Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Biographische Informationen zum Autor Ihara Saikaku 2
3. Geschichtlicher und gesellschaftlicher Hintergrund der
Edo -Zeit 3
4. Inhaltsangabe des Werkes „Kôshoku ichidai otoko“ 5
5. Charakterisierung des Helden Yonosuke im Vergleich
zum Prinzen Genji, dem „Meister der Liebe“, in Murasaki
Shikibus „Genji Monogatari“ 6
6. Die Parallelen im Leben Ihara Saikakus und Yonosukes 8
7. Aufbau, Erzählstruktur und Erzählweise und -perspektive 8
8. Stilistische Aspekte 10
9. Das Leben der Kurtisanen 11
10. „Kôshoku ichidai otoko“, der Beginn der Gattung „ukiyozôshi“:
Bedeutendes Werk mit der zugrundeliegenden Philosophie des
vollendeten Hedonismus oder gleichzusetzen mit Pornographie? 12
11. Schlussteil 15
12. Literaturverzeichnis 16
1
1. Einleitung
Als ich den Titel des Werkes: „Kôshoku ichidai otoko“ zum ersten Mal gelesen habe, kamen mir sofort einige Fragen in den Sinn. Übersetzt man diese Worte so erfährt man, dass das Buch von einem Mann (otoko) handelt, der sein ganzes Leben (ichidai) mit der Liebe (kôshoku) verbringt. Einerseits wurde hierdurch meine Neugier geweckt. Wie ist es für diesen Mann möglich nur für die Liebe zu leben? Liebt er die Frauen wirklich oder nutzt er sie nur aus? Ist dieser Mann krank? ... Was ist diese Person für eine Charaktere? Andererseits kommt aber auch die Frage auf, worin der literarische Wert besteht, wenn sich der Roman „nur“ mit der Liebessucht einer Person beschäftigt. Da ich vermute, dass es vielen anderen Lesern ähnlich ergeht, insbesondere, weil es ihnen schwerfällt sich in die „fremde“ Kultur Japans hineinzuversetzen, möchte ich in meiner Hausarbeit genauer auf dieses Werk eingehen. Anfangen werde ich, indem ich mich zunächst mit dem Autor und dann mit dem geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergrund auseinandersetze, da mir dies für das Verständnis der folgenden Gliederungspunkte als wichtig erscheint. Danach habe ich eine kurze Inhaltsangabe eingefügt, die es auch denjenigen, die das Buch selbst nicht gelesen haben, ermöglicht der Argumentation meiner Ausarbeitung zu folgen und ihnen vielleicht außerdem einen Anreiz gibt sich ebenfalls mit diesem Roman tiefgründig auseinander zu setzen. Hiernach werde ich genauer auf einzelne Aspekte eingehen. Der Beschäftigung mit dem Helden Yonosuke, einerseits durch den Vergleich zum Prinzen Genji in Murasaki Shikibus „Genji Monogatari“ und andererseits durch den Vergleich seines Lebens mit dem von Ihara Saikaku, werden der Aufbau, die Erzählstruktur und die Erzählweise und -perspektive sowie die stilistischen Aspekte nachgestellt. An den Schluss der Arbeit habe ich meine thematischen Schwerpunkte, die Beschreibung des Lebens der Kurtisanen und die Frage, ob es sich bei dem behandelten Buch um ein bedeutendes Werk mit der zugrundeliegenden Philosophie des vollendeten Hedonismus handelt oder ob es gleichzusetzen ist mit Pornographie.
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2. Biographische Informationen zum Autor Ihara Saikaku
Ihara Saikaku wurde 1642 als Hirayama Toyo in Ôsaka geboren. Man vermutet, dass er der Sohn einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie war. Sein Geschäft hinterließ er aber nach dem Tod seiner jungen Frau im Jahre 1675 seinen Angestellten und entschloss sich die Haare nach dem Vorbild der pensionierten Männer zu rasieren und sich mit ungefähr 34 Jahren ganz seiner Karriere als Haikudichter zu widmen.
Der Beginn seiner Zeit als Dichter lag jedoch schon in seinem 15.Lebensjahr. Saikaku wurde nun Schüler von Nishiyama Sôin, dem Begründer und Meister der Danrin-Schule, deren besonderes Kennzeichen der Verzicht auf traditionelle Wortspiele und die Benutzung von Alltagssprache war. Diese Schule versuchte das Leben der Stadtbevölkerung aus deren eigener Sicht zu erfassen und als haiku zu gestalten. Nachdem Ihara Saikaku erfolgreich an zahlreichen Haikuwettbewerben, wie sie damals üblich waren, teilgenommen hat, entschließt er sich das Metier des Dichtens zugunsten der Prosa aufzugeben. Ein Grund für diesen Umbruch war sicherlich, dass sein Lehrer starb. Außerdem wurde ihm die Gefahr bewusst, die in den öffentlichen Wettbewerben, in denen es darauf ankam wer die meisten haiku hintereinander dichten kann, lag. Er erkannte, dass er seine Kräfte hierbei überspannte. Ebenfalls bemerkte er, dass für ihn die Ausdrucksmöglichkeit in der Haikudichtung langsam ausgeschöpft war.
Saikaku unternahm zahlreiche Reisen, wobei er des öfteren die Theater und Vergnügungsviertel der Großstädte, insbesondere Ôsakas, Tokyôs und Kyôtos, besuchte.
Im Alter von 51 Jahren stirbt er in Ôsaka.
Über den Verlauf seines Lebens ist nur wenig bekannt. Itô Baiu erwähnte ihn jedoch in seinem Werk „Kommom dansô“:
Saikaku „was a wealthy merchant, but at the age of thirty-four he lost his wife and his daughter went blind and later died a premature death. After the death of his wife, he turned over the family business to his chief clerk and lived a life of freedom, frequenting the pleasure quarters and the gaudy life of the time. At times he would go off on trips to the various provinces, sometimes remaining away from home for half a year or more.”( Sen´íchi 182)
3
3. Geschichtlicher und gesellschaftlicher Hintergrund der Edo-
Zeit
Schon ab 1600 herrschte in Japan ein andauernder Frieden, den die Familie Takugawa nach langen Kämpfen erreicht hatte. Von diesem Zeitpunkt an gewann eine neue Bevölkerungsgruppe, die der Kaufleute und Handwerker,
immer mehr an Macht. Obwohl sie weiterhin von den bushi 1 als unterster Stand verachtet wurden, gelang es ihnen bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts eine Art Volkskultur zu schaffen. Die bushi, die nach wie vor an der Spitze der gesellschaftlichen Schichtung standen, fühlten sich jedoch durch das steigende Ansehen dieser Schicht der „chônin“ in die Enge gedrängt. So befürchtete
Ieyasu, einer der mächtigen bushi, dass einer der großen daimyôs 2 rebellieren und sich gegen ihn erheben könnte. Aus diesem Grund erließ er mehrere Gesetze. Unter anderem das „Sanshi Kôtai“, nach dem jeder daimyô ein Jahr in Edo zu leben und Dienst in Ieyasus Schloss zu leisten hatte. Die
Großgrundbesitzer sollten hierdurch finanziell geschwächt und somit wehrlos
gemacht werden. Die Folge hiervon war, dass sich große haidôs 3 und shukubamachi 4 entlang dieser Routen entwickelten. Es war also auch der Grundstein für Saikakus ausführliche Reisen und somit den autobiographischen Eindrücken, die er in „Kôshoku ichidai otoko“ niederschrieb. Ohne diese Verbesserung der Infrastruktur wäre das Reisen für ihn viel mühevoller gewesen.
Der Ursprung dieser neuen Kultur, die Japan isoliert von der restlichen Welt aufblühen ließ, lag in den Großstädten Ôsaka, Kyôto und Edo. Die chônin fanden in dieser Zeit zum ersten Mal die Mittel und die Muße sich für eine eigene Kultur, an der das Volk teilnahm, einzusetzen. Die Stadtbevölkerung lebte nun ihren Drang nach Freiheit und Ausfaltung mit großer Intensität aus; sie wollte sich von den Fesseln der konfuzianischen Feudalethik befreien. So war die Moral des feudalistisch organisierten Polizeistaates so hartherzig, dass sie zum Beispiel die zärtliche Verehrung eines Mannes für eine Frau als nichtwürdige Schwäche verdammte. In ihren neuen Stadtvierteln, „Orten der
1 Rittern
2 Großgrundbesitzer
3 Reiserouten
4 Unterkunftsstätte
Arbeit zitieren:
Britta Reiter, 2000, Kôshoku ichidai otoko - Ihara Saikaku, München, GRIN Verlag GmbH
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