folge ich der Argumentation von Yamin, Dunning und Rugmann, Hennart sowie Casson 50 , dass diese eine entscheidende Rolle bei Transaktionen innerhalb
45 Vgl. Teece (1977)
46 Vgl. Yamin (2000) S. 62
47 Vgl. Teece (1977)
48 Vgl. Yamin (2000), S. 63
49 Vgl. Yamin (2000) S. 63-64
50 Vgl. Yamin (2000) S. 67, Dunning/Rugmann (1985) S. 230 Hennart (2003) S. 130 und Casson (1987)
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einer Unternehmung als auch bei Transaktionen, die über einen Markt abgewickelt werden, haben und demnach zu beachten sind. Yamin führt des Weiteren an, dass die zweite These Hymers (die Entfernung der Konkurrenz zwischen zwei Unternehmungen) auf der Annahme beruht, dass beide Unternehmungen zum einen über eine gewisse Größe verfügen und zum anderen auf monopolistischen oder aber oligopolen Märkten agieren. Dies entspricht nicht der gegenwärtigen Situation, in der immer mehr mittelständische Unternehmen aus entwickelten und weniger entwickelten Staaten, aufgrund der Globalisierung und der dramatisch gefallenen Kosten für ein internationales Engagement , international tätig sind. Dies lässt berechtigte Zweifel an der These Hymers zu und unterhöhlt gleichzeitig die Auffassung Hymers, dass MNU notwendigerweise nur in einem oligopolistischen bzw. monopolistischen Umfeld agieren. 51
Yamin ist der Meinung, im Gegensatz zu Hennart, dass der Ansatz der Entfernung der Konkurrenz zwischen zwei Unternehmungen wesentlich besser als der Ansatz des monopolistischen Vorteils der aktuellen Forschung standhält. 52 Er begründet dies mit der Zunahme von gemeinsamen Forschungs-und Entwicklungsarbeiten oder anderweitigen strategischen Allianzen großer MNU, die im Gegensatz zum Verdrängungswettbewerb die Möglichkeit einer win-win Situation ermöglichen. 53 Ich bin der Meinung, dass zwar ein Trend erkennbar ist, dass MNU z.B. im Bereich der Grundlagenforschung immer weiter zusammenarbeiten, dennoch wird meiner Auffassung nach langfristig der spezifische Vorteil einer Unternehmung dessen Erfolg determinieren. 54 Für Hymer ist der einzige Wachstumsfaktor einer Unternehmung ein durch strukturelles Marktversagen und Ineffizienz definierter Markt, was Graham zurückweist, da demnach in einem perfekten Markt keinerlei Wachstum entstehen könnte. 55 Ich möchte hier zu bedenken geben, dass per Definition in einem perfekten Markt kein Wachstum einer einzelnen Unternehmung möglich ist. Selbst bei einer Ausweitung des Marktes durch das Hinzukommen von
51 Vgl. Yamin (2000) S. 66-67
52 Vgl. Yamin (2000) S. 67 und Hennart (2003) S. 130
53 Vgl. Yamin (2000) S. 66-68
54 Ich denke hier z.B. an die wachsende Zahl der gemeinsamen Grundlagenforschung im Bereich der Automobilindustrie. Hier ist es zu einer hohen Anzahl von Übereinkünften und Beteiligungen europäischer und amerikanischer Autobauer gekommen, um den Vorsprung japanischer Hersteller in diesem Bereich zu kompensieren. Da der Markt aber durch einen hohen Wettbewerb der Anbieter untereinander gekennzeichnet ist und immer mehr, vor allem asiatische Hersteller auf den Markt drängen, wird meiner Auffassung nach hier die Umsetzung der gemeinsamen Forschungserkenntnisse in praktisch nutzbare Techniken entscheidend für den Erfolg der einzelnen Unternehmung sein. Ich argumentiere, dass zwar die gemeinsame Allianz kurzfristig zu Synergien führen wird, langfristig aber der spezifische endogene Vorteil der einzelnen Unternehmung den Erfolg dieser determinieren wird.
55 Vgl. Graham (2002) S. 35
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Arbeit zitieren:
Bachelor of Business Administration & Master of Science of Management Studies Tobias Krüger, 2005, Theorien Multinationaler Unternehmungen im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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