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Gliederung
Gliederung
Abk ürzungsverzeichnis II
1. Einleitung 1
2. Kulturelle Vielfalt und Medien 2
2.1 Kulturelle Vielfalt 2
2.2 Kulturelle Vielfalt in den Medien 3
3. Das deutsche Rundfunksystem 4
3.1 Die öffentlich rechtlichen Rundfunkanstalten 4
3.2 Der Wandel zum dualen Rundfunkystem 7
4. Globalisierungsprozesse im Mediensektor 10
4.1 Deregulierung, Privatisierung und Kommerzialisierung 11
4.2 Internationalisierung und Globalisierung 13
5. Auswirkungen auf die kulturelle Vielfalt in den Medien durch
Globalisierungsprozesse 14
5.1 Zusammenhang von Globalisierung und kultureller Vielfalt in den Medien 15
5.2 Risiken für die kulturelle Vielfalt durch Globalisierungsprozesse 16
5.3 Chancen für die kulturelle Vielfalt durch Globalisierungsprozesse 19
5.3.1 Chancen durch Glokalisierung und Dritte Programme 20
5.3.2 Chancen durch neue Technologien 21
6. Fazit 22
Literaturverzeichnis III
Literaturverzeichnis III
Literaturverzeichnis III
Literaturverzeichnis III
II Abkürzungsverzeichnis ALM Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten ARD Arbeitsgemeinschaft der öffentlich‐rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands FRAG Freie Rundfunk AG in Gründung GATS General Agreement on Trade in Services GG Grundgesetz KEF Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten MDR Mitteldeutscher Rundfunk ORF Österreichischer Rundfunk RStV Rundfunkstaatsvertrag SRG Schweizerische Radio‐ und Fernsehgesellschaft UNESCO United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization ZDF Zweites Deutsches Fernsehen
1 1. Einleitung
7 Milliarden Euro - diese Summe nehmen die öffentlich‐rechtlichen Sender in Deutsch‐ land jedes Jahr alleine durch die Rundfunkgebühren ein. 1 Das ist mehr als alle deut‐ schen Privatsender zusammen umsetzen. 2 Mit diesem Geld soll der Grundversor‐ gungsauftrag von ARD, ZDF und Deutschlandradio sichergestellt und qualitativ hoch‐ wertige Medieninhalte für die Bevölkerung bereitgestellt werden.
Das deutsche Rundfunksystem ist zweitgeteilt - nicht nur in finanzieller Hinsicht. Öf‐ fentlich‐rechtliche Anstalten konkurrieren mit privaten Anbietern um die deutsche Zuschauerschaft. Beide Anbieterformen wurden aus nachvollziehbaren Motiven ge‐ gründet und mit entsprechenden Rechten und Pflichten ausgestattet. Doch bereits bei der Gründung spielten trotz der national beschränkten Rezipienten internationale Fak‐ toren eine Rolle. Kulturelle Vielfalt, Meinungs‐ und später Wettbewerbsfreiheit sollten sichergestellt und der Bevölkerung zugänglich gemacht werden. Doch die Zeiten än‐ dern sich - teilweise zu schnell für den Reformwillen im deutschen Mediensektor. Glo‐ balisierungsprozesse verschärfen den internationalen Wettbewerb und machen auch nicht vor dem Rundfunkmarkt halt. Öffentliche und private Anbieter befinden sich heute in einem Wettstreit um Quoten, Werbeeinnahmen und Zuschauer, der durch die Globalisierung immer intensiver wird. Nur mit ökonomisch rationalen Methoden, so scheint es, kann dem globalen Druck standgehalten werden. Doch darunter leidet die Vielfalt - das Aushängeschild, auf dem das gesamte öffentlich‐rechtliche und infolge dessen auch das duale System fußt.
Das duale System hatte lange Zeit seine Berechtigung. Doch wie ist es heute im Zeital‐ ter der Globalisierung? Welche Risiken ergeben sich durch den Dualismus von öffentli‐ chen und privaten Anbietern? Sollte eine Anbieterform präferiert werden, um die kul‐ turelle Vielfalt zu fördern? Oder ergeben sich aus der Dualität auch Chancen? Diese Arbeit versucht darauf Antworten zu finden.
1 Vgl. KEF (2009): S. 162
2 Vgl. Siebenhaar, H. (2008): [www]
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2. Kulturelle Vielfalt und Medien
Der Kulturbegriff wurde bereits auf vielfache Weise definiert und analysiert. Für diese Arbeit soll der Kulturbegriff Guy Rochers herangezogen werden. Für ihn ist Kultur „(…) the group linked by more or less formalized ways of thinking, feeling and acting which, learnt and shared by a plurality of persons, serve in both an objective and symbolic way, to constitute those persons in a particular and distinct collective.” 3 Demnach se‐ pariert Kultur menschliche Gruppen und vermischt Identitäten. Sie setzt Gruppen in Beziehungen zur restlichen Gesellschaft und findet Ausdruck in Künsten, Bräuchen, dem Sozialsystem, der Sprache oder der Religion. Kultur ist folglich ein Faktor für Ein‐ heit und Beziehungen.
Medien sind wiederum der größte und wichtigste Übermittler von Kultur. 4 Auch Niklas Luhmann war der Meinung, dass wir „alles, was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“ 5 Die folgen‐ den Kapitel geben daher eine Einführung zur kulturellen Vielfalt in den Medien um in späteren Kapiteln auf diese Informationen zurückgreifen zu können. 2.1 Kulturelle Vielfalt
Für diese Arbeit von Bedeutung ist insbesondere das Verhältnis von kultureller Vielfalt und Ökonomie. Das Verhältnis zwischen diesen Faktoren wurde bereits im EU‐Vertrag thematisiert. Dieser weist darauf hin, dass eine Balance zwischen ökonomischen und kulturellen Aspekten gefunden werden muss, die sich gegenseitig ergänzen und unter‐ stützen. 6 Die EU ist aufgrund ihrer Zusammensetzung natürlich auch am Erhalt ihrer kulturellen Vielfalt interessiert. In einem Medienbericht heißt es: „Cultural diversity is recognized externally and internally, both by the prevailing institutions of civil society and by the awareness of the group itself as different to the whole in some expres‐
3 Rocher, G. (1990): S. 111 f.
4 Vgl. Jakubowicz, K. (1990): S. 71 f.
5 Luhmann, N. (2009): S. 9
6 Vgl. La Porte Alfaro, M. (2001) : [www]
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sions.” 7 Gerade in Zeiten der Globalisierung kommt dem Erhalt dieser Diversität eine große Bedeutung zu, denn das Risiko einer homogenisierten Welt, in der einheitliche, kulturelle Muster vorhanden sind, steigt durch Globalisierungsprozesse.
2.2 Kulturelle Vielfalt in den Medien
Ein großer Teil der Funktionen, die bislang Museen, Bibliotheken und Theater inne hat‐ ten, wurde mittlerweile von Kinos, Fernsehern und Computern übernommen. Diese Medien können Kultur an einen größeren, heterogeneren Kreis von Menschen vertei‐ len. Doch Kultur wird in den Medien nicht nur über die klassischen Themen und Kanäle transportiert. Auch Nachrichtensendungen, Serien, Filme und selbst Computer‐ und Videospiele verbreiten kulturelle Inhalte und produzieren Identitäten. Ihnen ist es ebenfalls möglich, kulturelle Vielfalt im Denken und Fühlen sozialer Gruppen zu trans‐ portieren. Folglich ist der audiovisuelle Sektor eine weitere Quelle kultureller Kreativi‐ tät, die weiter wachsen und ihre führende Rolle in der Verbreitung von Kultur beibe‐ halten wird. Insbesondere die Aufgabe des Fernsehens geht über die Rolle eines einfa‐ chen Übermittlers von Inhalten hinaus. 8
Bereits bei Gründung der deutschen ARD‐Anstalten war den Verfassern der Vertrags‐ texte bewusst, insbesondere durch die negativen Erfahrungen aus der NS‐Zeit, dass den Sendern und Hörfunkprogrammen eine wichtige Rolle bei der Verbreitung kultu‐ reller Vielfalt und Identitäten zukommt. Im „Staatsvertrag über den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR)“ vom 30. Mai 1991 heißt es daher: „Die Sendungen des MDR haben den Belangen aller Bevölkerungsgruppen, auch der Minderheiten, Rechnung zu tra‐ gen.“ 9 Weiterhin wird spezifiziert, dass „in allen Angelegenheiten von öffentlichem Interesse (…) die verschiedenen Auffassungen im Gesamtprogramm ausgewogen und angemessen zu berücksichtigen [sind]. Das Gesamtprogramm darf nicht einseitig einer
7 La Porte Alfaro, M. (2001): [www]
8 Vgl. ebd. : [www]
9 Staatsvertrag über den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) (1991): [www]
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Partei oder Gruppe noch Sonderinteressen gleich welcher Art dienen.“ 10 Die Verbrei‐ tung und Rezeption von Kultur und kulturellen Inhalten verschiedenster Ausprägungen hängt also eng mit dem Medienangebot zusammen. Insbesondere in Deutschland spielte diese Tatsache immer wieder eine wesentliche Rolle. Deutlich wird dies, wenn man sich die Geschichte und die Besonderheiten des deutschen Rundfunksystems an‐ sieht.
3. Das deutsche Rundfunksystem
Die aktuelle Geschichte des öffentlich‐rechtlichen Rundfunks in Deutschland beginnt nach 1945. Nach dem 2. Weltkrieg übernahmen die Alliierten die Kontrolle über die verbliebenen Sendeanlagen und begannen dezentral mehrere Sender in Betrieb zu nehmen, beispielsweise Radio Frankfurt oder Radio München. Ab 1946 erhielt Radio Bremen mit Walter Geerdes den ersten deutschen Intendanten nach dem Krieg. Ab diesem Zeitpunkt lässt sich das deutsche Rundfunkwesen in drei Entwicklungsphasen einteilen. Zunächst entstand ein Monopol der ARD‐Anstalten. Diesem folgte eine Kon‐ kurrenzsituation zwischen ARD und ZDF. Schließlich wurde das duale Rundfunksystem, welches bis heute Bestand hat, ins Leben gerufen. 11
3.1 Die öffentlich‐rechtlichen Rundfunkanstalten
Die wichtigsten Merkmale des öffentlich‐rechtlichen Rundfunksystems in Deutschland sind die regionale Struktur und die öffentlich‐rechtliche Organisation. Der Grund für die Regionalisierung waren die Aufteilung des im Krieg besiegten Landes in Militärzo‐ nen und die vorgesehene Dezentralisierung der publizistischen Macht, um eine erneu‐ te Meinungskontrolle durch die Medien zu verhindern, denn diese ermöglichte NS‐ Propagandaminister Joseph Goebbels eine rasche Verbreitung seiner Thesen und si‐ cherte seiner Regierung einen starken Einfluss auf die Meinung des Volkes.
10 Staatsvertrag über den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) (1991): [www]
11 Vgl. Donsbach, W. (2009): S. 600
5
Aus diesem Grund wollten die USA wie in ihrer Heimat einen kommerziellen Rundfunk etablieren. Dieser Plan scheiterte jedoch an den technischen und ökonomischen Vo‐ raussetzungen, da eine Finanzierung durch Werbung im zerstörten und wirtschaftlich schwachen Deutschland nicht möglich war. Da das französische Medienmodell zu staatsnah war, wurde das britische Modell eines öffentlich‐rechtlichen Rundfunks ein‐ geführt. Dieses schien ideal, um eine erneute Meinungsmacht durch den Staat auszu‐ schließen. 12 Nach zahlreichen Auseinandersetzungen „(…) waren Kompromisse zwi‐ schen den Absichten der Alliierten, die eine möglichst breite, von den politischen und staatlichen Institutionen weitgehend unabhängige gesellschaftliche Kontrolle des Rundfunks vorsahen, und den Vorstellungen der deutschen Politiker.“ 13 Mit dem Deutschlandvertrag vom 5. Mai 1955 wurde die volle Souveränität des deut‐ schen Rundfunkwesens hergestellt. Eine Ausnahme bildete die sowjetisch besetzte Zone. Bereits 1950 kam es zum Zusammenschluss der Arbeitsgemeinschaft der öffent‐ lich‐rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland (ARD). Diese pro‐ duzierte bislang nur ein Hörfunkprogramm und war organisationsrechtlich ein Verein. Der Fernsehvertrag von 1953 ebnete den Weg für ein gemeinsames Fernsehpro‐ gramm. Die offizielle Eröffnung fand 1954 statt. Erst 1959 erfuhr das Fernsehpro‐ gramm der ARD eine rechtliche Absicherung durch den „Staatsvertrag der Länder über die Koordinierung des Ersten Fernsehprogramms.“ 14
In den 50er Jahren gab es einen langen Machtkampf zwischen Bund und Ländern. Die Bundesregierung unter Konrad Adenauer fühlte sich von der Mitwirkung im Rundfunk ausgeschlossen und leitete daher die Gründung eines zweiten Fernsehsenders in die Wege. 15 In der Folge wurde im ersten Fernsehurteil von 1961 die Gründung eines zwei‐ ten deutschen Fernsehens durch den Bund für verfassungswidrig erklärt. „Zur Begrün‐ dung führte das Gericht an, dass der Bund lediglich eine Kompetenz für den sende‐ technischen Betrieb des Rundfunks habe (…), der Rundfunk als kulturelles Gut jedoch
12 Vgl. Donsbach, W. (2009): S. 601
13 Ebd.: S. 602
14 Ebd.: S. 603
15 Vgl. ebd.: S. 604
Arbeit zitieren:
Markus Stegmann, 2010, Chancen und Risiken durch Globalisierungsprozesse für die kulturelle Vielfalt im dualen Rundfunksystem, München, GRIN Verlag GmbH
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