Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Programmatische Ziele der Außenpolitik Hitlers 4
3. Die Rheinland-Besetzung. 7
3.1. sowjetisch-französischer Beistandspakt 7
3.2. Der 7. März 1936. 7
3.2.1. Die Vorgeschichte des Rheinlandes. 7
3.2.2. Der Beschluss zur Besetzung. 8
3.2.3. Der Tag des Einmarsches. 11
4. Reaktionen des Völkerbundes. 14
5. Konsequenzen und Folgen der Besetzung im nationalsozialistischen Deutschland. 19
6. Fazit 21
7. Literatur. 22
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1. Einleitung
Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt und, auch wenn in den ersten Regierungsjahren noch nicht deutlich, kam es zu einer Wende in der deutschen Außenpolitik. Die nationalsozialistische Außenpolitik hatte das Ziel, den Lebensraum des deutschen Volkes zu vergrößern. Speziell für Hitler trug sie die Bedeutung, die Niederlage, welche im Vertrag von Versailles fixiert war, wieder gut zumachen. Diese Arbeit wird sich vorrangig mit der Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes im Jahre 1936 auseinandersetzen und die Vorraussetzungen, die Hintergründe sowie die Folgen der Besetzung erläutern.
Die Darstellung der programmatischen Ziele der Außenpolitik Hitlers im ersten Kapitel beschränkt sich auf einen kompakten Überblick, welcher aber als notwendig betrachtet werden muss, um die Zusammenhänge sowie die Folgen der Rheinlandbesetzung nachvollziehen zu können. Anhand konkreter Beispiele der damaligen außenpolitischen Geschehnisse werden auch die Reaktionen der Westmächte kurz dargelegt. Im nachfolgenden Kapitel, welches sich mit der Rheinlandbesetzung beschäftigen wird, soll zunächst der sowjetisch-französische Beistandspakt erwähnt werden. Diese Erwähnung ist äußerst bedeutsam für das Gesamtverständnis der damaligen Ereignisse, da Hitler den Pakt als Grund für die Rheinlandbesetzung anführte.
Die Arbeit verfolgt insbesondere das Ziel, die These zu beantworten, dass Hitler bei gewichtigen außenpolitischen Schritten stets ähnliche Strategien anwandte und die Rheinlandbesetzung als bedeutendstes Exampel dafür fungiert. Für Hitlers Ziele waren unter anderem auch die propagandistischen Darstellungen der Inkonsequenz der Siegermächte des 1. Weltkrieges, insbesondere Frankreichs, nützlich. Des Weiteren wird im dritten Kapitel die Vorgeschichte des Rheinlandes kurz präsentiert, die Vorbereitungen und der Beschluss zum Einmarsch erläutert und der Verlauf der Besetzung detailliert dargestellt. Im darauffolgenden Kapitel werden die Reaktionen auf die Rheinlandbesetzung und das Versagen des Völkerbundes vorgestellt.
Im fünften Kapitel erfolgt ein Blick auf die Konsequenzen und Folgen der Besetzung im nationalsozialistischen Deutschland.
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Als Grundlage dieser Arbeit dienen vor allem die Quellen aus dem Werk von Max Domarus:
Hitler. Reden und Proklamationen 1932-1945 1 und die Dokumentensammlung: Quellen zur deutschen Aussenpolitik 1933- 1939, herausgegeben von Friedrich Kiessling im Jahr 2000.
2. Programmatische Ziele der Außenpolitik Hitlers
Die Außenpolitik in den Jahren 1933-1936 war gestützt auf Beschwichtigungs- und Täuschungsmanöver, besonders gegenüber Großbritannien und Frankreichs. Hitler wollte vermeiden, dass seine Ziele der Massenmobilisierung und Großmachtwiederherstellung enthüllt werden, da Deutschland durch den Versailler Vertrag militärisch und politisch gebunden war.
Bis 1939 wurden durch die nationalsozialistische Propaganda die Friedenswilligkeit- und absichten der deutschen Regierung verkündet. Wenige Tage nach Hitlers Machtangriff verkündete dieser in einer Rede am 1. Februar 1933, dass Deutschland beabsichtigt: „für die Erhaltung und Festigung des Friedens einzutreten, dessen die Welt heute mehr bedarf als je
zuvor“ 2 .
Des Weiteren erläutert er in seiner Regierungserklärung vom 17. Mai 1933, dass ein erneuter Krieg „Wahnsinn ohne Ende“ wäre und deshalb „der tiefernste Wunsch der nationalen Regierung des Deutschen Reiches, eine solche unfriedliche Entwicklung durch ihre
aufrichtige und tätige Mitarbeit zu verhindern“ 3 .
Diese Aussagen widersprachen jedoch eindeutig den Ansichten, die Hitler in seinem Werk
„Der Kampf“ 4 niederschrieb. Besonders Frankreich betitelte er als „unerbittliche Todesfeinde des deutschen Volkes“ 5 und äußerte sich, dass die französischen Hegemonievorstellungen vernichtet werden müssen. Ebenfalls äußert sich Hitler eindeutig über seine Überlegungen, wie Deutschland an die Macht gelangt: „die Frage der Wiedergewinnung verlorener Gebietsteile eines Volkes und Staates ist immer in erster Linie die Frage der Wiedergewinnung der politischen Macht und Unabhängigkeit des Mutterlandes [...] unterdrückte Länder werden nicht durch flammende Proteste in den Schoß eines gemeinsamen Reiches zurückgeführt, sondern durch ein schlagkräftiges Schwert“ 6 .
1 Domarus Werk umfasst insgesamt vier Bände. In dieser Arbeit wird hauptsächlich der zweite Band verwendet, da dieser sich mit dem Jahr 1936 ausführlich beschäftigt.
2 Z.: Domarus, Max: Hitler. Reden und Proklamationen, Band I, Wiesbaden 1973, S. 193.
3 Z: Domarus I, S. 273.
4 Hitler schrieb „Mein Kampf“ 1924 während seiner Inhaftierung in Landsberg. Das Werk wurde 1926 veröffentlicht und enthält programmatische Äußerungen über seine Weltanschauung und wesentliche Grundzüge und Überlegungen über seine rassen- und außenpolitischen Ziele.
5 Z.: Hofer, Walther (Hrsg.): Der Nationalsozialismus. Dokumente 1933-1945, S. 176.
6 Z.: Hofer, S. 179 ff.
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Schon Anfang der Zwanziger Jahre erkannte Hitler, dass er seine Pläne nicht erfolgreich durchführen kann, ohne die Unterstützung von starken Verbündeten. So entschied er, dass „es für Deutschland in absehbarer Zukunft nur zwei Verbündete geben können: England und
Italien“ 7 .
Fraglich ist, warum die Westmächte die Ankündigungen und Vorstellungen, die Hitlers Aussagen klar darstellten, ignorierten. Mit aller Wahrscheinlichkeit sahen sie sein Werk als „Jugendsünde“ oder Ausdruck seiner Verärgerung über die Inhaftierung an. Doch auch die eindeutigen außenpolitischen Handlungen nach seiner Ernennung zum Reichskanzler wurden falsch bewertet. Im Folgenden sollen einige Exempel seiner Außenpolitik in den Jahren von 1933 bis 1936 dargestellt werden.
Am 14. Oktober 1933 gab die deutsche Regierung bekannt, dass sie aus dem Völkerbund austreten werden, ein eindeutiges Zeichen, dass die somit verbundenen Verträge- und Konfliktvereinbarungen für den Erhalt des Friedens von deutscher Seite nicht bedeutungsvoll sind. Hitler und Goebbels gelang es jedoch die Westmächte zu beschwichtigen, indem sie die Haltung von Frankreich und England bei der Genfer Abrüstungskonferenz als Grund
anführten. 8
Durch den deutsch-polnischen Nichtangriffspakt vom 26. Januar 1934 gelang es Hitler, die bis dato angespannten Beziehungen zu Polen auf einer freundschaftlichen Ebene wiederherzustellen. Auch die Weltöffentlichkeit verstand dieses Abkommen als ausgezeichnetes Beispiel für Deutschlands Willen auf friedliche Nachbarschaft. Am 9. März 1935 wird verkündet, dass die deutsche Luftwaffe besteht. Einige Tage darauf, am 16. März 1935 wird zugleich bekannt gegeben, dass die allgemeine Wehrpflicht erneut
eingeführt wird. 9 Doch auch diese Geschehnisse, die deutlich gegen die Statuten des Vertrages von Versailles 10 verstießen, wurden von den Westmächten zwar mit Empörung zur Kenntnis genommen, führten aber dennoch nicht zu politischen oder militärischen Reaktionen. Großbritannien zeigte sogar Verständnis, dass Deutschland sich ohne genügend militärischen Rückhalt bedroht fühlt.
Im Vertrag von Versailles verzichtet die deutsche Regierung auf jegliche Ansprüche über das Saarland und übergab das Mandat an den Völkerbund. Am 13. Januar 1935 hatten die
7 Z.: Hofer, S. 177.
8 Frankreich und England bewilligten Deutschland erst nach einer vierjährigen Bewährungsphase, die im 1936 enden sollte, eine militärisch gleichberechtigte Aufrüstung. Die Westmächte befürchteten, dass die SS und SA innenpolitisch durch eine vorzeitige Aufrüstung zuviel Macht in Deutschland gewinnen könnten.
9 Vgl. Volkmann, Hans-Erich: Die NS-Wirtschaft in Vorbereitung des Krieges, in: Deist, Wilhelm; Messerschmidt, Manfred; Volkmann, Hans-Erich; Wette, Wolfgang: Ursachen und Vorrausetzungen des Zweiten Weltkrieges, S. 137.
10 Friedensvertrag zwischen Deutschland und alliierten sowie assoziierten Mächten vom 28. Juni 1919.
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Bewohner, wie im Vertrag von Versailles vorgesehen, die Möglichkeit mittels einer Volksabstimmung zu entscheiden, ob das Gebiet weiterhin den Status quo behält, wiedervereinigt wird mit Deutschland oder die Zugehörigkeit zu Frankreich erlangt. Dank der massiven Propagandakampagne stimmten 90,67 % aller Wähler für die Vereinigung mit
Deutschland. 11 Goebbels nutzte sogleich die Gelegenheit, die Volksabstimmung als Erfolg des nationalsozialistischen Regimes darzustellen.
Mit dem deutsch-britischen Flottenabkommen vom 18. Juni 1935 gelang es Deutschland, die internationale Isolierung endgültig zu durchbrechen. Die Zugeständnisse von Seiten Englands wurden durch die Hoffnung gestützt, dass Hitler auf weitere Flotten- oder Kolonialforderungen in Zukunft verzichten wird. Für Hitler war dieses Bündnis von entscheidender Bedeutung, da eine Siegermacht erstmals nach Beendigung des ersten Weltkrieges eine Aufrüstung bewilligt hat und die festgelegte Flottenstärke im Vertrag von Versailles deutlich überschritt. Doch der Bruch wurde von England mit der Unterzeichung
des Vertrages akzeptiert, was zur Folge hatte, dass die Stresa-Front 12 endgültig keinen Vorbestand mehr hatte.
Alle folgenden Vertragsbrüche und Angriffe des nationalsozialistischen Deutschlands in den kommenden Jahren zeigten immer wieder die gleichen Schemata auf. Sobald die deutsche Regierung gegen eine Bestimmung verstieß, kam es im Anschluss zu zahlreichen propagandistischen Äußerungen, die die Friedensbereitschaften des deutschen Volkes erklärten, mit der zusätzlichen Versicherung, dass Deutschland nunmehr keine territorialen
Forderungen mehr erheben wird. 13 Hitler erreichte seine innen- sowie außenpolitischen Ziele ohne große Widerstände der europäischen Mächte. Freilich kam es zu Treffen der Stresa-Front, wie nach der erneuten Aufrüstung Deutschlands, dessen ungeachtet, wurden die Beschlüsse gegen Deutschland nicht umgesetzt, einerseits weil die Mitglieder eigene Ziel als wichtiger erachteten, andererseits weil Hitlers Versprechungen Glauben geschenkt worden sind.
Es kann zusammengefasst werden, dass Hitler durch viele kleine Schritte sowie der Ausnutzung der Schwachstellen und Konkurrenzkämpfe der Westmächte und deren fehlende Reaktionen, Deutschland erneut zu einer bedeutenden und nicht zu unterschätzenden Macht in Europa führte.
11 Vgl.: Wendt, Bernd-Jürgen: Großdeutschland. Außenpolitik und Kriegsvorbereitung des Hitler-Regimes, S. 99.
12 Die Stresa- Front war ein Abkommen zwischen Italien, Frankreich und Großbritannien, welches im April 1935 abgeschlossen wurde. Das Bündnis wurde geschlossen, um der deutschen Kriegs- und Expansionspolitik entgegenzuwirken.
13 Vgl. Volkmann: S. 152.
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Arbeit zitieren:
Franziska Dedow, 2008, Die Besetzung des entmilitarisierten Rheinlandes am 7. März 1936, München, GRIN Verlag GmbH
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