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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Was ist Zen? 3
3. Zenkunst 5
3.1. Die ästhetischen Merkmale der Zenkunst 6
4. Zen-Kunst am Beispiel der Karesansuigärten 9
4.1. Was sind Karesansui-Gärten? 9
4.2. Die Beziehung zwischen Zen und dem Karesansuigarten 10
4.3. Ryôan-ji als Beispiel eines Karesansui-Gartens 12
4.3.1. Geschichte des Gartens 12
4.3.2. Beschreibung der Gartenanlage 13
4.3.3. Die ästhetischen Merkmale der Zenkunst am Beispiel des
Ry ôan-ji 16
4.4. Daisen-in als Beispiel eines Karesansuigartens 18
4.4.1. Geschichte des Gartens 18
4.4.2. Beschreibung der Gartenanlage 18
5. Schlussteil 21
6. Literaturverzeichnis 22
Anhang
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1. Einleitung
Der Titel meiner Hausarbeit: „Zen und die Kultur Japans am Beispiel der Gartenkunst“ richtet sich nach dem Werk „Zen und die Kultur Japans“ von Daisetz T. Suzuki. Grund dafür, dass ich den Namen dieses Werkes in den Titel aufgenommen habe, ist die Bedeutung, die es für die Entstehung dieser Hausarbeit trägt. Man kann sagen, dass Suzuki mit diesem Buch mein Interesse an der Zenkultur Japans geweckt hat. Wobei Suzuki nach dem allgemeinen Erläuterungen über Zenbuddhismus und die Kultur des Zens, die sie auch in meiner Seminararbeit finden werden, seinen Schwerpunkt auf die Kampfkünste und den Tee-Weg legt, habe ich mich in meiner Arbeit genauer mit der Gartenkunst als Bestandteil der Zenkunst beschäftigt. Die Gartenkunst hat mich besonders fasziniert, da sie in Japan in einem engen Verhältnis zur Natur steht. „Anders als der abendländische Mensch, der sich als Beherrscher der Natur sieht, fühlt sich der fernöstliche als ihr Teil, als Teil des Weltganzen“(Wiese 1982, 12). Am Ende des Zweiten Weltkrieges befanden sich die Japaner und Deutschen in einer ähnlichen Situation. Auch hat Japans Wirtschaft seit diesem Zeitpunkt einen ähnlich starken Aufschwung wie die Deutschlands durchgemacht. Die Japaner haben jedoch anders als die „Gartenschöpfer“ in Deutschland an Jahrhunderte lange Tradition angeknüpft. Der Garten gilt hier als idealisiertes Abbild der Landschaft, als Kunstwerk. In Deutschland hat man nach dem Zweiten Weltkrieg die Gestaltung der Landschaft nach ästhetischen Gesichtspunkten vernachlässigt. Wichtig war es die Umwelt nach ihren Funktionen und ihrem Nutzen zu gestalten. Zunächst möchte ich erläutern was wir unter Zenbuddhismus verstehen um eine Grundlage für das Verständnis der Zenkunst zu schaffen. Hiernach werde ich auf die Zenkunst im Allgemeinen und dabei insbesondere auf die typischen ästhetischen Merkmale dieser Kunstrichtung eingehen. Erst nach diesem Überblick werde ich mich mit der Gartenkunst beschäftigen. Da die Behandlung aller bekannten Zengärten den Rahmen meiner Hausarbeit übertreffen würde, habe ich mich auf die beiden populärsten beschränkt. Das ist zum einen der Garten des Ryôan-ji, an dessen Beispiel ich dann auch die typischen Merkmale der Zenkunst betonen werde, und zum anderen der Garten des Daisen-in, der im Gegensatz zum Ryôan-ji einen hohen symbolischen Charakter hat. Bei diesen
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beiden Gärten werde ich jeweils zuerst auf die Geschichte und danach auf die Beschreibung der Gartenanlage eingehen.
2. Was ist Zen?
Zen ist eine Form des Mahâyâna-Buddhismus, der ursprünglich aus China stammt, jedoch erst in Japan, wohin er von japanischen Priestern importiert wurde, seine endgültige Blüte erlangte. Dies geschah ab dem 12. Jahrhundert. Im Gegensatz zu den anderen Formen des Buddhismus wandte sich der Zen-Buddhismus nie von der praktischen Seite des täglichen Lebens ab. Sobald das Zen in China Fuß gefasst hatte, entwickelte sich eine besondere Form des klösterlichen Lebens, die sich jedoch von früheren Formen des Mönchtums stark unterschied. Das Leben hier bestand nicht darin unentwegt zu beten, Buße zu tun, zu rezitieren oder andere Werke der Frömmigkeit zu verrichten. Alle, auch der Zen-Meister, hatten sich um praktische Dinge wie zum Beispiel die Gartenarbeit zu kümmern, wodurch die Mönche nebenher auch einen Sinn für wirtschaftliche und politische Fragen entwickelten. Zen will mit der Sache selbst zu tun haben, nicht mit leeren Abstraktionen. Deshalb hat das Lesen und Rezitieren von Sûtren im Zen keinen besonderen Stellenwert. Das heißt nicht, dass Zen unbedingt gegen solche Worte ist. Es sieht aber sehr klar, dass diese sich nur allzu leicht von der Wirklichkeit ablösen.
Das Ziel der Zen-Schulung ist es, die Erleuchtung (satori) zu erlangen. Dazu bedarf es des Erlebens der Ich-Losigkeit (muga) und des absoluten Nichts/ der Leere (mu) durch Aufgabe des eignen Ichs (ga). Durch diese Erleuchtung soll sich dem Menschen ein verborgener Sinn in den täglichen konkreten Erfahrungen wie Essen, Trinken und Beschäftigungen aller Art erschließen. Dieser Sinn ist aber nicht etwas, was von außen hinzugefügt wird. Er liegt im Sein, im Werden, im Leben als solches. Erleuchtung bedeutet Befreiung. Es gibt zwei Möglichkeiten diese Befreiung zu erlangen: einerseits über die Sprache und andererseits über das Handeln. Die sprachliche Seite bezieht sich darauf, dass Zen eine der bedeutendsten menschlichen Erfahrungen ist und man sich der Sprache bedienen muss um anderen etwas von dieser Erfahrung zu vermitteln und um sich diese selbst klarzumachen. Es geht nicht um den Inhalt der Worte, die oft sprachliche Rätsel darstellen, sondern darum dass diese Erfahrung ausgesprochen wurde, auch
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wenn sie im direkten Zusammenhang wenig Sinn ergibt. Wenn der Zen-Buddhismus vom Schulungsmittel des Handeln spricht, so meint er damit den Zugang zur Erleuchtung durch direkte Aktion, also „Lernen durch Tun“. Weiterhin soll das direkte Handeln den Sinn haben, ein Bewusstsein wachzurufen, welches einen ins wirkliche Leben führt. So ist es nach diesem Prinzip wichtig einmal in äußerster Bedrängnis den „Trick“ zu finden, der einem heraushilft. Anweisungen und begriffliche Darlegungen des Zen-Meisters sind also nutzlos, wenn es um die Erfahrung der Erleuchtung geht. „Satori“ muss aus dem Inneren eines Menschen erwachsen; man kann es ihm nicht von außen einpflanzen. Der Zen-Meister kann keinen bestimmten Lehrplan vermitteln, nachdem der Schüler zur Erleuchtung gelangt. Er kann nur Umstände schaffen, unter denen der Schüler von innen heraus immer näher an das „satori“ heranwächst. So vermittelt er auf eine auffällige Art und Weise, indem er ihnen historische Zeugnisse wie zum Beispiel Anekdoten aus dem Leben früherer Zen-Meister offenbart. Die Anekdoten entstammen meist der Koan-Sammlung, die hauptsächlich aus wortkargen wechselseitigen Gesprächen zwischen Zen-Meistern und ihren Schülern besteht. Diese Anekdoten sollen die Schüler zur geistigen Beschäftigung auffordern. Der Schüler soll sich solange darauf konzentrieren bis er das logische rationale Denken aufgibt und in den überrationalen Bereich der Erleuchtung vorstößt. Dies ist auch der Grund dafür, dass die Anekdoten auf rationale Denker paradox wirken und für diese nicht nachvollziehbar sind. Um zu der Erleuchtungserfahrung zu kommen, bedarf es vor allem der Ausschaltung aller intellektueller Lösungsversuche.(vgl. Eggert 1994 und Watts 1961)
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3. Zenkunst
„Die Zenkunst ist einer der direktesten Zugänge zum Verständnis der Zenkultur“(vgl. Watts 1961, 214). Nachdem Yosai (1141-215) den Zenbuddhismus zum ersten Mal von China nach Japan gebracht hatte, begann zu Beginn der Kamakura-Zeit, im 13.Jahrhundert, ein Zeitraum, in dem die Reisetätigkeit sehr ausgeprägt war. In dieser Periode gelangten viele bedeutenden Werke der Zen-Schule nach Japan. Dies war der Grundstein für die japanische Zenkunst. Nachdem sich die Zenkunst in China noch auf die Bereiche Malerei und Literatur, und dies in einem viel geringeren Maße, beschränkt hat, erstreckt das Zen sich nun in Japan von der Töpferei über die Malerei bis hin zur Gartenkunst. Die Kunst gewinnt jetzt einen ganz neuen Sinn. So dient sie nicht mehr der Schönheit, sondern dazu der vollzogenen oder der sich anbahnenden Erleuchtung des Künstlers Ausdruck zu verleihen.
In der Zenkunst betrachtet man das Kunstwerk nicht nur als solches, sondern als ein Stück der Natur. Auch gibt es hier keinen Konflikt zwischen dem natürlichen Element des Zufalls und dem menschlichen Element der Kontrolle. So wie die Ausfaltung von Pflanzen keineswegs künstlich ist, so ist auch die schöpferische Tätigkeit des Menschen durch die Natur bedingt. (vgl. Watts 1961, 214) Die technischen Regeln bestimmen in dieser japanischen Kunstrichtung lediglich den Handlungsspielraum innerhalb der Spontaneität des Schaffens. Das ziellose Leben ist beständiges Thema jeder Art der Zenkunst, welche somit als Ausdrucksmittel für den inneren Bewusstseinsstand des Künstlers dient. Man kann sagen, dass jedes Zenkunstwerk ein Wiederhall eines zeitlosen Augenblickes, in dem der Künstler still in einem bestimmten Bewusstseinszustand verharrt, ist. Falls die Stimmung eines solchen Augenblicks Einsamkeit sowie Ruhe ausstrahlt, nennt man sie „sabi“(wörtlich übersetzt „Einsamkeit“ oder „Alleinsein“(vgl. Watts 1961, 27)). Sabi kann sich darstellen durch ein bescheidenes, in der Ausführung schlicht und mühelos wirkendes Auftreten. Oft wird dadurch, dass ein Eindruck des hohen Alters erweckt wird, ein Gegenstand als durch „sabi“ bedingt charakterisiert. „Wabi“ nennt man den Moment des ziellosen Lebens hingegen, wenn der Künstler sich in einer traurigen, niedergedrückten Stimmung befindet und dadurch etwas, seiner gefühlsmäßigen Leere Entsprechendes, ziemlich Anspruchsloses, vor Augen hat. Der Begriff „wabi“ bedeutet eigentlich „Armut“ oder, negativ, „nicht gerade zur tonangebenden Gesellschaft gehörend“(Suzuki
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1994, 25). Die Bedeutung des „wabi“ liegt in dieser Armut, dem Unabhängigsein von weltlichen Dingen wie Macht und Ruhm, und dem gleichzeitigen Vorhandensein einer innerlichen Empfindung von höchstem Wert. Würden wir wabi auf die praktische Seite des Lebens beziehen, so würde dies ein zufriedenes Leben in einer kleinen Hütte mit einem Mahl selbstgesammelter Kräuter und Wurzeln bedeuten, wobei der Bewohner eine Erfüllung seines Lebens darin sieht dem Rieseln eines sanften Frühlingsregens zu lauschen. (vgl. Suzuki 1994, 25f.) Ruft der Augenblick eine heftigere Traurigkeit wie zum Beispiel Heimweh hervor, so nennt man sie „aware“. Die vierte der vier Grundverfassungen (furyu), die der Künstler während dieses Moments einnehmen kann, bezeichnet man als „yugen“. Hier nimmt der Künstler plötzlich etwas Geheimnisvolles, Fremdes, auf, was aber niemals entdeckbar sein wird.
„Entscheidung und Handlung müssen gleichzeitig geschehen.“(Watts 1961, 240) Mit diesem Zitat möchte ich bevor ich zu den typischen Merkmalen der Zenkunst übergehe noch einmal darauf hinweisen, dass nach Auffassung des Zens jede künstlerische Handlung „absichtslos“ zu geschehen hat;...“auf dieselbe Weise wie eine Frucht aufplatzt...“.(Watts 1961, 239)
3.1. Die ästhetischen Merkmale der Zenkunst
Die wichtigsten Erkennungsmerkmale eines Zen-Kunstwerkes kann man unter neun Begriffen zusammenfassen: (1) Asymmetrische Harmonie (2) Reduktion (3) Erhabenheit des Alters (4) Naturverbundenheit (5) Weltabgewandtheit (6) Stille (7) Spontaneität (8) Verzicht auf Symbolik und (9) Abstraktion (vgl. Henning 1982, 368)
Wenn man von (1) Asymmetrischer Harmonie spricht, dann versteht man darunter einen Verstoß gegen die „herkömmlichen“, symmetrischen Regeln, wobei zu beachten ist, dass aus der Sicht des Zens alle Dinge in sich selbst vollkommen
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sind. Somit ist die Harmonie hinsichtlich der ausgeglichenen Verteilung der Gewichte, Proportionen und Farbwirkungen durch die Vollkommenheit gegeben, obwohl die Symmetriegesetze nicht erfüllt sind. Auf den ersten Blick erscheint uns der Begriff „Asymmetrische Harmonie“ also als Widerspruch in sich; bei genauerem Hinschauen erkennt man jedoch den Einklang zwischen den beiden Wörtern. Das Fehlen von Symmetrie beinhaltet einerseits die Unregelmäßigkeit was die Geometrie bzw. die Anordnung betrifft, andererseits aber auch die Tatsache, dass sehr häufig ungerade Zahlen verwendet werden. Als Wirkung der asymmetrischen Gestaltung kann man die Lebendigkeit betonen. Der Begriff (2) Reduktion beinhaltet zwei Zustände: die Einfachheit und die Schlichtheit der Darstellung. Der Inhalt wird bei der Reduktion auf das Wesentliche beschränkt. So wird zum Beispiel die Anzahl der verwendeten Materialien in der Gartenkunst stark eingeschränkt. Dieses zweite Merkmal verdeutlicht also den spärlichen Umgang mit Dingen wie Materialien und Farben. So werden in der Zenkunst auffallende Farben vermieden und ebenfalls wird die Farbpalette auf ein Minimum reduziert. Die absolute Einfachheit kann man nicht auf einen bestimmten Zustand beschränken. Die Einfachheit als Negation der Unordnung ist genauso grenzenlos wie ein wolkenloser Himmel. (vgl. Hisamatsu 1950, 31)
Die (3) Erhabenheit des Alters soll den Reiz des Alters veranschaulichen, den die Kunstgegenstände anhaften haben. Es fehlt ihnen also das sinnliche der Haut bzw. des Fleisches; sie werden knochig. Ein Symbol solches Alters sind die kräftigen, stämmigen Äste einer alten Pinie, welche durch Umwelteinflüsse wie Sturm und Schnee ihre frische grüne Farbe von Haut und Fleisch verloren haben, und nun kahl sind.(vgl. Hisamatsu 1950, 31) Oft werden diese Alterserscheinungen durch bestimmte Effekte wie Moosbewuchs oder reparierte Stellen (zum Beispiel in einer Mauer) vorgetäuscht.
Unter (4) Naturverbundenheit soll die Zusammenfügung des Kunstwerkes mit der es umgebenden Natur zu einem einheitlichen Ganzen verstanden werden, was sich in der Material-, Form- und Farbenwahl wiederspiegelt. Die Natürlichkeit bezieht sich ebenfalls darauf, dass die Künste ungezwungen sind und somit keine Absicht verfolgen.
Mit dem Begriff (5) Weltabgewandtheit wird eingegangen auf den Verzicht auf weltliche Dinge wie Geld, Ruhm,... . Der Schönheitsbegriff, der sich auf dieser
Arbeit zitieren:
Britta Reiter, 2000, Zen und die Kultur Japans am Beispiel der Gartenkunst, München, GRIN Verlag GmbH
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