Fernsehen. Und dies ist nicht nachvollziehbar. Denn ich finde, dass man seine Theorie ohne Zweifel auch bezüglich des Internets zum Beispiel problemlos hätte anwenden können. Im Nachhinein ist es nur in gewisser Eigenarbeit möglich, die Theorien, die Luhmann in seinem Buch aufgestellt hat, auf moderne Massenmedien, wie das Internet zu projizieren. Das Buch hat also auch für unsere heutige Gesellschaft noch einen überaus großen Wert. Die Sprache Luhmanns ist anfangs etwas verwirrend und auch teilweise schwer verständlich, da er in sehr komplexen Sätzen spricht und eine Seite eine ungemeine Dichte an Informationen enthält. Doch nach der Lektüre einiger Seiten, versteht man seinen Stil immer besser und seine Gedankengänge werden leichter verständlich und nachvollziehbar. Eine gewisse Einlesephase ist also von Vorteil. Hat man sich aber an seinen Stil gewöhnt klingen seine Folgerungen sehr einleuchtend und sinnstiftend. An manchen Stellen nutzt er zwar auf den ersten Anblick leicht verständliche Wörter, jedoch tut er dies in einem für diese Wörter ungewöhnlichen Zusammenhang, weshalb man sich erst selbst über die Bedeutung genauer Gedanken machen muss, um dann die Verwendung in dem bestimmten Zusammenhang verstehen zu können. Besonders hilfreich und auch ratsam ist die parallele Lektüre von „Luhmann leicht gemacht“.
Niklas Luhmann beweist mit diesem Buch vortrefflich seine eigene Untersuchungsmethode, der Erkenntnis durch Beobachtung und nicht durch Kritik. Mit diesem Buch liefert er eine umfassende Beobachtung der Massenmedien und hält diesen auch Erkenntnisse vor, mit denen die meisten Journalisten in dieser Form vielleicht nicht gerechnet hätten. Als eine der Kernaussagen gilt der Ausspruch, dass die Massenmedien die Realität nicht vorfinden und darüber berichten, sondern dass diese selbst die Realität, bewusst oder unbewusst konstruieren. Dieser Satz kann zur Sinnkrise mancher Journalisten führen und diese doch an der eigenen Arbeitsweise zweifeln lassen. Doch auch wir als Zuschauer müssen kritischer und vor allem auch selbstkritischer den Massenmedien gegenüber stehen. Ein aktuelles Beispiel ist die Ölkrise von BP am Golf von Mexiko. Möchten wir als Zuschauer wirklich die Wahrheit vor Augen geführt bekommen? Nämlich, dass es zu dieser Krise nur kam, weil wir als Verbraucher Öl benötigen und somit auch wir eine Teilschuld tragen? Ich denke der Mensch ist meist zufrieden mit den Bildern (seien es Archiv- oder Originalaufnahmen), die er von den Massenmedien geliefert bekommt. Es ist bequem für ihn im „Schema“, wie es Luhmann bezeichnen würde zu leben und somit schnell mit dem Thema wieder mangels Hilfsmöglichkeiten abschließen zu können. 2
Arbeit zitieren:
Anina Müller, 2010, Zu: Niklas Luhmann – Kritisches Essay über „Die Realität der Massenmedien", München, GRIN Verlag GmbH
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