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Gliederung Seite
1. Einleitung 1
2. Die wichtigsten Industrieregionen und ihre Entwicklung 2
2.1 Primärer Sektor 2
2.2 Sekundärer Sektor 4
2.2.1 Maschinenbau 4
2.2.2 Textilindustrie 5
2.2.3 Bergbau und Hüttenwesen 7
2.3 Tertiärer Sektor (Beispiel Transportwesen) 8
3. Die Bevölkerung 10
3. 1 Bauern und Arbeiter 10
3. 2 Städter 11
3.3 Der Adel 12
4. Stalinismus 13
5. Zusammenfassung 14
6. Literaturverzeichnis 17
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1. Einleitung
In dieser Arbeit werde ich auf die sozialen Konsequenzen der Industrialisierung für die Bevölkerung und im Besonderen auf die Bauern als Träger der industriellen Entwicklung eingehen. Es soll aufgezeigt werden, wie Russland sich entwickelte und warum die Industrialisierung dort anders verlief als in Großbritannien. Als Hauptnachschlagwerke dienten die Handbücher der europäischen Wirtschafts-und Sozialgeschichte, während ´Der entfesselte Prometheus` von David Landes eine gute Übersicht über die britischen Entwicklungen gab. 1 Zunächst werde ich auf die wichtigsten Industriegebiete und ihre Produktion eingehen, wobei ich Schwierigkeiten und Vorteile in Russland aufzeigen werde, die im Verhältnis zu der Bevölkerungsstruktur betrachtet werden sollen. Ein kurzer Überblick über den Stalinismus bildet den letzten Teil dieser Arbeit. Die Industrialisierung Russlands findet ihre Anfänge in den Reformen von Peter dem Großen. Durch ihn erringt Russland einen Zugang zur Ostsee, was die Handelsmöglichkeiten erweitert. Das 1703 neu gegründete St. Petersburg wird seine neue Residenzstadt. 2 Der Zugang zur Ostsee soll eine Einbindung Russlands in den westlichen Handel vorantreiben, da die russischen Händler bisher weit von den europäischen Handelsrouten über den Atlantik entfernt waren. Kanalbauten sollen über die Flüsse die Wasserverbindungen zur Ostsee sicherstellen, um somit den Verkaufsraum zu vergrößern. Traditionell war bis zu diesem Zeitpunkt vor allem der Orient der Absatzmarkt für russische Produkte. 3
Durch die Reformen angespornt wurden natürliche Reichtümer erschlossen und es entstanden 178 neue Manufakturen, die dem europäischen Stand der Technik entsprachen. 4 Die unter Peter I. begonnenen Industrialisierungsmaßnahmen beschränkten sich größtenteils auf Krieg unterstützende Produktion. Es gab zahllose Einzelmaßnahmen, mit denen vor allem Kriegserfordernisse erbracht werden sollten. 5 Darunter fielen Waffenfabriken, der Abbau von Stahl und Kupfer und die
1 Fischer, Wolfram (Hrsg.): Handbuch der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Band 5, Stuttgart 1985. und Mieck, Ilja (Hrsg.): Handbuch der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Band 4. Stuttgart 1993. Landes, David S.: Der entfesselte Prometheus. Technologischer Wandel und industrielle Entwicklung in Westeuropa von 1750 bis zur Gegenwart. Cambridge 1968.
2 Kessler, Wolfgang: Russland-Ploetz. Russische und sowjetische Geschichte zum Nachschlagen. Würzburg 1985. S. 57.
3 Stökl, Günther: Russische Geschichte. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. 6. Auflage. Stuttgart 1997. S. 382.
4 Kessler: S. 58. Vgl. Stökl: S 381. Kessler gibt 178 Manufakturen, Stökl 200 Großbetriebe an.
5 Stökl: S. 381.
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Verarbeitung von Wolle für die Uniformen. 6 Viele dieser Betriebe mussten nach Peters Herrschaft schließen, weil sich der Bedarf verringert hatte. 7
2. Die wichtigsten Industrieregionen und ihre Entwicklung
Zur Bevölkerung allgemein ist zu sagen, dass 1897 nur 17% der Landbevölkerung und in gewerblichen verdichteten Zonen, wie dem Gouvernement um Moskau, 42% lesen und schreiben konnten. 8 Eine Entwicklung sieht man jedoch bei den Wehrdienstleistenden, wobei diese Zahlen nicht auf die Gesamtbevölkerung übertragen werden können. Bei den jungen Soldaten stieg der Alphabetisierungsgrad von 10% im Jahre 1869 bis 1913 auf 68%. 9
Mitte des 19. Jahrhunderts war Russland immer noch ein Agrarstaat mit nur einigen Inseln von Industrie. Die Fertigwaren waren aber meist keine Konsumgüter, die wie in Großbritannien, durch die Arbeiter erworben wurden, die durch ihre finanzielle Unterstützung die Produktion weiter antrieben. Dem Großteil der russischen Bevölkerung stand kein solches Kapital zur Verfügung. Der wirtschaftliche Aufschwung schlug sich also nicht auf alle sozialen Bereiche nieder, sondern die Gewinne verteilten sich auf wenige Personen. 10 Während der Ural das Zentrum des Hüttenwesens und der Metallverarbeitung bildete, in der Ukraine und im Schwarzerdegebiet Getreide angebaut wurde, florierte im Norden, wo der Boden unfruchtbar war, das Handwerk. Im Verwaltungsgebiet St. Petersburg profitierten alle von den leicht zugänglichen Importgütern Kohle, Baumwolle und Maschinen. Dort wurden auch die ersten Dampfmaschinen und Eisenbahnteile produziert. 11
2.1 Primärer Sektor
In der Ukraine wurden zwar nur 11,6% der gesamten Industrieproduktion (1860) gefertigt, aber neben dem für den Export wichtigen Getreideanbau gab es insbesondere Schnapsbrennereien, Wollindustrie und Zuckerfabriken. Typisch war
6 Falkus, M.E.: The industrialisation of Russia, 1700-1914. Hong Kong 1984. S. 21.
7 Falkus: S. 26.
8 Beyrau, Dietrich: Kapitel 2: Die Gesellschaft, 3: Die Wirtschaft, in: Fischer, Wolfram (Hrsg.): Handbuch der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Band 5, Stuttgart 1985. S. 525. Die Prozentzahl, die sich auf Moskau bezieht, stammt aus den Jahren 1903-1913.
9 Beyrau: S. 525.
10 Falkus: S. 23.
11 Leitsch, Walter: Russland 1649-1861, in: Mieck, Ilja (Hrsg.): Handbuch der europäischen Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Band 4, Stuttgart 1993. S. 780. Vgl. Falkus: S. 35.
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die Produktion in vielen kleinen Betrieben auf adligen Gütern und nicht in den Städten. 12
Besonders die Zuckerindustrie konnte hier im 19. Jahrhundert stark expandieren. 1840 wurde die erste moderne Dampfmaschine bei der Zuckerherstellung eingesetzt. 13 Aber vor allem die Getreideexporte machten die Ukraine für die russische Industrialisierung bedeutsam, schließlich waren sie die höchste Einnahmequelle. 14 Der Boden im Schwarzerdegebiet war zwar fruchtbarer als im Norden des Landes, aber dort waren die Niederschläge regelmäßiger. Durch den unregelmäßigen Regen und die lange Reifezeit wurden die Erträge geschmälert. 15 Verschlechternd kam hinzu, dass die Äcker der Kommune noch im Drei-Felder-System bestellt wurden. 16
Bis zur Bauernbefreiung hatten die Gutsherren den Bauern zusätzlich zu den Äckern unentgeltlich Weideland für die Tiere zur Verfügung gestellt. Ab 1861 mussten die Bauern das Weideland von den gepachteten Äckern abziehen, um die Tiere grasen zu lassen. 17 Trotz steigender Preise konnten sich in dieser Zeit viele Bauern Land kaufen und erlangten so eine größere Entscheidungsfreiheit. 18 Die Bauernbefreiung verschlechterte die Situation der Bauern in der Hinsicht, dass es ihnen nicht möglich war, irgendwelche Vorräte anzulegen, die in Zeiten geringerer Ernten eine Hungersnot hätten lindern können. Die hohen Zahlungen, die sie zu leisten hatten, verhinderten ebenfalls eine Technologisierung und damit eine Produktivitätssteigerung. Diese Tatsachen sind zusammen mit den Systemen mir und obscina maßgeblich für die gleich bleibende Nettoernte pro Kopf und die niedrige Nettoernte von Getreide und Kartoffen verantwortlich. 19 Noch 1913 waren 72% der Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, die 44% des Volkseinkommens erwirtschaftet. 20 Das Getreide wird trotz großer heimischer Nachfrage als Stabilitätsfaktor und größte Einnahmequelle exportiert. 21 Die Landwirte finanzierten die Industrialisierung, von der sie selbst aber nicht profitieren konnten. Dadurch, dass die Bauern so ausgebeutet wurden, konnte kein großer inländischer
12 Leitsch: S. 780.
13 Pierenkemper, Toni: Umstrittene Revolutionen. Die Industrialisierung im 19. Jahrhundert, Frankfurt am Main 1996. S. 131.
14 Goehrke, Carsten et al.: Fischer Weltgeschichte, Band 31. Frankfurt am Main 1972. S. 283.
15 Beyrau: S. 530.
16 Beyrau: S. 529.
17 Beyrau: S.529.
18 Beyrau: S. 531.
19 Pierenkemper: S. 147f.
20 Pierenkemper: S. 148.
21 Pierenkemper: S. 153.
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Markt für Konsumgüter entstehen, der die Industrialisierung unterstützt hätte, wie es beispielsweise in Großbritannien der Fall war. 22
2.2 Sekundärer Sektor
Der sekundäre Sektor war geprägt vom Dualismus alter und moderner Produktionsweisen, die noch lange nebeneinander bestehen konnten. 23 Dieser Dualismus wurde durch die fehlende Bereitschaft, in neue Produktionsverfahren zu investieren, ermöglicht. Dies wird vor allem in der Landwirtschaft deutlich, die bis ins 20. Jahrhundert der Kern der Wirtschaft war. 24
Zunehmend bildeten sich kapitalstarke große Unternehmen, weil nur sie die Konjunkturschwankungen überleben konnten. Dies führte auch zu einem höheren Konzentrationsgrad als in anderen industrialisierten Ländern zur gleichen Zeit. Eine weitere Begründung für die starke Zentralisierung waren ein zahlenmäßig schwacher Facharbeiterstamm und eine ebenso geringe Anzahl an Managern, die eine große Anzahl minder geschulter Arbeiter beaufsichtigen mussten. 25
2.2.1 Maschinenbau
Die Ostseeregion gilt als die Hochburg des sekundären Sektors, weil dort vor allem Rohzuckerraffinerien und Tabakfabriken existierten. In Petersburg entstand vor allem Rüstungs- und Maschinenbauindustrie, beispielsweise die Aleksandrowsk-Werke, wo, neben Lokomotiven auch Textilmaschinen gefertigt wurden. 26 In Narwa und Riga gab es ab 1850 Maschinenbau und einige große Textilfabriken, die das importierte Garn zu Baumwolle verarbeiteten. 27 Im Gegensatz zur Textilindustrie hatten die Metall verarbeitenden Unternehmen einen permanenten Arbeiterstamm. 28 1823 wurden erst vier reine Maschinenbaubetriebe gezählt, deren Zahl bis 1860 auf 99 stieg. Die 1792 gegründete Dampfmaschinenfabrik produzierte bis 1825 nur 141 Dampfmaschinen, vornehmlich für Flussschiffe und Fabriken. 29 Die steigende Zahl von Unternehmen konnte nicht mit den nationalen Stückzahlen versorgt werden und musste auf ausländische Fabrikate zurückgreifen, die sehr teuer einzuführen waren.
22 Pierenkemper: S. 154-156.
23 Pierenkemper: S. 140.
24 Pierenkemper: S. 145.
25 Beyrau: S. 543f.
26 Leitsch: S. 780. Vgl. Falkus: S. 35. Vgl. Pierenkemper: S. 131.
27 Leitsch: S. 780.
28 Beyrau: S. 524.
29 Leitsch: S. 780.
Arbeit zitieren:
Birte Wachtel, 2005, Die industrielle Entwicklung Russlands, München, GRIN Verlag GmbH
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